Albert Schweiger

Der 1948 geborene Kaufmann Albert Schweiger gründete 1982 die A. Schweiger GmbH. Aus dem kleinen Großhandel für Elektrospezialartikel ist mittlerweile die Schweiger-Gruppe geworden, die mit vier Geschäftsfeldern als Zulieferer für den Maschinenbau zu den Marktführern gehört. Als geschäftsführender Gesellschafter ist er zwar immer noch im „Geschirr“ übergibt aber zügig die Geschäfte an seinen Sohn Dipl.-Ing. (FH) Dr. Christoph Schweiger. Albert Schweiger war nie nur Geschäftsmann, sondern engagierte sich auch immer im sozialen Bereich. Seit knapp 20 Jahren führt er einen Sportverein, war in der Lehrlingsausbildung aktiv und unterstützt zahlreiche Institutionen. Albert Schweiger ist Gründungsmitglied des Beirats der Wirtschaft (BdW) und dort Senator.

 

Nachhaltigkeit als Lebenseinstellung

Im Laufe meines Lebens habe ich viel erlebt; vieles das mich immer wieder zum Nachdenken gebracht hat, vieles das mich gefreut hat und vieles, das mich zufrieden gemacht hat.  Besonders beschäftigt haben mich immer menschliche Enttäuschungen. Aber auch Naturkatastrophen, insbesondere dann, wenn sie von Menschen verursacht wurden, haben mir immer wieder die Ohnmacht eines Einzelnen vor Augen geführt. Im Zusammenspiel mit meinen eigenen Fehlern habe ich für mich eine Lebensphilosophie entwickelt, die mich zufrieden macht und die ich versuche, auch an mein privates und geschäftliches Umfeld weiter zu geben.

Lese und höre ich Kommentare über Nachhaltigkeit, dann muss ich feststellen, dass schon in der Erklärung und Auslegung des Begriffs eine große Unsicherheit herrscht. Viele setzen Nachhaltigkeit mit Spendenbereitschaft gleich und hoffen, dass die beschenkten Institutionen dann das tun, was man vielleicht von ihnen selber erwarten könnte. Grundsätzlich ist das gut und anerkennenswert, im Sinne von Nachhaltigkeit aber nicht ausreichend.

Im Laufe meines geschäftlichen Lebens habe ich meine Aufgabe als Unternehmer immer auch darin gesehen, auch Verantwortung für meine Leute zu übernehmen.  Das beginnt bei der Einrichtung der Arbeitsplätze und geht bis zur Hilfe in finanziellen, familiären und gesundheitlichen Dingen. Die in den Schweiger Unternehmen praktizierte flache Hierarchie sucht seinesgleichen und so erklärt sich auch die geringe Fluktuation. Flache Hierarchie setzt auch Respekt und Geduld voraus. Dabei erlebt man immer wieder positive Überraschungen und viele Verbesserungsschläge stammen von Leuten, von denen man es „üblicherweise“ nicht erwartet. So ist es auch selbstverständlich, daß ich großen Wert auf Aus- und Weiterbildung lege. Bei Eignung und Interesse werden auch wertvolle Ausbildungen, z.B. Techniker, Betriebswirt, nach wie vor von der Firma übernommen. Der schonende Umgang mit Ressourcen, die vernünftige Einteilung der Fahrzeuge, die Wiederverwendung aller möglichen Materialien und das Sammeln von Abfall zur Wiederverwertung werden schon seit Jahrzehnten praktiziert. Im Zusammenspiel mit Nachhaltigkeit spielt auch die Zufriedenheit eine große Rolle. Unternehmen die kein Geld verdienen sind zum Scheitern verurteilt. Unternehmen die aber nur auf Profitsteigerung aus sind, auch die haben nur eine beschränkte Zukunft.

Den auf den eigenen Markt konzentrierten Horizont muss man erweitern. Das kann man nur, wenn man sich über die unternehmerische Tätigkeit hinaus engagiert. Der Sport hat mir in jungen Jahren sehr viel gegeben. Er hat mir ein großes Maß an Disziplin beigebracht, er hat mich gelehrt, mit Gemeinschaften außerhalb der Schule und des Geschäfts umzugehen und der Sport hat mich körperlich und geistig belastbar gemacht. Dem Sport habe ich zu verdanken, dass ich eine schwere Krankheit fast rückstandsfrei überstanden habe. So engagiere ich mich seit mehr als 30 Jahren in einem Sportverein und versuche, die Werte zu vermitteln, die mir in meinem Leben so geholfen haben. Und es hat den Anschein, als ob es auch mit der Smartphone und Facebook-Generation funktionieren würde. Insbesondere junge Leute engagieren sich in diesem Verein, organisieren Turniere und andere Veranstaltungen, helfen bei allen möglichen Anlässen und sind dankbar, wenn sie auch einmal „reden“ können. Das macht mich stolz.

Aber auch innerhalb der Familie sollte Nachhaltigkeit ein Thema sein. Damit ist nicht nur das Müll trennen gemeint, sondern auch das Vorleben den Kindern und Enkelkindern gegenüber. Niemand ist frei von Schwächen, aber das, was für mich im Geschäft und Sportverein gilt, das gilt natürlich ganz besonders und vor allem in der Familie. Neben Zeit, ernst nehmen und reden kommt hier auch die Natur, das Wecken von Interesse und die besondere Förderung von Talent dazu. Alles in allem bin ich zufrieden mit meiner Nachhaltigkeit und der in meinem Umfeld. Trotzdem erkenne ich tagtäglich die Ohnmacht meines kleinen Fleckens in der Gesellschaft gegenüber dem was in der Welt so los ist. Mangelnder Respekt gegenüber Mitmenschen und der Leistung anderer, übertriebenes Streben nach Anerkennung, Machtgier, gesellschaftliche Lügnerei und das ständige Streben nach mehr Scheinen als Sein stimmt mich immer nachdenklich.

Trotzdem muss man anerkennen, dass vielfach ein Umdenken stattfindet, dass der Umwelt mehr Beachtung geschenkt wird und die Ellenbogen immer weniger gebraucht werden.

So hoffe ich zumindest.