Almut Kaupp

Almut Thea Kaupp ist Diplom-Exportökonomin und Inhaberin der csr factory, eine Agentur für ethisches Marketing und Nachhaltigkeit. Hier werden Wirtschaftsunternehmen mit NGOs mittels eines gezielten CSR-Managements nachhaltig verbunden.

Almut Kaupp sammelte zahlreiche Erfahrung in internationalen Wirt-schaftsunternehmen  und war lange ehrenamtlich für die UNICEF tätig. Sie spezialisierte sich zunächst auf das Exportgeschäft. Im späteren Studium erweiterte sie ihr Know-How im "Internationalen Marketing".

Sie evaluierte Marketingstrategien, die sie erfolgreich umsetzte, führte Marktanalysen durch und leitete Corporate-Identity-Projekte.  Zudem war sie verantwortlich für die Umsetzung von Unternehmensleitlinien und Brandingstrategien bis in die einzelnen Abteilungen.

2015 arbeitete Almut Kaupp für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Für die UNICEF engagiert sie sich in der Öffentlichkeitsar-beit der Region und arbeitet an Fundraisingprojekten. Ihr Ziel ist, den Stellenwert von NGOs zu vergrößern und deren Einfluss und Mitsprache bei gesellschaftlichen Themen zu stärken.

 

Interview mit Almut Thea Kaupp

Welche Ziele, welche Vision verfolgen Sie mit der csr factory?

Viele Unternehmen verfolgen durchaus einen nachhaltigen Ansatz und sind bereits in ihrem Umfeld gesellschaftlich engagiert. Sie sind sich der Wirkung dessen aber kaum bewusst. Dadurch fehlt die nötige Kommuni-kation. Diese ist jedoch notwendig, um den nachhaltigen Gedanken langfristig in die Gesellschaft  zu transportieren und auch als Wegweiser für andere Unternehmen zu dienen.

Ich möchte Unternehmen für ein nachhaltiges Bewusstsein sensibilisie-ren, Handlungsparameter aufdecken und in der Unternehmensphiloso-phie verankern. So dass das verantwortliche Handeln mehr Bedeutung erlangt. Dies wird dann auch mit entsprechenden kommunikativen Maß-nahmen untermauert.

Des weiteren ist mir durch mein Engagement für die UNICEF die huma-nitäre Hilfe sehr ans Herz gewachsen. Ich sehe in meinem Umfeld viele NGOs mit wundervollen Projekten, die aber leider nur im unteren Level agieren. Mit entsprechender marketingtechnischer Unterstützung möchte ich das Image und die Bekanntheit dieser NGOs anheben, so dass diese das Standing haben, Kooperationen mit Unternehmen einzugehen. Auch im Hinblick darauf, dass ja beide Bereiche voneinander lernen.

Was hat Sie dazu bewegt die csr factory zu gründen?

Sehen Sie sich einen Baum an: Er zieht Nahrung aus der Erde und gibt ihr im Herbst, wenn die Blätter fallen, Nährstoffe wieder zurück. Wir nehmen heute Ressourcen von der Erde, geben ihr aber nichts zurück. Dies sollte jedoch zu einer Selbstverständlichkeit werden. Überall dort, wo Ressourcen benötigt werden - gleich welcher Art, ob in der Natur, bei Mensch oder Gesellschaft -, ist es wichtig, dass auch am  Erhalt dieser Ressourcen gearbeitet wird. Ja, dies in den Leitlinien eines Unternehmens / einer Organisation zu verankern.

Ich bin mit dem Respekt und der Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt groß geworden. Sehe jedoch, dass heute Unternehmen exploi-tieren für ihre wirtschaftlichen Zwecke, und NGOs weitestgehend die Wiederaufbauarbeit leisten - sprich die Verantwortlichkeit für die Res-sourcen ist zweigeteilt. Ein gegenseitiges Verständnis ist nicht gegeben. Dem möchte ich durch Kooperationen und Aufklärungsarbeit begegnen und beide Bereiche miteinander verbinden.

Wo sehen Sie Handlungsfelder für Unternehmen und Organisationen?

Zum einen sehe ich die Notwendigkeit, Ressourcen schonend zu arbei-ten. Daran geht kein Weg mehr vorbei. Zum anderen bemerke ich mit Freude, dass die nächste Generation in dieser Thematik schon viel wei-ter sensibilisiert ist. Dementsprechend werden Kaufentscheidungen durch den Trend zur "Neo-Ökologie" bewusst vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit gefällt.

Es ist wichtig, dass sich auch Unternehmen auf diese Gesinnung einstellen und dies nicht nur im B2C-Bereich sondern auch fortlaufend im B2B. Informationen rauschen dank der Digitalisierung schnell über den Globus und dort wird auch zunehmend die gesamte Wertschöpfungskette in Betracht gezogen. Daher gilt es auch, grund-sätzlich einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen.

Wir bemerken zudem, dass das Denken in rein monetären Strukturen dauerhaft nicht dem Wohl des Unternehmens und der Gesellschaft als Ganzes zu Gute kommt. Die Menschen sind trotz des hiesigen hohen Lebensstandards mehr und mehr unzufrieden. Daher gilt es, Arbeit at-traktiver zu machen. Die Trennung zwischen Privatem und Beruf aufzu-lösen und den Beruf wieder zur Berufung zu machen. Dies ist erreichbar durch mehr Familienfreundlichkeit, durch eine gute Gesundheitsförde-rung, ja vielleicht sogar durch eine Auflösung der bis dato herrschenden Arbeitszeitstrukturen.

Zu hoher bürokratischer Aufwand und prozessorientierte Kontrollmecha-nismen hemmen zudem die Kreativität und das Innovationsdenken. Der Arbeitnehmer fühlt sich folglich mehr als reagierender, denn als agierende Mitarbeiter. Arbeitnehmer möchten Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und sollten auch Fehler machen dürfen, damit sie daraus lernen können. Ich denke, Vertrauen ist vielerorts besser als hoch ausgefeilte Kontrollemechanismen.

Eine weitere Chance sehe ich auch in der Integration der Flüchtlinge in unsere Gesellschaft. Dies führt bereits heute zu einer stärkeren Vernet-zung von Unternehmen und Organisation, da sie uns vor neue Heraus-forderungen stellt, die wir im Alleingang nicht bewältigen. Die Zuwande-rung animiert uns zeitgleich zum Andersdenken und verleiht uns mehr Diversität in unseren Strukturen. Das ist definitiv ein Zugewinn - ein Social Profit.

Wo sehen Sie die nachhaltige Verantwortung unserer Gesellschaft?

Meine Kindheit verbrachte ich in einem Mehrgenerationenhaushalt mit starker Einbindung in die dörflichen Strukturen. Das hatte eine ganz ei-gene Lebensqualität. Heute nehme ich eine zunehmende Entfremdung der Menschen untereinander war. Andersartigkeit wird nahezu verurteilt. Wir sperren die "Anderen" weg in Seniorenheimen, Schwererziehbaren-Schulen, Behindertenheimen, Flüchtlingsheimen und Hochbegabten-Internaten, anstatt sie zu integrieren und als Teil der Gesellschaft wahr zu nehmen. Unsere Kinder spüren das und sind auf der Suche, nach etwas, was sie nie kennen gelernt haben.

Unsere derzeitigen gesellschaftlichen und auch arbeitsspezifischen Strukturen haben uns an diesen Punkt geführt. Daher kann uns nur ein ganzheitlich integratives Denken in neuen Strukturen und das Bewusst-sein für die gegenseitige Abhängigkeit von allem, aus dieser Entfrem-dung heraus bringen. Wir dürfen wieder mehr aufeinander zugehen.

Was motiviert Sie, den Bereich CSR zu Ihrem Steckenpferd zu machen?

Als Mutter ist es mir wichtig, den Weg für die nächste Generation zu bahnen. Langfristig zu denken und über den eigenen Horizont hinaus Verantwortung zu übernehmen, ist unabdingbar geworden.

Zudem sollten wir uns den natürlichen Gegebenheiten anpassen und sie so nutzen, wie sie vorhanden sind, entsprechend dem, was sie uns geben können, sei es als Arbeitskraft oder als natürliche Ressource und uns loslösen vom permanenten Optimierungsgedanken.
So können wir neue andere Wert schaffen.

Juli 2016