Andrea Kolb

Andrea Kolb, Jahrgang 1970, studierte Wirtschaftswissenschaften und Kulturmanagement. Sie ist eine erfahrene Marketing-Expertin, Storyteller und Social Entrepreneur. Nach Stationen in Agenturen im In- und Ausland, wurde sie 1999 in das Management-Team des Laureus World Sport Awards in London berufen. Nach der erfolgreichen Umsetzung des Events im Jahr 2000 in Monaco zog sie nach München und gründete dort 2001 die Kommunikationsagentur „Calliope – Inspiring Brand Communication“. Sie konzipiert und implementiert Marketing- und Kommunikationsprojekte für Unternehmen wie Deutsche Bank, o2 Deutschland, DEDON, etc. Seit 2006 sitzt die Agentur in Berlin. 2007 ging Andrea Kolb mit ihrem Mann nach Marrakesch und eröffnete mit ihm einen von ihnen restaurierten Stadtpalast, das „AnaYela - A Place of Inspiration", das bereits 4 World Hotel Awards erhielt. 2011 startet sie ihr Social Fashion Business ABURY Collection GmbH. ABURY bringt junge Designer mit Mastercraftsmen- und women aus aller Welt zusammen, um neue, einzigartige Kollektionen entstehen zu lassen. Über die ABURY Foundation werden mit Teilen des Profits und Spenden zusätzlich Bildungs- und Communityprojekte initiiert. Ausserdem ist sie Mitgründerin des Kreativ-Netzwerks 2bd1.org für common good und social profit.

Weitere Informationen:
www.andreakolb.de
www.abury.net

 

Sozial und sexy?

Eine Geschichte über soziales Engagement und Vorurteile, über Nachhaltigkeit und Marketing, über Werte und Neugier

Warum darf „sozial“ nicht auch sexy und luxuriös sein? Warum haben wir im Bereich Social Business so viel Angst vor „gutem“ Marketing, PR und Kommunikation? Warum denken wir, dass Menschen, die Wert auf ihr Äußeres legen und dafür Geld ausgeben, oberflächlich sein müssen? „Social“ und „business“ müssen mitnichten konträr sein – die beiden Bereiche ergänzen sich sogar hervorragend!

Vor noch nicht allzu langer Zeit trafen mit den Worten „Social“ und „Business“ zwei Welten aufeinander, die bis dahin von außen betrachtet, nicht viel miteinander gemein hatten – geschweige denn, sich gegenseitig verstanden - man könnte sogar auf die Idee kommen, „Social Business“ sei in unserer Welt ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich.

Erst durch die Vergabe des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus im Jahr 2006 wurde „Social Business“ zum Tischgespräch. Plötzlich war es in aller Munde, „Social Entrepreneurship“, Social Impact Business“, etc. – Möglichkeiten, die Wirtschaft zu revolutionieren und damit durch „gutes Wirtschaften“ die Welt nachhaltig positiv zu verändern. Ein Ansatz, der vielen einleuchtet und zu vielen neuen, wunderbaren Start-ups geführt hat. Nur führen viele dieser Unternehmen immer noch ein Schatten-Dasein. Sie sind nur einer kleinen Gruppe bekannt, die sich bereits für das Thema interessieren.

In unseren Köpfen hat sich über Jahrzehnte festgesetzt, dass „Gutes tun“ nur Gutes ist, wenn es freiwillig und ohne Entlohnung – non profit – getan wird, denn sobald man dafür bezahlt wird oder noch schlimmer, tatsächlich Gewinne macht, macht man es ja nicht mehr, um etwas „Gutes“ zu tun, sondern rein wegen des Geldes. Und damit ist dann alles nicht mehr gut, d.h. ob etwas gut ist oder nicht, wird oft an die ursprünglich selbstlose Absicht der Handelnden geknüpft – und nicht an das Resultat!

Vorbehalte gegenüber allen Mechanismen, die den klassischen Marktmechanismus steuern, sind fest im Bewusstsein verankert.

Marketing und PR: Instrumente der dunklen Seite der Macht?

Marketing und PR sind Instrumente aus dieser Welt der Profitmaximierung – der Welt des Kapitalismus – der Manipulation des Konsumenten, um ihn auf hinterlistige Art und Weise dazu zu bringen, Produkte zu kaufen, die er gar nicht will. Und es ist noch schlimmer – Marketing und Werbung nutzen dabei auch noch ganz billige psychologische Tricks, wie z.B. schöne Frauen oder Prominente (Menschen, denen wir vertrauen), die uns eine Welt vorgaukeln, die es gar nicht gibt.

Doch, muss man in unserer Zeit nicht an den aufgeklärten Menschen appellieren und „Sapere aude“ rufen – „Wage es, Dich Deines Verstandes zu bedienen.“ Sei neugierig und offen!

Menschen wollen verführt werden (und das ist kein Vorurteil ) – denn natürlich macht es sehr viel mehr Spaß, etwas zu kaufen, das schön und verführerisch dargeboten wird, das eine Geschichte erzählt, die mich fasziniert und verzaubert. Eine Geschichte, die durch den Kauf MEINE Geschichte wird, die ich weitererzählen kann und ich damit Teil einer ganzen Welt werde. Der Aufbau eines stringenten Storytellings ist die Basis jeder Kommunikation.

Ethics ist kein USP – die reine Argumentation „wir sind doch gut“, ein sozialer oder ökologischer Mehrwert, reichen nicht als Verkaufsargument – jedenfalls meist nicht.

Ziel jedes Unternehmens ist es, langfristig am Markt Erfolg zu haben. Denn nur dann können auch nachhaltig Dinge verändert werden! Dazu muss man aber eine Marke aufbauen – kontinuierlich und konsequent. Der Aufbau einer Marke, deren Kommunikation und Marketing, kann und sollte bei einer social brand nicht viel anders als bei einer consumer brand sein - der professionelle Aufbau der Marke, Markenkern, Vision, Mission, Strategie etc. sind hier genau so wichtig für den langfristigen Erfolg – und damit für die Nachhaltigkeit des Unternehmens. Das Gleiche gilt für Marketing und Kommunikation - vielleicht muss man hier als social business sogar noch ein bisschen kreativer sein, da die Budgets nicht für Werbung ausgegeben werden wollen, sondern für den guten Unternehmenszweck. Das ist heute in den Zeiten von Social Media aber auch wesentlich einfacher, als noch vor 10 Jahren. Kreativität ist nicht abhängig vom Budget.

Oft kommt dann das Argument „wir wollen mit unserem Inhalt und nicht mit Äußerlichkeiten überzeugen“ – aber warum nicht den tollen Inhalt ansprechend und gut erzählt verpacken? Warum nicht den Markt mit seinen eigenen Waffen schlagen und Medien nutzen und damit auch die Vorurteile entkräften und überwinden?

Es muss darum gehen, soziale und ökologische Themen für die Masse interessant und verdaulich zu verpacken. Wenn man es schafft, mit spannenden Geschichten, die nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommen, sondern zeigen, dass soziale und ökologische Themen Spaß machen können, dann kann man Hemmschwellen und Vorurteile auf der anderen Seite abbauen und BEGEISTERN.

Und die Zeit ist reif. Immer mehr Menschen suchen nach dem Sinn im Leben, möchten nachhaltiger leben und sich engagieren. Wir können ihnen attraktive Angebote machen – oder sie mit langweiligen Texten und Bildern abschrecken.

Auch Social Businesses brauchen Brands!

Eine  Marke aufbauen bedeutet Wert schaffen – und damit unterstützt dies auch das Ziel der Nachhaltigkeit. Ich kaufe eine Hermes Tasche, weil ich z.B. der Marke vertraue, weil sie für bestimmte Werte steht, weil sie ein Symbol ist, für ein bestimmtes Lebensgefühl steht und für Qualität. Dafür ist der Konsument auch bereit, einen entsprechenden Preis zu zahlen. Über den Aufbau einer Marke kann ich also langfristig einen zusätzlichen Wert aufbauen.

Und warum sollte eine „soziale Marke“ nicht genau so viel „wert“ sein, wie eine normale? Sollte sie nicht eigentlich „wertvoller“ sein?

Und sieht man sich den oben genannten Vorurteilen ausgesetzt, kann man diese durch Transparenz und ehrliche Kommunikation ziemlich schnell außer Kraft setzen. Denn, wenn man nichts zu verstecken hat, kann man auch offen kommunizieren.

Es geht jetzt darum, diejenigen neugierig zu machen, zu öffnen und zu überzeugen, die sich bisher mit den Themen noch nicht so beschäftigt haben! Das schaffen wir aber nur, wenn wir positive und starke Geschichten erzählen, von deren Leidenschaft man sich gerne anstecken lässt und die nicht überzeugen müssen, es aber mit Leichtigkeit tun.