Andreas Koch

Andreas Koch war Umweltbeauftragter und Leiter der Hotelberatung und Produktentwicklung der TUI Deutschland und ist Mitbegründer der größten deutschsprachigen Touristischen Nachhaltigkeitsinitiative Futouris. Mit seiner Firma blueContec berät er Hotels, Regionen und Tourismusunternehmen dabei, sich auf das Thema Nachhaltigkeit auszurichten.

Gemeinsam hat er mit Torsten Merker bereits über 250 Hotels dabei geholfen, Energiekosten zu sparen und nachhaltiger zu werden. Seit 2014 begleiten sie das dreijährige Modellvorhaben zur Energieoptimierung von Hotels und Herbergen der Deutschen Energie Agentur.

FAIRreisen: So umweltbewusst sind Lebensunternehmer heute unterwegs

Gemeinsam mit dem hotelerfahrenen Ingenieur Torsten Merker bricht Andreas Koch einmal im Jahr eine Woche zu einer Radtour zu Hotels einer Region auf - mit dem Angebot eines Kurzenergie- und Nachhaltigkeitschecks gegen Kost und Logis. In diesen Tagen ist er von seiner Energiecheckradtour zurückgekommen.

Interview mit Andreas Koch

Herr Koch, was ist der Grund für Ihren ungewöhnlichen Aufbruch?

Es ist für uns motivierend, buchstäblich bewegend, ehrenamtlich einen Beitrag zur Verbesserung der Umweltperformance von Hotels zu leisten, die u.a. Schaufenster der Zukunftsfähigkeit sind, denn sie verbinden Menschen verschiedener Regionen und Kulturen und machen Nachhaltigkeit greifbar und erlebbar für die Kunden und Touristen.

Wie kam es zu dieser Idee?

Wir haben gemerkt, dass es fast bei jedem unserer Kunden in der Hotelbranche Einsparoptionen gibt, die auch ohne Investitionen oder mit schneller Amortisierung (ein bis zwei Jahre) umzusetzen sind. Gleichzeitig sind die Hoteliers sehr im eigenen Tagesgeschäft eingespannt und achten selten auf die Energie- und Wasserkosten, obwohl diese mittlerweile neben Wareneinsatz und Personalkosten den drittgrößten Kostenblock  verursachen und etwa fünf bis acht Prozent des Umsatzes ausmachen.

Haben Sie eine Vision?

Ja, wir wollen “Teil der Veränderung sein, die wir uns für diese Welt wünschen”. So haben wir unsere Berufung und unsere bevorzugte nachhaltige Mobilitätsweise (Radfahren) zu einer ehrenamtlichen Woche im Namen der Umwelt und anlässlich des UN-Weltumwelttages verbunden.

Wer war dieses Jahr war Partner der Tour?

Das Tourismus-Cluster Schleswig-Holstein, wo gerade selbst eine Strategie zum Thema nachhaltiger Tourismus entwickelt wird. Wir unterstützen das Land Schleswig-Holstein bei der Umsetzung der nachhaltigen Tourismusstrategie. So kam die Idee auf, dieses Jahr die Radtour durch Schleswig-Holstein zu machen und somit die lokalen Herausforderungenund Akteure kennen zu lernen. Darauf aufbauend soll nun ein Vorgehen entwickelt werden, wie wir möglichst viele Beherbergungsbetriebe mit dem Thema Nachhaltigkeit erreichen können. 

Wohin führte die Route?

Die Radtour führte von Husum, über St. Peter Ording nach Büsum und dann entlang des Nordostseekanals nach Rendsburg, Schleswig und Kappeln. Somit konnten wir Hotels an der Nordsee und Ostsee sowie im Binnenland besuchen, die unterschiedliche Herausforderungen haben. An der Ostsee war eines der nachhaltigsten Unterkunftsbetriebe Deutschland, das Fairhaus Janbeck dabei, das nicht nur nahezu energieautark (natürlich regenerativ!) ist, sondern auch Vorreiter für das Thema regionale Produkte, Elekromobilität und innovative Abwasserklärung. Es erhielt den 2. Preis des Fairwärts Ideenwettbewerbs 2016.

Wie sah Ihr Tagesablauf aus, und was haben Sie vor Ort konkret bewirken können?

Auf der Tour haben wir fünf Hotels geholfen, ihre Energie- und Wasserkosten zu senken und sich nachhaltiger auszurichten. Die Anreise erfolgte nachmittags oder abends. Dann folgten das erste Gespräch mit dem Management. Bei allen Teilnehmern haben wir zunächst eine Analyse durchgeführt, wieviel Energie- und Wasserverbrauch sie im Vergleich zu zu anderen Hotels der gleichen Kategorie haben. Wenn dies ein Einsparpotential theoretisch aufgezeigt hat (was bei 4 von 5 der Fall war) sind wir mit dem Techniker und dem verantwortlichen Personal durchs Hotel gegangen und haben vor allem Maßnahmen identifiziert mit schneller Amortisierung bzw. ohne Investitionen.

 Was heißt das in Zahlen?

Diese lagen in Summe bei 30 T EUR, d.h. durchschnittlich bei 7,5 T EUR je Betrieb. Prozentual konnten wir Einsparungen von 9 bis 20 Prozent der aktuellen Energiekosten identifizieren mit Amortisationszeit bis zu einem Jahr.

Ihr Fazit?

Auch diese Tour hat wieder gezeigt, dass es sich lohnt, in eine genauere Betrachtung und ein professionelles Energieaudit bzw. -beratung zu investieren, sofern die Energie- und Wasserkosten über 10.000 EUR/Jahr liegen. Dann ist gewährleistet, dass sich die Kosten in den meisten Fällen innerhalb eines Jahres amortisieren. Eine Energieaudit dieser Art ist derzeit mit 80 Prozent  der Energieberaterkosten durch die Bundesregierung gefördert - sofern es sich um einen wirtschaftlichen (nicht gemeinnützigen) KMU-Betrieb handelt, d.h. nicht mehr als 249 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder eine Bilanzsumme von maximal 43 Millionen Euro. Darüber hinaus ist für größere Betriebe der Aufbau eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems sinnvoll, da dies nicht nur die Kosten reduziert, sondern auch die Mitarbeiterloyalität und die Kundenbindung steigert.

Häufig finden wir viele Maßnahmen, wie man Kosten sparen kann ohne Investitionen, wobei sich viele Hoteliers auf die klassischen Technikinvestitionen fokussieren und weniger auf den effizienten Betrieb bzw. die Mitarbeitersensibilisierung. Deshalb geben wir nicht nur Empfehlungen zur Effizienzsteigerung und nachhaltigeren Maßnahmen, sondern stoßen bei den Hotels auch die Diskussion an, ob sie nicht stärker ihre Mitarbeiter einbinden wollen.

 Weshalb ist Ihnen dieser Aspekt so wichtig?

Das spart erfahrungsgemäß ca. fünf Prozent und bindet Mitarbeiter und Kunden, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, stärker an das Hotel. Es ist also ein sinnvoller Teil des Kundenbeziehungsmanagements.

Stand. September 2016

Wer Antworten auf Fragen zum Thema nachhaltiger Tourismus sucht, wird im Handbuch „FAIRreisen“ fündig: Infokästen, Checklisten und ein ausführlicher Serviceteil informieren über  seriöse Tourismussiegel, die CO2-Kompensation der Reise oder ökologisch und fair produzierte Kleidung. Zudem wird mit der Mähr aufgeräumt, dass Pauschaltouristen per se „schlechtere Touristen“ sind.
Frank Herrmann: FAIRreisen. Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen.  oekom verlag München, 2016.