Antje von Dewitz

Dr. Antje von Dewitz ist Geschäftsführerin des Outdoor-Unternehmens VAUDE in Tettnang, das funktionelle Produkte für Berg- und Bike-Sport bietet. 2009 hat sie die Geschäftsführung von ihrem Vater Albrecht von Dewitz übernommen, der bereits den Grundstein für die ökologische und soziale  Verantwortung des Unternehmens legte. Dr. Antje von Dewitz verwirklicht eine konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Strategie für das Familienunternehmen. So hat sich VAUDE das  Ziel gesetzt, bis 2015 Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster zu werden – objektiv und messbar. Auf diesem Weg hat VAUDE bereits ein großes Stück zurückgelegt. Seit 2012 ist der Firmenstandort Tettnang und alle dort hergestellten Produkte klimaneutral. VAUDE arbeitet intensiv daran, die gesamte Produktpalette Schritt für Schritt umweltfreundlich herzustellen, bspw. durch den ökologischen Produktionsstandard bluesign. 2010 wurde die firmeneigene „Green Shape“-Garantie für umweltfreundliche und ressourcenschonende Produkte eingeführt. Dr. Antje von Dewitz legt großen Wert auf Transparenz und lässt das Unternehmen in allen Bereichen objektiv prüfen. So wird bei VAUDE seit Jahren ein Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Auch bei der Unterzeichnung des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes war VAUDE unter den Vorreitern der deutschen Wirtschaft. Derzeit arbeitet das Unternehmen an der Berichterstellung für die Global Reporting Initiative als auch für die Gemeinwohlökonomie-Bilanz.

Weitere Informationen:
www.vaude.com

 

Nachhaltigkeit und Wirtschaft – kein Widerspruch

Etwas bewegen! Das war schon immer mein Wunsch. Es ist meine innere Grundhaltung und mein Antrieb, einen positiven Beitrag zu einer lebenswerteren Welt zu leisten. Das wollte ich auch im Beruf verwirklichen. Entsprechend leistete ich während meines Studiums Praktika in Nichtregierungsorganisationen und bei großen Medien. Doch dann wurde mir klar, dass gerade die Wirtschaft hier ein enormes Handlungspotenzial bietet. Und dass ich als Unternehmerin große Gestaltungsspielräume habe, um Dinge zu verändern, zu verbessern. Sei es bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter am Standort oder in den Produktionsbetrieben, der ökologischen Herstellung der Produkte, der nachhaltigen Unternehmensführung etc. Diese für mich damals überraschende Erkenntnis hat mich in der Entscheidung bestärkt, die Nachfolge meines Vaters in der Geschäftsführung anzutreten.

Heute motiviert es mich zusätzlich, mit  meinem Team unter Beweis zu stellen, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur sinnvoller, sondern auch erfolgreich ist. Ebenso motiviert mich mein Engagement im Hinblick auf meine Kinder. Angesichts der immensen globalen Herausforderungen, vor denen wir stehen, möchte ich ihnen Vorbild sein und zeigen, dass man sinnvoll Verantwortung übernehmen kann und ich das, als ihre Mutter, auch tue.

Verantwortung von innen heraus

Mein Verantwortungsbewusstsein für Natur und Mensch kommt von innen heraus. Das gilt auch für die meisten meiner Kollegen. Wir sind ein Team von    Naturliebhabern, beflügelt von dem Ziel zu bewahren, was wir lieben. Deshalb fühlen wir uns verantwortlich, wenn unsere Produktion Probleme für die Umwelt verursacht, auch wenn es sich dabei um globale Aspekte wie Ressourcenverbrauch oder Klimawandel handelt. Oder um übergreifende Themen, die unsere ganze Branche betreffen – wir fühlen uns verantwortlich und suchen nach Lösungen. Dabei stehen wir vor großen Herausforderungen. So sind entsprechende umweltfreundliche Lösungen, sprich Materialien oder Technologien, am Markt oft noch nicht vorhanden. Unsere Fachhändler sind sich umweltbelastender Stoffe häufig nicht bewusst und fragen daher auch nicht nach ökologischen Alternativen. Unsere Kunden sind nicht unbedingt bereit, einen höheren Preis für ein umweltfreundliches Produkt zu bezahlen. Hier sehen wir uns in der Verantwortung, Bewusstsein zu schaffen, sowohl für die Problematik als auch für mögliche Lösungen. Damit holen wir uns auch Rückenwind, um innovative, ökologische Entwicklungen für die ganze Branche voranzubringen. So setzen wir uns bewusst dafür ein, Hintergrundwissen zu vermitteln, sowohl an die Fachhändler, als auch an die Konsumenten. Dazu zählen Verkäuferschulungen im Fachhandel zum Thema Nachhaltigkeit, Umweltzonen in den Sport- und Outdoorgeschäften, Informationsmaterial für die Endkunden.

Ganzheitlicher Blick auf Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, das Unternehmen in einem ökonomischen, sozialen und ökologischen Gleichgewicht zu führen. Ökologische und soziale Aspekte spielen bei VAUDE schon seit vielen Jahren eine Rolle, den Grundstein dafür hat bereits mein Vater Albrecht von Dewitz gelegt. Doch erst seit wir eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, die alle Unternehmensbereiche einbezieht, kommen wir im Ganzen voran. Unsere Strategie umfasst zum einen den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte,  zum anderen aber auch alle Entscheidungen am Unternehmensstandort.

Integrativer Ansatz

Mit einer solch umfassenden Strategie ist ein großer Veränderungsprozess verbunden. Auch hier ist es maßgeblich, Bewusstsein zu schaffen, bei den Entscheidern und Mitarbeitern, als auch bei den Geschäftspartnern und Kunden. In unserem Unternehmen fördern wir eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Das bedeutet, dass wir uns bei allen Entscheidungen den sozialen und ökologischen Folgen stellen. Nach unserer Erfahrung werden Entscheidungen oft aus einem Mechanismus heraus gefällt, der auf die ökonomische Vorteilhaftigkeit ausgerichtet ist. Erst wenn man sich Zeit nimmt, die Konsequenzen des eigenen Handelns zu betrachten, beginnt man, Entscheidungen auf der Basis eines größeren Bewusstseinshorizonts zu fällen. Ebenso sehen wir es als unsere Verantwortung, Kunden und Geschäftspartner zu sensibilisieren und zu informieren. Auf diese Weise möchten wir aktiv zur Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft beitragen.

Es ist die Aufgabe jedes Unternehmens, sich der Folgen des Handelns auf die Natur und die Gesellschaft bewusst zu sein. Wir müssen uns alle dafür einsetzen, unseren ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Wir sind auch dafür verantwortlich, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen entspannt arbeiten und ihre beruflichen als auch privaten Bedürfnisse vereinbaren können. Ziel muss sein, als Unternehmen einen Beitrag zu einer sauberen, gesunden und gerechten Welt zu leisten. Dafür muss sich jedes Unternehmen für die Folgen seines unternehmerischen Handelns verantwortlich zeigen. Gerne möchte ich beweisen, dass eine umweltfreundliche Unternehmensführung erfolgreich sein kann und damit zur Glaubwürdigkeit in der Wirtschaft beitragen.