Arianna Nicoletti

Arianna Nicoletti ist Modedesignerin. Sie beschäftigt sich mit dem Konzept des Upcycling seit 2009, als sie in London im Design-Studio des bekannten Labels „From Somewhere“ gearbeitet hat. Fasziniert von den vielfältigen Design-Möglichkeiten, die aus der Verwendung von Upcycling Materialien entstehen vom Aspekt der Abfall-Reduzierung, hat Arianna mit drei Kollegen (Carina, Jonathan und Luise) im Frühjahr 2010 das Upcycling Label „aluc“ in Berlin gegründet.

Das Ziel von Arianna und ihrem Team war von Anfang an die Verbreitung des Upcycling- Konzeptes in Deutschland. Mit diesem Vorsatz haben die Vier viele Projekte gestarted. 2011 haben sie den ersten deutschen Blog über Upcycling Fashion (www.upcycling-fashion.de) gegründet und im selben Jahr den ersten Concept Store für Upcycling-Mode eröffnet: „The Upcycling Fashion Store“ in Berlin Mitte. Kurz nach der Eröffnung des Ladens hat das Team den monatlichen „Strich&Faden Modestammtisch Berlin“ initiiert, der sich in kurzer Zeit als Netzwerktreffen etabliert hat und aus dem ein EU Projekt entstanden ist.

Arianna hat 2012 in Kooperation mit der Berliner Stadtmission das Projekt „Water to Wine – Material Pool“ ins Leben gerufen. Dadurch wird nationalen und internationalen Designern eine Quelle von Upcycling-Textilien bereitgestellt.
Des Weiteren ist sie seit 2014 auch ein Gründungsmitglied des Fashion Revolution Germany e.V.´s.

In ihrer Arbeitet und den Projekten kombiniert sie stets Aktivismus mit weiteren vielfältigen Tätigkeiten: Design, Kommunikation, Vorträge, Beratung und Management.

Weitere Informationen:

www.startnext.de/aluc
www.upcycling-fashion.de
www.aluc.eu

 

Startnext

Den nächsten großen Schritt in Richtung Fashion Future will das Berliner Upcycling-Label Aluc gehen. Mit Hilfe eines Crowdfunding-Projektes auf der Online-Plattform Startnext bitten die vier jungen Inhaber nun um Eure Hilfe und Unterstützung.

Der Plan: Nach vier Jahren hat sich Aluc als Modelabel etabliert und sich mit seinem visionären Upcycling Fashion Store in der Anklamer Straße zudem auch international einen Namen gemacht. Nun heißt es Platz zu schaffen für die zukünftige Expansion. Ein größeres Lager für die vielen Stoffreste muss her, aus denen die Berliner ihre einzigartigen Hemden und Blusen fertigen. Außerdem will man den gesamten Produktionszyklus noch effizienter gestalten und Webereien in ganz Europa nach Restware durchforsten. Ziel ist es, mindestens 15.000 Euro einzusammeln, um die anstehenden wichtigsten Produktionsschritte finanzieren zu können. Durch die Unterstützung der Investoren soll außerdem die Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen und Behindertenwerkstätten perfektioniert werden, die bei Aluc seit dem Gründungsjahr 2010 ohnehin ein wichtiger Faktor ist. Das Investitions-Prinzip ist denkbar einfach und geht bei nur 1,00 € los; dafür gibt’s von Aluc auf Eurem facebook-Profil ein „Facebook Kiss“. Weiter geht’s mit 10,00 € und einer Handytasche als Belohnung, für 29,00 € winkt schon ein handgemachter Geldbeutel, für 85,00 € ein zweifarbiges Herrenhemd etc.

Das Aluc-Team will mit seinem interessanten Upcycling-Konzept beweisen, dass schicke und bezahlbare Mode möglich ist – auch ohne industrielle Massenproduktion. Das persönliche USP der Berliner ist der abnehmbare und austauschbare Kragen, der einem einzigen Hemd verschiedene Looks gewährt, je nach Laune und Anlass.
Verwendet werden dafür ausschließlich Stoffe, die ansonsten auf der Müllhalde gelandet wären. Denn: „Warum sollen wir für unsere Kollektionen neue Stoffe produzieren lassen, solange riesige Mengen von ungenutzten, hochwertigen Stoffen täglich entsorgt werden?“, fragen sich die Aluc-Gründer Arianna, Jonathan, Carina und Luise völlig zurecht. In einem Interview verrieten sie uns zudem, dass sich grünes Gedankengut mittlerweile in das komplette Leben der vier Pioniere geschlichen hat. Vom Konto bei der GLS Bank, über den Verzehr von Bio-Lebenmitteln, den Bezug von Grünem Strom bis hin zur Second-Hand-Einrichtung des eigenen Stores.

Wir von Fair-Fashion.net finden, das ist ein tolles Projekt, das es zu unterstützen gilt. Wer also von windigen Aktienpaketen und unlauteren Investment-Bankern die Nase voll hat und lieber in die Zukunft vom gutem Geschmack und nachhaltigem Konsum investieren möchte, ist herzlich eingeladen, mitzumachen.

„Unsere Kunden sind individuell und stylish“

Gemeinsam sind wir stark – klingt ein wenig abgedroschen. Wenn es um eine Unternehmensgründung geht, bei der sich gleich mehrere kreative Köpfe verwirklichen wollen, kann das auch total nach hinten losgehen… Oder es läuft wie bei ALUC, dem Berliner Upcycling-Label, hinter dem sich Arianna, Luise, Carina und Jonathan verbergen. Jeder kennt seine Stärken und profitiert von denen der anderen. Ego Trip ist nicht, dafür aber jede Menge Team Play.

Natürlich werden auch die kleinen Spleens der Kollegen problemlos akzeptiert. Jonathan darf gern im Borussia Dortmund-Trikot am Rechner sitzen und keiner guckt komisch, wenn Carina mal wieder barfuß zur Arbeit kommt. Jeder, wie er mag – denn eins verbindet die vier ALUC-Kollegen allemal: Die Liebe zur Mode und natürlich das Thema Upcycling.

Im Jahr 2010 wurde das Label ALUC gegründet, das sich auf die nachhaltige Produktion von Hemden, Blusen und Accessoires spezialisiert hat. Das Besondere: Es werden ausschließlich Stoffe verwendet, die eigentlich Abfallprodukte der Textilindustrie sind. Faire und soziale Herstellung gehört zum Gesamtkonzept. Gefertigt wird ausschließlich in sozialen Projekten oder deutschen Behinderten-Werkstätten.

Mittlerweile ist auch ein eigenes Ladenlokal dazugekommen. Der Upcycling Fashion Store in Berlins Anklamer Straße präsentiert allerdings nicht nur das Eigenlabel, sondern auch Fashion und Accessoires von Schmidttakahashi, Milch oder Globe Hope. Auch die britischen Upcycling-Pioniere From Somewhere sind mit dabei.
Auf diese Weise holen sich die vier Re-Design-Spezialisten von ALUC zwar die eigene Konkurrenz ins Haus aber das beweist auch wiederum eine gewisse Glaubwürdigkeit und vor allem eine selbstbewusste Attitude.


Gespräch mit Fair Fashion

Hier erzählen die ALUC-Macher, warum der Trend zu Upcycling so visionär, global und nachhaltig ist, weshalb „Müll” eine echte Inspiration sein kann und wie sich die tägliche Arbeit auf den Kühlschrankinhalt und die Bankgeschäfte auswirkt.

Wie ist die Idee zur Upcycling Fashion entstanden?

Wir drei Designerinnen Arianna, Luise und Carina haben uns in London bei den Upcycling-Pionieren From Somewhere kennengelernt. Wir waren total inspiriert und überzeugt von dem Konzept und dachten, dass man das Thema Upcycling in Deutschland unbedingt vorantreiben müßte. Jonathan ist als BWLer dann dazugekommen und wir haben uns in Berlin niedergelassen. Von Anfang an wollten wir keine Kollektionen im herkömmlichen Sinne machen, sondern „Slow Fashion“ und haben uns auf ein paar gut durchdachte Produkte spezialisiert. Zuerst ein Hemd, dann eine Bluse dazu und Accessoires. Das Sortiment wird stetig weiterentwickelt und erweitert.

Wie schwierig ist es, an Material zu kommen? Musstet Ihr Euch ungewöhnliche Wege erschließen?

Am Anfang haben wir verschiedenste Stoffproduzenten in Deutschland und Österreich angeschrieben und nach „dead stock“ und Restmaterialien gefragt. Leider haben wir nicht viele Antworten bekommen, aber eine Firma in Österreich war bereit, uns ihr Lager zu öffnen. Also sind wir nach Bludenz zu Getzner Fabrics, die Stoffe mit Blue Sign-Zertifikat herstellen, gefahren und haben die ersten Materialien gekauft. Gefunden haben wir alles, was die Firma nicht mehr verwenden kann, zum Beispiel Farb- und Musterproben oder Rollen-Enden. Da wir ganz limitierte Editionen machen, sind diese Stoffreste trotzdem für uns geeignet.

Was unterscheidet Eure Mode von anderen Upcycling-Kollektionen, bzw. was ist das Besondere und Typische an Euren Produkten?

Unsere Hauptprodukte sind Hemden und Blusen. An beiden Modellen ist der Kragen abknöpfbar, so hat man zwei Styles in einem und außerdem die Möglichkeit, bei Verschleiß des Kragens einfach einen Neuen zu kaufen. Man muss also nicht das ganze Hemd entsorgen. Wir setzen im Design auf Kontraste. An fast allen Modellen heben sich der Kragen und die Manschetten farblich vom Rest des Hemdes ab.
Da wir mit industriellen Reststoffen arbeiten, sieht man unseren Produkten nicht an, das sie „upgecycelt“ sind!

Wie stellt Ihr Euch den idealen Kunden für Eure Mode vor?

Unser idealer Kunde will individuell sein und stylisch. Die Einzigartigkeit unserer Produkte ist für viele ausschlaggebend. Andere kaufen auch gerne die Geschichte mit, das Upcycling, den sozialen, fairen, transparenten Produktionsprozess und die Regionalität.

Glaubt Ihr, dass der Trend zu weniger Verschwendung und hin zu ressourcenschonender Qualität sich langfristig in der Mode hält oder sogar ausbaufähig ist?

Langfristig steht die Modeindustrie vor dem Problem der Ressourcen-Knappheit. Dazu kommt der Druck vom Konsumenten, die Frage nach Transparenz und das steigende Umweltbewußtsein in der Bevölkerung. Deshalb wird Upcycling immer wichtiger werden, auch für die konventionellen Produzenten. Der eigene „Textilabfall“ ist wertvoll und ihn weiter zu nutzen, ist ein Gewinn für den Produzenten. Die steigende Zahl der Upcycling-Projekte – auch von größeren Firmen – zeigt, dass das Thema an Bedeutung gewinnt und sich seinen Weg bahnt.

Gibt es bei Euch einen bestimmten Kollektionsrhythmus und müssen Eure Kollektionen jeweils an bestimmte Saisons und Trends angepasst werden?

Wir produzieren bewusst außerhalb des gängigen Rythmus’. Wir orientieren uns lediglich am allgemeinen Jahrszeiten-Rhythmus, der besagt, dass man im Winter eher dunklere Töne und im Sommer mehr Farbe bevorzugt. Da wir keine Kollektionen machen und unsere Hemden und Blusen nur durch ihre Stoffe variieren, haben wir die Möglichkeit ganzjährig und kontinuierlich zu produzieren.
Die Behindertenwerkstatt, die für uns produziert, näht in ihrem Rythmus und ihrer Schnelligkeit. Die Exklusivität und die regionale Produktion in Deutschland erlauben es uns, auch speziell für Läden herzustellen.

Wie wirkt sich Eure Arbeitsweise ganz privat aus? Werden zum Beispiel auch Eure Möbel upcycelt, geht Ihr besonders achtsam mit Energie, Wasser etc. um oder achtet Ihr bei Nahrungsmitteln auf bestimmte Voraussetzungen?

Wir stecken alle mit Haut und Haar im Upcycling! Der Laden ist komplett mit Upcycling Möbeln eingerichtet, wir haben ein Konto bei der GLS Bank, kleiden uns in ökologische oder Second Hand-Bekleidung, versuchen viel Bio-Lebensmittel zu kaufen und nutzen grünen Strom.

Gibt es ein Vorbild, eine Aktion/Kampagne oder eine Person, die Euch inspiriert und imponiert?

Wir sind auf jeden Fall von From Somewhere und Orsola de Castro inspiriert. Die vielen Menschen und Kontakte, die wir in den letzten Jahren über dieses Thema kennengelernt haben und Projekte, die überall entstanden sind, waren und sind auch sehr inspirierend. Und natürlich sind es immer auch die Berge an „Müll“, die ungenutzen Materialien und Textilien, die uns inspirieren und auf jede Menge neue Ideen bringen.

Stand: September 2014