Bernhard Krusche

Dr. Bernhard Krusche lebt und arbeitet in Berlin, studierte allerdings in Freiburg/Brsg und Accra/Westafrika. Seine zweijährige Feldforschung als Ethnologe widmete er den Überlebensstrategien städtischer Armutsbevölkerung. Im Anschluss an seine Promotion beschäftigte er sich mit den praktischen Implikationen der Organisations- und Systemtheorie. Seine Arbeit als interner Change Agent bei Mercedes-Benz mündete schließlich in eine Karriere als Organisationsberater. Darüber hinaus arbeitet er als freier Dozent an verschiedenen Universitäten, leitet als Geschäftsführer die Stiftung Nächste Gesellschaft, ist Buchautor und Herausgeber der REVUE, dem Gesellschaftsmagazin für die Anliegen der nächsten Gesellschaft. Um dabei nicht den Bodenkontakt zu verlieren, unternimmt er regelmäßig Fernreisen in die entferntesten Winkel dieser Welt und gründete 2012 gemeinsam mit Jan Bathel und Jonathan Imme das Berliner Kitchen Projekt „Ignore Gravity“ (www.ignore-gravity.com). Die REVUE ist online unter www.revue-magazine.net erreichbar.

 
Die Zukunft hat längst begonnen – nur noch nicht überall 

Kein Tag vergeht ohne gesellschaftliche Veränderungen. Neue Technologien verändern nicht nur unser privates Beziehungsgefüge, sondern auch die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, konsumieren, lernen, unsere Freizeit gestalten und die Welt entdecken. Bewährte Routinen stehen auf dem Prüfstand, die Sicherheit eingespielter Verhältnisse ist brüchiger geworden. Neue Formen der Wertschöpfung und veraltete Geschäftsmodelle bringen traditionelle Organisationen an die Grenze ihrer Problemlösungskapazitäten. Gleichzeitig verlieren die traditionellen Autoritäten auch in der Politik, der Kirche oder im Bildungsbereich zunehmend an Bedeutung: Transparenz und die globale Verfügbarkeit von Wissen unterläuft ihre traditionelle Legitimation und führt zu neuen Formen von Führung und Management. Der damit einhergehende Wertewandel betrifft längst nicht mehr nur die Generation Y. Die Frage der Selbstverwirklichung im Rahmen einer sinnstiftenden Arbeit, die gesellschaftlichen Nutzen vor Gewinnmaximierung stellt, wird zum zentralen Faktor moderner Arbeitsverhältnisse. Die so genannten „Helden“ und Ideale von gestern werden ersetzt durch neue Formen „kollaborativer Komplizenschaften“, die längst schon damit begonnen haben, die Spielregeln unserer Gesellschaft umzucodieren. Bereits heute zeichnen sich die Eckpfeiler einer nächsten Gesellschaft ab, die wohl am besten mit dem Begriff der Entrepreneurial Society umschrieben werden können. 

Interview mit Dr. Bernhard Krusche, Herausgeber der REVUE - Magazine for the Next Society

_ Lieber Herr Dr. Krusche. Sie sind der Herausgeber eines Magazins, das besonders jene Leser schätzen, die glücklich in der Gesellschaft ihres eigenen Verstandes sind, die weise und fröhlich „dahinlesen“, Freude am Nachdenken und an der Produktion ihrer Ideen haben. Bereits der Name klingt ungewohnt: REVUE – Das Magazin für die Nächste Gesellschaft. Was verbirgt sich dahinter?

Keine Sorge, nichts Esoterisches. Entstanden ist unser Magazin aus der Auseinandersetzung mit neuen, postheroischen Formen des Managements. Vor einigen Jahren habe ich mich gefragt, wie die Sache mit der Führung weitergehen kann. In meiner Arbeit habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass man in vielen Unternehmen mit den traditionellen Vorstellungen von Management und Führung nicht mehr so recht weiterkommt. Je mehr man dort auf engagierte, mitdenkende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen ist, desto größer ist der Bedarf an Führungskräften und Modellen, die Selbstverantwortung fördern anstatt Menschen zu Ausführungsaffen zu machen. Wie muss also das Management einer Organisation gedacht werden, wenn es den Herausforderungen einer neuen Zeit gerecht werden will? Kluge Köpfe zu versammeln, die sich darüber Gedanken machen – das war damals die Initialzündung für die REVUE.

Und wie kommt hier die Nächste Gesellschaft ins Spiel?

Die Suche nach Antworten auf diese Frage hat dazu geführt, dass wir unseren Blick ausweiten mussten. Auch wenn das manchmal in Vergessenheit gerät: Organisationen sind ja eine Antwort auf gesellschaftliche Fragestellungen. Will man verstehen, wie sie sich verändern, dann muss man sie wieder in den Kontext stellen, in den sie gehören. Der Fokus auf Management greift da zu kurz. Zu Hilfe kamen uns dabei Überlegungen von Peter Drucker und Dirk Baecker, beide auf ihre Art großen Managementvordenker. Drucker hat schon Ende der 90iger Jahre die Umstellungen in der Grundarchitektur unserer Gesellschaft vorskizziert, damals noch unter der Überschrift einer „Wissensgesellschaft“. Dieser neuen Gesellschaft gab er den Namen „Next Society“ – ein Hinweis darauf, dass wir zwar nicht wissen, wie genau unsere Zukunft aussehen wird, aber klar ist, dass sie radikal anders sein wird als die Gegenwart, in der wir leben. Diese Überlegungen dann unter dem Vorzeichen der Digitalisierung weiterzuführen, lag auf der Hand. In der Tat haben wir es heute mit einem grundlegenden Strukturwandel zu tun, den uns der Umgang mit dem Internet und all den vernetzten Computern beschert. Die ständige Verfügbarkeit von Informationen, die globale Reichweite von ein paar Mausklicks, die schonungslose Transparenz, mit der Dinge kommentiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – ich muss die bekannten Schlagworte hier nicht aufführen. Wir brauchen ja nur ein Blick auf das Medium zu werfen, in dem unsere Unterhaltung stattfindet. Klar ist, dass diese digitale Transformation gravierende Auswirkungen auf unseren Alltag und unsere Arbeitswelt haben wird. Die spannende Frage ist, wie wir uns darauf vorbereiten können. Etwas abstrakter ausgedrückt: welche Kulturtechniken wir entwickeln müssen, um mit den Auswirkungen einer Netzwerkgesellschaft klarzukommen. Was uns an dieser Entwicklung besonders fasziniert, ist das Phänomen überraschender Nachbarschaften.

„Überraschende Nachbarschaften“? Was ist damit gemeint?

Nun, schaut man sich Entwicklung unserer Gesellschaft über die letzten Jahrzehnte an, dann fällt vor allem auf, wie sich gut eingespielte Ordnungen in Luft aufgelöst haben. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten die Dinge alle ihren Platz. „Freund oder Feind?“ -  diese Frage war da ganz einfach zu beantworten. Es war klar, was oben war und was unten, wer was zu sagen hatte und wer nicht, wer drin war und wer draußen. Das war zwar für manche von uns ärgerlich, aber für alle immer eindeutig und damit sicher. Irgendwann mal gab es dann einen Zeitpunkt, an dem diese einfachen Unterscheidungen nicht mehr ausreichten, um sich in der Welt zurechtzufinden. Über die Ursachen dafür kann man sich streiten – Globalisierung, neue Technologien, Wertewandel, der Kapitalismus auf der Suche nach neuem Futter. Was immer auch Ursache, und was Wirkung war: das Ergebnis war eine Unüberschaubarkeit, die uns mehr und mehr zu schaffen macht. Und zwar auf allen Ebenen: Unternehmen müssen sich heute mit Wettbewerbern herumschlagen, die plötzlich aus ganz anderen Branchen kommen, die Profile der politischen Parteien verschwimmen bis zur Unkenntlichkeit, auf der persönlichen Ebene bekommt die Frage nach Sinn und Zugehörigkeit eine ganz neue Tragweite. Mich wundert es da nicht, dass immer mehr Menschen wieder mit dem Sirenengesang einfacher Lösungen liebäugeln und sich in die überschaubaren Weltbilder radikaler Ideologien flüchten.

Die gesellschaftliche Reaktion auf das Durcheinander hieß und heißt auch heute noch über weite Strecken: Rückzug. Die Wirtschaft kümmert sich nur noch um Profite, die Politik um ihre Wiederwahl,  die Wissenschaft um ihre Texte, jeder Einzelne nur noch um sich selbst. Und auch wenn wir dieser strukturellen Rücksichtslosigkeit den ungeheuren Produktivitätsschub verdanken, der heute unseren Wohlstand ausmacht: nach und nach wird sichtbar, welchen Preis wir für diesen modernen Turmbau zu Babel zahlen. Auf dem Spiel steht nichts Geringeres als unsere eigene Zukunftsfähigkeit. Das hängt damit zusammen, dass in einer vernetzten Welt die wirklich großen, kniffligen Probleme allesamt Flächenbrände sind, die sich nicht mehr isoliert bekämpfen lassen. Ob Energiewende, Altersarmut, Jugendarbeitslosigkeit, Migration, Finanzkrise oder die immer weiter klaffende Schere zwischen arm und reich: die Dinge sind so komplex ineinander verschachtelt, dass einfache Lösungen eher zu noch mehr Problemen führen. Nichts ist naiver als der Gedanke, dass diese gesellschaftlichen Großbaustellen noch von einzelnen Institutionen gelöst werden können.

Und genau hier kommt nun der Gedanke der überraschenden Nachbarschaften ins Spiel. Je mehr das Internet zum Betriebssystem unserer Gesellschaft wird, desto selbstverständlicher werden Begegnungen, die sich nicht mehr um nationale Territorien oder branchenspezifische Grenzen scheren. Man ist „connected“, weltweit, und mit einem völlig überschaubaren Aufwand werden über soziale Technologien wie Twitter oder Facebook Menschen und Themen miteinander verknüpft, die bislang nichts miteinander zu tun hatten. Und es sind genau solche überraschenden Nachbarschaften, die das Potential haben, wirklich Neues hervorzubringen. Wenn man sich wichtigen Innovationen der letzten Jahre anschaut, dann sind das alles Dinge, die aus genau solchen Nachbarschaften heraus entstanden sind. Nehmen Sie nur das Smartphone: seinen Erfolg verdankt es der überraschenden Nachbarschaft von Telefon, Computer und Myriaden von Hilfsprogrammen. Die für die Zukunft unserer Gesellschaft überlebenswichtigen Systeminnovationen – etwa im Bereich der Infrastruktur-, Energie- oder Gesundheitsversorgung – sind auf solche Überraschungen angewiesen. Die Optimierung des Bestehenden bietet auf Sicht keine Lösung mehr. Die einzig relevante Frage ist, ob es uns gelingt, einen halbwegs angstfreien Umgang mit der Unsicherheit solcher Begegnungen zu kultivieren.

Die REVUE möchte Einblicke in eine Gesellschaft im Umbruch geben. Können Sie uns auch einen Einblick ins Magazin geben?

Natürlich. Die REVUE erscheint vierteljährlich. Sie wird von einem unabhängigen Redaktionsteam gestaltet, das selbst Teil eines weitgespannten internationalen Netzwerks von Autoren und Meinungsmachern ist, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit gesellschaftlichen Fragen und Anliegen beschäftigen. Wir nehmen uns für jede Ausgabe ein Schwerpunktthema vor, und laden ganz unterschiedliche Autoren ein, ihre Überlegungen dazu mit uns und unseren Leserinnen und Lesern zu teilen. Und wir lassen Menschen zu Wort kommen, die etwas zu sagen haben. Essays, Interviews, Reportagen und Analysen, Beiträge von Künstlern, Philosophen, Designern, Managern und gesellschaftlichen Entrepreneuren: Jedes Heft ist ein unverwechselbares Einzelstück unterschiedlicher Blickwinkel. Wir geben keine Ratschläge, und vermeiden den Mainstream der gängigen Debatten und ihrer Denkfiguren so gut es geht. Das macht die Lektüre der REVUE manchmal zu einer Herausforderung. Aber so ist das nun mal mit den echten Abenteuern...

Weshalb heißt die Zeitschrift REVUE? Was macht sie zu etwas Einzigartigem in einer unüberschaubaren Medienlandschaft und einem kommerziellen Zeitschriftenmarkt?

Auf REVUE sind wir gekommen, als uns klar geworden ist, dass uns mit Blick auf eine sich verändernde Gesellschaft eine Zusammenschau am Herzen liegt. Wir wollen die Dinge, die uns und unsere Leser beschäftigen, REVUE passieren lassen. Wir lieben das Streunen - wie der Flaneur bei Walter Benjamin, der nicht an den einzelnen Ereignissen kleben bleibt, sondern stattdessen an Mustern interessiert ist. Wie Dinge zusammenhängen, sieht man oft nur in der Zusammenschau vielfältiger Perspektiven. Und auch das oft genug nur aus den Augenwinkeln. Gleichzeitig ist der Titel auch ein ironisches Augenzwinkern auf gute alte Zeiten. Wer kennt sie nicht, die bunten Magazine mit vermischten Geschichten aus der (guten?) Gesellschaft …

Der Blick über den Tellerrand – damit lässt sich wahrscheinlich am einfachsten beschreiben, was die REVUE bewegt. Natürlich verfolgen diesen Blick auch andere Magazine, und das ist ja auch gut so. Was die REVUE jedoch unverwechselbar macht, ist ihre Machart. Da sind zunächst die inhaltlichen Schwerpunkte, die immer in einem besonderen Verhältnis zu den Themen einer Nächsten Gesellschaft stehen. Ob es um Rituale geht, Communities, Dritte Orte oder, wie in der aktuellen Ausgabe, um Rohstoffe: stets wird dieses Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Der Leitgedanke ist auch hier die überraschende Nachbarschaft. Das Schwerpunktthema wird zu einer Art Collage, die auf ganz unterschiedliche Art & Weise erschlossen werden kann. Wenn man sich darauf einlässt, übt man sich in der Kunst des Flanierens. Oder des Surfens, wenn wir einen modernen Begriff nehmen wollen. Ich halte die Fähigkeit, sich einen Reim auf ganz unterschiedliche Zugänge und Lesarten zu einem Thema machen zu können für eine der wichtigsten Kulturtechniken, die wir uns aneignen müssen, um mit der Zukunft mithalten zu können. Ich hatte ja schon angedeutet, dass dies vor allem die Entwicklung wirklich relevanter gesellschaftlicher Innovationen betrifft: diese entstehen nur im Kontext überraschender Nachbarschaften, im Spannungsfeld sich eigentlich ausschließender Partikularinteressen und Denkansätze.

Auf den Punkt gebracht: Was ist die Frage, auf die Ihr Magazin die Antwort ist?

Die zentrale Frage ist, wie es uns gelingt, sich wirkungsvoll in Netzwerken zu bewegen. Die Kulturtechniken, mit denen wir bislang unterwegs sind, sind allesamt Techniken der Jagd. Dort triumphiert die Effizienz jedes Handgriffs, das klare Ziel, der Zug zum Tor. Das ist wunderbar, solange wir uns in bekanntem Terrain bewegen. In dem Moment, in dem wir auf ein neues Jagdgebiet stoßen, brauchen wir eine andere Kulturtechnik. Nämlich die des Schweifens. In neuen Jagdgebieten wissen Sie zunächst nämlich gar nicht, was genau Sie überhaupt suchen. In solchen Fällen führt Effizienz in der Regel nur zu dem Aktionismus, den wir aus vielen unserer Organisationen kennen: mit Vollgas am Rande des Burnouts, nur leider mit hochgebockten Rädern. Wirklich innovationsfähige Organisationen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich beständig in der Kunst des Driftens üben. Nur so finden sie sich in den Jagdgebieten zurecht, die eine nächste Gesellschaft mit all ihren überraschenden Nachbarschaften offeriert.

Für mich ist die REVUE so etwas wie eine Schule der Wahrnehmung. Und zwar für Menschen, die Verantwortung für die Gestaltung unserer Zukunft übernommen haben. Und die dabei in keine Schublade passen und mit Vergnügen für Bewegung sorgen - weil sie wissen, dass nur so die Zukunft zu einem attraktiven Zuhause wird, das nicht nur einigen Wenigen von uns vorbehalten bleibt. Ob das nun Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen sind, CEO’s in Großkonzernen, die Gründer von Familienunternehmen, all die „Social Entrepreneure“, die ihren eigenen Weg bei der Entwicklung von nachhaltigen Zukunftsoptionen gehen, oder einfach nur Querdenker, die sich im Status Quo der bestehenden Verhältnisse nicht mehr Zuhause fühlen. Die REVUE will für diese Zielgruppe Heimathafen und Unruheherd zugleich sein. Wenn der Begriff nicht bereits so abgenutzt und überheblich wäre, könnte man sagen: wir wollen das Magazin für die Generation WHY sein. Für all die Menschen also, die – unabhängig von ihrem Alter – bereits Teil dieser „Next Society“  sind. Die REVUE bietet dieser Zielgruppe keine vorgefertigten Antworten, sondern trainiert unsere Flanierfähigkeit. Wir machen Angebote zur Kulturtechnik des Schweifens – und glauben daran, das wer auch immer sich erfolgreich in den Innovationsökologien der Zukunft bewegen möchte, gut daran tut, sich mit dieser Haltung vertraut zu machen.

Von ihrer Positionierung her versteht sich die REVUE als eine Art „Dritter Ort“. Solche dritten Orte sind eigentlich Räume, in denen Menschen ohne feste Agenda, ohne genau definierte Ordnung zusammenkommen: das Cafe an der Ecke, der Zeitungskiosk mit Currywurstverkauf, die Lounge am Flughafen. An diesen Orten entstehen diese überraschenden Nachbarschaften, von denen wir schon gesprochen hatten. Begegnungen, die niemand geplant hat, und mit denen daher auch niemand gerechnet hätte. Dieses Überraschungsmoment ist der Schlüssel für neue Gedanken, Kontakte, Initiativen - man könnte auch sagen: gesellschaftliche Innovationen.

Wie sehen die nächsten Schritte der REVUE aus?

Neben einer stärkeren Onlinepräsenz setzen wir vor allem auf eine lebendige Community von Menschen, denen die aktive Gestaltung ihrer Zukunft am Herzen liegt. Von gesellschaftlichen Aktivisten also, die klug genug sind, sich nicht vor den Karren der herrschenden Verhältnisse spannen zu lassen. Und die stattdessen nach sinn-vollen Möglichkeiten Ausschau halten, sich mit dem Potential all der überraschenden Nachbarschaften anzufreunden, die eine global vernetzte Weltgesellschaft unabdingbar nach sich zieht.

Das Modell eines Community Publishings scheint uns hierfür der geeignete Rahmen zu sein. Die Co-Creation von Inhalten in einem Netzwerk von Menschen, die etwas bewegen wollen. Uns ist klar geworden, dass die gesellschaftlichen Diskurse zur Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft heute nicht mehr nur in Leitmedien und hierarchisch organisierten Parteien und Institutionen geführt werden. Um uns herum entsteht eine Vielzahl temporärer Gemeinschaften, die wichtige Diskurse prägen und jedem zugänglich sind. Damit verknüpft sind neue Formen des Engagements, die mit hohen Ansprüchen an Transparenz und Mitbestimmung verbunden sind. Der digitale Wandel weckt ja nicht nur rückwärts gewandte Sehnsüchte nach der guten, alten Zeit. Er eröffnet auch Chancen für eine neue Bürgergesellschaft – eine Entrepreneurial Society, die nicht mehr nur mit Bestandsverwaltung beschäftigt ist, sondern Rahmenbedingungen schafft für Unternehmer und Unternehmerinnen, die ihre Verantwortung für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft ernst nehmen und selbst aktiv werden. Wir haben damit begonnen, diese Chancen mit einer sorgfältig kuratierten Community von Co-Publishern weiter auszuloten. Dafür braucht es neue Modelle von Komplizenschaften, zu deren Mitgestaltung wir herzlich einladen.

Die REVUE wird von der Stiftung Nächste Gesellschaft unterstützt. Was bedeutet das konkret?

Die gemeinnützige Stiftung ist der Container für die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Die REVUE ist ein Teil dieser Auseinandersetzung. Andere Formate sind etwa die Konferenzen, die die Stiftung entweder allein oder in Kooperation mit weiteren Partnern organisiert. Gemeinsam mit Thomas Sattelberger, dem ehemaligen Personalvorstand der Telekom, haben wir nach einem Rahmen für die unterschiedlichen Aktivitäten gesucht. Das Stiftungskonstrukt schien uns die geeignete Form zu sein, um den interdisziplinären Dialog über die Themen der Nächsten Gesellschaft zu fördern. Wie gesagt: unsere Zukunft ist ja kein utopischer Raum, sondern alltägliche Realität, die gestaltet werden kann und muss. Erst dadurch entstehen neue Handlungsspielräume, die erforscht, besetzt und erstritten werden müssen. Und die in jedem Fall auf verantwortliches Handeln angewiesen sind.
Denn mittlerweile sollte es sich ja herumgesprochen haben: Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorherzusagen, ist sie selbst zu gestalten.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt
Quelle:   http://www.huffingtonpost.de/../../alexandra-hildebrandt/8-antworten-warum-die-zuk_b_5423902.html

Stand: Juni 2014