Bert Martin Ohnemüller

Bert Martin Ohnemüller ist Mitgründer und Geschäftsführer der neuromerchandising® group GmbH & Co. KG in Frankfurt am Main. Das Unternehmen verbindet Erkenntnisse aus Hirnforschung, Evolutionsbiologie und drei Dekaden praktischer Erfahrung mit den Realitäten und Notwendigkeiten des modernen Point of Sale. Der PoS ist nicht nur der Platz im Handel, sondern sämtlicher Bereiche, in denen Menschen interagieren und Entscheidungen treffen.

Im neuromerchandising® geht es nach Ansicht des Marketingexperten heute vor allem  um die nächste Entwicklungsstufe: die „Dekade der Menschlichkeit“, die mit neuen Sichtweisen auf Führung, Teams und Unternehmenserfolg verbunden ist.

Seine Bücher haben auch über den Handelbereich hinaus begeisterte Leser gefunden, zuletzt erschienen „Mehr Erfolg am Point of Sale“ und „Neues Denken. Neues Handeln“. Als Dozent für neuromerchandising® und Leadership gibt er an der Hochschule Furtwangen, der American University of Iraq sowie dem Institut für Marketing und Kommunikation in Wiesbaden seine Erfahrungen weiter. Unternehmen schätzen ihn als unterhaltsamen Redner.

Weitere Informationen: http://neuromerchandisinggroup.com

 

Warum die Dekade der Menschlichkeit vor uns liegt

Interview mit Bert Martin Ohnemüller, Geschäftsführer der neuromerchandising® group GmbH & CoKG

Herr Ohnemüller, Sie haben in Konzernen als Marketingmanager Karriere gemacht. Was veranlasste Sie im Alter von etwa 40 Jahren, sich plötzlich als „Unternehmer-Held“ mit Sinnfragen zu beschäftigen?

Ich spürte eine innere Unzufriedenheit, hatte meine Leichtigkeit und mein Lachen verloren. Diese innere Spannung und der Konflikt zwischen Familie, Business führte mich zu den wesentlichen Fragen meines Lebens: Wer bin ich? Was ist meine Aufgabe? Welchen Weg soll ich gehen? Wo ist mein wahres Glück? Wo ist die wirkliche Erfüllung? Warum tue ich, was ich tue?

Weshalb ist die Warum-Frage auch im Unternehmenkontext relevant?

Der Business-Experte Simon Sinek hat nachgewiesen, dass genau dieses Warum erfolgreiche von weniger erfolgreichen Unternehmen unterscheidet: Wenn Mitarbeiter das Warum nicht kennen, also nicht genau wissen, warum sie etwas tun, oder warum es sich lohnt, es zu tun, dann arbeiten sie in erster Linie für ihr Gehalt. Wenn sie hingegen an das glauben, an das sie als Unternehmer und Unternehmen glauben, dann arbeiten sie mit ihrem Herz und ihrer Seele.

Was ist die Grundlage für außergewöhnliche Leistungen?

Aus meiner Erfahrung habe ich gelernt, dass es immer alle Ebenen im Unternehmen sind, die Einzigartiges leisten. Es braucht die besonderen Visionäre und Inspiratoren - und vor allem den besonderen Geist im gesamten Team. Mehr denn je gilt heute: Unternehmen, die Leistung  fordern, müssen immer mehr Sinn bieten. Ich bin absolut davon überzeugt, dass zukünftig nur die Unternehmen dauerhaft erfolgreich sein werden, denen es gelingt, die Herzen ihrer Mitarbeiter und Kunden für sich zu gewinnen.

Welche Themen waren und sind für Sie prägend für eine dauerhafte und erfolgreiche Unternehmens- und Lebensführung?

Es sind drei entscheidende Themen: Führung, Kommunikation und Inspiration (Lead – Speak – Inspire). Nur wer sich selbst versteht kann auch andere verstehen und langfristig erfolgreich sein. Da wo die Freude jedes Einzelnen ist, dort ist auch dessen ganz persönliche Wahrheit. Und dort liegt eben auch die Quelle für den ultimativen Erfolg, der immer eine Folge von etwas ist, also ein Resultat, ein Ergebnis.

Ihre unternehmerische Erfahrung lehrte Sie, dass in den meisten Fällen 70 oder 80 Prozent Erkenntnisgrad für eine nachhaltige Entscheidung völlig ausreichen. Das gute alte Bauchgefühl vorausgesetzt. Weshalb ist es so wichtig?

Dieses Bauchgefühlt sollte immer so etwas wie die letzte Instanz für den Prozess der Entscheidungsfindung sein. Ihre Intuition weiß in der Regel irgendwie, was für Sie genau das Richtige ist. Und meine Erfahrung dazu lautet, die Intuition wird bei Nutzung immer besser.

Was ist für Sie die wichtigste Aufgabe im Leadership?

Sie besteht für mich vor allem darin, Menschen zu unterstützen, ihre eigene innere Stimme zu hören. Die Basis für Führung ist aus meiner Sicht die Fähigkeit, seine eigene Vorstellungswelt und die von anderen positiv zu verändern. Wer führt, sollte diejenigen die er führt und die sich ihm anvertrauen vor allem in deren Selbstvertrauen stärken.

Führung heißt für Sie aber auch, Verantwortung zu übernehmen…

Ja, in diesem Begriff steckt eben auch das Wort „antworten“: Ich brauche in erster Linie Antworten für das eigene Leben. Ganz entscheidend ist meine innere Einstellung. Bin ich von der Angst getrieben, glaube ich, dass morgen alles schlechter wird. Dann wird mein Verhalten darauf ausgerichtet sein, heute möglichst viel für mich abzubekommen. Oder ich glaube an eine Welt, in der morgen alles besser wird. Erst dann kann ich frei agieren und aus dem eigenen Vertrauen meine Kraft schöpfen. Und erst dann gelingen mir die positiven Antworten.

Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die Kommunikation?

Kommunikation ist für mich eine der zentralen Eigenschaften von Führung: „Stell‘ Dir vor, Du hast etwas zu sagen und keiner hört zu.“ Unser Kommunikationserfolg lässt sich daraus ablesen, in welcher Form und in welcher Geschwindigkeit, die eigene Botschaft vermittelt wird. Aber eben auch, ob wir wissen, wer unsere  Zuhörer sind und wie wir es schaffen, diese mit allen Sinnen „dort abzuholen“, wo sie sind.  Das nenne ich kommunikative Verantwortung: eine Kommunikation die Verständnisbrücken baut und die lange Verständniswege abkürzt.

Was nützen uns die besten Ideen und Strategien, wenn es uns nicht gelingt, diese überzeugend zu vermitteln…

... dabei gilt die alte Regel: Es kommt nicht so sehr darauf an, was gesendet wird, sondern immer, was ankommt. Es geht um Aktivierung, Begeisterung, Zielerreichung. Und da das den wenigsten von uns in die Wiege gelegt wurde, sollten wir das lernen - insbesondere dann, wenn wir  Führungsverantwortung übernehmen wollen. Wer nicht oder nur schwer verstanden wird, dem wird  kaum jemand folgen. Wer jedoch die Grundlagen zwischenmenschlicher Kommunikation kennt, versteht und weiß, wie diese anzuwenden sind, der wird seine Zuhörer sicher und überzeugend erreichen und ebenso seine Ziele.

Welche Instrumentarien helfen bei der eigenen Richtungsfindung?

Es ist vor allem der innere Kompass, das eigene Emotionale Positionierungssystem (EPS). Interessanterweise vertrauen wir fast blind unserem Navigationssystem. Wir sind sogar bereit, dem GPS im Auto oft noch einen Aufpreis zu zahlen. Wir sind aber mehr als skeptisch, wenn es darum geht, unser EPS zu nutzen.

Warum wissen das viele Menschen nicht?

Vielleicht wurde es uns im Laufe des Lebens einfach abtrainiert, damit zu arbeiten. Wir können es in vielen Fällen vielleicht nicht mehr richtig nutzen, weil unsere Vorstellungskraft etwas ganz anderes signalisiert. „So einfach geht das nicht“, denken wir. Der Glaube an sich selbst ist enorm wichtig - er wird zum Fundament der eignen Lebensführung.

Warum kann die Dekade der Menschlichkeit nur in einer Vertrauenskultur gedeihen?

In einer Vertrauenskultur gibt es kurze Wege, schnelle Entscheidungen und ein entsprechend effektives Arbeiten, was von der gemeinsamen Sache geprägt ist und nicht vom Egotrip Einzelner.

Inwiefern ist Vertrauen für Sie auch mit „Sicherheit“ verbunden?

Menschen wollen und müssen sich sicher fühlen - das ist u.a. ein Aspekt unseres evolutionären Erbes. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe war für unsere Vorfahren so etwas wie eine Lebensversicherung heute. Ohne Gruppe war es ziemlich unwahrscheinlich zu überleben. Diese Muster haben heute noch die gleiche Gültigkeit. Ich bin davon überzeugt, dass wir hier bei den meisten Unternehmen große Defizite vorfinden.

Sie vergleichen Menschen mit Kapitänen auf ihren eigenen Schiffen, die das Leben symbolisieren. Was bedeutet Ihnen in diesem Zusammenhang Führung?

Führung heißt in erster Linie Selbstführung. Viele Menschen investieren leider mehr Zeit in ihre Urlaubsplanung als in ihre Lebensplanung. Das lässt sich auf fünf Kernaussagen verdichten:

1. Ich kenne mein Warum.
2. Ich denke am Anfang ans Ende.
3. Ohne Ziel stimmt jeder Weg.
4. Ich übernehme die Verantwortung.
5. Ich bin der Captain auf meinem Schiff.
6. Ich führe durch Vorbild.

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/das-projekt-zukunft-warum_b_8408974.html

Stand: November 2015