Birgit Kohlmann

Birgit Kohlmann, Jahrgang 1976, absolvierte 1996 in einer Incentive-Reisen-Agentur die Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau (IHK). Es folgten viele Jahre mit umfangreicher Berufserfahrung in der Touristik-, Tourismus- und MICE-Branche (Meetings, Incentives, Congress, Events) als auch in der Hotellerie. Seit 2011 leitet sie ihre eigene Beratungs- und Dienstleistungsagentur Zeitwandel, die sie als Einzelunternehmerin gründete. Mit Corporate Social Incentives, Social Marketing Events und Fair Trade Reisen organisiert sie nachhaltige Incentive, Event- und Reiseprogramme, die sie auf Basis der CSR- und Nachhaltigkeitsstrategie ihrer Kunden konzeptioniert. Sie ist deutschlandweit die erste CSR-Managerin (IHK) ihrer Branche und sich damit ihrer Verantwortung bewusst. Ihre Mission ist es, Unternehmen und Gesellschaft darin zu unterstützen, um mit nachhaltiger Wirkung strategisch und mehrwert(e) orientiert voneinander zu profitieren.

Nachhaltigkeit – Für mich das Gegenteil von Burn-Out



Hinter jedem Unternehmen steht eine Geschichte, die irgendwann einen Anfang nimmt und sich zunächst ganz persönlich vollzieht. Und deshalb ist es auch für mich wichtig, Nachhaltigkeit zunächst auf den einzelnen Menschen und sein Gesicht zu lenken.  Mein im Jahr 2011 gegründetes Einzelunternehmen Zeitwandel wurde aus einem Burn-Out heraus geboren. Mir wurde klar, dass ich nur dann wirklich zufrieden bin, wenn ich selbstbestimmt und eigenverantwortlich im Sinne von Nachhaltigkeit entscheiden und handeln kann.

Was verbindet Zeitwandel mit Nachhaltigkeit?


Eigentlich ist es ein Widerspruch in sich, denn ein Wandel hat immer mit Veränderungen zu tun und ist damit zunächst nicht nachhaltig. Und schon gar nicht, wenn wir uns auf die immer schneller tickende Uhr einstellen müssen, die den Wandel mittlerweile im „Minuten-Takt“ verspricht.

Wie langfristig und nachhaltig können wir heute noch Ziele benennen? Wie gehen wir mit gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Wandel um?


Im Zeit(en)-Wandel nachhaltig wirken


Warum auch immer es not-wendig wird, aber es gilt gerade den Wandel ebenso nachhaltig zu gestalten wie die einst formulierten Ziele. Immer und immer wieder. Das ist ein fortwährender Prozess, der nicht mit einem guten Gedanken anfängt und in einer guten Tat endet. Und erst, wenn ich selbst keinen Einfluss mehr habe und mein Werk trotzdem und gerade deshalb Fortbestand hat, habe ich nachhaltig gewirkt. Spreche ich also von Nachhaltigkeit, dann spreche ich auch von Vergangenem, weil ich es, wenn man es genau nimmt, nur rückblickend als solches benennen kann.

Die Gegenwart zählt


In einer Zeit, in der EU-weit 40 Mio. Menschen an Burn-Out erkranken, erkenne ich die Herausforderung, wirtschaftlich UND gesellschaftlich standzuhalten. Und aus diesem Grund ist jeder dazu aufgefordert, als Vorbild zu agieren und zu reagieren. Als Unternehmer. Als Manager. Als Mitarbeiter. Als Mensch. In Beziehung zu Ökologie, Ökonomie, der Gesellschaft und den damit verbundenen Chancen und Risiken als auch den Stärken und Schwächen.

Der Burn-Out! Eine Schwäche oder Stärke?


Gerne wird der Burn-Out in unserer Gesellschaft und in Unternehmen immer noch mit Schwäche in Verbindung gebracht. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ist es jedoch eine große Chance, da sich der Betroffene bewusst macht, dass er nicht mehr nur allein den Erwartungen anderer entsprechen will, sondern auch selbst-bestimmt seine Selbst-Werte entfalten möchte. Der „temporäre Ausstieg“ aus dem Leben hat so in keiner Weise etwas mit Selbstaufgabe zu tun. Im Gegenteil. Es ist die „Aufgabe am Selbst“. Plötzlich lernen wir Grenzen aufzuzeigen und ein bewusstes „Nein“ wird zur Stärke, weil das Selbst-Bild achtsam wahrgenommen wird. Nicht mehr und nicht weniger. Plötzlich ist nichts mehr gut oder schlecht sondern so, wie es eben ist. Das ist stark. Und das ist eine für mich ganz entscheidende Ausgangssituation, um zunächst das eigene Leben mit dem Ziel der Nachhaltigkeit zu gestalten. Ohne die Achtsamkeit für meine Selbst-Bestimmung, für das rechte Maß meiner eigenen Kräfte, den Ressourcen und meinem eigenen Rhythmus, erfülle ich die Erwartungen anderer. Ich bin getrieben von den Motivationen und Interessen anderer, die im schlimmsten Fall nichts mit Nachhaltigkeit sondern mit Ausbeutung zu tun haben.
Unternehmer müssen sich genau damit heute und in Zukunft auseinandersetzen, denn Stress und stressinduzierte Erkrankungen werden, lt. WHO, weltweit die häufigsten Erkrankungen in den nächsten 10 Jahren sein.

Eine meiner persönlichen Erfahrungen mit dem Burn-Out

Für mich ging es damals als Betroffene um meine Selbst-Bestimmung und meinen Selbst-Wert, obwohl ich in meinen Kreisen schon als sehr selbstbewusster Mensch gelte. Es ging auch darum, Dinge wieder in mein Leben zu integrieren die wichtig sind, um mir selbst immer wieder aufs Neue zu begegnen. In der Reha beispielsweise konnte ich ohne Leistungsdruck neue Fertigkeiten erlernen und ausprobieren. Keiner dort hat erwartet, dass ich es „richtig“ mache oder etwa nur darauf gewartet, dass ich einen Fehler mache, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Jeder durfte sich selbst ohne Druck ausprobieren und entdecken mit ehrlichem Interesse füreinander, weil wir dort vor allem eins waren: Authentisch und echt. Ungeschminkt und ohne „Kostüm“.

Was wirklich wichtig ist

Das ist die Wertschätzung mir selbst gegenüber und für meine Mitmenschen in der Begegnung. In der Kommunikation. Wann erfährt ein Mensch Wertigkeit. Wie schaffe ich es als Unternehmer, meine Mitarbeiter und Partner in meine Mission und Vision so zu integrieren, dass sie auch vom Gefühl der Selbstbestimmung und dem Selbstwert erfüllt sind und nicht nur fremd-bestimmt von  Unternehmens-Werten allein getrieben werden.
Wenn ich immer wieder höre, dass es das Ziel eines Unternehmers sei, den Mitarbeiter in seiner Leistungsfähigkeit so zu motivieren, dass er brennt als wäre es sein eigenes Unternehmen, dann ist das eben genau jenes ver-rückte krankmachende Selbstbild, das vom „Burn-For“ zum „Burn-Out“ führen kann. Und zwar deshalb, weil es eben nicht das eigene Unternehmen ist, für das er brennt. Ganz einfach und ganz realistisch.


Die Realität, die ich immer wieder wahrnehme
Menschen werden selbstbestimmter, sie nehmen sich das Recht den Mund aufzumachen, sich aufzulehnen gegen Ungerechtigkeiten und sogar auch noch danach zu handeln. Wie kann es passieren, dass ein gut ausgebildeter Mensch, der leidenschaftlich gerne brennt, plötzlich ausgebrannt die weiße Flagge zeigt? Es war doch genau dieser Mitarbeiter, den sich jeder nur wünschen kann! Und damit wird eines klar: Im schlimmsten Fall brennt nur aus, was zuvor gebrannt hat!

Die eigentliche Herausforderung

der sich ein Unternehmer in seiner nachhaltigen Mission meiner Meinung nach stellen muss ist die Tatsache, dass es viele Stimmen in seinem Unternehmen gibt, die ein Klima schaffen. Und er selbst? Er ist „nur“ verantwortlich dafür. Tatsächlich sind es die Mitarbeiter, die das Raumklima gestalten. Jede Führungskraft sollte sich dessen bewusst sein, denn nur so fängt man an, etwas zu verändern im Glauben an die Mitarbeiter, die man wertschätzend in seinen Stärken wahrnimmt und in Entscheidungen und Prozesse integriert, anstatt über sie zu bestimmen. So entsteht echtes nachhaltiges Wirken, weil man jetzt beginnt, die Mitarbeiter in den Prozess zu integrieren. Man spricht ihnen das Recht zu, die Stimme zu erheben in einer ehrlichen Kommunikation, ohne Angst auf negative Bewertung und damit wert-frei für alle Beteiligten. Nur so können wert-volle Prozesse entwickelt werden, weil sie in einer zunächst wert-freien Zone entstehen dürfen. Damit bewegen wir  uns von der Betriebswirtschaft hin zur Humanwirtschaft. Denn ein Betrieb besteht nun mal aus Menschen.

Zeitwandel – Meine Berufung

Für mich wurde die Arbeit dank meinem Burn-Out zur Berufung. Denn heute lebe ich selbst-bestimmt und erfülle in erster Linie mein Leben mit meinem Eigen-Sinn und Eigen-Wert. Und was auch immer ich tue, heute, morgen oder in Zukunft:
Nachhaltiges Management ist, dank meinem Burn-Out die Basis geworden, um zu wissen was Nachhaltigkeit für mich bedeutet und nicht zuletzt auch, um es damit als authentisches Vorbild vorleben zu können.
Ich stehe erst am Anfang meiner Zeitwandel-Reise und kann noch nicht so sehr viele Heldentaten berichten. Allerdings habe ich mir mit Hilfe von CSR – Corporate Social Responsbility – ein ganzheitliches Managementsystem geschaffen, um in meiner Geschichte rückblickend irgendwann einmal sagen zu können: Ich habe nachhaltig gewirkt!