Christa Goede

Christa Goede ist Texterin, Konzeptionerin, Social Media-Managerin, Projektleiterin, Diplom-Politologin, Klartextschreiberin, Schachtelsatzallergikerin, Rechtshänderin, Linksdenkerin, Internetbewohnerin, Blümchenliebhaberin, Punkrockhörerin, Motivationsmaschine, Monsterhäklerin, Disziplintierchen, Besserwisserin und Nochbesseresserin mit Sinn für Humor.Die Frankfurterin lebt und liebt ihren Beruf seit dem Jahr 2000.
Weitere Informationen: www.christagoede.de


Authentizität und Glaubwürdigkeit im Marketing: „Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen.“

Wussten Sie schon? Porsche baut einen kleinen Ein-Liter-Cityflitzer mit 25 PS. Primark verkauft fair produzierte Kleidung in klassischen Schnitten und gedeckten Farben. Und bei Bosch gibt es ab sofort Bohrmaschinen für jedermann zum Preis von 10 Euro. Glauben Sie nicht? Gut so, denn ich habe mit diesen Sätzen mächtig geschummelt! Aber warum glauben Sie das nicht? Weil meine Aussagen nicht in die Bilder passen, das Sie von den genannten Unternehmen haben: Porsche steht für schnelle, luxuriöse Oberklasse-Autos zu Spitzenpreisen. Primark verkauft extrem günstige Kleidung – Qualität, Herstellungsprozesse und Materialien sind egal. Und Bosch bietet “Technik fürs Leben” an, die ihren Preis hat.

Diese drei Unternehmen haben Botschaften, die offen in ihrem gesamten Außenauftritt gelebt werden. Sie wirken mit ihren Produkten glaubwürdig und haben ihr Markenversprechen in unseren Köpfen festgesetzt. Ganz gleich, ob Sie Produkte dieser Unternehmen kaufen oder nicht – Sie wissen sofort, mit welcher Art von Produkten Sie das Unternehmen verbinden. Die Geschichte vom 25-PS-Cityflitzer von Porsche wirkt auch sofort unglaubwürdig. Genau wie die von der fair produzierten Kleidung von Primak oder den Billigbohrmaschinen von Bosch.

Große Unternehmen, kleine Unternehmen – gibt es Unterschiede?

Zugegeben, ich habe für meine Beispiele große Unternehmen gewählt, die sogar global agieren. Doch diese Botschaften finden Sie auch bei vielen kleinen Unternehmen: die Pizzeria von nebenan, die mit dem Slogan ”täglich frisch” wirbt und jeden Tag knackige Salate und saisonale Tagesangebote auf der Speisekarte hat. Der Kiosk an der Ecke, der mit “Für Sie da!” für seinen umfangreichen Service wirbt. Der Inhaber besorgt Ihnen zuverlässig Monat für Monat die Fachzeitschrift aus dem Ausland. Oder Ihre Autowerkstatt, die getreu dem Motto “Morgens geholt, abends gebracht!” Ihr Auto für die fällige Inspektion zur verabredeten Uhrzeit abholt und abends wieder zurückbringt.

Das alles sind tolle Botschaften von kleinen Unternehmen, die dafür sorgen, dass wir uns als Kunden gut aufgehoben fühlen und gerne wiederkommen. Slogans, die glaubwürdig sind, weil sie jeden Tag im Unternehmen gelebt werden. Doch dieses Vertrauen der Kunden ist sehr zerbrechlich: Einen Verstoß gegen ein solches Versprechen können Sie als Kunde akzeptieren, bei einem zweiten wird es schon schwieriger. Ein dritter Verstoß wird Sie mit ziemlicher Sicherheit dazu bringen, sich einen neuen Anbieter zu suchen – denn Ihr Vertrauen in das Unternehmen ist gestört.

Authentizität und Glaubwürdigkeit als Teil der Marketingstrategie.

Sie sehen: Werte wie Authentizität und die daraus resultierende Glaubwürdigkeit sind wichtig. Doch sie sind immer Bestandteil einer langfristigen Marketingstrategie – denn das Vertrauen der Kunden erlangt man nicht mal eben schnell und zwischendurch. Unternehmen müssen lange und hart arbeiten, um sich nachhaltig in den Köpfen der Kunden und Interessenten festzusetzen.

Gleichzeitig sind Authentizität und Glaubwürdigkeit aber auch fragile Werte: Eine falsche Äußerung, ein paar Mal unpünktlich geliefert oder einen labberigen Salat serviert, und schon kann die Arbeit von Monaten oder gar Jahren zunichte gemacht worden sein.

In diesem Werte-Konstrukt gibt es noch eine weitere Stolperfalle: Authentizität als reines “Echt sein” ist nicht automatisch positiv besetzt. Ein Beispiel: Ein Mensch, der sich wie das sprichwörtliche Arschloch verhält, ist nicht nur ein unangenehmer Zeitgenosse, sondern er lebt seine Rolle authentisch. Arsch bleibt eben Arsch! Also müssen wir im unternehmerischen Sinne aufpassen, dass uns keine negativ besetzte Authentizität zugeschrieben wird – schließlich bleiben negative Dinge länger im Gedächtnis der Menschen als die positiven Seiten.

Was empfinden wir eigentlich als authentisch?

Als authentisch werden Personen, Unternehmen oder Produkte wahrgenommen, bei denen (Werbe-)Botschaft und Handeln übereinstimmen. Es handelt sich also nicht um ein pures Nutzenversprechen, sondern um eine Art Charakterzug, den das Unternehmen, der Unternehmer oder zum Beispiel auch ein Produkt besitzt. Eine Botschaft, die offen gelebt wird und damit lebendig wird. Das Problem: Man kann nicht mal eben schnell für sich entscheiden, dass man ab sofort authentisch ist. Wir müssen alle an unserer Authentizität arbeiten und uns für unser Echtsein engagieren. Denn das Etikett “ECHT” bekommt eine Person/ein Unternehmen/ein Produkt immer von außen verliehen.
Gleichzeitig birgt das Streben nach Authentizität Risiken – schließlich kann jede gesendete Botschaft auf mehrere Arten empfangen werden. Zwei Beispiele: Wer für sich selbst einsteht, könnte auch egoistisch sein. Und wer ehrlich kommuniziert, könnte auch rücksichtslos sein. Doch sind das wirklich Risiken? Oder gehört die Art und Weise, wie wir Botschaften senden und empfangen, nicht zu unserem Wertesystem? Sind es nicht eventuell sogar unsere eigenen Ecken und Kanten, die uns so unverwechselbar machen? Und sind die Mechanismen, die zwischen Sender und Empfänger wirken, nicht ein Resultat, aus dem, was wir in unserem Leben erfahren und gelernt haben? Meiner Meinung nach ist es genau so. Und damit steht fest: Es gibt kein verbindliches Maß für “Authentizität”. Wir können lediglich selbst bestimmen, was für uns ganz persönlich “echt” bedeutet. Und in unserem ganz eigenen Stil über unsere Arbeit reden oder schreiben und sie so nach außen tragen. Eben unsere Botschaft, unser Unternehmen, unsere Ziele leben.
Dieser leicht gekürzte Beitrag erschien am 19.3.2014 im Blog von Christa Goede:
http://www.christagoede.de/authentizitaet-und-glaubwuerdigkeit