Christina Dornack

Christina Dornack, Jahrgang 1970, studierte an der TU Dresden Wasserwirtschaft. Nach Beendigung des Studiums arbeitet sie zunächst als Planungsingenieurin, bis sie 1997 an das Institut für Siedlungs- und Industriewasserwirtschaft der TU Dresden zurückkehrte und ihre Promotion zum Thema: »Thermophile Vergärung von Mischsubstraten« verfasste. Anschließend war sie eineinhalb Jahre in der Verwaltung der TU Dresden u.a. für Zuarbeiten an die sächsische Hochschulentwicklungskommission zuständig. Nach der Geburt ihrer Tochter arbeitete sie von 2001 bis 2004 am Fraunhofer IKTS in Dresden und baute in der Arbeitsgruppe Umweltverfahrenstechnik den Bereich Bioabfallvergärung auf. Nach der Geburt ihres Sohnes kehrte Christina Dornack im Jahr 2004 an die TU Dresden zurück und arbeitete als Wissen- schaftlerin am Lehrstuhl Abfallwirtschaft. Seit dem 1. Dezember 2010 hat sie die Juniorprofessur (mit Tenure Track) Abfall- und Bioenergiewirtschaft in der Fakultät Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik der BTU Cottbus inne. Ihr Forschungsfokus liegt im Bereich Bioabfallwirtschaft. Die Lehrtätigkeit erstreckt sich auf die Bereiche Abfallwirtschaft, Recycling, produktonsintegrierter Umweltschutz und Biokraftstoffherstellung

Weiterführende Informationen:
www.tu-cottbus.de

 

Die Zukunft der Abfall- und Bioenergiewirtschaft

Status Quo und Analyse

Deutschland hat heute in der Abfallwirtschaft, im Recycling und in der Bioenergiewirtschaft einen hohen Stand der Wissenschaft und Technik er- reicht. Im Bereich der Abfall- und Recyclingwirt- schaft führt neben der Getrenntsammlung von Ab- fällen die moderne Aufbereitungstechnologie dazu, dass wir in der Lage sind, Wertstoffe, energiereiche Abfallbestandteile und organische Stoffe zu sepa- rieren und entsprechend zu verwerten. Wertstoffe können im Sekundärrohstoffmarkt als Ersatz für Primärrohstoffe eingesetzt werden. Im Bereich des Papier- und Glasrecyclings liegen die Quoten bereits über den geforderten Zahlen, die das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgibt. Damit sind diese beispielgebend für andere Fraktionen und Reststoffe. Aber diese Quoten sind nur ein Teil der Wahrheit. Im Bereich des Recyclings von einzel- nen Stoffen, wie z. B. Aluminium erreichen wir nur Quoten von 35 % ; da haben wir ebenso erheblichen Entwicklungsbedarf wie bei den seltenen Stoffen wie Yttrium oder Scandium, deren Recyclingquoten unter einem Prozent liegen.

Im Bereich der Bioenergiewirtschaft leisten wir mit der thermischen Nutzung hochkalorischer or- ganischer Abfälle und der Verwertung organischer Reststoffe in Biogasanlagen einen Beitrag zur De- ckung des Energie- und Wärmebedarfs aus erneu- erbaren Quellen. Es bestehen noch erhebliche Reserven zur Erzeugung erneuerbarer Energie aus Biogas aus organischen Abfällen. Mehr als 80% der Biobfälle werden ausschließlich kompostiert, wobei der energetische Gehalt dieser Reststoffe ungenutzt bleibt. Es muss sogar Energie einge- setzt werden, um den organischen Kohlenstoff in anorganisches klimaneutrales CO2 und Wasser umzusetzen. Durch eine anaerobe Behandlungs- stufe kann das energetische Potenzial der organi- schen Reststoffe genutzt und der in den Bioabfällen enthaltene organische Kohlenstoff zu Biogas fer- mentiert werden. Nähr- und Spurenstoffe bleiben im Gärrest enthalten, sodass dieser wieder in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden kann. Gärreste werden ebenso wie die Komposte aus Kompostierungsanlagen durch die Bundes- gütegemeinschaft Kompost zertifiziert und sind äquivalent als Bodenverbesserer einsetzbar. In den letzten Jahren nimmt die Verwertung dieser orga- nischen Reststoffe in Biogasanlagen stetig zu.

Zukunftsaussichten und -chancen

Bei der Nutzung von Stoffen und Materialien kommt es in Zukunft darauf an, diese effizient zu nutzen. Damit verbunden muss die Konstruktion von Gütern bereits die Verwertung nach dem Gebrauch einschließen und im Produkt realisiert wer- den. Es werden z.B. bei der Produktion elektronischer Waren trennbare Verbindungen eingesetzt, um die einzelnen Rohstoffe möglichst vollständig als Sekundärrohstoffe wiederverwenden zu können.

Im Bereich der Bioenergiewirtschaft wird es in den nächsten Jahren Veränderungen bei den Ausgangsstoffen für die Erzeugung von Bioener- gie geben. Da die Herstellung von Biodiesel und Bioethanol eine Nutzungskonkurrenz mit Lebensmitteln hervorrufen kann und der Nachweis der Nachhaltigkeit bei der Biotreibstoffherstellung immer wieder in Frage gestellt wird, stellen vor allem kommunale und industrielle organische Abfälle und Reststoffe ein reelles Potenzial für die Erzeugung von Bioenergie dar.

Der Ausbau der abfallwirtschaftlichen Biogasanlagen ist auf die Förderung der energetischen Verwertung von biogenen Reststoffen, die in der Novellierung des EEG 2009 festgeschrieben wurde, zurückzuführen. Das wirtschaftlich erschließbare Potenzial der kommunalen Bioabfälle, der Abfälle aus Land- und Forstwirtschaft, der Reststoffe aus der Viehhaltung und die Nutzung von Landschafts- pflegematerial beträgt ca. 50 % des technischen Potenzials. Mit deren Erschließung für die Bio- gaserzeugung kann der Flächenbedarf des Ener- giepflanzenanbaus substituiert werden. Auch wenn der Beitrag der verfügbaren Rest- und Abfallstoffe begrenzt ist, ist dessen weitere Erschließung ökolo- gisch sinnvoll, da Stoffkreisläufe geschlossen und Ressourcen effizienter genutzt werden können.

Eine kurzfristige Nutzung unserer Ressourcen können wir uns auf Dauer nicht leisten. Die Ab- fallmengen, die wir produzieren, sind nach wie vor enorm, eine weitere Verminderung dieser ist wün- schenswert und notwendig. Wir benutzen Mobilte- lefone und Computer und benötigen für deren Her- stellung Materialien, die wir selbst im Land nicht oder zu wenig haben. Wir sind also auf eine leistungsfähige Recyclingtechnologie angewiesen, um langfristig Rohstoffimporte zu reduzieren und auch bei hohen Rohstoffpreisen wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Rückkopplung der Informationen aus dem Recyclingsprozess in den Produktionsprozess ist zu intensivieren und entsprechend umzusetzen. Dieser Gedanke ist im Kreislaufwirtschaftsgesetz im Rahmen der Produktverantwortung verankert. In der Zusammenarbeit zwischen den Akteuren be- steht aus meiner Sicht erhebliches Potenzial.

Die vordergründig monetäre Bewertung von Behandlungsverfahren für Abfälle und Reststoffe ist für innovative Ideen hinderlich. Wenn z.B. die Kommunen entscheiden, welches Verfahren zur Behandlung organischer Abfälle realisiert werden soll, liegt die Biogastechnologie aufgrund des höheren technischen Aufwandes meist auf dem zweiten Platz hinter der Kompostierung. Wenn die Menschen in den Entscheidungsprozess einbezogen werden, haben wir die Chance, durch Aufklärung oder Beteiligung für nachhaltige Technologien zu werben, diese zu etablieren und weiter zu verbessern. Die Aufklärungskampagnen können unkonventionell durchgeführt werden. So können wir die Menschen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit mitnehmen.

Das Wissen um die Zusammenhänge zwischen Recycling, Ressourcenschonung und Reinhaltung der Umwelt, welches wir in den letzten Jahren erworben haben, möchte ich gern weitergeben. Adressaten sind in erster Linie die Studierenden. Ich freue mich über die steigende Zahl an Studie- renden aus allen Teilen der Welt an meiner Uni- versität. Die ausgebildeten Ingenieure und Wissen- schaftler können dieses Wissen vor Ort anwenden, sodass angepasste Technologien realisiert werden, die langlebig und umweltfreundlich sind.