Christina Weidinger

Christina Weidinger, Jahrgang 1980, startete ihre berufliche Karriere als Analytical Chemist und verbrachte danach viele Jahre in der Pharmabranche in den Bereichen Produktentwicklung, Sales und Marketing. Schließlich führte sie ihr Weg in das Verlagswesen wo sie in führenden Positionen bei den größten Verlagen in Österreich tätig war. Dann kam die Zeit der Selbständigkeit und Christina Weidinger gründete als geschäftsführende Gesellschafterin den internationalen Wirtschaftsverlages diabla media mit Sitz in Wien, welcher sich als Herausgeber internationaler Businessmedien sowie als  Corporate-Publishing-Spezialist etablierte.

Im Dezember 2011 gründete sie den Sustainable Entrepreneurship Award, kurz sea, der in den Club of sustainable entrepreneurs – Verein für nachhaltiges Wirtschaften eingebettet ist. Sie steht dem Verein als Vorsitzende vor. Der sea strebt eine Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beim Thema Sustainability an. Mit ihm werden Unternehmen ausgezeichnet, die wichtige Impulse für Sustainable Entrepreneurship setzen. Es sind Unternehmen, die den Dreiklang aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Verantwortung leben und dabei gleichzeitig ihren unternehmerischen Gewinn sichern.

Weitere Informationen
www.se-award.org

 

Nachhaltigkeit ist nicht genug

Wir alle tragen gesellschaftliche Verantwortung. Als Herausgeberin eines internationalen Wirtschaftsmagazins bin ich mir dessen besonders bewusst und möchte daher im Rahmen meiner persönlichen Möglichkeiten dem Thema Sustainable Entrepreneurship einen ganz besonderen Stellenwert zukommen lassen. Schließlich ist es unsere Aufgabe, unseren Kindern und Enkelkindern eine bessere Welt zu hinterlassen! Wenn man so will, ist dies ein neuer Generationenvertrag, den wir alle mittragen und gewissermaßen unterschreiben müssen.

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist für mich zu kurz gefasst. Wohin uns dieses falsche Verständnis des Begriffes geführt hat, sehen wir tagtäglich in den Nachrichten: Die Finanzkrise hat Europa noch immer – und das seit fast vier Jahren – fest im Griff. Die Menschen wissen sich nicht mehr anders zu helfen, als durch boykottartige Massendemonstrationen auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Und daran muss sich etwas ändern. Deshalb verwende ich den Begriff Sustainability. Sie ist für die Wirtschaft die einzig denkbare Zukunft. Ich bin überzeugt: Ohne sustainable entrepreneurship, der unternehmerische Beitrag für mehr Nachhaltigkeit wird jedes Unternehmen langfristig keinen Bestand haben. Nur die Wirtschaft – sprich die Unternehmen – haben die Kraft, uns aus der Krise zu führen. Unternehmen haben aber in absehbarer Zeit keine Chance mehr - außer auf sustainability zu setzen.

Gestützt wird meine Meinung durch eine kürzlich veröffentlichte Studie: Die Hälfte der europäischen Vorstände wurde befragt, wie wichtig Sustainability für sie ist. Überwältigende 93 Prozent der 800 befragten Vorstände gaben an, dass das Thema wichtig für ihren künftigen Erfolg ist. Dieses Umdenken müssen wir in die Unternehmensstruktur einbauen, dann können wir die europäische Führungsrolle beim Stichwort Sustainability ausbauen und uns einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern. Dass wir erste erfolgreiche Schritte unternommen haben, zeigt der Umstand, dass es in Europa mittlerweile mehr Jobs in der Umweltindustrie als in der Automobilbranche gibt. Darauf gilt es aufzubauen.

Der Sustainable Entrepreneur

In den letzten Jahren hat sich der Corporate Social Responsibility-Ansatz von einem rein defensiv/reaktivem Ansatz (Compliance orientiert) hin zu einem innovativ/proaktivem Managementkonzept (Sustainable Entrepreneurship) entwickelt. Durch diese jüngste, sehr unternehmerische und geschäftsgetriebene Sichtweise von Wirtschaft und Gesellschaft kam der Begriff “Sustainable Entrepreneurship” in der Geschäftswelt auf. Sustainable Entrepreneurship steht für ein einzigartiges Konzept von stustainable business Strategien, die ihren Fokus auf die gleichzeitige Steigerung von sozialem wie unternehmerischem Wert (Shared Value) legt. Gegenwärtig hat dieses das Potential, das meist beachtete strategische Management-Konzept unserer Zeit zu werden, indem es die weltweit herausforderndsten Probleme angeht und erfolgreiche Wirtschaftsstrategien entwickelt, die für beide Wert schafft – der Wirtschaft und der Gesellschaft. Dabei liegt folgende Annahme zu Grunde: Jene Organisationen, die Wirtschaftslösungen für die dringendsten sozialen und ökologischen Herausforderungen entwickeln, werden in Zukunft die führenden Unternehmen sein. Somit wird Sustainable Entrepreneurship nicht nur ein key-driver für den Unternehmenserfolg sondern auch für unsere gemeinsame, nachhaltige Zukunft sein.

Ein Sustainable Entrepreneur richtet seine Unternehmensführung nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkten aus. Ebenfalls sind der überzeugte Umgang mit ökonomischen und gesellschaftlichen Trends, sowie ein aktiver Dialog mit seinen Stakeholdern wichtig. Es geht ihnen dabei nicht um Schönfärberei und ein „grünes Mäntelchen“. Nur wer neben der gesellschaftlichen Verantwortung auch den eigenen unternehmerischen Gewinn im Blick hat, und im besten Fall Mitarbeiter, Lieferanten, Partner und Kunden für das Thema begeistert, wird sich auf längere Sicht durchsetzen. Geduld und Durchhaltevermögen sind wichtig, denn wirkliche Sustainability entsteht nicht über Nacht – es ist ein Prozess, der Umdenken, Innovationen und Tatendrang benötigt. Wir sind überzeugt: In der Zukunft werden unternehmerische Erfolgsgeschichten eng mit Sustainable Entrepreneurship verknüpft sein.

Der Sustainable Entrepreneurship Award

Der Sustainable Entrepreneurship Award, kurz sea, wurde von mir vor drei Jahren in Leben gerufen und ist der einzige echte europäische Award in diesem Themenbereich. Mit dem sea zeichnen wir Unternehmen und Projekte aus, die schon heute an der Welt von morgen arbeiten. Diese Unternehmen oder Initiativen haben Sustainability richtig verstanden und als festen Bestandteil in ihrer Unternehmenskultur verankert. Das ist nicht nur dringend notwendig, sondern auch ihr Wettbewerbsvorteil schlechthin! Wir brauchen Unternehmen, die unsere gesellschaftlichen oder ökologischen Probleme lösen und so ihre Gewinne erwirtschaften. Das Thema Sustainability wird sich nur dann am Markt durchsetzen, wenn man Unternehmern ganz klar vermittelt: In Sustainability liegt unsere Zukunft und ihr persönlicher Vorteil am Markt.

Sustainability ist ein Thema, das uns alle angeht. Es ist unabhängig von wirtschaftlichen, politischen oder gesellschaftlichen Interessen, weil in Sustainability unsere Zukunft liegt. Mit der Thematik verknüpfe ich unternehmerischen Weitblick und das Verständnis für die jeweilige ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung eines jeden Einzelnen, ob Privatperson oder Unternehmen. Denn wir haben eine Verantwortung – für die Bedürfnisse der gegenwärtigen Gesellschaft und die Zukunftschancen künftiger Generationen. Mit dem sea wollen wir die Philosophie des Sustainable Entrepreneurship unterstützen.

Der sea will vor allem aber auch eines: Mehr Bewusstsein schaffen! Es ist die Aufgabe von uns allen, die Bedeutung von Sustainable Entrepreneurship zu erkennen, sie zu verstehen und danach zu leben und zu handeln. Mir ist wichtig, klarzustellen, dass es sich hier nicht um Lippenbekenntnisse oder das vielzitierte Umhängen eines „grünen Mäntelchens“ handelt. Sustainable Entrepreneurship ist mehr als eine Idee - es ist eine Handlungsmaxime, wenn Sie so wollen, eine Art „Lifestyle“, eine ganz bestimmte Lebensführung. Das hat nichts mit Zeitgeist zu tun, sondern ist eine essenzielle Aufgabe für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Wer das heute nicht versteht, wird morgen vor großen Schwierigkeiten stehen.

Mit dem sea wollen wir jedes Unternehmen, das sich Sustainable Entrepreneurship verschrieben hat und danach handelt, erreichen. Dabei kommt es nicht auf Größe oder Branche an, sondern auf die Haltung. Vom Kleinstunternehmen oder sogar Gründer bis zum Konzern kann jeder seine Prozesse, Ideen und Maßnahmen im Sinn von Sustainable Entrepreneurship einreichen.

Wir konnten uns bereits 2012 über eine außergewöhnliche Resonanz freuen: Wir haben 145 Einreichungen aus 11 Nationen erhalten. Rund 300 internationale Gala-Gäste aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik haben mit uns die Gewinner zelebriert. Für den sea 2013 rechen wir bereits mit über 200 Einreichungen und können erkennen, dass wir damit den richtigen Erfolgskurs eingeschlagen haben. Für die Auswahl und die Prämierung konnten wir eine hochkarätige Jury gewinnen. Sie bewertet die Einreichungen anhand ihrer Qualität, Innovationskraft und ihres Ergebnisses. Die Jury besteht aus exklusiven Fachleuten. Den Vorsitz hat Dr. Franz Fischler, Präsident des Forum Alpbach und ehemaliger EU-Kommissar, übernommen. Ebenfalls zählen Persönlichkeiten wie Bradley Googins, außerordentlicher Professor am Boston College Carroll School of Management oder Dr. Brigitte Mohn, Vorstand Bertelsmann Stiftung, zu unserer Jury. Zudem möchte ich ein weiteres Jury-Mitglied erwähnen: Dr. Nadya Zhexembayeva. Sie hat den Coca Cola-Lehrstuhl für Sustainable Development an der IEDC - Bled School of Management in Slowenien inne – und ist eine der Koryphäen der Branche. Ihre Forschung und Arbeit am Lehrstuhl und ihre zahlreichen Fachpublikationen machen sie zu einer versierten Expertin für die Aufgabe in unserer Jury. Genau das ist unser Anspruch: Denn nur durch Fachkompetenz können wir die Unternehmen identifizieren, die sich um Sustainability tatsächlich verdient gemacht haben.