Claudia Kemfert

Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin. Sie ist Wirtschaftsexpertin auf den Gebieten Energieforschung und Klimaschutz. Claudia Kemfert war Beraterin von EU Präsident José Manuel Barroso und ist in Beiräten verschiedener Forschungsinstitutionen sowie Bundes- und Landesministerien tätig. Sie ist eine mehrfach ausgezeichnete Spitzenforscherin und gefragte Expertin für Politik und Medien. Zuletzt erhielt sie die Urania Medaille und den B.A.U.M Umweltpreis in der Kategorie Wissenschaft. Im Februar 2013 erschien ihr Buch „Kampf um Strom“, in dem sie die Mythen in der energiepolitischen Debatte beschreibt. Im Jahre 2012 wurde sie von Norbert Röttgen (CDU) in sein Schattenkabinett als Energieministerin in Nordrhein-Westfalen und 2013 von Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) als Energiebeauftragte in Hessen berufen.

Weitere Informationen:
www.claudiakemfert.de

 

Nachhaltigkeit führt zu wirtschaftlichen Vorteilen

Von Prof. Dr. Claudia Kemfert

Die Menschheit belastet das Ökosystem Erde erheblich stärker als dauerhaft möglich ist,  mit irreversiblen Folgen. Doch trotz klarer Signale der Natur und wissenschaftlich begründeter Warnungen vor dramatischen Folgen der Überbeanspruchung haben es die Industrienationen, als die wesentlichen Verursacher, bisher nicht geschafft, ihr Wirtschaftswachstum vom Naturverbrauch - also der nicht-erneuerbaren Nutzung der Natur - zu entkoppeln. Es muss das Ziel sein, auch den zahlreichen Menschen, die nach wie vor unter Armut und Hunger leiden müssen, ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Der Klimawandel, die zunehmende Zerstörung fruchtbaren Bodens und lebenswichtiger Trinkwasserreserven sowie die Überfischung der Ozeane und das massive Artensterben sind Beispiele, die verdeutlichen, dass wir kritische Wachstumsgrenzen bereits überschritten haben und unsere Exzesse beim Naturverbrauch unbedingt und schnell auf ein langfristig verträgliches Maß reduzieren müssen. Um die absolute Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Naturverbrauch zu erreichen, bedarf es neuer Rahmenbedingungen, ökonomischer Anreize und technologischer Entwicklungen, die den kontinuierlichen Übergang zu umwelt- und sozialverträglichen Prozessen in Wirtschaft und Gesellschaft erlauben, hin zu erneuerbaren Energien, geschlossenen Materialkreisläufen und maximaler Ressourceneffizienz. Es bedarf neuer gesellschaftlicher Leitbilder, die Erfüllung und Sinngebung parallel und jenseits des Konsums ermöglichen, die den „ökologischen Fußabdruck“ reduzieren und stattdessen Wege zu einem gelingenden Leben „mit leichtem Gepäck“ aufzeigen. Ein nachhaltiges Wachstum und eine nachhaltige Gesellschaft, die sich zu Recht als solche bezeichnen können, brauchen neue Leitbilder und neue Vorbilder. Jeder Mensch kann dazu seinen Beitrag leisten. Nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft brauchen deshalb eine neuorientierte Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Gleichzeitig liegt ihr Gelingen aber in den Händen jedes Einzelnen.

Foto: Roland Horn