David Wolf

David Wolf, Jahrgang 1973, absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt (FH), bis er feststellte, dass er nicht für den Beamtenberuf geschaffen ist. Nach Beendigung dieser Ausbildung leistete er ein Jahr Zivildienst an der Uni-Klinik Heidelberg. Danach begann seine Laufbahn als Schreiber bei der Rhein-Neckar-Zeitung in Heidelberg, zunächst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter. Während dieser Zeit absolvierte er ein Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniverstität in Hagen und zog 2002 von Heidelberg nach Karlsruhe.  2005 machte er sich als freier Journalist selbständig und arbeitete für verschiedene lokale und regionale Medien. Zwei Jahre lang prägte er als Redaktionsleiter die redaktionellen Inhalte und die Gestaltung eines regionalen Lifestyle-Magazins wesentlich mit. "Seit 2010 unterstützt er Unternehmen mit Dienstleistungen im Bereich Pressearbeit und arbeitet als Online-Redakteur für das Management-Portal business-wissen.de. Neben seiner Arbeit engagiert sich David Wolf in der Sektion Karlsruhe des Deutschen Alpenvereins. Als zertifizierter Natur- und Landschaftsführer organisiert er Wander- und Trekkingtouren in den Alpen, in den Vogesen, im Schwarzwald, aber auch im Mittelmeerraum. und bringt so den Tourenteilnehmern die Schönheit und Ursprünglichkeit der Natur näher."

Weitere Informationen:
www.textwolf.de
www.business-wissen.de

 

 

Was gute Nachhaltigkeitskommunikation ausmacht

Interview mit David Wolf

Nachhaltigkeitsrelevante Themen wie Klimawandel, Unternehmensverantwortung, Bio- und Fair-Trade sind zwar häufig in Zeitschriften und der Tagepresse zu finden, dennoch bemängeln Nachhaltigkeitsexperten, dass das Thema keinen angemessenen Raum in den Massenmedien einnimmt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich bin nicht unbedingt dieser Meinung. Über den Klimawandel, die ökologische Erzeugung von Lebensmitteln oder auch über faire Handelsbedingungen wird meiner Ansicht nach in den letzten Jahren verstärkt berichtet. Das liegt vor allem daran, dass diese Themen alle angehen. Vom Klimawandel sind wir alle mehr oder weniger betroffen und wir bestimmen durch unseren Einkauf im Supermarkt, für welche Art der Lebensmittelherstellung wir unsere Stimme abgeben und welche Produktionsbedingungen wir unterstützen. Das greifen auch TV-Dokumentationen oder größere Tageszeitungen immer wieder auf, wenn sie Zusammenhänge beleuchten und interessante Hintergrundinformationen in Reportagen geben.

Auf das Thema „Unternehmensverantwortung“ trifft das schon eher zu. Ich denke das liegt auch an der Vielschichtigkeit des Themas und jedes Unternehmen definiert den Begriff „Verantwortung“ für sich selbst beziehungsweise engagiert sich hier. Mir ist es wichtig, dass mehr über Unternehmen berichtet wird, die für die Gesellschaft, die Umwelt und ihre Mitarbeiter in besonderem Maß oder durch eigenwillige Initiativen Verantwortung übernehmen. Das wäre dann eine Art Best-Practice-Berichterstattung, die das Positive aufgreift und den konkreten Nutzen solcher Initiativen aufzeigt. Immer nur Skandale sind auf Dauer auch langweilig.

Widersprechen Nachhaltigkeitsthemen den medialen Erfordernissen nach Einfachheit?

Nein. Es kommt doch immer darauf an, wie Themen konkret umgesetzt werden, und es ist doch gerade die Kernaufgabe von Journalisten, auch schwierige oder komplexe Themen für den Leser einfach und verständlich aufzubereiten. Einfach und verständlich heißt für mich aber nicht oberflächlich. Wenn bestimmte Fakten oder wichtige Hintergrundinformationen einfach weggelassen werden und es eher um Sensationslust und Massenunterhaltung statt um die Sache selbst geht, hat das nichts mit gutem Journalismus zu tun. Das wird dem wichtigen Thema „Nachhaltigkeit“ einfach nicht gerecht.

Fehlt es an Bewusstsein für die Komplexität des Themas?

Dass Nachhaltigkeitsthemen komplex sind, ist meiner Meinung nach bekannt. Viele Reportagen oder Dokumentationen zeigen ja, wie vielschichtig die Zusammenhänge sind, und machen diese auch transparent. Zum Beispiel dann, wenn die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen einer energie- und ressourcenintensiven Produktion eines global agierenden Konzerns dargestellt werden. Oder welche Auswirkungen die Billigproduktion von Jeans in Asien für die Mitarbeiter dort hat, die zum größten Teil chemischen Belastungen ausgesetzt sind. Da wird schon klar und erschreckend deutlich, dass wir durch unser Konsumverhalten mittlerweile eine Verantwortung tragen, die sich auch auf Länder außerhalb unseres Gesichtskreises erstreckt. Für unsere Großväter und zum Teil auch Väter war das noch undenkbar. 

Welche neuen Ansätze braucht es, und welche Herausforderungen ergeben sich für Fachjournalisten?

Wie gesagt: Ich fände es positiv, wenn öfter über gute Beispiele berichtet wird. Über Unternehmen, die sich besonders für ihr Mitarbeiter, für die Gesellschaft oder die Umwelt einsetzen. Das gilt aber vor allem für die allgemeine Tagespresse, wie ich finde. Fachmedien beleuchten ja per se ganz spezielle Themen – und bearbeiten die in der Regel auch ausführlicher und detaillierter als es die Tagespresse kann beziehungsweise muss.

Wie viel bürgerschaftliches Engagement braucht die Gesellschaft?

Wie viel das sein sollte, kann ich nicht ohne weiteres beantworten. Ich bin aber der Meinung, dass bestimmte Dinge in jeder Gesellschaft nur von der Zivilgesellschaft allein in Gang gesetzt werden können. Beispiele wie der Zusammenbruch der DDR, der von den Bürgern ausging, oder der Arabische Frühling zeigen: Solche gesellschaftlichen Umbrüche hätte es ohne die Zivilgesellschaft selbst nie gegeben. Hier ging es um übergeordnete Werte wie Freiheit und Selbstentfaltung. Ich finde es eine gute Vorstellung, wenn Bürger sich zusammentun, um gemeinsame Ziele zu verfolgen und sie dabei nicht von vorneherein nach materiellem Gewinn streben.

Wann ist Kommunikation für Sie nachhaltig?

Das steckt zunächst schon im Wort selbst. Wer etwa eine nachhaltige Unternehmenskommunikation, zum Beispiel mittels Pressearbeit, betreiben möchte, braucht einen längeren Atem. Hier geht es nicht um kurzfristige Erfolge wie etwa bei Verkaufsaktionen, die den Umsatz steigern sollen. Hier geht es um den kontinuierlichen Aufbau von Sichtbarkeit in den Medien, um die Steigerung der eigenen medialen Präsenz, um mehr Bekanntheit und Reputation. Es geht darum, zu potenziellen Kunden ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, denn wer regelmäßig in der Presse erscheint, dem wird eher vertraut. Experten nennen das den „Häufigkeits-Validitäts-Index“. Warum sollten etablierte Fachmagazine oder Wirtschaftszeitungen über ein Unternehmen berichten, das aufgrund seines Know-hows zwar tolle Erfolge erzielt, diese Erfolge aber nur innerhalb der eigenen Unternehmensmauern kommuniziert? „Hidden Champion“ hin oder her: Bei einer gewissen Größe und wirtschaftlichen Bedeutung ist mediale Präsenz auch ein Wettbewerbsfaktor.

Nachhaltig heißt aber auch, als Unternehmen ein klares Profil zu entwickeln und das auch durchzuziehen. Wenn ich als Selbständiger zum Beispiel einen Bauchladen an Dienstleistungen anbiete, erweckt das den Eindruck: Der kann alles und nichts. Lieber auf wenige Dinge konzentrieren, dafür aber auf die, in denen man stark ist. Und das Ganze immer regelmäßig auch nach außen darstellen.

Was gehört für Sie zu den Grundaufgaben der strategischen Öffentlichkeitsarbeit?

Strategien werden ja aus Zielen abgeleitet. Das heißt, ich muss zuerst festlegen, welche Ziele ich mit Öffentlichkeitsarbeit erreichen möchte. Dabei geht es immer auch um die Schaffung und Steigerung von Bekanntheit, was durch unterschiedliche Maßnahmen und Instrumente erreicht werden kann. Ziele der Öffentlichkeits- beziehungsweise Pressearbeit sollten sich aber immer an der allgemeinen Unternehmensstrategie orientieren. Beispiel: Erhöhung des Marktanteils eines bestimmten Produkts. Insofern kann Pressearbeit auch vertriebsorientiert sein, das heißt sich an bestimmten Vertriebszielen orientieren. Oder ein Kunde möchte sich potenziellen Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Hier heißt es dann Ideen und Themen entwickeln, die ihn bei der anvisierten Zielgruppe auch genau als solchen erscheinen lässt.

Weshalb braucht Kommunikation Kreativität?

Kommunikation ist immer kreativ. Wenn jemand etwas sagt oder schreibt, lässt sich daraus auch immer sein Umgang mit Sprache herauslesen beziehungsweise heraushören. Mit Kreativität können wir die Kommunikation beeinflussen, positiv oder negativ. Denken Sie an Werbung, die zum Teil ganz subtil Botschaften kommuniziert und Emotionen weckt. Ohne Kreativität wäre Kommunikation langweilig.