Dieter Zetsche

Dr. Dieter Zetsche, Jahrgang 1953, ist Vorsitzender des Vorstands der ­­
Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars. Er studierte Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe. Seine Diplomarbeit schrieb er bei der ­Daimler-Benz AG in Stuttgart, wo er 1976 seine Karriere im Forschungs­bereich begann. 1982 promovierte er an der Universität Paderborn zum Dr.-Ing. Nach ­Sta­tionen bei den Nutz- und Geländefahrzeugen wurde er ­zunächst Mitglied der Geschäftsleitung bei Mercedes-Benz do Brasil und 1989 Präsident von Mercedes-Benz Argentina. 1991 übernahm er in den USA den Vorstandsvorsitz beim Lkw-Bauer Freightliner, einer hundertprozentigen Konzern-Tochter. 1992 wurde er als Pkw-Entwicklungschef in den Vorstand der Mercedes-Benz AG berufen, ab 1995 war er im Vorstand für den Vertrieb ­zuständig. 1998 trat er in den Vorstand der DaimlerChrysler AG ein, wo er zunächst für den Vertrieb und dann für die Nutzfahrzeugsparte verantwortlich war. 2000 wurde er Präsident und Geschäftsführer der ­DaimlerChrysler Corporation. Seit 2006 ist er Vorstandsvorsitzender der Daimler AG. Privat schätzt ­Zetsche Reiten, Segeln sowie Lesen und verbringt gerne Zeit mit ­seinen drei erwachsenen Kindern.

Weiterführende Informationen:
www.daimler.com

 

Erfolgsmotor Nachhaltigkeit

Nur wer nachhaltig wirtschaftet, ist auch nachhaltig erfolgreich – das schreibe ich nicht, weil es sich in einem Buch wie diesem gut liest, sondern weil es ein grundlegendes Prinzip unseres unternehmerischen Handelns beschreibt. Kein Autobauer kann auf eine längere Tradition zurückblicken als Daimler. Dieser Erfolg hängt auch damit zusammen, dass wir noch nie kurzfristig orientiert waren. 2010 haben wir den Begriff der Nachhaltigkeit auch »offiziell« in unser strategisches Zielsystem aufgenommen.

Doch was bedeutet Nachhaltigkeit für uns konkret? Kurz gesagt: Ökonomische, ökologische und soziale Ziele müssen miteinander im Einklang stehen. Das ist nicht immer einfach. Aber es ist machbar – und auf lange Sicht ohne Alternative. Unsere Richtschnur ist dabei der »Global Compact« der Vereinten Nationen. Dass wir seit Ende 2010 auch zur LEAD-Gruppe der vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan ins Leben gerufenen Initiative gehören, ist für uns Anerkennung und Ansporn zugleich. Denn was langfristig droht, wenn man wirtschaftliche Ziele ohne Rücksicht auf Risiken und Nebenwirkungen verfolgt, haben uns die Finanz- und jüngst auch die diversen Staatsschuldenkrisen vor Augen geführt. Andererseits können wir nur wenig für Umwelt und Gesellschaft tun, wenn wir geschäftlich nicht wettbewerbsfähig sind. Ökonomie, Ökologie und Soziales bedingen einander.

Beispielhaft zeigt das die technologische Wende in der Automobilindustrie: Wir stehen am Anfang vom Ende des Ölzeitalters. Wurden Automobile über ein Jahrhundert lang fast ausschließlich auf der Basis von Erdöl betrieben, so werden elektrische Antriebskomponenten in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Ökologische und ökonomische Ziele gehen damit eine Symbiose ein: Nur wer in »grüne« Antriebe investiert, wird auch langfristig »schwarze« Zahlen schreiben. Wir haben im Jahr 2011 rund die Hälfte unseres gesamten Forschungsbudgets von 5,6 Milliarden Euro in grüne Technologien investiert. Denn zu einem Premium-­Automobil gehört auch ein erstklassiger Verbrauchswert. Und bei Mercedes-Benz wollen wir dem Kunden das jeweils sauberste Fahrzeug seiner Klasse anbieten. Mittelfristig bleiben innovative Verbrennungsmotoren der wirksamste Hebel zu Senkung von Verbrauch und Emissionen. Ein aktuelles Beispiel ist unsere neue A-Klasse – sie ist nicht nur optisch ein sprichwörtlicher »Hingucker«, sondern kann sich auch mit Emissionswerten ab 98 Gramm CO2 pro Kilometer mehr als sehen lassen. Unsere Nutzfahrzeuge müssen den Vergleich ebenso wenig scheuen: Trucks und Busse aus dem Hause Daimler sind schon seit längerem die »grünsten« der Branche.

Wahr ist aber auch: Selbst wenn der letzte Verbrennungsmotor optimiert, das letzte Haus gedämmt und die letzte Glühbirne verboten ist, wird die Welt angesichts der global wachsenden Bevölkerung und dem damit einhergehenden Energie- und Mobilitätsbedarf immer noch ein CO2-Problem haben. Was wir langfristig brauchen, ist deshalb ein echter Paradigmenwechsel. Die Frage ist nicht mehr, ob Diesel und Benzin von Wasserstoff und Strom ersetzt werden – die Frage ist nur noch wann. Deshalb treiben wir bei Daimler seit Jahren die Entwicklung alternativer Antriebe voran. 2012 kommt die dritte Generation unseres Elektro-Smart zu den Händlern. Und dass auch der Brennstoffzellen-Antrieb marktreif ist, haben wir 2011 gezeigt. Drei B-Klassen F-CELL sind einmal um die Welt gefahren: 30.000 Kilometer – ohne Panne und vor allem: ohne Emissionen!

Nachhaltigkeit ist jedoch nicht nur beim Klima- und Umweltschutz unser Leitprinzip, sondern auch bei der Frage, wie wir unser Unternehmen führen. Wir streben eine Kultur an, die hohen ethischen Standards genügt. »Saubere Produkte – saubere Geschäfte« – das ist die Devise. Deshalb haben wir seit 2011 als erster Automobilkonzern ein eigenes Vorstandsressort für »Integrität und Recht«. Um Integrität fest im Geschäftsalltag zu verankern, erarbeiten wir in einem unternehmensweiten Dialog mit unseren Mitarbeitern, was Integrität für uns bei Daimler heißt. Mit unserem 2012 eingerichteten Beirat für »Integrität und Unternehmensverantwortung« schauen wir über den eigenen Tellerrand hinaus und suchen das Gespräch mit Experten aus Wissenschaft, Medien, Politik, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen. Damit knüpfen wir an die erfolgreiche Tradition unserer »Nachhaltigkeitsdialoge« an, die uns bereits seit 2008 wertvolle Impulse liefern.

Der wichtigste Kreativmotor bei all unseren Nachhaltigkeits-Aktivitäten sind und bleiben jedoch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ihre Fähigkeiten und ihre Motivation sind die Basis unseres nachhaltigen Erfolgs. Und sie verbindet ein gemeinsames Ziel: Spitzenleistung. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass Leistung keine Frage von Herkunft, Alter oder Geschlecht ist. Unter dem Stichwort »Diversity Management« – der Förderung von Vielfalt im Unternehmen – setzen wir uns für Chancengleichheit ein und schaffen die Voraussetzungen, damit sich alle Mitarbeiter optimal einbringen können. Insbesondere können wir es uns nicht leisten, auf weibliche Talente zu verzichten. Bis zum Jahr 2020 wollen wir deshalb den Anteil von Frauen in Führungspositionen auf 20 Prozent erhöhen. Dazu setzen wir beispielsweise auf flexible Arbeitszeitmodelle und unternehmenseigene Kinderkrippen.

All das belegt, dass Nachhaltigkeit bei Daimler kein wohlfeiles Lippenbekenntnis ist, sondern ein Grundsatz, der sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche unseres Handelns zieht. Er ist ein ethischer Maßstab, aber eben auch ein Gebot legitimen unternehmerischen Eigeninteresses. Er hat mit gesamtverantwortlichem, zukunftsorientiertem Handeln zu tun. Und er gilt jeden Tag, überall – und für alle 271.000 »Gesichter der Nachhaltigkeit« im Daimler-Team.