Dietmar Hopp

Dietmar Hopp wurde 1940 in Heidelberg geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er an der Universität Karlsruhe (TU) Nachrichtentechnik (Informatik). 1965 schloss er sein Studium als Diplom-Ingenieur ab. Seine Karriere begann 1966 als Systemberater bei IBM in Mannheim. Gemeinsam mit vier ehemaligen IBM Kollegen gründete Hopp 1972 die heutige Firma SAP AG. 1988 erfolgte der Börsengang. Dietmar Hopp wurde im Oktober desselben Jahres Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Ab 1997 war er gemeinsam mit Hasso Plattner Vorstandssprecher der SAP. Zuletzt war Dietmar Hopp von 1998 bis Mai 2005 als Aufsichtsratsmitglied der SAP AG tätig. 1995 gründete er die gemeinnützige Dietmar Hopp Stiftung. Seit seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft der SAP ist Dietmar Hopp zudem als Investor, insbesondere in der Biotech-Branche, tätig. Er ist verheiratet und Vater zweier Söhne. Während Hopp früher aktiver Fußballer und Tennis­spieler war, begeistert er sich heute vor allem für den Golfsport. 1997 gründete Dietmar Hopp den Golfclub St. Leon-Rot, dessen Präsident er seither ist. Hopp unterstützt darüber hinaus die TSG 1899 Hoffenheim, für die er in seiner Jugend selbst spielte. Sein Engagement seit 1990 ermöglichte dem Verein den Aufstieg aus der Kreisliga A in die ­1. Fuß­ball-Bundesliga.

Weiterführende Informationen:
www.dietmar-hopp-stiftung.de
www.anpfiff-ins-leben.de

 

Jugend stark machen

Sie haben 1995 die Dietmar Hopp Stiftung ins ­Leben gerufen. Was hat Sie dazu bewegt?

In meinem Leben habe ich sehr viel Glück gehabt. Mit idealen Partnern und der richtigen Idee zur richtigen Zeit bin ich mit der SAP sehr erfolgreich und damit auch vermögend geworden. 1995 habe ich beschlossen, meinen Reichtum mit unserer Gesellschaft zu teilen und gründete die Dietmar Hopp Stiftung. In diese Stiftung habe ich einen Teil meines SAP-Aktienbesitzes eingebracht, die daraus resultierenden Dividenden stehen der Stiftung als Fördermittel zur Verfügung. Bis heute sind rund 300 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt worden.

Da schon länger klar ist, dass der Staat nur begrenzte Mittel hat, um die immer größer werdende Not bestimmter Gesellschaftsgruppen aller Altersstufen zu lindern, sah ich als Wohlhabender hier eine soziale Verpflichtung mich einzubringen.Ich bin froh darüber, dass ich dies alles freiwillig tun kann, ohne staatlichen Zwang und Eingriff – und dabei wünschte ich mir viele Nachahmer.

Welche Bereiche fördern Sie und nach welchen Kriterien haben Sie diese ausgewählt?

Wir fördern die Bereiche Sport, Medizin, Soziales und Bildung. Dabei hat jeder Förderbereich eine eigene Entstehungsgeschichte. So war zu Beginn die Kinderkrebsforschung das wichtigste Ziel, nicht zuletzt, weil für mich schon der Ge­danke, dass einer meiner Söhne an Krebs erkranken könnte, schrecklich war. Für meine Frau haben auch die sozialen Projekte der Stiftung einen wichtigen Stellenwert.

Eine Herzensangelegenheit für mich ist die Jugendförderung im Sport, denn ich habe selbst in meiner Jugend erfahren, dass Sport einen Menschen positiv prägt. Man lernt Teamfähigkeit, Fairness und auch den Umgang mit Siegen und Niederlagen. Inzwischen hat man sogar herausgefunden, dass Sport bei Jugendlichen die Bildung neuronaler Schaltungen im Gehirn begünstigt. Auch, wenn es auf dem Platz nicht immer so aussieht: Sport macht also schlau!

Weshalb unterstützen Sie auch Bildungsprojekte?

Es ist ja längst kein Geheimnis mehr, dass Bildung und Ausbildung die beste Prävention vor späterer Arbeitslosigkeit ist, auch aus diesem Grund leistet meine Stiftung Unterstützung im Bildungsbereich. An vielen Hochschulen und Universitäten gibt es Lehrstühle, die durch meine Stiftung finanziert werden. Und eine ganze Reihe von Schulen unserer Region wurde mit neuesten Techniken der Informationstechnologie ausgestattet. Auf diese Weise können die Schüler besser auf die Berufswelt vorbereitet werden. Aber auch die ganz Kleinen profitieren davon, denn wir unterstützen das »Haus der kleinen Forscher«, das u.  a. naturwissenschaftliche Experimente in Kindergärten anbietet.

Sie haben in diesem Jahr an der EBS Universität den weltweit ersten Lehrstuhl zur Messung der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Breiten- und Spitzensports initiiert?

Was erwarten sie sich davon?

Sport ist ein Spiegelbild des Lebens und geeignet, die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen positiv zu begleiten. Sport – vor allem im Verein und in der Mannschaft – hat einen hohen sozialen und integrativen Charakter und ist daher ein Förderschwerpunkt in meiner Stiftung. Ein Stiftungslehrstuhl, der die gesellschaftliche Bedeutung von Sport untersucht und Studienangebote für ehemalige Sportler erarbeitet, passt ganz ausgezeichnet zur Ausrichtung der Stiftung.

Vorrangig haben Sie der Metropolregion Rhein-Neckar viel Gutes getan. Welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Es ist richtig, dass sich das Engagement meiner Stiftung auf die Region am Sitz der Stiftung konzentriert, die Metropolregion Rhein-Neckar. Hier bin ich aufgewachsen, hier sind die Wurzeln meines Erfolgs und hier fühle ich mich sehr wohl und hier gibt es wie überall auf der Welt sehr viel Not.
Durch die Fokussierung auf die Region sind die Auswirkungen meines Engagements greifbar und sichtbar und wir haben die Chance die Projekte zu beurteilen und zu begleiten, was bei einem weltweitem Einsatz ausgeschlossen wäre. Ich freue mich über Rückmeldungen von Eltern, deren Kinder von medizinischen, sozialen, Sport- oder Bildungs-Projekten der Stiftung profitiert haben.

Ihre Stiftung zählt heute zu den größten Privatstiftungen Europas. Hätten Sie vor 17 Jahren bei der Gründung gedacht, dass Sie so nachhaltig Gutes tun können?

Ich habe es gehofft, bin aber abhängig vom Erfolg der SAP, weil deren Dividenden unsere Fördermittel ausmachen! Und dieser Erfolg ist sensationell, sodass wir inzwischen für mehr als 800 Projekte, die schon erwähnten 300 Millionen Euro ausgeben konnten. Das macht mich schon ein wenig stolz.

Weshalb bringen nicht mehr Wohlhabende einen Teil ihres Vermögens in Stiftungen ein? Wie ließe sich dies ändern?

Ich kann mir vorstellen, dass viele die Öffentlichkeit scheuen, weil sie den Neid fürchten und Sprüche wie: Der kann das machen, der hat ja genug. Und anonym lässt sich Stiften ab einer bestimmten Größenordnung nicht mehr machen. Schade, dass bei uns keine Mentalität wie in den USA herrscht, wo das Stiften einen weit höheren Stellenwert hat.

Eines Ihrer Lieblingsprojekte, welches jährlich mit einer bedeutenden Summe gefördert wird, ist »Anpfiff ins Leben e. V.«. Wie hat diese Erfolgsgeschichte eigentlich begonnen?

Schon zu Beginn der Fußballförderung in Hoffenheim war mir die Jugendförderung ein ganz wichtiges Anliegen. Dabei hat mich Anton Nagl tatkräftig unterstützt. Auf der Basis der dabei gemachten Erfahrungen kam vor rund 12 Jahren dann Anton auf mich zu mit einem Konzept für eine ganzheitliche und damit besonders nachhaltige Jugendförderung. Ich war spontan von der Idee begeistert, Kinder und Jugendliche nicht nur sportlich, sondern weit darüber hinaus zu fördern. Im Jahr 2001 wurde dann der gemeinnützige Verein »Anpfiff ins Leben« gegründet und schon bald darauf in Zuzenhausen das erste Jugendförderzentrum eröffnet. Welche Dimensionen das Ganze annehmen würde, haben wir damals in den kühnsten Träumen nicht erwartet.

Sie sprechen die Dimension an, die »Anpfiff ins Leben« heute erreicht hat. Durch Ihre Stiftung haben Sie seit 2001 schon über 70 Millionen Euro als Anschubfinanzierung in Infrastruktur und Budgets geleistet. Was verbirgt sich hinter dem Aushängeschild der Metropolregion Rhein-Neckar? Was ist die Intention Ihres Engagements?

Neben der sportlichen Ausbildung in Fußball, Eishockey, Handball und Golf umfasst das Förderprojekt auch die schulische und berufliche Weiterbildung sowie die Entwicklung von sozialen Kompetenzen. Diese vier Bereiche stehen gleichberechtig nebeneinander. Die Freiheiten und Möglichkeiten für junge Menschen, ihr Leben zu gestalten, waren noch nie größer und vielfältiger als heute. Im Allgemeinen verbinden wir mit Freiheit und einer Auswahl vieler Möglichkeiten positive Assoziationen. Aber wir alle wissen, dass auch die daraus resultierenden Gefahren für die Jugend sehr groß sind. Ich brauche nur an die Suchtpotenziale im Spielbereich bei Drogen und Alkohol zu erinnern. Aber auch zunehmende Gewaltbereitschaft und Gewaltausübung gehören dazu.

Den vielen negativen Angeboten und Möglichkeiten müssen deshalb möglichst viele positive gegenübergestellt werden. Mit »Anpfiff ins Leben« bieten wir der Jugend die Chance, nicht in den geschilderten Teufelskreis zu geraten.

Wie viele »Anpfiff ins Leben«-Jugendförderzentren gibt es in der Metropolregion Rhein-Neckar?

Es sind in der Region sechs Jugendförderzentren in Walldorf, Kronau, Ludwigshafen, Mannheim, St. Leon-Rot und Heidelberg sowie eines außerhalb der Metropolregion in Abstatt – insgesamt also sieben. Das Jugendförderzentrum in Zuzenhausen ist inzwischen Bestandteil der »achtzehn99AKADEMIE« des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim, den ich privat fördere.
Unter Anleitung werden in den Jugendzentren über 3.200 Kinder und Jugendliche ganzheitlich ausgebildet und fit fürs Leben gemacht.

Wie gelingt die ganzheitliche Förderung?

Möglich ist dies alles nur dank des unermüdlichen Einsatzes von Anton Nagl und seinem Team sowie den über 100 Kooperationspartnern und über 60 Netzwerkpartnern. Bei diesen handelt es sich neben Vereinen und sozialen Einrichtungen auch um Wirtschaftsunternehmen, Schulen, Hochschulen und Universitäten mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten und auch um Verbände. Auch kirchliche Institutionen und Seniorenheime gehören dazu. Mit deren Hilfe erhalten die Kinder und Jugendlichen ein einmaliges Angebot. Dieses reicht von vielfältigen sportlichen Aktivitäten über Hausaufgabenbetreuung, PC- und Rhetorikkurse, Ernährungsberatung, Vermittlung von Praktikanten- und Ausbildungsplätzen bis hin zu gemeinsamen Projekten mit sozial benachteiligten Menschen. So werden den Kindern Werte vermittelt, das Selbstbewusstsein gestärkt und gleichzeitig der Respekt vor anderen gefördert.

Inzwischen genießt »Anpfiff ins Leben« sogar internationale Anerkennung?

Die Aufnahme in das Bundesprogramm »XENOS – Integration und Vielfalt« ist eine besondere Auszeichnung der bisherigen Leistungen, der Innovationskraft und weitsichtigen Arbeitsweise von »Anpfiff ins Leben«. Das XENOS-Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie den Europäischen Sozialfonds. Es ermöglicht von 2012 bis 2014 zusätzliche Maßnahmen, um unsere Jugendlichen auf die Ausbildung und den Beruf vorzubereiten. Über diese Anerkennung und die damit verbundenen zusätzlichen Möglichkeiten freuen wir uns sehr!

An Ihrem Projekt beteiligen sich zahlreiche Unternehmen der Region. Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Zum Glück ist das so! Immer mehr große Unternehmen und mittelständische Firmen bringen sich mit Praktikums- und Ausbildungsplätzen, Mentoren, gemeinsamen sozialen Projekten, aber auch finanziell ein. Es ist nebensächlich, wie viele der Jugendlichen später zu Profis werden, weil alle, ganzheitlich ausgebildet, auch ein wertvoller Gewinn für die Unternehmen der Metropolregion Rhein-Neckar sein werden. Und noch wichtiger: Für die Jugendlichen, die ihren Traum vom Profisportler geträumt haben, bleiben die beruflichen Chancen erhalten. Es gehört nämlich, wie schon erläutert, zu den Grundelementen und Prinzipien von »Anpfiff ins Leben«, dass Sport nur eine von vier Säulen ist und Beruf, Schule und Soziales gleichrangig nebeneinander stehen.

Welche Vision verfolgen Sie mit »Anpfiff ins Leben«?

In unserem Jugendförderkonzept »Anpfiff ins Leben« stehen im Mittelpunkt: körperliche Fitness und Geschick, soziales Verständnis und ethnischer Respekt sowie Bildung und Leistungsbereitschaft. Dabei ist ein respektvolles und freundliches Miteinander genauso wichtig wie das Team- und Fair-Play-Verhalten. Nirgendwo sonst erlebt man das harmonische Miteinander, den Lohn gemeinsamer Anstrengungen und die Irrelevanz sozialer oder ethnischer Herkunft unmittelbarer als in der sportlichen Herausforderung.

Unsere Vision ist, die jungen Menschen auf und außerhalb des Spielfeldes auf das Leben vorzubereiten und zudem einen wichtigen Beitrag zur Integration von Minderheiten zu leisten.

Was zeichnet Ihre »Handschrift« aus? Was soll als Botschaft von ihr bleiben auf diesem Planeten?

Es ist nicht wichtig, mir ein Denkmal zu bauen oder Botschaften zu hinterlassen. Schön wäre, wenn meine Bemühungen in und mit meiner Stiftung, die mich ja überdauern wird, vielen Mitmenschen eine nachhaltig bessere Lebensqualität bescheren würden. Überdies liegt mir das friedliche Miteinander, das nur durch Toleranz und Güte ­erreichbar ist, sehr am Herzen.