Dr. Hans-Dietrich Reckhaus

Dr. Hans-Dietrich Reckhaus ist geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Familienbetriebs, den er seit 1995 in zweiter Generation leitet. Das Unternehmen zählt zu den führenden Herstellern von Bioziden und beschäftigt rund 50 Mitarbeitende in Deutschland (Reckhaus GmbH & Co.KG, Bielefeld) und der Schweiz (Reckhaus AG, Gais). Mit dem 2012 lancierten Gütezeichen «Insect Respect», das Ausgleichsflächen für eine ökoneutrale Insektenbekämpfung schafft, strebt der Unternehmer eine nachhaltige Transformation seiner Branche an. Auslöser für das weltweit einzigartige Ausgleichsmodell war die von ihm initiierte Kunstaktion «Fliegen retten». Hans-Dietrich Reckhaus hat einen Master- und Doktortitel in Betriebswirtschaftslehre der Universität St. Gallen. Er referiert und publiziert regelmässig zu Fragen der KMU-Führung und Nachhaltigkeit.


Dr. Hans-Dietrich Reckhaus: Insect Respect. Das Gütezeichen für mehr Nachhaltigkeit im Umgang mit Insekten

Über ein Viertel der bekannten Insektenarten gelten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Der Nutzen, den Insekten für die Natur und den Menschen stiften, ist ebenso vielseitig wie unschätzbar: Insect Respect hat zehn gute Gründe bestimmt, warum Insekten unseren Respekt verdienen:

1. Resilienz: Insekten geben der Natur mehr Widerstandskraft.
Nur eine vielgestaltige Natur ist auch eine resistente Natur. Als artenreichste Tierklasse tragen Insekten maßgeblich zur Biodiversität auf unserem Planeten bei. Weil sie den Kreislauf von Ernährung, Verdauung und Verwesung im Gleichgewicht halten. Weil sie Substanzen abbauen, die für andere Lebewesen schädlich sind. Und weil sie Flora und Fauna „anstacheln“, mit immer besseren Strategien auf die Intelligenz der Insekten zu antworten.

2. Bestäubung: Insekten halten die Pflanzenwelt am Leben.
Nicht nur die fleißigen Bienen, auch Mücken, Fliegen und weitere Insekten tragen durch Bestäubung oder Samentransport zur Vermehrung der Flora bei.

3. Ökosystem: Insekten sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette. So ernährt sich z.B. der Mauersegler (Apus apus) von mehr als 500 Insektenarten wie Blattläusen, Hautflüglern wie Bienen und Ameisen, Käfern, Fliegen und von Spinnentieren.

4. Futter und Essen: Insekten sichern die Welternährung.
Rund ein Drittel aller Nahrungsmittel geht auf die Bestäubung durch Insekten zurück.
Selbst ein Cheesburger wäre ohne Insekten nur ein Brötchen, denn Rinder ernähren sich größtenteils von insektenbestäubten Futterpflanzen.

5. Hygiene: Insekten befreien uns von „Müll“. Was passiert z.B. mit all den Kuhfladen auf unseren Weiden? Insekten, die sich von Kot ernähren, kümmern sich um die Misthaufen.

Insekten können uns nicht nur von Kot befreien, sondern gleichzeitig diesen Mist in eine sehr proteinreiche Biomasse verwandeln.

6. Böden: Insekten machen unsere Erde fruchtbar.
Ähnlich wie Regenwürmer sind viele Insekten an der Umlagerung, Durchmischung und Durchlüftung des Erdreichs beteiligt. Dies fördert die „Atmung“ des Bodens und die Wurzelbildung der Pflanzen.

7. Kleidung: Insekten sind für die Textilproduktion unabdingbar.

8. Industrie: Insekten produzieren Chemikalien. Insekten helfen der Industrie bei der Chemieproduktion: Die schmierige Haut der Schmier- und Mehlläuse wird für die Wachsproduktion verwendet und Deckelschildläuse liefern Harz. Besonders erfolgreich ist die Schildlaus Laccifer lacca. Der aus ihr gewonnene „Schellack“ haftet sehr gut an vielen Oberflächen…

9. Medizin: Insekten heilen.
Die meisten gesundheitsfördernden Pflanzen wie Baldrian, Lavendel, Melisse, Eukalyptus, Kamille, Johanniskraut und Salbei werden von Insekten bestäubt. Zudem spielen Maden in der Wundheilungstherapie oder Bienengift bei Arthritis eine wichtige Rolle in der Medizin.

10. Forschung: Insekten sind wissenschaftlich äußerst wertvoll. Motten können bis zu 100 mal feiner als wir Menschen riechen, Ameisen können ein mehrfaches ihres Körpergewichtes tragen, Mücken trotzen mühelos der Kraft von großen Regentropfen und Käfer orientieren sich zuverlässig ohne elektronisches Navigationssystem an den Sternen.

Langfristig findet Insect Respect nur Akzeptanz, wenn auch soziale Aspekte gebührend berücksichtigt werden. Eine zu starke Betonung der ökologischen und ökonomischen Aspekte widerspricht einer zeitgemäßen Verantwortung gegenüber allen Bezugsgruppen sowie dem generellen Rollenverständnis des Menschen in der Natur.

Insect Respect hat als Service für mehr Bewusstsein auf der Website mehr als 180 Faktenblätter zusammengestellt, welche die in unseren Breitengraden am häufigsten vorkommenden Schädlinge und Lästlinge im Wohnbereich beschreiben.
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Insect Respect unterstützt ausschließlich Biozide, die in Innenräumen angewendet werden. Biozide für den Außenbereich, die nicht dem Pflanzenschutz dienen, erachtet Insect Respect als ökologisch nicht sinnvoll.

Insect Respect unterstützt ausschließlich zeitgemäße Biozide. Zeitgemäß bedeutet für Insect Respect, dass immer versucht wird, zunächst auf chemische bzw. umweltbelastende Stoffe zu verzichten. Zahlreiche Biozide enthalten heute keine dieser Wirkstoffe mehr (z.B. Klebefallen) oder sie enthalten umweltverträgliche Stoffe (z.B. Lockstoff-Fallen), die mit Lebensmitteln funktionieren. Gleichzeitig gibt es für einzelne Anwendungsbereiche (z.B. Ungezieferspray) noch keine umweltschonenden Alternativen, die über eine vergleichbare Wirksamkeit verfügen. Insect Respect achtet bei jedem Produkt darauf, ob es eine umweltschonendere Alternative gibt, und lehnt besonders umweltbelastende Produkte ab.

Quelle:  Hans-Dietrich Reckhaus: Insect Respect. Das Gütezeichen für mehr Nachhaltigkeit im Umgang mit Insekten. Bielefeld: Insect Respect 2015.

Stand: August 2015