Dr. Martine Herpers

Dr. Martine Herpers ist Expertin für Gender Diversity, Unternehmensberaterin für Qualität und Gender Diversity und Informatik-Professorin. Nach über 20 Jahren in Fach- und Führungspositionen in verschiedenen Unternehmen der Telekommunikations- und Automobilindustrie hat sie eine eigene Sichtweise auf die Gleichstellung von Frauen und Männern entwickelt, die sie im Selbststudium, als Vorsitzende eines unternehmensinternen Frauennetzwerkes und als Mitglied vieler Frauennetzwerke gewonnen hat. Mit dem Gender Diversity Capability (GeDiCap) Assessment bietet Sie ein neuartiges Instrument, das die erfolgreiche Umsetzung von Gender-Gleichberechtigung mit den Qualitätsverbesserungsmaßnahmen der Unternehmen koppelt. Ihr Buch „Erfolgsfaktor Gender Diversity“ ist der Unternehmensleitfaden für alle Unternehmen und Organisationen, die Gender Diversity ernst nehmen. Als Vorsitzende von erfolgsfaktor FRAU e.V. prägt sie die politische Diskussion über mehr Frauen in Fach- und Führungspositionen und Gender Diversity in Unternehmen.
Weitere Informationen: http://www.quality-and-gender.com/ueber-uns/

 

Vielfalt – bunt, lebendig und erfolgreich

Vielfalt ist für unsere Zukunft entscheidend, weil wir kreative und nachhaltige Lösungen für eine Vielzahl komplexer Probleme brauchen. Die Mischung nach Frauen und Männern ist nur eine der Diversity-Dimensionen, aber sie stellt für die meisten Menschen die größte Herausforderung dar. Um Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern herzustellen, müssen wir alle einige unserer Gewohnheiten und Werte in Frage stellen, die mit vielen blinden Flecken umgeben sind.

Frauen in der Technik und im Management

Im Informatik-Studium hatte ich noch einige Kommilitoninnen (und wusste damals zum Glück nicht, dass Frauen angeblich nicht programmieren können). Informatik als Frau zu studieren, war für mich somit kein Widerspruch. Als ich dann als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Datenkommunikation die einzige Frau, umringt von zwölf Männern, war, da habe ich angefangen mir über das Verhältnis von Frauen und Männern am Arbeitsplatz Gedanken zu machen. Wo waren die Frauen hin? Wollten sie nicht promovieren? Das Thema hat mich nie wieder losgelassen, weil ich auch in allen folgenden beruflichen Stationen (Fach- und Führungspositionen) keinen Grund finden konnte, warum es in der Technik und im Management so wenige Frauen gab.

Auch haben so viele Aussagen, die es zu Frauen und ihren beruflichen Chancen gab, nicht mit der Realität übereingestimmt. Ich erinnere mich gut daran, dass das Thema Frauen und Technik/Management, als ich studiert habe, auch schon diskutiert wurde. Uns wenigen Frauen in der Informatik wurde eine steile und sichere Karriere vorausgesagt, da wir als Frauen ja die besten Chancen hätten. Das war 1983. Keine von uns hat eine steile Karriere gemacht. Weil wir nicht wollten? Doch damals wollten wir schon. Wir waren fleißig, zielstrebig und haben Familie, Kinder, Mann und Haushalt nebenbei bewupped, aber Karriere haben andere gemacht.

Was nicht sein soll, wird ignoriert

Ich habe früh angefangen mich mit Soziologie und Psychologie zu beschäftigen, um zu begreifen, was um mich herum passiert und warum unsere Karriereaussichten so falsch eingeschätzt wurden. Nach vielen Jahren des Staunens und Entdeckens von immer mehr blinden Flecken, weiß ich heute, dass Frauen und Männer ihre Rolle lernen und es kaum ein Entkommen gibt, weil jedeR Anerkennung in seiner/ihrer Rolle braucht. Frauen, die sich aus ihrer Rollen hinausbewegen hat es immer schon gegeben, aber sie sind quasi unsichtbar, weil es sie nach den gesellschaftlichen Rollenstereotypen nicht gibt.

Nun studiert meine Tochter Maschinenbau. Nein, sie ist nicht die Einzige und es gab schon viele vor ihr, aber es löst auch in 2014 immer noch Erstaunen aus.

Dabei hat sich viel zu Positiven geändert. Der Umgang zwischen Männern und Frauen ist heute unverkrampfter, als er zu meiner Studienzeit noch war und es gibt mehr Vorbilder für Frauen in der Politik und auch in der Technik. Im Kabinett Merkel gab es immer schon eine große Diversität und auch in der Fußballnationalmannschaft der Männer ist Diversität schon fast selbstverständlich.

Meine Vision

Wenn wir die richtigen Management-Werkzeuge einsetzen, dann können wir auch eine echte Chancengleichheit von Frauen und Männern in Fach- und Führungspositionen herstellen. Dazu gehört es Gender-Wissen aufzubauen, Offenheit und Querdenken zu unterstützen, gesunde Arbeitsprozesse einzuführen und an neuralgischen Stellen auch zu zählen – also Quoten vorzusehen und zu kontrollieren. Dieses stärkste aller Wirtschaftsmechanismen brauchen wir,  weil wir gegen die Unsichtbarkeit von Andersartigen ankämpfen müssen.

Meine Vision ist, dass Frauen und Männer gemeinsam neue Technologien entwickeln, Politik gestalten und sich die Familienpflichten teilen. Gerade im Angesicht von Klimawandel und modernen Medien, die gesellschaftliche Umwälzungen begünstigen, aber auch die Privatsphäre bedrohen, sind alle Talente gefragt, unsere Gesellschaft neu zu definieren und zu schützen.