Fabian Putzing

Fabian Putzing, Jahrgang 1983, studierte nach seinem Abitur in Gaggenau (Baden-Württemberg) Politik und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz. Seine Bachelorarbeit verfasste er über die Entwicklung der Klimaschutzpolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Danach wechselte er an die Universität Basel wo er 2011 den Masterstudiengang Sustainable Development abschloss. 2011 gründete er mit Arne Menn sustainable///sports.

Weitere Informationen:
www.sustainablesports.ch

 

 

Nachhaltigkeit im Sport

Die Brundtlandt Kommission bezeichnete Nachhaltige Entwicklung in ihrem Abschlussbericht „Our common Future“ als eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der jetzigen Generation dient, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Damit sind sowohl soziale, ökologische als auch ökonomische Bedürfnisse gemeint.

Nachhaltiges Handeln bedeutet also, die natürliche Umwelt zu schützen, die soziale Verantwortung wahrzunehmen und gleichzeitig, den ökonomischen Profit zu erhöhen.

Diese Ziele erscheinen insbesondere bei produzierenden Unternehmen, deren Produkte auf Basis von endlichen natürlichen Ressourcen entstehen, als Widerspruch. Doch: Das Gegenteil ist der Fall. Auch daher ist Nachhaltigkeit in der Privatwirtschaft ein Megatrend, dem sich die wenigsten Unternehmen verschließen.

Der Sportsektor scheint prädestiniert Prozesse der Nachhaltigkeit zielgerichtet umzusetzen. Spitzensport trägt zur Unterhaltung der Gesellschaft bei, wirkt integrationsfördernd und wird nicht selten als Spiegelbild der Gesellschaft gesehen. Sportler sind Vorbilder für Jugendliche und Politiker sonnen sich gerne in deren Erfolg. Der Ressourcen- und Fläschenverbrauch ist im Vergleich zum produzierenden Gewerbe vergleichsweise klein. Außerdem ist eine intakte Natur Voraussetzung für die Ausübung vieler Sportarten.

Diese Facetten des Sports schaffen hervorragende Bedingungen für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien im Spitzen- aber auch im Breitensport. Im Gegensatz zum produzierenden Gewerbe ist der angebliche Widerspruch zwischen sozialer und ökologischer Verträglichkeit und ökonomischen Profit leichter aufzulösen.

Betrachtet man die Möglichkeiten einer nachhaltigen Ausrichtung im Spitzensport, so ist bei der richtigen strategischen Herangehensweise eine Erhöhung des ökonomischen Profits durch soziale und ökologische Anstrengungen wesentlich leichter zu erreichen, als im produzierenden Gewerbe. Nachhaltigkeitsmanagement im Spitzensport ist also mehr als nur Imagepflege - eben ein echter Business Case.

Ökologie

Eine nachhaltige Ausrichtung im Spitzensport bietet unzählige Möglichkeiten. Beginnend mit der Reduktion des Ressourcenverbrauchs in der Sportinfrastruktur. So lassen sich mit einfachsten Maßnahmen große Mengen an Wasser und Energie einsparen. Was die Betriebskosten von Sportstätten, wie zum Beispiel Golfplätzen oder Fußballstadien, beträchtlich verringert. Für die Nutzung von regenerativen Energiequellen wie Photovoltaikanlagen sind Stadiondächer beispielsweise hervorragend geeignet.

Sportereignisse ziehen meist eine enorme Besucherzahl an, von denen der große Teil noch immer mit dem eigenen Auto anreist. Dass es auch anders geht, zeigte die WM 2006 in Deutschland. Rund 60 Prozent der schätzungsweise 3,2 Mio. Stadionbesucher nutzten den sicheren und umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr. Nur 30 Prozent kamen mit dem eigenen Auto.

Eine ganz andere Perspektive auf die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit bietet beispielsweise der Golfsport.

In Deutschland gibt es zur Zeit über eine halbe Million Golfer/-innen auf über 690 Plätzen. Golf gehört zu den Sportarten, die von der demographischen Entwicklung in Deutschland im besonderem Maße profitiert. Mit einer durchschnittlichen Größe von 73 ha pro 18-Loch-Platz ergibt sich eine Gesamtfläche von ca. 50.000 ha in Deutschland. Diese Golfplätze sind gleichzeitig Chance und Gefahr für die Biodiversität in Deutschland.

Unter Biodiversität versteht man die Vielfalt der Natur schlechthin. Also die Vielfalt zwischen den Arten, innerhalb der Arten (der Genpool) und die Vielfalt der Ökosysteme. Durch menschliche Eingriffe verschwinden weltweit derzeit jeden Tag bis zu 70 Pflanzen und Tierarten.

Golfplätze als Lebensräume für Flora und Fauna sind zunehmend im Fokus wissenschaftlicher Betrachtung gerückt. Dabei liegt der Fokus der wissenschaftlichen Untersuchungen darauf, wie die Biodiversität auf Golfplätzen erhöht werden kann. So sollte beispielsweise ein Standort gewählt werden, der bisher landwirtschaftlich genutzt wurde, um bestehende Pflanzenformationen in die Planung mit einzubeziehen. Die intensive Bewirtschaftung (Beregnung, Düngung etc.) muss so weit wie möglich reduziert werden und auf maximal 3% des Grüns angewendet werden. Außerdem bieten Golfplätzen in Großstädten hervorragende Voraussetzungen, das Stadtklima zu verbessern und die Wohlfühlatmosphäre in einer dicht besiedelten Stadt zu erhöhen.

Soziales

Doch Nachhaltigkeit erschöpft sich nicht darin, den ökologischen Fußabdruck von Sportveranstaltungen und Sportinfrastruktur zu verringern. Der Sport bietet ideale Voraussetzungen als Multiplikator für soziale Anstrengungen zu fungieren.

Sportvereine nehmen in der Gesellschaft eine besondere Position ein. Die Sportler dienen nicht selten als Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Aus dieser exponierten Stellung innerhalb der Gesellschaft wächst jedoch auch eine erhöhte Verantwortung gegenüber gesellschaftlichen Belangen.

Vorreiter im Bereich soziales Engagement im Fussball war die Premier League. In Großbritannien ist der Community Gedanke fest verankert. Ein großer Teil der Premier League Fußballvereine engagiert sich für Projekte in der umliegenden Nachbarschaft. So betreibt Manchester United (eine eigene Stiftung, die „Manchester United Foundation“. Deren Ziel ist es, Jugendliche aus prekären Lebensverhältnissen auszubilden, zu motivieren und Ihnen Chancen zu geben.

Auch in der Bundesliga sind sich die meisten Vereine dieser Verantwortung bewusst und nehmen sie wahr. So hat zum Beispiel der SV Werder Bremen im Jahr 2002 als erster Verein in der Bundesliga Kooperationen mit angrenzenden Vereinen und Schulen gestartet. Die Initiative 100 Schulen - 100 Vereine ermöglicht es dem SV Werder Bremen in seinem Haupteinzugsgebiet mit der „Basis“ zu kooperieren, die regionale Verankerung sicherzustellen und die nächste Generation an Werder Fans an den Verein zu binden. Dabei geht es um viel mehr als um Freikarten für ein Werder-Heimspiel pro Saison. In Projektwochen mit Profis und Trainern des SV Werder werden Lehrer bei der Trainingsgestaltung unterstützt und Schüler dürfen Ihr können vor den Profis zeigen.

Ökonomie

Mit der Wahrnehmung gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung durch Sportvereine verbessert sich das Image von Sportvereinen und des gesamten Sports. Außerdem sind erhebliche Potentiale zur Verringerung der Betriebskosten von Sportstätten durch verringerten Ressourcenverbrauch vorhanden. Der Imagegewinn endet jedoch nicht beim Sportverein sondern färbt auch auf die Sponsoren ab.

Genauso wird die Forderung nach gezieltem Sponsoring von Seiten der Zuschauer und der Konsumenten immer lauter. Eine von MEC Access (2009) verfasste Studie zu den Erwartungen an Sportsponsoren brachte überraschende Ergebnisse. So erwarten ca. 50% der Befragten, dass sich Sportsponsoren mit dem Verein zusammen sozial engagieren. Im Gegensatz dazu erwarten nur 30% der Befragten, dass die Sponsoren den Verein bei der Finanzierung neuer Spieler unterstützen.  

Nachhaltigkeitsinitiativen im Sport bieten Sponsoren die Möglichkeit die Vorteile des klassischen Sportsponsorings (große Öffentlichkeit) mit dem zu erwartenden Imagegewinn durch Sozial- und Umweltsponsoring zu verbinden.

Doch ist die Planung und Durchführung solcher Initiativen nicht trivial und muss strategisch durchdacht und holistisch – den gesamten Verein einbeziehend – ausgerichtet sein, um Win-Win-Win Situationen und Synergieeffekte zu erzeugen. Der Teufel liegt wie so oft im Detail.

Ein letzter Blick auf das produzierende Gewerbe zeigt, dass ein entscheidender Erfolgsfaktor für Nachhaltigkeitsinitiativen eine professionelle, den Standards entsprechende Kommunikation ist. Erst dadurch wird sowohl die breite Öffentlichkeit als auch das Fachpublikum transparent und glaubwürdig über die Anstrengungen in Bezug auf Umwelt und Soziales informiert. Im produzierenden Gewerbe wurde dies bereits erkannt und wird konsequent umgesetzt. Aktuell geben 80% der Global Fortune Unternehmen und 90% der am DAX notierten Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht heraus.

Bei gewissenhafter Planung und Einbeziehung der limitierenden Faktoren lässt sich mit Nachhaltigkeitsinitiativen im Sport Gutes für Gesellschaft und Umwelt tun und damit auch noch Geld verdienen.