Felix Müller

Felix Müller, Jahrgang 1966, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und besitzt einen MBA der Duke University in den USA. Seine Coachingkenntnisse und -fähigkeiten erwarb er im dreijährigen Psychologie-basierten MSc in Coaching & Behavioural Change an der Henley Business School in Großbritannien. Zudem ist er Certified Practitioner für den Myers-Briggs Type Indicator. Er verfügt über mehr als zwanzig Jahre Führungserfahrung in internationalen Unternehmen, davon mehr als zehn Jahre als Geschäftsführer. Parallel zu seiner Tätigkeit als Executive Coach und Experte für Reflexionsräume bei ‚Reflective Discovery‘ verantwortet er das Geschäft der deutschen Niederlassung der renommierten britischen Henley Business School. Er lädt Menschen ein, unter Nutzung aktueller Kenntnisse von Psychologie, Biologie und Neurowissenschaften zu entdecken, wie und warum sie auf das Verhalten anderer Menschen und ihrer Umgebung auf eigene Weise reagieren. Dies schafft Klarheit und Gelassenheit und versetzt sie in die Lage, ihr eigenes Verhalten bewusst zu gestalten, damit sie selbst und andere entspannt und nachhaltig erfüllt leben können.

Weitere Informationen: www.reflective-discovery.com

Natur und Nachhaltigkeit

Die Natur ist „von Natur aus“ auf Nachhaltigkeit angelegt, denn ihr Ziel ist es, das Überleben der jeweiligen Spezies sicherzustellen. Daher finden wir in der Natur viele Prozesse, die dies zeigen, wie dass im Winter die Bäume die Blätter abwerfen und in einen schlafartigen Zustand gehen, bis die Bedingungen sich bessern, oder Katzen einen wärmeren Pelz erhalten, um der Kälte zu trotzen.

Auch im Menschen haben sich vor vielen Jahrtausenden solche Prozesse etabliert, um dessen Überleben zu sichern: So hat der Körper gelernt, dass die Bedrohung durch Bakterien durch Hitze bekämpft werden kann. Daher erhöht er in solchen Bedrohungsfällen die Körpertemperatur – wir haben Fieber und werden gezwungen, den Körper ruhen zu lassen, bis die belastende Infektion beseitigt ist.

Weiter hat die Natur gemerkt, dass zwischenmenschliche Prozesse ebenfalls zum Überleben der Spezies Mensch beitragen. So hat sie gelernt, dass es positiv ist, wenn Menschen aufeinander achten, wenn sie in der Steinzeit am Lagerfeuer sitzen oder auf Mammutjagd gehen und der Säbelzahntiger sich rumtreibt. Daraus haben sich z.B. Bedürfnisse nach Nähe und Kontrolle entwickelt.

Nachhaltigkeit bedeutet nun, diese Prozesse, die tief in uns angelegt sind, laufen zu lassen – dies führt zu geringeren Energieaufwand (man bewegt sich im Fluss) und zur Nutzung der eigenen Stärken – und ihnen nicht unnötig Widerstand entgegen zu setzen. Denn diese Prozesse sind nicht intellektuell kontrollierbar (so gerne wir das auch hätten). Auch beim Laufenlassen unterstützt uns die Natur: Mit den Gefühlen hat sie uns einen Sensor mitgegeben, der uns einfach mitteilt, ob wir nachhaltig unterwegs sind: Positive Gefühle zeigen, dass dies der Fall ist.

Allerdings kommt es ab und an zu Konflikten zwischen den Prozessen: So zwingt das Fieber eine Mutter, sich im Bett Ruhe zu gönnen, während gleichzeitig ihr Verantwortungsgefühl sie dazu verleitet, weiter unverändert für ihre Kinder da zu sein. Oder der Mitarbeiter ist müde und fühlt, dass die 14. Arbeitsstunde nicht mehr produktiv ist, arbeitet aber dennoch weiter, weil er dafür am nächsten Tag das Lob seines Chefs erhält.

Diese Konflikte nehmen mit der zunehmenden Komplexität unseres Lebens zu und tragen auch zur rasch steigenden Zahl von Burnout- und Depressionsfällen bei, welche unsägliches Leid für Menschen und gigantische Kosten für die Volkswirtschaft produzieren.

Selbst-Bewusstsein als Lösung für mich selbst und meine Beziehungen

Mein Ansatz zur Bewältigung dieser Konflikte liegt darin, sich der tief darunterliegenden Prozesse bewusst zu werden und mit diesem Wissen dann in die bewusste Handlung zu treten. Dabei kommt Bedürfnissen eine zentrale Rolle zu: Wenn meine Bedürfnisse erfüllt sind, habe ich positive Gefühle, ich lebe nachhaltig und kann mit diesem Wissen bewusst weitere Situationen erschaffen, die nachhaltig sind („mehr davon, bitte!“); wenn nicht, sind die Gefühle negativ und ich bin eingeladen, die Situationen anzuschauen, damit ich nachhaltig lebe, indem ich solche Situationen aktiv verhindere („dies nicht mehr, bitte!“).

Konkret schaue ich mit Menschen unter Nutzung aktuellen Wissens aus Psychologie, Biologie und Neurowissenschaften Situationen mit starken Gefühlen an, so dass sie ihr ureigenes Bedürfnisbündel herausarbeiten können. Denn dies ist die Krux: Wenngleich die ablaufenden Prozesse bei allen Menschen gleich sind, so sind die Auslöser höchst persönlich, da sie sich aus einer Mischung aus angeborenen und durch das Leben erworbenen Bedürfnisse zusammensetzen – und jedes Leben ist einzigartig.

Daher haben Menschen vor unterschiedlichen Situationen Angst oder empfinden Freude unterschiedlich. Und bei Konflikten gilt es herauszufinden, welche Bedürfnisse in Konflikt stehen, so dass ich in einer spezifischen Situation bewusst entscheiden kann, welchem Bedürfnis ich dieses Mal den Vorrang gebe.

Häufig stelle ich auch fest (und meine Forschung bestätigt dies), dass das schiere Bewusstsein um seine Bedürfnisse bei vielen Menschen ausreicht, um Klarheit und Entspannung zu erzielen – und dies ohne viel Aufwand. Und durch das Bewusstsein um Bedürfnisse kann ich auch aktiv zu deren Erfüllung beitragen, ich dem ich meine Umwelt entsprechend gestalte und die Menschen um mich herum bitte, zur Erfüllung meiner Bedürfnisse durch Tun oder Lassen beizutragen.

Weiter kann ich dann meine Bedürfnisse verändern oder aktiv steuern, denn so wie sie über den Lauf meines Lebens entstanden sind, so können sie sich ändern.

Damit ermögliche ich mir, nachhaltig zu sein, und kann andere einladen, dieselben Prozesse zu durchleben, um selbst ihre Nachhaltigkeit zu erhöhen. Diesen Ansatz nenne ich „Reflective Discovery“, da die Menschen auf eine Entdeckungsreise zu sich selbst gehen und die Reflexion über sich und andere dabei eine zentrale Rolle spielt.

 

Stand: Januar 2018