Fritz Krings

Fritz Krings ist  Jahrgang 1979 und im Odenwald geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur gründete er mit seinen Brüdern Max und Karl die Band K.RINGS  und machte sich als Label selbstständig. Er begann im Alter von 25 Jahren sein Musikbusiness Studium in Mannheim und gründete nach erfolgreichem Abschluss (Abschlussarbeitsthema: Fan Relation Ship Management / FRM) die Firma Peripherique, pq-world GmbH, welche sich den veränderten Marktbedingungen und dem Trend der konvergierenden Kreativebereiche bereits frühzeitig gestellt hat. So entstand neben dem klassischen Label, Verlag und Management auch die Bereiche Film-,  Grafik-, und Eventproduktion ergänzt von dem Geschäftsfeld der Planung und Umsetzung von zeitgemäßen Kommunikationsstrategien um so alle kreativen Geschäftsfelder eigenständig abzudecken.

Es existieren in der Ölmühle im Odenwald mehrere Tonstudios und Produktionsstätten aus denen international Künstler und Firmen beliefert werden. 2009 wurde von ihm der gemeinnützige Verein Sound of the Forest e.V. gegründet um die Popkultur im Odenwald nachhaltig zu fördern und der Region einen positiven Kulturimpuls zu verpassen. Das erste Projekt war das jährlich stattfinden gleichnamige Musikfestival zu dem inzwischen 5000 überregionale Besucher kommen und welches im Jahr 2013 fünf jähriges bestehen feiert. Seit 2010 ist er Vorstandsmitglied des aus 1300 Mitgliedsfirmen bestehenden Verbandes unabhängiger Musikfirmen e.V. (VUT).

www.pq-world.de

 

 

Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie mit dem Wort "Nachhaltigkeit" konfrontiert werden?

Nachhaltigkeit ist für mich ein Platzhalter, eine Worthülle, die jedoch jedem einzelnen eigentlich enorme Gestaltungsfreiheit lässt, sich auf den Weg in eine „bessere“ Zukunft zu bewegen.

Inwiefern gibt es eine Verbindung von Nachhaltigkeit und Musik?

In diesem Fall kann ich nur für mich und meine Umfeld sprechen, aber Musik ist etwas was nur durch die Begegnungen mit anderen entstehen kann und seine voll Kraft auch erst durch die erneute Begegnung mit wiederum anderen entfaltet. Jeder Künstler möchte Musik schaffen, die bewegt, die länger anhält als nur eine paar Minuten Ruhm. Musik entsteht in den Gedanken und bedarf eigentlich nur weniger Produktionsmittel um diese zu verwirklichen. Musik ist an sich sehr Ressourcen schonend, wenn man davon absieht das sich so mancher Künstler selbst dafür aufopfert und am Existenzminium lange Zeit überleben muss, um dann später ggf. mal die Früchte zu ernten. Natürlich gibt es auch viele die es andres betreiben und es sehen wie ein einfaches profitables Geschäft.

Welche Grundidee liegt Ihrem Festival Sound of the Forest im Odenwald zu Grunde?

Mit dem Sound of the Forest-Festival versuchen wir in der Region Odenwald etwas durch Musik zu bewegen. Wer den Odenwald kennt, weiss über die schönen Landschaft am Rande der Metropolen - sozusagen um die schöne Peripherique. Aber auch die Schattenseite ist vielen bekannt. Den Sog der Großstädte spürt man deutlich im Odenwald. Wir möchten denen, die gehen und vor allem denen die vor Ort sind, einen Festival an die Hand geben, welches sie mit dem Wald, dem Odenwald  und den Menschen vor Ort verbindet – weit darüber hinaus - egal wo sie später dann einmal sind. Auch die Exil-Odenwälder sollen stolz auf ihre Herkunft sein. Daher ist unser Anliegen auch außerhalb des Odenwaldes bekannt zu werden. Diese Identität versuchen wir, neben natürlich ein paar schönen Tagen mit toller Musik im Odenwald zu genießen, zu vermitteln. Dieser Impuls soll auch andere in der Region ermutigen und motivieren selbst Projekte zu starten. Wir haben bereits nach 4 Jahren die ersten Aktivitäten „anderer“ wahrgenommen. Leute sagen: „ich finde toll was ihr macht und möchte nun meinen Teil dazu beitragen und auch etwas starten“. 

Wie gut konnten Sie Ihre Idee eines nachhaltigen Festivals bis heute umsetzen?

Wir sind mitten auf dem Weg. Wir sind anfangs völlig ohne Wissen über Nachhaltigkeit aufgebrochen. Haben dies dann erst von Menschen erfahren, die zu uns meinten: „Hey, ihr seid krass – ihr macht fast alles aus dem Bauch raus richtig – ihr seit extrem nachhaltig.“ Anfangs fanden wir das Wort Nachhaltig völlig dämlich, uncool und nichtssagend – langsam verstehen wir was dahinter steckt, und das es gar nicht so schlimm ist, so zu sein.

Wir wollten einfach das machen, was einem der normale Verstand doch eigentlich sagt. Wieso Lebensmittel aus Hamburg, die aus Ungarn oder Frankreich kommen, in den Odenwald transportieren, wenn es vor Ort Menschen gibt, die vergleichbares selbst produzieren. Wieso sollten man Plastik nehmen, wenn es auch einen Stoff gibt, der organisch ist?  Auch wenn wir natürlich die Europäisierung und Globalisierung begrüßen. Wieso eine Technikfirma aus München nehmen, wenn sie in den unmittelbaren Gegend das Gleiche können - nur um vielleicht ein paar Euro sparen zu können? Und das Lustige ist: vor Ort ist gar nicht immer teurer! Wieso ausschließlich die bekannte Bands buchen, wo es doch so viele tolle innovative, noch nicht so bekannte Bands, gibt. Dann kann man gleichzeitig Starthilfe leisten und super Musik hören.

Wir buchen bewusst Bands aus dem europäischen Ausland und dem Rest der Welt, denn es liegt uns am Herzen im Grünen Herzen Europas, dem geografischen Mittelpunkt, auch Internationales zu zeigen. Wieso aber nicht die Rohstoffe benutzen die vor Ort sind, also Getränkestände aus Holz bauen statt hässliche Plastikzelte aus China zu nehmen. Wir versuchen sehr viel selbst herzustellen und vor Ort zu lösen. Nicht aus einer Ideologie heraus. Einfach nur weil es uns auch mehr Spaß macht etwas selbst zu schaffen. Das Andere machen auch die anderen schon alles.

Trotzdem sind wir nicht päpstlicher als der Papst und Gutmenschen. Es ist auch nicht unser Ziel 100% nachhaltig zu sein. Dennoch haben wir uns auch ein paar große Ziele gesetzt, die wir alleine gar nicht lösen können. Anfangs hatten wir die leichtsinnige Idee den vor Ort benötigten Strom aus der Produktion durch Wasser vor Ort zu nutzen. Der Stausee, an dem das Festival stattfindet, produziert Strom aus Wasserkraft. Leider fehlt uns hier zum Beispiel die Infrastruktur. Wir waren sogar so naiv einfach ganz locker zu sagen: „Hey – dann verlegen wir einfach ein Kabel bis nach hinten zur Bühne (ca. 800m).“ Als das Angebot kam und dort ein Minimum von 120.000 Euro netto stand, waren auch wir dann mal ganz kurz etwas unnachhaltig und haben begriffen, dass es noch nicht unsere Zeit mit dem Kabel ist. Wir sind aber zuversichtlich das in ein paar Jahren zu schaffen. Wir arbeiten daran.

Anfangs hat auch niemand geglaubt, dass man ein Festival mitten in der Natur machen kann, ohne das alles nach dem Festival von den „bösen, langhaarigen Bombenlegern “ (Anmerkung: Das ist so wie es oft von den etwas älteren nicht so involvierten Damen und Herren gesehen wird) verwüstet hinterlassen wird. Wir haben deren Meinung jedoch nicht bestätigt! Wir unternehmen viel, um es so verträglich wie möglich zu machen, wie Müllpfand, Mülltrennung aber auch was die Deko angeht geben wir uns Mühe, weil wir der Überzeugung sind, dass Festival-Menschen gar nicht so „böse“ sind wie alle glauben. Wenn es schön ist, dann macht man auch nicht alles kaputt. Ich hoffe meine Ironie kommt hier rüber.

Uns ist aber auch bewusst, dass wenn Menschen etwas machen, sie Spuren hinterlassen werden, vertreten aber auch die Meinung, dass es besser ist die den Umgang mit Natur zu lernen, in dem man sie benutzt, als dass man das nur aus Büchern kennt. Wir sagen eine Wiese, Grünfläche ist dazu da benutzt zu werden und es ist aber auch klar, dass diese so verlassen werden soll wie man sie vorgefunden hat.

Wo sehen sie noch Verbesserungspotential und was wäre für Sie das "ideale" Festival?

Wie sehen in vielen Bereichen noch Verbesserungspotential. Wir haben ja gerade erst begonnen. Wie in der vorhergehenden Frage bereits geschildert, ist der Bereich Infrastruktur wie Strom, Toiletten etc. verbesserungsbedürftig. Aber auch die Gagen der Bands zählen für uns, um nur einen anderen zu nennen, zur Nachhaltigkeit. Warum sollen Künstler immer ,wenn alle ihr Geld haben, leer ausgehen? Auch hier können wir uns verbessern. Bands verstehen das nur eben besser und sind meist auch extreme Idealisten! Ebenfalls ist das Thema Sponsoren verbesserungsbedürftig. Hier gibt es einige Firmen, die zu uns passen würden und die auch einen tolle Zielgruppe von uns serviert bekämen. Leider ist das Bewusstsein dort auch nicht immer direkt da.

Sie haben auch eine eigene Band. Inwieweit ist Nachhaltigkeit Ausdruck Ihrer Musik?

Eigentlich möchten wir auch hier das Wort nicht wirklich plakativ benutzen, da es von Politik oft in einen sehr „komischen“ Kontext, oft ohne Inhalt, besetzt wird. Wir haben aber das Thema Menschen, Natur als Hauptthema des nächsten Albums gewählt. Es geht viel über unsere Herkunft, über unsere Art mit anderen umzugehen – um das Zwischenmenschliche. Einer der Titel heißt „Grünes Herz“. Auf dem letzten Album war der Song „Sound oft he Forest“ enthalten, der genau das Festival musikalisch beschreibt. Wir möchten Brücken bauen statt sie einzureißen, Menschen zusammen bringen, statt sie zu trennen, Wir möchten Spass anstatt Trübsal zu blasen! Das in aller Kürze. Die eigene Musik zu beschreiben ist sicher das Schwerste.

Was zeichnet Ihre "Handschrift" aus? Was soll als Botschaft bleiben von ihr auf diesem Planeten?

Es ist egal woher du kommst, egal was passiert ist, es gibt immer noch eine Zukunft in der man alles besser machen kann. Versuchen soll man es, auch wenn nicht immer alles klappt! Nie aufgeben, seine Projekte verwirklichen, aus dem Mittelmaß heraustreten und vor allem das Spass haben nicht vergessen.

 

Das Interview führte Hauke Schwiezer.