Günther Bachmann

Prof. Dr. Günther Bachmann ist Generalsekretär des Rates für nachhaltige Entwicklung. Geboren in Berlin, Studium der Landschaftsplanung an der TU Berlin bis 1978, verschiedene Forschungsaufträge an der TU, Promotion 1985, Studien- und Forschungsaufenthalte am Europäischen Hochschulinstitut (Jean Monnet Stipendium) und in den USA (German Marshall Fund of the US). 1983 bis 2001 Mitarbeiter im Umweltbundesamt, seit 1992 als Fachgebietsleiter "Bodenschutz", Auslandsarbeiten in Brasilien, Ungarn, Spanien, Geschäftsführung für den Wissenschaftlichen Beirat Bodenschutz beim BMU (1998 – 2001). Seit April 2001 Leiter der Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung, seit Juni 2007 dessen Generalsekretär. Am 25.2.2014 wurde Dr. Bachmann von der Stiftung Universität Lüneburg zum Honorarprofessor bestellt.Herausgeber von Loseblattwerken, Verfasser von Kommentaren zum Bodenschutzgesetz, div. Aufsätze und Vorträge.


Warum die Nachhaltigkeits-Governance Deutschlands auf dem Prüfstand steht

Interview mit Prof. Dr. Günther Bachmann Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, der dafür plädiert, transformative Nachhaltigkeit aus dem Begriffshimmel auf die Erde zu holen.


Herr Prof. Bachmann, wie kann eine Nachhaltigkeits-Governance konstruktiv gemacht werden? Und welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Transformationen?

Große Transformationen sind nichts Außergewöhnliches. Sie geschehen allenthalben, denkt man an die Deutsche Einheit, die europäische Einigung. Auch die Energiewende ordne ich hier ein. In den 70er und 80er Jahren waren brennende Giftdeponien, Müllberge und gelbe Schornstein-Schwaden an der Tagesordnung. Dass sie es heute nicht mehr sind, ist Teil transformativen Wandels. Er verändert das Leben der Menschen und die Rahmenbedingungen für Politik und Wirtschaft. Das Neue heute ist, dass unser Wachstumsmodell zur Transformation zwingt, und zugleich die Illusion nährt, alles könnte so weitergehen wie bisher.

Weshalb wird dies aber oft nicht wirklich wahrgenommen?

Veränderungsprozesse erstarren allzu leicht in Zuständigkeiten und Disziplinen bis hin zu siloartigem Ressortdenken. Ihre Protagonisten erscheinen dann satt, verteidigen ihre Bereiche und schauen bei wirklich neuen Herausforderungen auch gerne einmal weg. Wer mit aktivem Verändern begonnen hat, der setzt das nicht automatisch fort. Seminare ersetzen dann Aktionen. Transformation verliert an Lebenswirklichkeit.

 Die Idee der Transformation leidet Ihrer Meinung nach unter einem öko-diktatorischen Unterton, der aber gar nicht nötig ist.  Wie kann er ausgeräumt werden?

Beispielsweise durch die rechtsstaatlichen Prinzipien der Nachhaltigkeits-Governance. Transformation müsste sich auch stärker mit der Lebenswelt der Menschen und der Praxis in Unternehmen verbinden. Und vor allem: Wer von Transformation redet, sollte sie als Teil der repräsentativen Demokratie sehen. Viel zu viele Menschen spielen mit der verführerischen Vorstellung, Transformationen gingen nur von oben und Regierungsmodelle wie das in China seien im Vorteil. Ich halte diese Annahme für falsch. Meine Meinung ist, dass erst eine demokratisch gelebte Idee der Transformation die Chance gibt, die oft  geringe Wahlbeteiligung in Deutschland zu verbessern.

Weshalb verbietet sich in einer Welt von bald zehn Milliarden Menschen, mit Restriktionen der Ressourcenverfügbarkeit und Einschränkungen durch die Auswirkungen des Klimawandels für Sie der Gedanke an ein Business-as-usual?

Was die Aufklärung für den Absolutismus, muss die Maxime der Nachhaltigkeit für die Ressourcennutzung werden: Eine Wende zu Kreislaufwirtschaft, Schadstofffreiheit und Ressourceneffizienz.

Was bedeutet das konkret für die Governance?

Ein Beispiel: Weltweit werden über eine Milliarde Tonnen Lebensmitteln im Jahr weggeworfen oder gehen verloren. Darunter ist in den Industrieländern ein skandalös hoher Anteil von Fleisch, was die Verschwendung natürlicher Ressourcen noch vervielfacht. Verluste und Vernichtung von noch brauchbaren Nahrungsmitteln sind eine Plage biblischen Ausmaßes, auch und gerade in Deutschland. Zivilgesellschaftliche Initiativen reagieren mit Aufklärung und Aktion: taste the waste, zu gut für die Tonne, essens-werte, save food, united against waste sind einige aktuelle Stichworte. Die „Tafeln“ arbeiten an der sinnvollen Verwendung von noch brauchbaren Resten. Die Gesellschaft ist bereit zu handeln. Was fehlt sind Rahmenbedingungen, ein klares Ziel zur schnellen Halbierung der Wegwerfmenge, Klarheit und Zuverlässigkeit von Daten und Informationsgrundlagen sowie Vorgaben für Einzelhandel und Außerhausverpflegung. Transformative Nachhaltigkeits-Governance heißt hier zunächst Ziele vereinbaren und Verantwortung für Maßnahmen zuordnen, Indikatoren und Daten sicherstellen, um Veränderung zu messen.

Was heißt das beispielsweise konkret für den Bereich Abfalltrennung?

Ziele, Gesetze liegen hier vor und werden auch überwacht. Deutsche sehen sich selbst gerne als Weltmeister im Getrenntsammeln von Abfällen. Doch der hohe Anteil getrennt erfassten Mülls täuscht darüber hinweg, dass die Quote des tatsächlichen Recyclings viel kleiner ist. Elektroschrott und Recycling: Das muss völlig neu buchstabiert werden.  Dass die Kreislaufwirtschaft vorne, beim Produktdesign und in der Produktion anfangen muss, ist zwar ein Credo, aber noch keine Wirklichkeit. Viele wichtige Rohstoffe, selbst solche mit strategischer Bedeutung, verschwinden im Müll. Unmenschliche Arbeitsbedingungen auf Schrottplätzen in Afrika oder Indien müssten ebenfalls zu einer Politikänderung bei uns führen. Transformative Nachhaltigkeits-Governance wäre hier vor allem ein Neustart der Kreislaufwirtschaft und eine Re-Organisation von Innovation und Partnerschaften.

Internationale Experten haben auf Einladung der Bundesregierung die deutsche Nachhaltigkeitspolitik unter die Lupe genommen. Was war das Ergebnis?

Ergebnis ist, dass Deutschlands Nachhaltigkeits-Governance in der Regierung, im Parlament und in der Gesellschaft gut aufgestellt ist, aber wirksamer agieren könnte. Die Experten betonen, dass Nachhaltigkeit längst nicht mehr nur „nice to have“ ist, sondern gute Nachhaltigkeitslösungen eine strategische Rolle in Politik und Wirtschaft, aber auch für die Einstellungen und Haltungen der Menschen spielt.

Was zeichnet das moderne Verständnis von Governance aus?

Es geht über Gesetze und Regierungshandeln hinaus. Es geht auch um die Rolle von Medien, der Wissenschaft und um den gesellschaftlichen Kontext. Gute Governance lässt Raum für Unvorhersehbares und versteht sich als etwas Entwickeltes, aus Protest Entstehendes und sich Wandelndes. In einer komplexen Welt gilt es, mit Zielkonflikten und Widersprüchen, Ambivalenzen, unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Asymmetrien umzugehen. Unsere politische Praxis reflektiert die Idee der Unabhängigkeit. Mit der Idee, von etwas unabhängig zu sein, wurden Staaten gegründet und entwickelten sich die Städte. Mit dieser Idee wurden aber auch Zuständigkeiten und Ressorts, Disziplinen und Fachgemeinschaften von Menschen definiert. Das gilt es zu überwinden, wenn wir Nachhaltigkeit wollen.

Was sind für Sie Nachhaltigkeitsstrategien?

Sie sind quasi eine Art Abhängigkeitserklärung. Hier geht es um Zusammenarbeit und Integration von Ökologie, Ökonomie und Sozialem. Es geht um Koordination und Kohärenz, um die verschiedenen Aspekte sinnvoll zu ordnen. Das ist eine große Lernaufgabe für alle Beteiligten. Transformationen müssen in der Mitte der Gesellschaft gelingen. Ein gutes Zeichen: Viele der mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichneten Unternehmen kommen aus Geschäftsfeldern, die den Mainstream beeinflussen.

Die Bundesregierung hat sich ambitionierte Ziele gesetzt und lässt ihren Erfolg oder ihre Defizite im Verfolgen dieser Ziele durch unabhängige Statistiker messen. Wo zeigen sich erste Effekte für den Wandel?

Beispielsweise im privaten Konsum. Der Begriff Nachhaltigkeit ist einer steigenden Zahl von Menschen bekannt. In den Medien taucht er öfter auf als früher. Das Internet spielt eine zunehmende Rolle vor allem in der Generation, für die herkömmliches Fernsehen nur noch kaputtes Youtube ist. Hier breiten sich Nachhaltigkeits-Ideen aus. Heute ist Nachhaltigkeit gefragter als in den Jahren zuvor: als politisches Konzept, aber auch als Orientierung und Haltung für ein gutes Leben. Neue Produkte, Umstellungen der Produktion und Nachhaltigkeitskriterien bei Lieferanten und Vorproduzenten sind ein richtiger Weg. Hier ist aber mehr Mut und mehr Verbindlichkeit gefordert.

Die Nachhaltigkeits-Governance Deutschlands steht auf dem Prüfstand. Woher kommt der Impuls dazu?

Der Impuls kommt von der globalen Politik. Die Staaten der Welt werden sich gemeinsame Ziele für ihre Nachhaltigkeitspolitik geben. Angesichts des Dramas der globalen Gemeinschaftsgüter ist das in der Tat dringend. Diese Ziele sollen – das ist neu – für alle Staaten der Welt gelten. Sie sollen universell gültig sein. Insofern ist auch Deutschland ein Entwicklungsland. Die Idee universeller Sustainable Development Goals hat die Politik verändert, noch bevor sie implementiert wird. Jetzt müssen wir zeigen, wie die Ziele innerhalb von Deutschland umgesetzt werden und womit Deutschland dabei helfen kann, die Ziele auch in anderen Weltregionen zu erreichen, zum Beispiel: durch Finanzierung, Kooperationen, Partnerschaften, modellhafte Durchbrüche, Kompetenzaustausch und die Mittel der internationalen und der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Es gibt weltweit ein erhebliches Interesse daran, wie gerade Deutschland seine Nachhaltigkeits-Governance anwendet und weiterentwickelt. Aktuell prüfen wir für die Bundesregierung, was hierbei an der Nachhaltigkeits-Governance zu verbessern ist.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt. Es basiert auf dem Vortrag „Lebensqualität, Wachstum und Wandel: Wie wirksam kann eine Nachhaltigkeits-Governance sein?“ von Prof. Günther Bachmann, den er am 26.2.2014 in Hamburg auf der Transformationskonferenz „Ressourcennutzung in einer veränderten Welt“ bei der Konrad Adenauer Stiftung gehalten hat.
Quelle:  http://www.huffingtonpost.de/../../alexandra-hildebrandt/nachhaltigkeit-governance-deutschland_b_6854790.html
Stand: März 2015

 

Kultur der Nachhaltigkeit

Als Generalsekretär des 2001 gegründeten Rates für Nachhaltige Entwicklung haben Sie ein strategisch wichtiges Beratermandat für die Bundesregierung inne. Welche Wirkungen und Reaktionen sind und waren damit verbunden?

2001 argwöhnte die Öffentlichkeit überwiegend, die Einrichtung des RNE sei wohl nur grüne Tünche und kritisierte die Regierung, dass sie eine gesellschaftlich relevante Meinungsplattform wiede­rum ohne Parlamentsbeteiligung eingerichtet habe. Innerhalb der Regierung war die Nachhaltigkeitspolitik anfangs auch ohne großen Rückhalt. Natürlich ist sie heute immer noch entwicklungsfähig, auf hohem Niveau. Aber der Rückhalt der Arbeit des Nachhaltigkeitsrates in Gesellschaft und Wirtschaft ist größer geworden. In der Politik ist es gelungen, die Idee der Nachhaltigkeit mehr als zehn Jahre lang und während vier Regierungen auf der Top-Ebene zu halten. Der Bundestag hat sich wichtige eigene Strukturen geschaffen. Dennoch bleibt viel zu tun. Das alles spiegelt sich auf die eine oder andere Weise in meiner Arbeit. Aber dem Alltag merkt man das »Strategische« oft nicht so deutlich an. Und das ist gut so.

Als langjähriger Mitarbeiter des Umweltbundesamtes waren Sie schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit vertraut. Welche Bedeutung hat für Sie das so genannte Drei-Säulen-Modell?

Das ist eine Monster-Abstraktion, dieses Drei-­Dimensionen-Bild. Es hat seinen Wert und ich bin optimistisch, dass es noch an Bedeutung gewinnen wird. Es hilft, die mitunter fast schon ritualisierten Lagerkämpfe »Wirtschaft versus Umwelt« abzubauen. Es macht definitiv Schluss mit der irreführenden Formel »Die-Schornsteine-müssen-rauchen-dann-erst-kommt-die-Umwelt« und ihrer aktuellen Variante »Umwelt muss jetzt mal eine Pause einlegen, wir brauchen Wachstum«. Aber dennoch, bei der Bestätigung, irgendjemand habe dieses dreidimensionale Managementkonzept »begriffen«, ist Vorsicht angezeigt. Denn dieses Mega-Wortwerk hat auch gravierende Tücken. Es verleitet zu Illusionen über den Konsens und führt manchmal auch zu Behäbigkeit unter denjenigen, die das Nachhaltigkeitsthema gut eingerichtet haben. Berichte schreiben, (gute!) Projekte machen, über Wachstum diskutieren – das ist alles natürlich gut und notwendig. Aber der Knoten platzt so nicht.

Was meinen Sie damit?

Zunächst einmal, keine Philippika oder Nestbeschmutzung. Aber ich plädiere für ein Mehr an Verwunderung und letztlich auch mehr Risikobereitschaft, neue Wege zu gehen. Denn jetzt läuft zwar vieles, aber ohne die nötige Wirkung. Die Gesellschaft diskutiert vehement über die Verteilung von Reichtum und über ein Grundeinkommen, nicht aber über den Sinn der Arbeit und wie eigentlich die Lust darauf entsteht, mit der eigenen Arbeit für andere und anderswo Sinn zu machen. Die Energiewende ist ein anderes Beispiel. Sie droht mittlerweile ihrer eigenen Kraft beraubt zu werden, statt Möglichkeiten und Chancen zu suchen. Das Motto »Nachhaltiges Wirtschaften«, die Green Economy, klingt verführerisch einfach, aber dass es genau das überhaupt nicht ist, wird kaum angesprochen. Der individuelle Konsum verliert das rechte Maß, während die Supermarkt-Ketten mit ihren adretten Nachhaltigkeits-Inseln die Breite nicht erreichen. Das muss einem doch zu denken geben. Und diese Verwunderung (und auf ihr aufbauend, auch das Handeln, natürlich) ist nötig, um wirksam und glaubwürdig zu sein.

Müssen wir nicht angesichts der übergroßen Aufgabe mutlos werden? Wie vermeiden Sie das?

Auf Marktplätzen und Schulhöfen, in Vorstandsbüros und Hörsälen darf Nachhaltigkeit nicht nur als »wortwerkige« Großformel herüber kommen, die sich aus Großproblemen und der Agenda eines Mega-Regelwerkes legitimiert. Das geht schief. Wenn schon nicht Mutlosigkeit, dann ist es zumindest jedoch Zweifel, der beim Zuhörer aufkommen mag, ob das Ganze nicht doch eine Nummer zu groß sei. Stattdessen kann man für die gleiche große Geschichte aber auch Erstaunen, Neugier und Mut auslösen. Die Idee der Nachhaltigkeit zielt auf lange Zeiträume und Generationengerechtigkeit ab, und das allein ist schon abenteuerlich. Aber noch mehr spricht sie die Wahrhaftigkeit der Motive des eigenen Handelns an. Ganzheitliche Ansätze (wie Nachhaltigkeits­ideen, Lebensführung und Gesundheit) zusammenzubringen, ist spannend und wird erst in Anfängen (meist noch zu wenig, wie ich an mir sehe) angegangen. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir so etwas wie den Schrecken der Nachhaltigkeit an uns heranlassen und ihn nutzen sollten. Warum erschrecken wir nicht viel mehr darüber, wie wir in der Gesellschaft funktionieren und welches unser Teil davon ist, was sie tut? Vom Aufheizen der Atmosphäre über die Individualisierung des Gemeinsinns bis hin zu immer neuen Varianten der wohlstandsverzehrenden Geldmehrung. Ein Schreck kann heilsam sein. Wo er ausbleibt, ist die Heilung schwierig.

Was fehlt denn der Nachhaltigkeitspolitik Ihrer Meinung nach?

Oft fehlen ganz einfach der politische Wille zur Vision und der unternehmerische Wille zur Ratio­nalität im gesamten, langfristigen Geschäftsfeld. Mitunter ist auch die wissenschaftliche Durchdringung von Themen unzureichend oder wissenschaftliche Ergebnisse, so sie vorliegen, werden nicht gut genug in Handlungsalternativen übersetzt. Aber es ist auch zu beobachten, dass der Nachhaltigkeitsgedanke zu oft wie eine oberflächliche Formel für die Lösung von Konflikten gehalten wird, während die aber erst dann möglicherweise (!) zu lösen sein werden, nachdem man die Ansprüche aus Ökologie, Wirtschaft und Sozialem sorgfältig ausgelotet hat. Die Zukunft der Welternährung und die geopolitische Jagd auf das, was an Rohstoffen noch übrig ist, erfordern solcherart neue Konzepte. Und selbst in Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen bleibt manch wichtiger strategischer Gedanke ungesagt und womöglich auch ungedacht. Die staatliche Haushalts- und Beschaffungspolitik ist von einer Musterrolle des nachhaltigen Wirtschaftens noch entfernt.

Noch einmal zurück zur Frage nach den ökologischen Grundlagen und ihrer Bedeutung für Ihre Arbeit …

In der Tat, die umweltpolitische Praxis kann hilfreich sein. Sie erfordert ja in der Regel eine gute Kenntnis naturwissenschaftlicher Gegebenheiten, das Verständnis wirtschaftlicher Strukturen und dessen, was die Menschen daraus machen. Insofern fördert sie integratives Denken; allerdings nicht automatisch und überall. Aber umgekehrt gilt ziemlich zuverlässig, dass wenig Sinnvolles dort herauskommt, wo sich Umweltpolitik auf vorgeblich rein ökologische Konzepte beschränkt. Im Umweltbundesamt hatte ich mit dem Thema Böden zu tun, insbesondere waren rechtliche und technische Instrumente zur Abwehr von Gefahren aus Bodenbelastungen zu entwickeln, einschließlich von Grenzwerten für Mensch und Umwelt. Auch die Vorsorge vor dem Entstehen neuer ­Belastungen spielte eine Rolle. Da gibt es eine Vielfalt von Betroffenen, Verursachern und Nutzern: Vom Ackerbauern und Schweinezüchter zum Klär­schlamm-Verwerter, über den Immobilien­­­ma­nager und Stadtkämmerer, den Schrebergärtner­ oder Forstbesitzer zum Chemieunternehmer, Schrott­händler oder Tankstellenbesitzer, vom Bodenkundler, Biologen, Mediziner oder Toxikologen, Geowissenschaftler und Forstbotaniker bis hin zum Historiker, Juristen und Tontaubenschützen. Die galt es alle zu verstehen und in ein Regelwerk zum Schutz der Böden einzubinden. Kein schlechtes Training in Sachen Nachhaltigkeit.

Was motiviert Sie?

Mancher Missstand in Gesellschaft und Umwelt beleidigt ja schon beim ersten Blick das Selbstwertgefühl. Eine Rolle spielen auch die Sehnsucht nach Sinn und Erfolg und die Freude am Zusammenwirken mit anderen Menschen, auch der Stolz darauf, mit eigenen Kräften helfen zu können. Das gilt wohl mehr oder weniger allgemein, vermute ich. Mich motiviert natürlich auch die nahe Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Nachhaltigkeitsrates. Es ist spannend, mit Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten, die zum Beispiel schon in der ersten Umweltkonferenz 1972 in Stockholm mitgewirkt haben, mit Gro Harlem Brundtland gearbeitet haben, Konzerne »gedreht« haben, ganze Branchen beeinflussen, Verbände leiten oder die als Minister Deutschland maßgeblich geprägt haben und auch weltweit eine wichtige Rolle spielten. Eine große Motivation war es auch, im April und Mai 2011 an der Seite von ­Prof. Dr. Klaus Töpfer den Bericht der Ethikkommis­sion Sichere Energieversorgung zum Atomausstieg zu erarbeiten und die Energiewende voran zu bringen. Die nachhaltige Entwicklung hält aber noch einen weiteren Aspekt in petto, der nicht unerheblich ist, und das ist die Neugier. Mich interessiert, wie anders die Welt von morgen sein wird, weil ich sehe, wie stark sich die Welt und das Leben seither schon gewandelt haben. Jeden Zwanzigjährigen überraschen Sie doch heute mit der Information, dass die Post früher etwas mit dem Telefonieren zu tun hatte, und dass man in der Festnetzwelt Telefonapparate nicht einfach im Supermarkt kaufte. Das klingt ihm so fremd wie für mich die Wanderjahre meines Großvaters im Kaiserreich. Das macht mich neugierig. Wie sieht denn die Welt im Jahr 2050 aus? Mit verdoppelter Agrarproduktion? Mit drastisch reduziertem Ausstoß von Treibhausgasen? »Mitohne« seltenen Rohstoffen, deren Verbrauchsraten nicht bis 2050 reichen? In geschrumpfter Bevölkerung hier und neun Milliarden Menschen in der Welt, die alle (?) so konsumieren wie wir? Mit anderer Geopolitik? Und vor allem: Was tun wir? Was von dem, was wir heute machen, hat Bestand oder Bedeutung für später?

Sie meinen, der Nachhaltigkeitsbegriff sei bereits vielfach akzeptiert. Was veranlasst Sie zu dieser Aussage?

Die Erfahrung der letzten zehn Jahre.

Wirklich? Woran machen Sie das fest?

Der nachhaltige und sorgsame Umgang mit materiellen und finanziellen Ressourcen wird zunehmend als wichtige Stütze für die Zukunft angesehen. Das Versprechen, Wirtschaftswachstum löse alle Probleme, stößt dagegen auf immer mehr Zweifel. Die Menschen spüren, dass es grundsätzlichere Probleme gibt, die verdrängt und ungelöst bleiben, wenn wir so weitermachen wie bisher, dass die Alternativen zwischen Sehnsucht nach Wachstum und Ablehnung von Wachstum zu einfach ist. Dass letztlich beides eine Rolle hat und dass es auf das »Wie« ankommt. Sicher ist das ­alles ambivalent. Und sicher ist zu differenzieren zwischen Milieus und Bevölkerungsgruppen, und eine Trennlinie geht auch durch die Unternehmer-Landschaft. Aber insgesamt hat sich seit dem Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise etwas getan. Ich weiß aber auch: Die Nachfrage nach künstlich und mit umweltfeindlichen Mitteln gealterten Jeans ist ungebrochen. Und Jeans sind nur ein Beispiel, bei dem die Umweltkosten nicht in Rechnung gestellt werden und die Gesundheit der Arbeitenden nicht zählt. Ich weiß, wir konsumieren zu viel und vor allem zu viel vom Falschen. Aber auch das ist Realität: Firmen, die ehrliche Kosten bilanzieren, Menschen auf der Suche nach Alternativen aus regionaler und fairer Produktion. Das alles passiert gleichzeitig und ist ein komplizierter Prozess. Aber er hat auch eine einfache Seite: Es kommt auf jeden Einzelnen an. Diejenigen mit der größten Einsicht müssen sich am meisten bewähren. Lasten mögen teilbar sein, aber der eigene Anteil an Verantwortung ist es wohl kaum.

Treiber der Nachhaltigkeitsdebatte sind neben politischen Institutionen die Zivilgesellschaft, die Industrie, der Kapitalmarkt sowie die Wissenschaft & Forschung. Worauf lassen sich im Wesentlichen die Mängel an transdisziplinären Dialogen zurückführen, und wie könnten diese zukünftig behoben werden?

Der Wissenschaftsbetrieb honoriert heute durch Punktesysteme und das Zählen von Zitaten etc., dass immer tieferes Wissen über immer weniger hergestellt wird. Aber tatsächlich steigert die »Wissensgesellschaft« nicht nur die Menge des Wissens, sondern auch jene des Nicht-Wissens (tatsächlich muss letztere immer die erstgenannte überschreiten), und das wird erst im transdisziplinären Dialog sichtbar. Ein Gleichstellen des disziplinären Herausfindens mit dem Sichzurechtfinden (anderes Wort: Vertrauen) gilt heute noch oft als unbotmäßiger Angriff auf die klassische Wissenschaft. Aber es wird bald normal werden müssen, um eben diese klassischen wissenschaftlichen Projekte überhaupt arbeitsfähig zu machen, weil das Verhältnis von Wissen und Nicht-Wissen es erfordert. Wo zukünftig wissenschaftliche Leistung beurteilt und über Karrieren von Personen entschieden wird, muss auch die transdisziplinäre Leistung honoriert werden, nicht nur allein die Superleistung im Labor. Diesen Impuls muss die Politik setzen. Einstweilen sollten mehr Gelegenheiten geschaffen werden, um Akademiker und praktische Wissenstreiber von außerhalb des Wissenschaftsbetriebes in Dialogen und gemeinsamen Arbeiten zusammenzubringen. Hierfür gibt es keine Grenzen.

Seit April 2002 hat Deutschland eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Zum damaligen Zeitpunkt stand die Bundesregierung vor der Herausforderung, dass politische Interessen und parteipolitische Versprechen nicht zwingend in Einklang mit den geforderten Zielen der Nachhaltigkeitsstrategie standen. Wie begegnet der RNE diesem Zielkonflikt?

Wir setzen auf Prozesse, nicht auf Punktlösungen. Zielkonflikte muss man zuallererst aus jener Ecke herausholen, wo Konfliktgegner sie zur eigenen Profilierung nutzen, denn in dieser Ecke werden sie vertieft statt verstanden. Dieses Aus-der-Ecke-Herausholen versucht der Nachhaltigkeitsrat zu bewerkstelligen, weil Zielkonflikte zu wertvoll sind, als dass man sie oberflächlich glattbügelt oder sich in Lieblings-Gegnerschaften mumifizieren lässt. Auch hinter Blockade-Situationen stehen Menschen mit unterschiedlichen Motiven. Es ist eine gute Übung des Dialoges, die Position des (Meinungs-)Gegners so zu beschreiben, dass dieser sich zutreffend wiedergegeben fühlt. Das macht Gegensätze verständlich. Jeder Konsens beruht im Grunde darauf, dass man den Konflikt richtig versteht. Ein solcher Konsens ist das Ergebnis von Respekt vor der Position des Anderen. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, aber dieser Weg kann funktionieren, egal ob es sich um die Bioenergie, die Kernenergie oder um Fiskalpolitik und Rentenformel dreht. Oft bedarf es spezifischer Verfahren und Methoden sowie einer sorgfältig erarbeiteten Wissensgrundlage.

Wie lässt sich erreichen, dass Nachhaltigkeit stärker operationalisierbar und damit weniger als weicher und beschreibender Begriff verstanden wird?

Ist »weich« wirklich zutreffend? Ist »Demokratie« ein weicher Begriff? Auf der Welt gibt es viele, sehr unterschiedliche Formen von Demokratie, von lupenreiner bis zu funktionierender, direkter bis indirekter. Ist der Begriff Demokratie deshalb in Frage zu stellen? Ich glaube nicht. Der Begriff Nachhaltigkeit wird auf Dauer ein Diskurs-Begriff bleiben, und das ist gut so. Aber ganz unabhängig davon sollte er verstärkt praktisch eingesetzt werden. Für Unternehmen eignet sich dafür der Deutsche Nachhaltigkeitskodex. Für die öffentliche Hand erarbeitet das Beschaffungsamt im Bundesinnenministerium wichtige Impulse zur Nachhaltigkeit. Die Kennzeichnung von Waren und Wertschöpfungsketten mit nachvollziehbaren und verbürgten Angaben zur Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Am wichtigsten aber ist, dass Menschen nachhaltige Produkte konkret nachfragen und auch robust fragen, was genau drin ist, wo »Nachhaltigkeit« draufsteht: in ihrer Bank, in ihrem Sportstadion, bei ihrem Gemüsehändler, beim Griff in das Tiefkühl-Regal, beim Anprobieren von Jeans oder beim Buchen einer Urlaubsreise. Aber auch, wenn es in ihrer Stadt oder Gemeinde um die Ausweisung von Baugebieten geht und wenn ein Bürgermeister gewählt wird.

Was zeichnet für Sie eine erfolgreiche fiskalische Nachhaltigkeit aus?

Die Idee der Nachhaltigkeit bedeutet für Finanzmärkte und Staatsfinanzen, dass Haftung und Risiko wieder verknüpft gehören. Ein Too-big-to-fail ist fatal. Staatliche Strategien zur fiskalischen Nachhaltigkeit müssten auch die übermäßig un­gleiche Verteilung von Reichtum angehen, öffentliche Schuldenbremsen wirksam machen und die Strategien für nachhaltige Geldanlagen in saubere Technologien und Infrastruktur beinhalten. Ganz ähnlich wie bei Umweltthemen muss letztlich zunächst zählbar gemacht werden, was zu managen ist. Dabei kann man nicht einfach beim bisherigen »Maßstab für alles«, dem Bruttosozialprodukt, stehen bleiben. Leider jedoch hinkt die Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens diesen Anforderungen hinterher und spielt eine noch viel zu geringe Rolle in der Finanz- und Wirtschaftspolitik.
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex beschreitet daher Neuland, indem er eine transparente Entscheidungsplattform für Stakeholder schafft, die den ökonomischen Wert eines Unternehmens beurteilen. Wir erwarten uns, dass Unternehmensleistungen zur Nachhaltigkeit dadurch auch in der Unternehmensbewertung stärker honoriert werden und sich dies schließlich auch fiskalisch niederschlägt. Das soll das nachhaltige Wirtschaften voranbringen.

Inwieweit kann es überhaupt gelingen, die heterogen ausgerichteten Interessen von Ländern, Städten und Kommunen zusammenzubringen, um Entscheidungen zur Nachhaltigkeit treffen zu können?

Augsburg unterscheidet sich von Anklam und Rostock von Rosenheim. Das ist gut so. Vielfalt ist im Kultur- und Naturerbe ein großer kultureller und politischer Wert. Diesen darf kein angeblicher Nachhaltigkeits-Konsens einebnen. Deutschlands Regionen haben trotz des wirtschaftlichen Gefälles ein insgesamt hohes Wohlstands- und Lebensniveau. International verglichen sind wir homogen. Das immer wieder zu betonen und aufzuzeigen ist wichtig, um zu gemeinsam getra­genen, kreativ-vielfältigen Nachhaltigkeitsstrategien zu kommen. Dass das gelingen kann, zeigen die Oberbürgermeister wichtiger deutscher Städte mit ihrem Strategie-Dialog zur Nachhaltigkeit. Erstmals wird der Deutsche Nachhaltigkeitspreis im Dezember 2012 auch an Städte und Gemeinden vergeben. Nach fünf Jahren weitet sich die Initiative zur Vergabe des Deutschen Nachhaltigkeitspreises nun also aus (bisher war der Wettbewerb nur für Unternehmen geöffnet). Auch dies zeigt, dass die Städte und Gemeinden zunehmend den Anforderungen nachkommen, die aus ihrer Bürgerschaft gestellt werden.
Die Lehre des Carl von Carlowitz als originärer Begründer des Nachhaltigkeitsgedankens ist auf Wirken des RNE stärker und prominenter in die Wissenschaft und Lehre integriert worden. Prof. Dr. Wolfgang Haber, Prof. Dr. Carlo Jaeger und Frau Prof. Dr. Gesine Schwan sind in diesem Zusammenhang entsprechende Schlüsselfiguren.

Können Sie uns einen näheren Einblick in das »Carl- von-Carlowitz-Vorlesungskonzept« geben?

Es geht um Kultur. Von Carlowitz ging es im Grunde um Wissen und Entscheiden sowie Verhalten und Einstellung. Um Wälder durch deren nachhaltige Bewirtschaftung zu schützen, schrieb von Carlowitz, muss man etwas über Bäume wissen. Wer nur so viel entnehmen will wie nachwächst, wird sich fragen, wie viel überhaupt da ist. Eine nachhaltige Entwicklung hat also etwas mit Kenntnissen und Wissen über Bestand, Wachstum und Wandel zu tun, um dann die langfristig tragfähigen Entscheidungen zu treffen. Das gilt für den Wald, Fischbestände und das Wasser ebenso wie für Unternehmen und das Wirtschaftswachstum. In der Vorlesungsreihe analysieren führende Wissenschaftler ihr Fach und ihren Zugang zur Nachhaltigkeit. Das wollen wir fortsetzen.

Die jüngsten politischen Empfehlungen des Rates fordern verbindliche Vorgaben zur Energieeffizienz, die Einführung von Stabilitätskriterien für Finanzmärkte, eine am Leitbild der Nachhaltigkeit orientierte Agrarwende und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für strategische Rohstoffe: Wie sehen die weiteren, langfristigen Pläne des RNE aus?

Die genannten Themen bleiben auf der Tagesordnung. Wir erwarten den weiteren kritischen Meinungsaustausch mit der Bundesregierung. Die Energiewende bewegt uns weiter. Auch das Ergebnis der UN-Konferenz in Rio de Janeiro im Juni 2012 wird uns weiter beschäftigen. Wir werden uns fragen was eine Nachhaltigkeitskultur ausmacht und wie es auf europäischer Ebene mit der Nachhaltigkeitsstrategie weitergeht. Ferner spielt der Nachhaltigkeitskodex eine wichtige Rolle. Noch mehr Unternehmen sollten mitmachen und aufzeigen, wie ihre Nachhaltigkeitsbilanz aus­sieht. Der Nachhaltigkeitskodex ist zugleich so etwas wie eine Lernkurve für öffentliche Politik. Im Herbst 2012 rufen wir alle Stakeholder zur ersten gemeinsamen Zwischenbilanz. Uns geht es um die Stärkung und Fortentwicklung des nachhaltigen Wirtschaftens. Auch die Diskussion mit unabhängigen internationalen Experten steht auf der Tagesordnung. Sie sollen im kommenden Jahr einen weiteren Peer Review zur Nachhaltigkeitspolitik Deutschlands vorlegen. Nachdem ihre erste Bewertung vor vier Jahren große Beachtung fand, werden sie im kommenden Jahr viele Diskussionen schon während der Bearbeitungsphase auslösen, vermute ich. Die Bundeskanzlerin hat die aktuellen Mitglieder des Nachhaltigkeitsrates bis Juni 2013 berufen.

Das Konzept der Nachhaltigkeit fordert von uns allen, Entscheidungssysteme politischer und wirtschaftlicher Institutionen sowohl auf ökologischer als auch auf ökonomischer und sozialer Seite neu zu ordnen und Spielregeln neu zu finden. Das gilt sowohl auf globaler als auch auf nationaler Ebene. Das gilt für den Staat und die Wirtschaft ebenso wie für zivilgesellschaftliche Institutionen und die Wissenschaft. Es spricht viel dafür, dass weitere Impulse letztlich nur aus den praktischen Erfahrungen der Vorreiter kommen werden; dabei liegt eine große Verantwortung bei den Unternehmen mit erfolgreichem Nachhaltigkeitsengagement einerseits und der Zivilgesellschaft andererseits.
Günther Bachmann

Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE)

»Nachhaltigkeitspolitik soll eine wichtige Grundlage schaffen, um die Umwelt zu erhalten und die Lebensqualität, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft und die wirtschaftliche Entwicklung in einer integrierten Art und Weise sowohl in Deutschland als auch international voranzubringen. Ziel ist es dabei, eine ausgewogene und gerechte Balance zwischen den Bedürfnissen der heutigen Generation und den Lebensperspektiven künftiger Generationen zu finden.« (RNE)
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wurde erstmals im April 2001 von Bundeskanzler Gerhard Schröder berufen. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat den Rat 2007 und 2010 wiederberufen und seither auch die nationale Nachhaltigkeitsstrategie fortgeschrieben. Regierung und Parlament haben entsprechende Gremien gebildet. Dem RNE gehören momentan 15 Personen des öffentlichen Lebens an.
Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung ist seit Februar 2012 Marlehn Thieme, die dem Rat bereits zuvor als Mitglied angehörte. Marlehn Thieme ist als Direktorin bei der Deutschen Bank für den Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) / Corporate Citizenship verantwortlich. Seit 2008 ist sie Mitarbeitervertreterin im Aufsichtsrat der Deutsche Bank AG. Sie gehört dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an; ihr ehrenamtliches Engagement umfasst außerdem die Mitgliedschaft im ZDF-Fernsehrat. Der RNE berät die deutsche Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit und entwickelt mit Beiträgen und Projekten die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie fort. Alle Stellungnahmen und Vorschläge des RNE stehen der Öffentlichkeit auf der Internet-Seite des RNE zur Verfügung.
Regelmäßig veranstaltet der Rat eine Jahreskonferenz zur Nachhaltigkeit mit Beiträgen von Politikern, Nachhaltigkeitsexperten sowie einer Beteiligungsmöglichkeit der Öffentlichkeit. Ziel ist es, Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Seine Geschäftsstelle ist in Berlin bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) angesiedelt.

Weitere Informationen:
www.nachhaltigkeitsrat.de