Georg Schweisfurth

Georg Schweisfurth, Jahrgang 1959, ist Öko-Pionier, Betriebswirt und gelernter Metzger. Sein Vater Karl Ludwig Schweisfurth leitete das Unternehmen Herta, den größten Fleischverarbeitenden Konzern Europas. Als der Vater das Unternehmen verkaufte, folgte eine radikale Kehrtwende und eine Hinwendung zur ökologischen Landwirtschaft. Georg Schweisfurth war 1988 Mitinitiator der Herrmannsdorfer Landwerkstätten und ist seit 1996 Geschäftsführer des ökologischen Seminarhotels Sonnenhausen. 1997 schließlich gründete er zusammen mit Freunden die Bio-Supermarktkette Basic, wo er bis 2004 im Vorstand tätig war. Er ist im Aufsichtsrat von Greenpeace Deutschland und engagiert sich in verschiedenen Gremien und Institutionen wie der Schweisfurth-Stiftung, der Umweltakademie München e.V. und dem Ethikkomitee Invera in Zürich.
Weitere Informationen: www.sonnenhausen.de

 

NACHHALTIG LEBEN FÜR ALLE
 

„So wird erklärt, der ökologische Landbau helfe nicht, die Weltbevölkerung satt zu bekommen, und aus diesem Grund wird die sogenannte Bioökonomie als Retter in der Not gefeiert. Unter diesem verharmlosenden Deckbegriff aber soll mit technologischen Mitteln versucht werden, die Weltbevölkerung zu ernähren."

„Unser Respekt, unsere Haltung zur Welt und den Mitmenschen äußert sich in nichts so wirksam wie in dem, was wir täglich tun: was wir denken, wie wir essen, wie wir uns kleiden, wie wir uns fortbewegen, wie wir wohnen, wie wir mit Ressourcen umgehen, wie und wo wir sparen, wie wir investieren und wie wir uns ehrenamtlich engagieren..."

„Wir brauchen eine enkelfähige Energiewirtschaft‘, wie sie Ursula Hudson von 'Slow Food' so treffend fordert, und die muss ganz anders aussehen als unsere heutige. Die Energie der Zukunft lagert nicht in den Tiefen der Arktis und Antarktis! Die Zukunft gehört der Solarenergie, denn die Sonne stellt keine Rechnung..."

„Geplante Obsoleszenz heißt der fiese Trick. Sie selbst haben es oft in der Hand, ob Sie da widerspruchslos mitspielen oder den Herstellern ein Schnippchen schlagen."

„Umfassende Humanität ist eine Frage der Haltung."

„Im Sinne von ‚Handarbeit gegen Kopfarbeit' seien Kochen und andere Hausarbeiten ‚Quellen der Entspannung', die einen Kontrapunkt zur Arbeit im Büro setzen können".

„Ein kultivierter Mensch ist für mich einer, der selbstbewusst sein Handeln in größeren Zusammenhängen sehen kann."
„Dieses perverse Prinzip der Maßlosigkeit wird in unserer „modernen" Gesellschaft mit dem Argument der sonst drohenden Arbeitsplatzverluste krampfhaft Aufrechterhalten. Im Gegensatz dazu ist von gerechter Verteilung selten die Rede. Schon gar nicht davon, dass es ja irgendwann einmal genug sein könnte."

„Dass es mehr Reparaturinitiativen geben muss und wird, liegt auf der Hand. Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks sagte auf dem Europäischen Forum für Öko-Innovation in Hannover, dass Europa sich aktiv dafür einsetzen muss, Reparieren als Alternative zum Wegwerfen und Neukaufen zu fördern."

„Wir können unsere Lebensweise nicht von jetzt auf gleich und hundertprozentig umstellen, weil wir eben so sind, wie wir sind... Es ist deshalb ratsam, wie der Neurologe Gerhard Roth meint, eine Sache nur in kleinen Schritten zu ändern. Alles auf einmal, das überfordere die Menschen."
„So spielen zwangsläufig die vielen kleinen Schritte und Taten von uns einfachen Bürgern die größte und wichtigste Rolle für die dringend notwendigen Veränderungen."

„Beim gemeinsamen Besitz oder partnerschaftlicher Nutzung ist das Teilen von Autos, das Carsharing, ein Renner und wohl derzeit der stärkste Wachstumsmarkt."

„Der Trend zum Selbermachen verbreitet sich seit Jahren, und Jung und Alt beteiligen sich daran. Vielleicht liegt der Grund darin, dass man den Industrieprodukten nicht mehr vertraut, vielleicht ist es das tiefe Erfolgserlebnis, das damit verbunden ist. Vielleicht hängt es auch mit der Individualisierung und dem immer stärker werdenden Drang der Menschen zusammen, es sich in den eigenen vier Wänden gemütlich zu machen: Cocooning heißt das auf Denglisch."

„Beim Upcycling stellt man aus scheinbar wertlosen Rohstoffen oder Materialien bei jeder Stufe jeweils höherwertige Produkte her als zuvor."

„Wir sind in die Welt gekommen, um sie zu verbessern."
„Ich bin kein Freund des Modebegriffs „Work-Life-Balance", denn der klingt ja so, als gehörte die Arbeit nicht zum Leben. Dieses Schlagwort führt in die falsche Richtung. Es geht um eine Haltung und nicht um Ausschluss und Verurteilung von irgendwas."

Quelle der Zitate:
Georg Schweisfurth, Christine Koller: NACHHALTIG LEBEN FÜR ALLE. Bewusster essen,  kaufen, reisen, wohnen. Irisiana Verlag, München 2015.

Quelle des Alphabets:
http://www.huffingtonpost.de/

Autorenfoto © Toby Binder

Stand: November 2015