Gisela Rehm

Gisela Rehm leitet seit Dezember 2016 das Marketing bei Häcker Küchen. Gemeinsam mit rund 40 weiteren Mitarbeitern entwickelt sie neue Strategien und Impulse für das Marketing, baut die Schulungsaktivitäten aus und entwickelt die Musterküchen-Planungsabteilung weiter. Zuvor war sie als Marketingleiterin bei Smeg tätig und verantwortete dort unter anderem die Marketingstrategie für Deutschland und Österreich. Darüber hinaus führte sie die Smeg-Academy ein, die beispielsweise Trainings und Schulungen für Händler anbietet sowie Promotions am POS durchführt. Auch der Ausbau des Online-Marketings und die Etablierung eines länder­übergreifenden Marketingaustausches zwischen internationalen Organisationen fielen in ihr Aufgabengebiet. Davor arbeitete Gisela Rehm 16 Jahre bei der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte in unterschiedlichen Bereichen.

Das inhabergeführte Familienunternehmen Häcker Küchen besteht seit 1898 und produziert seit 1965 moderne Einbauküchen am Standort Rödinghausen, Ostwestfalen, dem Zentrum der deutschen Küchenmöbelindustrie. Über 1.550 Mitarbeiter erwirtschafteten im Jahr 2017 einen Umsatz von 553 Millionen Euro, der Exportanteil liegt aktuell bei rund 40 Prozent. Die Entwicklung des Unternehmens wird durch ein kontinuierliches Wachstum und zukunftsweisende Investitionen geprägt. Derzeit werden über 60 Länder auf allen Kontinenten mit Küchen „Made in Germany“ beliefert. Dem Fachhandel stehen zwei Produktlinien für die unterschiedlichen Marktsegmente zur Verfügung: im Einstiegsbereich classic und classicART sowie im mittleren und gehobenen Preissegment systemat und systematART. Abgerundet wird das Angebot mit einem breiten Sortiment an eigenen Einbaugeräten der Marke Blaupunkt, an der Häcker Küchen die alleinigen Rechte hält.

Weitere Informationen: http://www.haecker-kuechen.com

Nachhaltige Werbung und digitales Marketing

Interview mit Gisela Rehm, Marketingleiterin bei Häcker Küchen

Frau Rehm, inwiefern kann Aufrichtigkeit auch in der Werbung Akzente setzen?

Kommerzielle Werbung soll Kunden nicht wirklich informieren. Es geht um emotionale Botschaften, die den Verbraucher mittels Emotionen zum Kaufen bringen sollen. Häufig gilt für viele noch immer das alte Werbemotto, dass Gewinn vor Wahrheit geht. Bei Häcker Küchen ist das entscheidende Kriterium Relevanz. Auch sprechen die Qualitätsprodukte in erster Linie für sich selbst. Dennoch ist es wichtig, auch mit Werbung auf dem globalen Markt eine gute Marktposition zu festigen. Hier setzen Aufrichtigkeit und Authentizität wichtige Akzente, indem beispielsweise Produkte nicht plump mit grünem Gewissen oder sozialen Gefühlen vermischt, sondern nachvollziehbar verknüpft und kommuniziert werden.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Häcker Küchen kennzeichnet sein auf formaldehydreduzierte Holzwerkstoffe umgestelltes Küchenprogramm seit September 2017 mit dem Label „PURemission“. Alle Holzprodukte wurden formaldehydreduzierend umgestellt, und es wurde ein neuer Standard gesetzt, der in der Küchenmöbelindustrie außergewöhnlich ist. Die Höchstwerte der europäischen Richtlinien Emissionsklasse E1 werden eingehalten bzw. weit unterschritten. Wir verweisen auf das Label nicht nur in unseren Publikationen, auf Flyern oder im Internet, sondern auch in der Geschäftskorrespondenz, wo es zu weiterführenden Informationen verlinkt ist. An diesem Beispiel zeigt sich, dass sich CSR-und Nachhaltigkeitskommunikation nicht einfach mit den Mitteln der Werbung oder Public Relations realisieren lässt, sondern ganzheitlich strategische Ansätze benötigt. Durch Stärkung von Nachhaltigkeitsaspekten im Marketing könnten ökonomische und ökologische Vorteile gemeinsam realisiert auch im Marketing genutzt und nachvollziehbar dargestellt werden.

Was verstehen Sie bei Häcker Küchen unter Nachhaltigkeit?

Als Familienunternehmen in vierter Generation sieht Häcker Küchen Nachhaltigkeit als Führungs- und Managementaufgabe. Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Situation des Unternehmens waren zu jeder Zeit alle Arbeitsplätze bei Häcker Küchen sicher. Beispielsweise gab es seit Bestehen des Unternehmens nie betriebsbedingte Kündigungen. Über Jahrzehnte hinweg wuchs das Unternehmen stabil und blieb solide. „‚Made in Germany“ ist eine unserer Hauptstrategien –die Fertigung ist und bleibt in Deutschland. Wir sind davon überzeugt, dass richtiges Nachhaltigkeitsmanagement die Voraussetzung dafür ist, auch in Zukunft einer der weltweit führenden Küchenmöbelhersteller zu bleiben.

Weltweit wird Deutschland um traditionsbewusste Familienunternehmer beneidet, die fest verankert sind mit der Region, der sie entwachsen – und fest verbunden sind mit den Menschen vor Ort. Erleben Sie dies bei Häcker Küchen genauso?

Das kann ich bestätigen. Das alte Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns, in dem es um Vertrauen, Handschlag, Ehrbarkeit und Verantwortung geht, spielt gerade bei Familienunternehmen eine wichtige Rolle und wird bei Häcker wirklich gelebt. Hinzu kommt, dass Kunden häufig eher inhabergeführten Unternehmen als Großkonzernen vertrauen, denn sie sehen nicht nur auf Quartalszahlen und sind keinen Investoren verpflichtet. Sie lassen Geschäftsentwicklungen Zeit, sich nachhaltig zu entwickeln.

Was sind die zentralen Herausforderungen im Bereich digitales Marketing?

Die Herausforderungen in diesem Bereich nehmen auch bei uns an Komplexität zu. Veränderungen und Innovationen finden zunehmend schneller statt. Deshalb müssen wir uns, wie alle Marktteilnehmer stets am Puls der Zeit bewegen und den Überblick über neue Online-Marketingkanäle, Innovationen, Technologien und Trends behalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Aufmerksamkeits-Dilemma in Zeiten des Informationsüberflusses erfordert neue Formate in den Bereichen Werbung und Content Marketing.

Was ist für Sie wertvoller Content?

Vor allem Inhalte, die die Interaktion mit dem User erleichtern und diese fördern – und nachhaltig sind.

Content Marketing, Social Media, E-Mail, Kampagnen-Management, Analytics, SEO, Conversion-Optimierung - die Liste der Tätigkeitsbereiche von Ihnen im Digital Marketing ist lang. Wie gelingt ihnen eine erfolgreiche Koordination all dieser Marketing-Aufgaben?

Sie stellen für uns eine große Herausforderung dar. Um sie effektiv zu bewältigen, setzen wir wie im CSR- und Nachhaltigkeitsbereich auf eine ganzheitliche Marketing-Plattform und Digitalisierungsstrategie, auf der alles integriert, vereinheitlicht, skaliert sowie automatisiert ist.

Welche Rolle spielt für Sie das Video als Teil von Content Marketing?

Es ist heute längst nicht mehr nur eine aufstrebende Marketing-Taktik, sondern eines der effektivsten Instrumente, um Markenstorys zu kommunizieren, ihre Value Proposition zu erklären und zu positionieren. Vor allem aber um Kundenbeziehungen aufzubauen. Da sich die Innovation bei Video-Algorithmen immer weiter verbessern, wird das Video generell im Marketing immer wertvoller, um Engagement zu generieren und die eigene Zielgruppe zu vergrößern. Das Video spielt bei uns deshalb eine führende Rolle in der Gesamtstrategie. Die Reichweite zur Kundenansprache erhöht sich dadurch um ein Vielfaches, denn die User teilen die Videoinhalte und lenken so auch die Aufmerksamkeit potenzieller Neukunden auf das Unternehmen.

Außerdem ist erwiesen, dass unser Gehirn Inhalte mithilfe von Videos effizienter aufnehmen und sie sich schneller einprägen kann…

Ja, deshalb sind unternehmensbezogene Erklärvideos (Video-Tutorials) laut Bitkom heute mit gutem Grund beliebter als je zuvor. Kunden sehen sich z. B. viermal eher ein Erklärvideo an, als sich den Content durchzulesen, der beispielsweise auf Unternehmensseiten zu finden ist. Zahlreiche Studien belegen außerdem, dass hochwertig produzierte Erklärfilme einen wertvollen Beitrag zur Onpage-Optimierung leisten und sich positiv auf die Conversion auswirken. Wir setzen Erklärvideos auch für Schulungen, Fort- und Weiterbildungen ein, da sie sich deutlich besser anbieten als Textlektüren. Auch das ist ein wesentlicher Teil von Nachhaltigkeitskommunikation.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt

Stand: Februar 2017