Hannes König

Dr. Hannes König, Jahrgang 1958, ist seit 1979 Lehrer (Ma/Ph), absolvierte nach dem Lehrerstudium an der TH Magdeburg 1990 noch ein postgraduales Informatikstudium, eine von 1992 bis 1994 Ausbildung zum geprüften Vermögensberater und von 2003 bis 2008 ein Promotionsstudium im Maschinenbau. Nach acht Jahren Selbständigkeit als Agenturleiter für Vermögensberatung kehrte er 2001 in den Schuldienst zurück. Seit 1986 ist er in der außerschulischen Förderung von Schülern tätig, gründete 1994 den Havelberger ComputerClub und fünf Jahre später daraus das Schüler-Institut für Technik und angewandte Informatik SITI e.V. Seit seiner Rückkehr in den Schuldienst fördert er aktiv die Gründung von technologieorientierten Schülerfirmen und betreut selbst sechs solcher Schülerfirmen, die inzwischen wie in einem kleinen Wirtschaftssystem miteinander kooperieren und als Zulieferer und Produzenten verschiedener Produkte agieren. Seine umfangreichen Erfahrungen vermittelt er in Lehrerfortbildungen und in zahlreichen Vorträgen sowie in Lehrveranstaltungen von Studierenden für das Lehramt Technik oder Wirtschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Weiterführende Informationen:
www.siti.de
www.intelligentis.de

 

Nachhaltigkeit durch Qualitätsmanagement in Schülerfirmen

Schüler mittels Schülerfirmen für Wirtschaft begeistern

Der Begriff Schülerfirma hat sich in den letzten Jahren als pädagogisches Projekt, um wirtschaftliches Handeln Schülern erlebbar zu machen, etabliert. Während die meisten Schülerunternehmen zum Dienstleistungsbereich (Schülercafé, Eventmanagement, Hilfen jeder Art) gehören, gibt es auch Schülerfirmen, die produkt- oder sogar technologieorientiert ausgerichtet sind. Weiterhin ist zu unterscheiden, dass die Schülerunternehmungen sowohl in den Unterricht integriert als auch vollständig außerschulisch organisiert sein können. Ebenso werden Schülerunternehmen auch ausschließlich im Rahmen von Wettbewerben, wie „Junior“ oder Schüler-Businessplanwettbewerben bestehen oder nur fiktiv gegründet. Letztgenannte Schülerfirmen führen zwar zu Wissens- und Erkenntniszuwachs bei den Schülern, eignen sich allerdings wenig für die Herausbildung von Kompetenzen, die nachhaltig und unabhängig vom der weiteren Ausbildung und späteren Berufsweg von hoher Bedeutung sind.

Aus diesen Differenzierungen der Schülerfirmen-Projekte ergibt sich häufig ein sehr unterschiedliches Maß an Eigenverantwortung und -organisation der Schüler in ihrer Firma. Da es sich um ein pädagogisches Projekt handelt, gehört ein Erwachsener – meist ein Lehrer – mit zum Team. Vom Teambetreuer hängt maßgeblich ab, wie sich das Handeln in der Schülerfirma entwickelt. Wird das wirtschaftliche Handeln der Schüler zu stark verschult, reglementiert und kontrolliert geht die Eigendynamik eines solchen Projektes schnell verloren. Natürlich sind Anleitung, Regeln und Kontrolle durch den Betreuer erforderlich, dennoch sollte er im Hintergrund als Berater und Helfer agieren, ansonsten wird aus dem Schülerunternehmen schnell „nur“ eine Arbeitsgemeinschaft.

Ich selbst betreue seit über zehn Jahren mehrere Schülerfirmen. Aus 8 Jahren eigener Selbständigkeit wollte ich meine Erfahrungen nach meiner Rückkehr in die Schule meinen Schülern unmittelbar vermitteln. Risikobereitschaft, Eigeninitiative und Mut zu neuen Wegen sind in der Schule, insbesondere bei Lehrern leider nicht weit verbreitet, jedoch für unternehmerisches Handeln, also auch in einer Schülerfirma wesentliche Erfolgsfaktoren. Lehrer möchten gern den Schülern immer einen Schritt voraus sein – Vorausdenken. Das ist grundsätzlich nicht schlecht, kann jedoch gerade in der Betreuung von Schülerfirmen zu einer Bremse werden. Häufig sind hier Fragestellungen anzutreffen, die nicht im Erfahrungsbereich des Betreuungslehrers liegen und so zu Unsicherheiten führen. Diese gilt es zu überwinden und durch positive Erfahrungen zu ersetzen. Dieser Prozess braucht oft mehrere Jahre Zeit und ist eine wichtige Voraussetzung für die Nachhaltigkeit von Erfahrungen bei Lehrern und Schülern.

Existenzielle Herausforderungen für Schülerfirmen

Die Lehr- und Lernkultur an den meisten Schulen ist nicht flexibel genug, um erforderliche Freiräume für kreative und lebensnahe Projekte – wie Schülerfirmen – zu schaffen. Somit sind sie häufig außerunterrichtlich angesiedelt. Impulse für die Gründung einer Schülerfirma gibt es inzwischen genug. Wettbewerbe, Lehrerfortbildungen, Arbeitskreise Schule-Wirtschaft, selbst Förderprogramme zur Existenzgründung erreichen die Schulen. An Motivation und Argumenten für eine Schülerfirma an der Schule fehlt es nicht. Auch die Unterstützung in der Gründungsphase ist meist gegeben und mit den ersten Verkaufserfolgen wächst das junge Schülerunternehmen. Betreuer und Schüler sammeln Erfahrungen und entwickeln sich weiter.

Jedoch zehnmal häufiger/früher als in der realen Wirtschaft steht irgendwann die Unternehmensnachfolge auf der Tagesordnung. Alle 2-3 Jahre verlassen die gut eingearbeiteten Mitarbeiter und Geschäftsleitungen die Schule und damit auch die Schülerfirma. Sie nehmen für sich zahlreiche Erfahrungen und Kompetenzen aus ihrer Arbeit in der Schülerfirma mit auf ihren weiteren Ausbildungsweg und ins Berufsleben. Nicht selten „stirbt“ dann auch die Schülerfirma. Gelingt es jedoch rechtzeitig, Nachfolger zu finden und einzuarbeiten, wird die Arbeit der Schülerfirma nicht nur fortgesetzt sondern meist mit neuen Impulsen weiterentwickelt oder kann sich anders ausrichten.

Dennoch, wie in der realen Wirtschaft, verliert die Firma wichtiges Erfahrungswissen. So ist der Aufwand für die Nachfolger, die komplexen Aufgaben zu meistern, in der Anfangsphase sehr hoch.

Qualitätsmanagement in Schülerfirmen

Unter dieser Prämisse und mit dem Blick auf eine verlässlichere Arbeitsorganisation und effizientere Verwaltungsarbeit in Schülerfirmen haben wir mit dem Dresdner Unternehmen intelligentis GmbH Elemente eines Qualitätsmanagements in Schülerfirmen erprobt. Zwar nicht in der Tiefe und Konsequenz wie in realen Unternehmen, wurden dennoch die Kernprozesse der Schülerfirma analysiert und definiert, Verantwortlichkeiten festgelegt und vorhandenen Erfahrungswerte in Checklisten, Ablauf-Protokollen und Standard-Dokumenten erfasst. Was zunächst nach zusätzlichem Verwaltungsaufwand aussah, führte schließlich zu Zeiteinsparung und vor allem zu Nachhaltigkeit von Erfahrungen in der Schülerfirma auch nach einem Generationenwechsel. Hierzu wurde sowohl eine netzbasierte Software-Plattform „prozemo|NaSch“ (ein für Schülerfirmen aufbereitetes prozessorientiertes Dokumentenmanagement) als auch eine Buchhaltungssoftware „SF-Soft“ speziell für Schülerfirmen zunächst angewendet.

Vier wesentliche Erkenntnisse sind Ergebnis dieser Erprobungsphase:

  • Schüler stehen Veränderungen i.d.R. aufgeschlossen gegenüber (Effizienz, Vorteile und auch Fehler werden offen und zeitnah kommuniziert),
  • Schüler erlangen wichtige – für die Wirtschaft relevante – Kompetenzen, die ihnen für eine Ausbildung, ein Studium und den Berufseinstieg signifikante Vorteile verschaffen
  • der Betreuungslehrer profitiert vom Erfahrungsarchiv bei der Unterstützung von Firmennachfolgern,
  • der Fortbestand und die Nachhaltigkeit einer Schülerfirma lassen sich leichter sichern.

Fazit: Ein gesundes Maß an Freiräumen für Kreativität und im Handeln von Schülern in Schülerfirmen gepaart mit einer erfahrungsbasierten Betreuung mit Elementen der Arbeitsorganisation und des Qualitätsmanagements aus der realen Wirtschaft führt zu Kompetenzen bei Lehrern und Schülern und unterstützt die Nachhaltigkeit von Schülerfirmen.