Hans-Otto Kraus

Hans-Otto Kraus, Jahrgang 1949, ist Dipl.-Ing. Architekt in München. Nach dem Studium der Architektur an der TU München ab 1976 arbeitete er als angestellter Architekt in einem Münchener Architekturbüro (Tätigkeitsschwerpunkte Sanierung und Krankenhausbau). 1980 Wechsel in die Wohnungswirtschaft. Nach langjähriger Tätigkeit in einem kirchlichen Wohnungsunternehmen in Nürnberg in der Funktion als technischer Leiter und Geschäftsführer wechselte er zu einem kommunalen

Wohnungsunternehmen in Aachen als technischer Vorstand, anschließend Übernahme der Alleingeschäftsführung eines Wohnungsunternehmens in Ost-Westfalen. Seit 2005 ist er technischer Geschäftsführer der GWG Städtische Wohnungsgesellschaft München mbH. Zu seinen Schwerpunkten gehören: Kosten- und flächensparendes Bauen, ökologisch orientierter Städte- und Wohnungsbau und modellhafter Wohnungsbau für verschiedene Nutzungsanforderungen. Hans-Otto Kraus war von 1987 bis 2012 Mitglied des Fachausschusses Planung und Technik beim Bundesverband der Wohnungswirtschaft, GdW, Berlin (Vorsitzender dieses Ausschusses 2003 bis 2012), ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft KOOPERATION des DST, GdW und BDA (Sprecher für den GdW), war von 2007 bis 2012 Vorsitzender der AGW-Technik bei der Arbeitsgemeinschaft Großer Wohnungsunternehmen. Seit Dezember 2009 ist er Mitglied des Vorstandes im Förderverein Baukultur und seit März 2010 Vorsitzender des Vorstandes der Vereinigung Münchener Wohnungsunternehmen.

Weitere Informationen:
www.gwg-muenchen.de

 

Nachhaltigkeit in Architektur und Bauen

Wohnungsunternehmen, die aus dem Kreis der ehemals gemeinnützigen Wohnungswirtschaft stammen, betreiben seit je ein nachhaltiges Unternehmensprinzip. Die dauerhafte Versorgung breiter Schichten der Bevölkerung mit preiswertem Wohnraum ist i. d. Regel Gründungsanlass und in gleichem Maße Geschäftsprinzip. Dies gilt auch für die GWG München.

Was bedeutet dies nun konkret für die Bautätigkeit und die Hausbewirtschaftung? Die Einhaltung des Nachhaltigkeitsprinzips – die ausgewogene Beachtung und Umsetzung der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Wirkungen – stellt hier eine besondere Herausforderung dar – grundsätzlich und speziell. Denn die GWG München soll nicht nur den Bestand pflegen und gut bewirtschaften, sondern auch möglichst viele neue Wohnungen bauen und dabei die entsprechenden Siedlungen und Quartiere positiv entwickeln.

Bei unserer Neubautätigkeit achten wir grundsätzlich auf die Beschränkung des Flächenverbrauchs, auf die Verwendung ökologisch vertretbarer Materialien, Einhaltung der gesetzten Kostenobergrenzen und nicht zuletzt auf eine sozial ausgewogene Belegung der Wohnungen. Durch guteFunktionalität, ansprechende Gestaltung und wohnungsnahe

Anbindung an notwendige Infrastruktur–Einrichtung soll eine dauerhafte Mieter-Zufriedenheit erreicht werden. Ergänzt werden die vorhandenen Infrastruktur-Angebote in den letzten Jahren durch ein eigenes Service-Modell für das Wohnen im Alter, das WGplus-Programm. Ziel dabei ist, ein lebenslanges Wohnen in der vertrauten Wohnung zu ermöglichen.

Unterstützt wird dieser Ansatz durch die Tatsache, dass die GWG München fast ausschließlich auf eigenen Grundstücken in bebauten Quartieren baut. Durch das Prinzip der Nachverdichtung werden vorhandene Infrastrukturen besser genutzt und zusätzlicher Flächenverbrauch vermieden.

Um die tatsächliche Qualität im Sinne von Nachhaltigkeit zu prüfen, haben wir ein aktuelles Neubauprojekt, die Errichtung von 68 geförderten Wohnungen, durch das neu geschaffene Zertifizierungsverfahren „Nachhaltiges Bauen – NaWoh“ testieren lassen. Das Ergebnis zeigt, dass die Wohnanlage die Kriterien dieses Verfahrens erfüllt und das Siegel „nachhaltig“ erhalten konnte.

Insgesamt sind viele Kriterienpunkte zu erfüllen. Die Hauptgruppen sind:

  1. Ausführliche Behandlung der Wohnqualität
  2. Technische Qualität – einschließlich planerischer und baulicher Reaktion auf Standort und Umfeld
  3. Ökologische Qualität
  4. Ökonomische Qualität – auch aus Sicht des Bauherren
  5. Prozessqualität

Eines muss aber deutlich gemacht werden:

Durch das Nachhaltigkeitszertifikat entsteht nicht automatisch gute Architektur. Hier sind die Kompetenz und Orientierung der Bauherren und der Architekten gefragt. Der Wille, Ziele eindeutig zu formulieren, Entscheidungen gründlich abzuwägen, Qualitäten in mehrer Hinsicht abzufragen und letztendlich dafür Zeit (- und Geld) zu investieren, verlangt nach einer Grundeinstellung und –haltung, die mit dem Streben nach kurzfristigen Renditen nicht zu vereinbaren ist. Nachhaltigkeit bedeutet: langfristige Orientierung. Insofern schließt sich der Kreis: die Wurzeln der ehemals gemeinnützigen Wohnungswirtschaft liegen in dem Nachhaltigkeitsgedanken. Wir arbeiten daran, dass wir dies bei den aktuellen Anforderungen mit einer sozial orientierten Wohnungsbewirtschaftung auf Dauer weiterführen.