Hardy Nitsche

Hardy Nitsche, Jahrgang 1969, ist Gründer und Geschäftsführer der 360report GmbH Er ist ausgebildeter Bankkaufmann und hat neben einem  MBA-Studium in den USA ein Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Marketing an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg abgeschlossen. Hardy Nitsche war zehn Jahre in verschiedenen Führungspositionen für die Epson Deutschland GmbH tätig, bevor er die Firma im Jahr 2008 verließ um eine zweijährige Weltreise zu unternehmen. Nach seiner Rückkehr war er als selbstständiger Berater für KMU und Internet Startups tätig, bevor er Anfang 2012 360report mitgründete. 360report hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen einen einfachen und kostengünstigen Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu ermöglichen. 2013 wurde die hier entwickelte Nachhaltigkeitssoftware von der Initiative Mittelstand mit dem Innovationspreis IT in der Kategorie „Best of Green IT“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen:
www.360report.org

 

Nachhaltigkeit managen und kommunizieren

Unternehmen müssen heutzutage nachhaltig sein – und sollten ihre Nachhaltigkeits-Leistungen auch dokumentieren und kommunizieren. Die Verknappung natürlicher Ressourcen, Fachkräftemangel oder gesetzliche Vorgaben haben die Rahmenbedingungen für Unternehmen und damit auch die Anforderungen an sie verändert.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind keine Gegensätze

Wirtschaftliche Zwecke und gute Taten werden oft als unvereinbarer Gegensatz betrachtet. Doch das Gegenteil ist der Fall: Unternehmerische Nachhaltigkeit vereint gerade Wirtschaftlichkeit und „gute Taten“. Das Streben nach Gewinn ist nicht prinzipiell negativ, sondern zunächst einmal die natürliche Motivation eines Unternehmers. Wenn die Gewinnerzielung jedoch über die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft gestellt wird, wird es problematisch. Dann heilt auch eine Unternehmensspende an eine gemeinnützige Organisation nicht den wirtschaftlichen Zweck. Doch das ist auch nicht das, was ich unter Nachhaltigkeit verstehe. Bei Nachhaltigkeit in Unternehmen geht es darum, nachhaltige Werte in die Geschäftstätigkeit zu integrieren, das heißt, Prozesse und Produkte entsprechend umzustellen oder zu optimieren, wodurch letztlich auch die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens erhöht wird. Nachhaltiges Wirtschaften sollte ein konsistentes Zusammenspiel der ökonomischen, ökologischen und sozialen Faktoren zum Wohle des Unternehmens und zum Wohle der Stakeholder sein - das gilt für Unternehmen quer durch alle Branchen und jeder Größe. Diese Überzeugung legte auch den Grundstein zu 360report: Ein professionelles Nachhaltigkeits-Management wie auch ein Nachhaltigkeitsbericht sind für jedes Unternehmen relevant und müssen daher auch jedem Unternehmen ermöglicht werden. Nicht nur den Großkonzernen.

Überprüfung der Nachhaltigkeits-Fortschritte durch strukturierte Datenaufnahme

Der Trend zeigt deutlich, dass die Bedeutung von Nachhaltigkeit schon heute von einer Vielzahl der Entscheidungsträger in Unternehmen erkannt wird. Für die effiziente Implementierung nachhaltiger Werte und Abläufe in die Geschäftstätigkeit ist es unerlässlich, zunächst eine strukturierte Datenaufnahme mittels eines professionellen Datenmanagementsystems durchzuführen. So verschafft sich ein Unternehmen einen Überblick über seinen Status quo: Was mache ich bereits? Was kann ich noch verbessern? Strukturierte Daten machen die Nachhaltigkeits-Aktivitäten messbar und  ökonomisch bewertbar und bilden damit die Basis für ein betriebswirtschaftliches Controlling der Nachhaltigkeit. So lassen sich Kostentreiber und ungenutzte Potenziale identifizieren. Diese können von Einsparungen bei Energiekosten und Abwasser bis hin zu effizienteren Produktionsabläufen oder Maßnahmen für die Förderung der Mitarbeitermotivation reichen. Über die regelmäßige Erfassung der Daten werden die erreichten Einsparungen und Verbesserungen schließlich intern kontrolliert und die Strategie kontinuierlich optimiert. Das Datenmanagement bildet dann auch die Basis für die transparente und nachvollziehbare Kommunikation der Nachhaltigkeits-Bemühungen nach innen wie nach außen. Verbraucher, Lieferanten und andere Anspruchsgruppen erwarten, dass Unternehmen nicht nur umweltschonend, sondern ganzheitlich nachhaltig wirtschaften und dies auch transparent offenlegen. Die externe Kommunikation sollte daher nicht vernachlässigt werden. Transparenz schafft Vertrauen und die Kombination von interner Dokumentation und Kommunikation nach außen bringt letztlich den entscheidenden Mehrwert - für den Kunden und das Unternehmen.

Nachhaltigkeitsberichte bisher eine Seltenheit in mittelständischen Unternehmen

Nachhaltigkeit ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und bietet Unternehmen die Möglichkeit, sich über Preis und Produkt hinaus vom Wettbewerb zu differenzieren Doch erst wenige kleine und mittlere Unternehmen nutzen Nachhaltigkeitsberichte, um zu kommunizieren, in welchem Umfang das Unternehmen seiner Verantwortung für Nachhaltiges Wirtschaften nachkommt. Dies ist umso überraschender, da gerade der Mittelstand seit Langem auf den Einsatz umweltschonender Produktion, soziale Verantwortung und Wertschätzung für die Mitarbeiter setzt. Bisher existierten jedoch schlichtweg keine mittelstandsgerechten Lösungen. Das Management der Nachhaltigkeits-Daten und die Erstellung eines professionellen Berichts war nur mit hohem finanziellem und personellem Einsatz möglich, so dass viele Unternehmen aus Kosten- und Zeitgründen darauf verzichten mussten. Dieses Problem zu lösen und auch kleineren und mittleren Unternehmen die Tür zum strategischen Nachhaltigkeits-Management zu öffnen, ist meiner Meinung nach ein elementarer Bestandteil hin zu mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen. Dem Mittelstand, der schließlich den Großteil der Unternehmen ausmacht, müssen maßgeschneiderte Lösungen für das entsprechende Management und Controlling sowie die Berichterstellung geboten werden, sonst bleibt die Wirkung nachhaltiger Aktivitäten punktuell und begrenzt.

Nachhaltigkeits-Kommunikation braucht Ehrlichkeit und Transparenz

Natürlich muss ein Unternehmen den Nachhaltigkeitsbericht nicht direkt zur Kommunikationszwecken einsetzen. Viele entscheiden sich zunächst für die interne Nutzung als Grundlage für das Nachhaltigkeits-Management, bevor sie den Schritt in die Öffentlichkeit „wagen“. Das ist auch in Ordnung. Doch sie müssen meiner Meinung nach auch nicht zu zurückhaltend sein. Bei der Veröffentlichung eines Berichts geht es eben nicht darum, bereits alles richtig zu machen, sondern sich auf den Weg in die richtige Richtung zu begeben und erstmals die relevanten Daten zu erheben und daraus Schlüsse zu ziehen. Wichtig für die Kommunikation ist die klar strukturierte Darstellung belastbarer Daten sowie der erkennbare ernsthafte Wille zur Verbesserung und auch ehrliche Eingeständnisse von Fehlern. Daher kann auch nichts dagegen einzuwenden sein – und es ist sogar wünschenswert -, dass ein Unternehmen seine Nachhaltigkeits-Bemühungen nach außen kommuniziert, denn auch für Konsumenten und andere Stakeholder besteht nur ein Mehrwert, wenn diese mit entsprechenden Informationen versorgt werden, die ihre Entscheidung beeinflussen. Und der positive Einfluss auf die Umwelt und Gesellschaft bleibt ja weiterhin bestehen – erhöhte Verpflichtung zur Einhaltung und Verbesserung der Nachhaltigkeits-Maßnahmen inklusive.