Hauke Schwiezer

Hauke Schwiezer, Jahrgang 1977, ist Gründer & Geschäftsführer von STARTUP TEENS GmbH sowie Vorstandsvorsitzender des STARTUP TEENS NETZWERK e.V. Er studierte an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim. Im Studiengang Dienstleistungsmarketing erlangte Hauke Schwiezer den Hochschulgrad Diplom-Betriebswirt (DH). Seine erste berufliche Station führte den passionierten Sportler als Marketingleiter zu „Anpfiff ins Leben e.V.– Das Dietmar-Hopp-Jugendf.rderkonzept“. Es folgte eine Station als Marketingleiter der Stadtmarketing Mannheim GmbH. In seiner Freizeit initiierte er in dieser Zeit das Netzwerk Gedankenwerk², in das er 40 Unternehmer, Industrievertreter, Kreative, Nationalspieler und eine Olympiasiegerin im Alter von 20 bis 40 Jahren berief, um das Mannheimer Stadtmarketing ehrenamtlich zu beraten.

Vor seiner Zeit bei STARTUP TEENS war Hauke Schwiezer Leiter Strategische Geschäftsfeldentwicklung & Nachhaltigkeit bei der abc-Mediengruppe (abcdruck GmbH, abcmedien GmbH, abcverlag GmbH, abcpremium GmbH) in Heidelberg. Er ist Mitglied des weltweiten Responsible Leaders Netzwerkes der BMW Stiftung Herbert Quandt und initiiert für diese gemeinsam mit weiteren Responsible Leaders Impact Circles für gesellschaftliche Innovationen. Hauke Schwiezer ist Autor und Mitherausgeber des Buches „Gesichter der Nachhaltigkeit“ sowie der gleichnamigen Website.

 

 

Beweger der Nachhaltigkeit

Sie haben als Marketingleiter für «Anpfiff ins Leben e. V.« – Das Dietmar-Hopp-Jugendförderkonzept gearbeitet. Inwiefern hat Sie die Zeit nachhaltig geprägt?
Anpfiff ins Leben als führendes ganzheitliches Jugendförderkonzept in Europa fordert und fördert nicht nur 3.200 Kinder und Jugendliche, die dort ausgebildet werden, sondern hat auch sehr positiven Einfluss auf die Mitarbeiter, die für den Verein arbeiten. Die vier Säulen Sport, Schule, Beruf, Soziales stehen hier gleichberechtigt nebeneinander. Der Satz von Benjamin Franklin »Die Investition in Wissen bringt die höchsten Zinsen«, lässt sich vor diesem Hintergrund erweitern: Die Investition in den Menschen bringt die höchsten Zinsen. Dies hat mich insofern geprägt, als ich mir darüber bewusst geworden bin, dass sich Lebensthemen nicht trennen lassen, dass alles miteinander verbunden ist – kurz, dass der Übergang von Themen wie Beruf und Familie, Gesellschaft und Soziales fließend ist.

War diese Erfahrung eine Art »Grundstein« für Ihr Interesse am Thema Nachhaltigkeit?

Ja, allerdings ist Nachhaltigkeit nur ein Wort für das, was mich schon immer interessiert und fasziniert hat: Bereits in jungen Jahren suchte ich die Kommunikation mit meinen Mitmenschen – dabei ist mir im Laufe der Zeit aufgefallen, dass viele nicht über die Gegenwart hinausdenken und die meisten nur das tun, was alle tun, ohne sich über die Konsequenzen ihres Handelns bewusst zu sein. Bei »Anpfiff ins Leben« hat sich meine Haltung verfestigt, dass nicht einzelne Säulen wie der Beruf im Leben die Hauptrolle spielen sollten, sondern der Mensch in seinem Tun als Ganzes wahrgenommen werden muss. Hier durfte ich viel vom SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp lernen, wofür ich ihm überaus dankbar bin.

In welchen gesellschaftlichen Bereichen vermissen Sie Verantwortungs-und Selbstbewusstsein?

In allen gesellschaftlichen Bereichen ist der Verlust einer selbstbewussten Haltung zu beobachten. So gibt es immer weniger unbeugsame Persönlichkeiten, die sich vorn in den Wind stellen und auch Kritik aushalten. Gerade meine Generation ist vielfach sehr auf Harmonie bedacht, es allen recht zu machen und wenig zu polarisieren. Vielfach wird sogar von einer bequemen, oberflächlichen und wenig qualitätsorientierten Generation gesprochen. Wer anders handelt als die breite Masse, ganz gleich ob im beruflichen oder privaten Kontext, muss akzeptieren, als Exot wahrgenommen zu werden. Diese Außenseiterrolle ist aber auch mit inneren Stärken verbunden, die sich nur ausbilden können, wenn man sich seiner selbst bewusst wird. Dass das an den Rändern häufig besser gelingt als in der Mitte, liegt nicht zuletzt am weiteren Blickwinkel, den man von dort aus hat.


Weshalb bedeutet gelebte Nachhaltigkeit, das Thema vom Berufs- und Privatleben nicht zu trennen?

Mir liegt sehr daran, dass immer mehr Menschen die gesamte Spannbreite von Nachhaltigkeit erkennen und sinnvoll nutzen. Häufig wird mit Nachhaltigkeit nur ökologische Nachhaltigkeit verbunden. Es geht jedoch um Nachhaltigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Energie, Mobilität, Konsum, Architektur, um das Verhalten jedes Einzelnen. Um Menschen zum Umdenken zu bewegen und falsche Handlungsmuster in neue, substanziell nachhaltige zu verwandeln, stehen besonders Unternehmenslenker und Führungskräfte sowie Personen des öffentlichen Lebens in ihrer Funktion als Vorbilder und Entscheider vor großen Herausforderungen.

Welche sind das?

Im beruflichen Zusammenhang werden sich besonders jene Menschen und Unternehmen positiv auszeichnen, die »People, Planet, Profit« miteinander in Einklang bringen. So fasziniert mich zum Beispiel der Ansatz des Shared Value, den ich allerdings nicht losgelöst von glaubwürdigen Nachhaltigkeits- bzw. CSR-Ansätzen betrachte, sondern als Ergänzung. Ich bin davon überzeugt, dass »substanzielle« Nachhaltigkeit, also Good Business, künftig das entscheidende Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen sein wird.

Inwiefern prägt Good Business auch das Privatleben – lässt es sich überhaupt trennen?

Die Übergänge sind fließend – es kann nicht der Weg sein, permanent unter Druck zu stehen, an Quartalsbilanzen oder Umfragewerten gemessen zu werden und sich keine Atempause gönnen zu dürfen, was sich zum Beispiel an steigenden Burn-out-Fällen zeigt. Good Business führt dazu, in seiner jeweiligen Handlung aufzugehen, im Flow zu sein. Dazu gehört natürlich auch eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung, viel Sport, Entspannung und sozialen Kontakten.

Welche Rolle spielen für Sie die Gesetze der Netze im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit?

Netze geben Halt, erzeugen Win-Win-Situationen, können zuweilen auch Schwierigkeiten abfedern und funktionieren unabhängig von Hierarchien. Sie sind eine unsichtbare Kraft, über die man aktiv Einfluss nehmen und Prozesse gestalten kann: In der Zeit, in der ich für Dietmar Hopp gearbeitet habe, ist mir endgültig bewusst geworden, dass man in einem guten Team immer mehr erreichen kann als allein – vor allem dann, wenn das Team aus intelligenten und motivierten Mitstreitern aus unterschiedlichen Bereichen zusammengesetzt ist. Ein solches Umfeld finde ich beispielsweise bei der BMW Stiftung Herbert Quandt, wo ich Mitglied des weltweiten Young Leaders Netzwerkes bin, und bei Ashoka, der weltweit führenden Organisation zur Förderung von gesellschaftlichen Innovationen.

Was hat Sie veranlasst, das Buch »Gesichter der Nachhaltigkeit« umzusetzen?

Nachhaltigkeit lebt vor allem von konkreten Personen und von den Erfahrungen, die diese Personen machen und weitergeben. Das wollte ich in der gesamten thematischen Spannbreite zeigen – auch unter Berücksichtigung von Aspekten, die in der gängigen Nachhaltigkeitsdiskussion nur selten dargestellt werden. Meine eigene Sicht auf das Thema konnte ich nur reflektieren und darstellen, indem ich ein solches Buch mache: Es verbindet alle gesellschaftlich relevanten Themen auf eine Weise, die auch meinem Denken entspricht: vernetzt. So stehen im Buch zum Beispiel namhafte Unternehmerpersönlichkeiten neben Wissenschaftlern, angehenden Führungskräften oder Innovatoren. Die eigentliche Frage des Buches lautet: Was ist wertvoll auf diesem Planeten? Was davon ist für die Menschheit insgesamt, aber auch für jeden persönlich wichtig? Wie kann ein abstraktes Thema emotionalisiert werden?

Worin zeigt sich der ganzheitliche Ansatz im Buch und darüber hinaus?

Er geht gewissermaßen von innen nach außen: Es werden vor allem Gesichter gezeigt, die auch symbolisch für eine eigene Haltung stehen. Denn Nachhaltigkeit ist zuerst immer eine innere Einstellung, die zum Handeln motiviert. Zur nachhaltigen Wertschöpfungskette eines Buches gehört aber auch, dass Druckfarben, Papier und Versand nach ökologischen Kriterien erfolgen und der Inhalt die Gestaltung bestimmt.

Was bedeutet die Illustration auf dem Cover des Buches für Sie?

Das Motiv der Berliner Künstlerin Kitty drückt meine Gedanken zur Nachhaltigkeit auf besondere Weise aus: Mit dem Fernglas symbolisch über den eigenen Tellerrand zu schauen, bedeutet für mich, nicht nur weit zu sehen, sondern auch weiter und immer wieder neu zu denken. Allerdings ist das nur möglich, wenn auch der »tiefe Blick« für das Nahe nicht vernachlässigt wird. Beides im Wechsel, Fern- und Nahblick, sind gleichermaßen wichtig, um ganzheitlich zu reflektieren, nachhaltige Entscheidungen zu treffen und entsprechend zu handeln.

Wirtschaft und Kreativität werden mit diesem Buch auf nachhaltige Weise verbunden. Weshalb ist es ein Irrtum zu glauben, dass unternehmerisches Handeln und Kreativität nichts miteinander zu tun hätten?

Unternehmen leben durch Kreativität, die jedoch nicht vor der Tür der Marketingabteilung endet. Jedes Unternehmen braucht Kreativität, um zu bestehen, sich im Markt zu etablieren und gegenüber Mitbewerbern abzugrenzen. Kreative Ideen kommen aus den Köpfen von Menschen, die etwas bewegen und nachhaltig vorantreiben wollen. Dafür steht dieses Buch, das sich zugleich vielen kreativen Köpfen verdankt.

Was zeichnet Ihre »Handschrift« aus? Was soll als Botschaft von ihr bleiben auf diesem Planeten?

Gerne möchte ich Teil einer Bewegung sein, die Nachhaltigkeit als in allen Lebensbereichen erstrebenswert ansieht und mit hohen Wert- und Moralvorstellungen entsprechend handelt.