Heike Schiffler

Dr. Heike Schiffler, Jahrgang 1961, hat nach dem Studium der Kommunikationsforschung und Phonetik, Soziologie und Allgemeinen Sprachwissenschaft ihre berufliche Laufbahn im Jahr 1991 in einer Agentur für Public Relations begonnen. Im selben Jahr wurde die Verpackungsverordnung erlassen, Unternehmen und Wirtschaftsverbände mussten unter hohem Zeitdruck zusammen mit der Duales System Deutschland AG ein geeignetes Finanzierungssystem entwickeln, um eine Infrastruktur für die Sammlung und das Recycling von Verkaufsverpackungen aufzubauen und damit die ambitionierten Ziele der Verordnung zu erfüllen. Durch die Kunden der Agentur kam Heike Schiffler bereits an ihrem ersten Arbeitstag zum Aufgabengebiet Kommunikation für Verpackungsrecycling, das sie bis heute begleitet. Von 1996 bis 1999 war sie Leiterin Unternehmenskommunikation der Deutschen Gesellschaft für Kunststoff-Recycling mbH (DKR). Im Anschluss daran stieg sie als Direktorin Kommunikation beim führenden Systembetreiber für Verpackungsrecycling Der Grüne Punkt - Duales System Deutschland GmbH (DSD) ein, für den sie im Jahr 2000 einen „Resources Summit“ organisierte und die Weltpartnerschaft mit der EXPO 2000 einschließlich des Unternehmenspavillons für Kreislaufwirtschaft, „cyclebowl“, verantwortete. Auch repräsentierte sie die DSD AG im Rahmen der Ausstellung Deutschlands auf dem World Summit on Sustainable Development (WSSD) in Johannesburg 2002. Im Jahr 2008 wechselte Heike Schiffler von DSD zu Tetra Pak und ist seit 2013 als Cluster Leader Environment für Zentral- und Nordeuropa zuständig sowie als Direktorin Kommunikation und Umwelt Mitglied der Geschäftsleitung Mid Europe (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Außerdem ist sie seit 2011 Mitglied des GS1 Advisory Boards „Nachhaltigkeit“ und seit 2012 Jury-Mitglied der „Green Tec Awards“ sowie stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt e. V. (AGVU). Die Schwerpunktthemen, mit denen sich Heike Schiffler heute auseinandersetzt, sind nachwachsende Rohstoffe, nachhaltige und zertifizierte Waldbewirtschaftung, nachhaltige Produkte und Produktion sowie nicht zuletzt Aufbau und Entwicklung von Verpackungsrecyclingsystemen in europäischen Ländern.

 

 

Nachhaltigkeit - unternehmerische Verantwortung in einer globalisierten Welt

Eines haben die vielfältigen Umbrüche, Krisen und Katastrophen der vergangenen Jahre gezeigt: Wir können uns kaum noch auf unumstößliche Gewissheiten stützen. Stattdessen leben wir in einer zunehmend komplexen, vernetzten, sich immer schneller verändernden und zugleich fragilen Welt. Die Frage drängt sich auf, woran sich der Einzelne, aber auch die Gesellschaft als Ganzes noch orientieren kann.

In dem Maße, in dem wir Abschied von linearem Fortschrittsdenken nehmen, steigt die Sehnsucht nach verlässlichen, Sinn stiftenden Werten. Den Weg in eine lebenswerte Zukunft für die Generationen nach uns weist vor allem das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Dahinter steht die Idee, soziale und ökologische Ziele gleichberechtigt neben wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen und zu größt möglichem Nutzen in allen drei Bereichen miteinander zu verbinden. Das heißt, wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern die Rahmenbedingungen und Ressourcen hinterlassen, die sie brauchen, um ihre Zukunft nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Eine der größten Herausforderungen, denen wir heute gegenüberstehen, liegt darin, in ausreichendem Maße sichere und bezahlbare Nahrung verfügbar zu machen, um so die rasant wachsende Weltbevölkerung nachhaltig zu versorgen. Neun Milliarden Menschen leben voraussichtlich im Jahr 2050 auf diesem Planeten. Der globale Lebensmittelbedarf wird bis dahin um rund 70 Prozent ansteigen – ein Umstand, der die natürlichen Ressourcen aller Voraussicht nach stark belasten wird. Und all das vor dem Hintergrund eines beschleunigten Klimawandels.

Tetra Pak hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit seinen Partnern in der Wertschöpfungskette eine robuste, verlässliche und klimaschonende Logistik für die Versorgung mit Nahrungsmitteln aufzubauen. Eine Aufgabe, die vor dem Hintergrund der weltweiten Lebensmittelverluste künftig enorm an Bedeutung gewinnt – jährlich gehen rund 1,3 Milliarden Tonnen der für den menschlichen Verzehr produzierten Nahrungsmittel verloren. In den weniger entwickelten Ländern liegen die Hauptursachen vor allem in unzureichenden Lagerungs- und Kühlsystemen sowie mangelhaften oder fehlenden Verpackungen. Tetra Pak arbeitet seit vielen Jahren eng mit Milchbauern und Molkereien vor Ort zusammen, um die Entwicklung einer funktionierenden Infrastruktur für die Lebensmittelversorgung weltweit voranzutreiben. Unsere aseptischen Verpackungslösungen spielen eine große Rolle dabei, Lebensmittelverluste und -abfälle zu minimieren, gerade auch in Ländern, in denen es an durchgehenden Kühlketten und einer effizienten Logistik für den Lebensmittelvertrieb fehlt.

Mit seinem „Dairy Hub“-Programm unterstützt Tetra Pak Kleinbauern beim Aufbau einer marktfähigen Milchwirtschaft. Durch das Programm werden Kleinbauern und Milchverarbeiter zusammengebracht, um die wirtschaftlichen Vorteile einer Bündelung der Produktionsmengen auszuschöpfen. Die Milchverarbeiter richten eine Reihe von Milchsammelstellen mit Kühltanks ein, zu denen die Bauern ihre Milch täglich liefern können. Ein solcher Milch-Knotenpunkt erreicht in der Regel 15 bis 20 Dörfer mit 800 bis 1.000 Kleinbauern und bis zu 10.000 Kühen. Darüber hinaus werden nachhaltige Fütterungs-, Aufzucht- und Tierschutzmethoden sowie Kenntnisse über die landwirtschaftliche Betriebsführung vermittelt. Der Vorteil: Die Bauern behalten die Kontrolle über ihre Viehbestände und können zugleich neue Absatzmärkte aufbauen. Das Programm ist Teil der „Food for Development“-Initiative, mit der Tetra Pak seit mehr als 45 Jahren weltweit Schulmilch- und Schulernährungsprogramme fördert. Das Millenniumsziel der Vereinten Nationen, den Anteil der hungernden Menschen bis 2015 zu halbieren, werden wir wohl nicht mehr erreichen. Als Unternehmen der Lebensmittelkette und Mitglied der „Global Child Nutrition Foundation“ setzt Tetra Pak im Rahmen seiner Möglichkeiten  jedoch alles daran, diesem Ziel ein Stück näher zu kommen.

Tetra Pak ist heute in mehr als 170 Ländern rund um den Globus präsent. Damit verbunden sind ökonomische Chancen, aber auch eine erhebliche Verantwortung. Industrielle Produktion verbraucht Energie – das gilt natürlich auch für die Verpackungen von Tetra Pak. Aber jedes Unternehmen hat es selbst in der Hand, das Maß, in dem sich seine Geschäftstätigkeit auf Klima und Umwelt auswirkt, auf das Nötigste zu begrenzen. In der gesamten Produktions- und Lieferkette arbeiten wir daran, unseren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Die Produktivität steigern, ohne die Rohstoffvorräte auszubeuten – dieses Ziel verfolgt Tetra Pak mit seiner weltweiten Umweltagenda 2020. Unter anderem haben wir uns dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette bis zum Jahr 2020 nicht über den Stand von 2010 steigen zu lassen. Dies erreichen wir beispielsweise durch den Einsatz regenerativer Energien in unserer Produktion sowie moderner und sparsamer Verpackungstechnologien. Zudem wollen wir die globale Recyclingquote von Getränkekartons in einem Zeitraum von zehn Jahren verdoppeln, von rund 20 Prozent in 2010 auf 40 Prozent in 2020.

Ein wesentlicher Nachhaltigkeitsfaktor ist auch die Verpackung selbst. Tetra Pak-Getränkekartons bestehen bis zu 75 Prozent aus Zellstoff. Grundlage ist der nachwachsende Rohstoff Holz. Um sicherzustellen, dass die Wälder, aus denen das Material für die Tetra Pak-Getränkekartons stammt, nachhaltig bewirtschaftet werden, kooperieren wir intensiv mit dem Forest Stewardship Council® (FSC). Die unabhängige Non-Profit-Organisation setzt sich international für eine sozial, ökologisch und ökonomisch verträgliche Waldbewirtschaftung ein. Langfristig sollen alle Tetra Pak-Verpackungen weltweit FSC-zertifiziert sein. Allein in Deutschland werden wir bis Ende 2013 rund drei Milliarden Getränkekartons mit dem FSC-Label versehen. Um den Klimaschutz-Effekt zu verstärken, will Tetra Pak den Anteil nachwachsender Rohstoffe so bald wie möglich weiter erhöhen – bis zur Zielmarke von 100 Prozent. Der Anteil von Tetra Pak-Verpackungen mit biobasierten Polymerverschlüssen aus Zuckerrohr steigt kontinuierlich; 2012 lag die Anzahl bereits bei 610 Millionen. Auch die Schutzfolien aus Aluminium und Kunststoff sollen mittelfristig durch nachwachsende Materialien ersetzt werden. Schritt für Schritt wollen wir ein Sortiment vollständig erneuerbarer Produkte aufbauen.

Auf dem Weg in Richtung Nachhaltigkeit sind wir auf engagierte Mitstreiter angewiesen. Eine grundlegende Veränderung von Wirtschaftsweise und Lebensstil braucht den Dialog zwischen Herstellern und Konsumenten, braucht die Impulse, die von Stakeholdern ausgehen, und nicht zuletzt den intensiven Austausch mit Politik und Verbänden. Wir arbeiten eng mit der Initiative „Climate Savers“ des World Wide Fund for Nature (WWF) zusammen. Mit dem Klimaschutzprogramm, dem sich mittlerweile 30 Unternehmen angeschlossen haben, setzt sich der WWF auf internationaler Ebene für eine CO2-arme Produktion ein. Bereits zum dritten Mal engagieren wir uns darüber hinaus im Jahr 2013 als offizieller Sponsor und Jurymitglied der Green Tec Awards. Der Umwelttechnologiepreis soll nachhaltige Innnovationen und einen umweltverträglichen Lebensstil fördern. Zu den Fragen, die uns besonders wichtig sind, leisten wir gezielte Aufklärungsarbeit. So unterstützen wir das Programm „Taste the Waste“ im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung in saturierten Märkten, z. B. durch Unterrichtsmaterialien zum Thema.

Wenn wir wie Albert Einstein davon ausgehen, dass sich Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen lassen, durch die sie entstanden sind, dann müssen wir anfangen, neu zu denken. Dass dabei Hürden zu überwinden und Umwege in Kauf zu nehmen sind, ist mitunter unbequem und mühevoll. Aber wenn es gelingt, dem Neuen und Überraschenden für eine nachhaltige Entwicklung Raum zu geben, haben wir die Chance, Werteorientierung und Nachhaltigkeit als feste,  zentrale Elemente von Politik und Unternehmensführung zu verankern.