Henrik Matthies

Henrik Matthies ist Gründer und Vorstand bei managerfragen.org. Er hat das Projekt gemeinsam mit Vincent Paul Menken und Clemens Brandstetter 2011 gegründet, ein Team von 60 ehrenamtlichen Helfern aufgebaut und die Online-Plattform ohne Investorengelder im Oktober 2012 gelauncht. Zahlreiche Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte großer deutscher Unternehmen haben sich für Bürger befragbar gemacht. Der gebürtige Rheinländer studierte BWL an der WHU in Vallendar, arbeitete als Vorstandsassistent, Standort- und Vertriebsleiter bei arvato/Bertelsmann und nahm sich nach fünf Jahren im Job eine Auszeit, um an der RWTH Aachen zu promovieren und das Social Business managerfragen.org umzusetzen.

Weitere Informationen:
www.managerfragen.org

 

Gesellschaftsdialog – Wer macht den so was?

Eine Mutter, die vor und nach der Geburt ihres zweiten Kindes zur Online-Marketing Expertin wird; ein Student, der in seiner Freizeit ein Team aus Unternehmensberatern und Online Collaboration Experten führt; ein Manager, der sich trotz 60-70 Stundenwoche noch für ein Projekt engagiert, dem viele inhaltlich zustimmen, aber das kaum einer für realisierbar hält.

Das und viele weitere sind die Menschen, die managerfragen.org seit 2011 ehrenamtlich aufgebaut haben. Managerfragen.org ist eine im Oktober 2012 gestartete Online-Plattform, auf der jeder Bürger deutschsprachigen (Top-)Managern fair, öffentlich und direkt Fragen stellen kann. Fragen, die den Bürger persönlich beschäftigen oder betreffen, die nie in professionellen Interviews auftauchen, die selten authentisch beantwortet werden, und/oder die evtl. auch mal nichts mit dem typischen Bild von Managern in der Öffentlichkeit zu tun haben.

Wir leben in einem der wohlhabendsten Länder der Welt, haben ein Wirtschafts- und Sozialsystem, das viele andere Länder wertschätzen und Elemente davon kopieren. Und dennoch ist die Stimmung in unserem Land schlecht, ziehen sich Gräben durch die Gesellschaft, wird mehr über- als miteinander gesprochen. Zu den unbeliebtesten Berufsgruppen gehören seit Jahren neben Politikern auch Manager, und die Medien bedienen fast täglich das Klischee des Managers als raffgierigen Kapitalisten. Missstände aufzudecken ist richtig und wichtig. Unsere Gesellschaft weiterzuentwickeln ist gut und nötig. Das tun wir – so glaube ich - am besten gemeinsam, diskutieren kritisch und konstruktiv miteinander und bauen Vertrauen zueinander auf!

Managerfragen.org möchte seinen Beitrag leisten, dass Dialog in der Gesellschaft wieder so offen und konstruktiv geführt wird, dass sich alle Parteien wertschätzen können und man gemeinsam nach Lösungen sucht. Dabei ist die Plattform keinesfalls PR-Maschine für die Wirtschaft. Viele Bürger haben bereits kritische Fragen gestellt, denen Manager lieber ausweichen würden, haben Themen aufgeworfen die PR-Abteilungen der Unternehmen lieber von der Agenda nehmen würden.

Bei managerfragen.org begegnen sich Bürger wie Manager auf Augenhöhe, alle unter ihrem richtigen Namen und Foto. Ein ehrenamtliches Redaktionsteam liest nach Veröffentlichung alle Beiträge und moderiert, falls gegen die vom gemeinnützigen Verein managerfragen.org entwickelten Nutzungsbedingungen verstoßen wird. Bürger nutzen die Plattform, da sie nur so den unmittelbaren Kontakt zu Managern haben und ihre Bedenken, Fragen oder Anregungen, bei dem direkt verantwortlichen Manager anbringen können. Manager wiederum können ihre persönliche Sicht auf die Fragen vermitteln und bekommen ein authentisches Sprachrohr im Gesellschaftsdialog. Am Besten stellt man sich das Ganze wie eine Art Mini-Facebook für Bürger und Manager vor. Jeder hat sein eigenes Profil, andere können dies einsehen und direkt ihre Frage posten, aber in der geschützten Umgebung der Plattform.

Damit Bürger Managern wieder Vertrauen gewähren, werden sie die Antworten sorgsam lesen. Wenn Manager nur mit PR-Floskeln und möglichst unverbindlich antworten, kann kaum Vertrauen entstehen. Merken die Bürger aber anhand der Antwort, dass auf ‚der anderen Seite‘ auch ein Mensch ist (der sorgfältig alle Argumente abwägt bevor er Entscheidungen trifft), dann kann wieder Vertrauen entstehen.

Was hat das Ganze mit Social Business und Nachhaltigkeit zu tun?

Managerfragen.org ist kein kurzfristiges Projekt, um mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und dann zu verglühen. Dann hätten die Gründer sich direkt auf Konfrontation und Skandale fokussiert, denn damit ist ein großes Medienecho sicher. Stattdessen möchte das Gründerteam eine langfristige Dialog-Plattform etablieren, die analog Wikipedia mittelfristig von den Nutzern getragen wird und eine neutrale Quelle für den Diskussionsstand aktueller Gesellschaftsthemen ist. Mittelfristig sollen Unternehmen und Organisationen häufig diskutierte Themen in separaten „Themenpavillons“ auf der Plattform präsentieren können, um Vielfalt und Tiefe des Themas und der Diskussion abzubilden. Geführt wird das Social Business wie ein Unternehmen: mit flachen Hierarchien, klaren Verantwortlichkeiten und Zielen, und einer grundsätzlichen Gewinnerzielungsabsicht, um einen möglichsten effizienten Einsatz der Ehrenamtszeit und der finanziellen Mittel zu erzielen. Mittelfristig sollen so auch ‚richtige‘ und dauerhafte Jobs geschaffen werden.

Das Ehrenamtsteam ist bunt gemischt. Vom Schüler bist zum Pensionär, von der Soziologin bis hin zum Juristen sind alle Alters- und zahlreiche Berufsgruppen vertreten. Jeder hat seine ganz eigene Motivation bei managerfragen.org mitzumachen. Ich z.B. habe mehrere Jahre als Manager in der Wirtschaft gearbeitet. Durch die Globalisierung, täglichen Leistungsdruck, und immer kürzer werdende Innovationszyklen können sich Manager immer weniger Freiräume sichern, in denen Sie nachhaltig und für die Gesellschaft wirken – aber auch ihr Handeln und ihre Motivation gegenüber der Gesellschaft erklären können. Mich hat von Anfang an die Vision inspiriert, eine Online-Plattform zu schaffen, die einen Teil der Hürden auf beiden Seiten nimmt und so ermöglicht, dass alle Parteien fair und konstruktiv wieder miteinander sprechen. Anstelle vom medialen Bild des „raffgierigen Managers“ wollen wir offene Kommunikation zwischen allen Beteiligten ermöglichen, um wirklich nachhaltige Lösungen zu kreieren. Wir wollen, dass schlechte Manager einen Feedbackkanal direkt aus der Gesellschaft erhalten, aber auch dass gute Manager persönlich durch Bürger in ihrem Handeln bestärkt werden. Wenn wir das schaffen, dann hätten wir schon sehr viel erreicht.