Ilse Gutjahr-Jung

Ilse Gutjahr-Jung, Jahrgang 1940, hatte als Patientin eine lange und erfolglose Odyssee hinter sich, ehe sie  in dem renommierten Arzt und Ernährungspionier  Dr. Max Otto Bruker einen wirklichen Behandler fand. Diese Erfahrung hat ihr Leben verändert. Über viele Jahre hat sie Dr. Bruker in seiner Arbeit unterstützt und maßgeblich dazu beigetragen, sein zum Teil revolutionäres Ernährungs- und Gesundheitsverständnis in eine lebendige und dauerhaft tragfähige Struktur zu übertragen. Entstanden sind daraus das Dr.-Max-Otto-Bruker-Haus, die gleichnamige Stiftung, die gemeinnützige Gesellschaft für Gesundheitsberatung GGB e. V., die EBZ-Lehrküche und der emu-Verlag auf der Lahnhöhe vor den Toren von Koblenz.

Nach dem Tod von Dr. Max-Otto Bruker im Jahr 2001 übernahm Ilse Gutjahr-Jung die Leitung der Stiftung und der Gesellschaft für Gesundheitsberatung GGB e.V. Bis heute trägt sie dafür Sorge, dass Dr. Brukers Vermächtnis jedes Jahr von vielen neu zertifizierten Gesundheitsberatern GGB verstanden und dann in vielen, vielen Einzelberatungen zu den Menschen gebracht wird.

Weiterführende Informationen:
www.dr-bruker.de
www.dr-bruker-garten.de

 

„Die medizinische Forschung schreitet immer weiter voran, doch die Menschen werden immer kränker. Warum ist das so?“

Andreas Görner über Ilse Gutjahr

 

Diese einfache Frage war der Anfang von allem. Ilse Gutjahr-Jung hatte am eigenen Leib erfahren, dass die moderne Schulmedizin die Frage oftmals nicht beantworten kann. Auch wenn viele langatmige und unverständliche Antwortversuche die Ratlosigkeit verschleiern. Jahrelang war sie von Arzt zu Arzt gereist und hatte gutgläubig alle Behandlungsversuche über sich ergehen lassen. Das Ergebnis war, es ging ihr immer schlechter. Diese Odyssee, die manch ein kranker Mensch erlebt, hat Ilse Gutjahr viele Jahre später in ihrem Buch „David gegen Goliath“ packend beschrieben.

Das änderte sich, als sie Dr. Bruker 1976 zum ersten Mal begegnete, dort erlebte sie keine Fokussierung auf einzelne Symptome, sondern sah sich als ganzen Menschen wahrgenommen. „ Mir gingen die Augen auf“, so beschreibt sie die ersten Tage ihres zweieinhalbmonatigen Klinikaufenthaltes. Und mit offenen Augen erkannte sie zweierlei, erstens die heilende Wirkung eines humanistischen, ganzheitlich arbeitenden Arztes und zweitens das Gesund-Potential einer vitalstoffreichen, vollwertigen Ernährung.

Ilse Gutjahr-Jung ist ein Mensch voller Energie, das ist wohl das Erste, was einem an dieser zierlichen Frau auffällt. Wache, klare Augen mit einem schelmischen Zwinkern, die verraten, dass dahinter gerade wieder neue Ideen entstehen.  „So viele Ideen und Projekte, die ich unbedingt angehen will, das kann für meine Familie und die Mitarbeiter manchmal anstrengend sein“, räumt sie freimütig ein.

Damals bei den ersten Gesprächen mit Dr. Bruker hat sie wohl nicht geahnt, dass daraus die Aufgabe ihres Lebens werden würde. Eine Aufgabe, die sie seither immer wieder in ganz neuer Form fordert. Die erste Zeit war geprägt vom Improvisieren, vom „Zaubern mit einfachsten Mitteln“. „Unser Büro hatte die Größe einer Schuhschachtel, gerade mal 9 Quadratmeter. Dafür war unsere Produktivität umgekehrt proportional zum Raumangebot. Wenn ich heute sehe, was wir damals mit einer einfachen Schreibmaschine an Briefen, Manuskripten, Magazinveröffentlichungen, Vorträgen und Büchern hervorgebracht haben – unfassbar“, sagt Ilse Gutjahr. Später wandelten sich die Herausforderungen, der Verein wuchs und brauchte vor allem klare Strukturen, verbindliche Planungen und umfassende Information. Die Mitgliederzeitschrift „Der Gesundheitsberater“ wurde gegründet und ist bis heute das wichtigste Sprachrohr geblieben. Jeden Monat eine Ausgabe zusammenstellen, recherchieren, schreiben, redigieren, gestalten, das war wieder eine neue Herausforderung. Die Meisterprüfung war aber ohne Zweifel der Bau des neuen Dr.-Max-Otto-Bruker-Hauses auf der Lahnhöhe. Unzählige Planungen, die von den Behörden verworfen wurden, Verhandlungen mit Eigentümern, Architekten und Baufirmen. Und immer wieder Spenden sammeln. Und heute? „Heute arbeiten mein Mann und ich daran, die Übergabe an die nächste Generation vorzubereiten. Auch das ist Nachhaltigkeit, denn die eigene Arbeit ist doch nur eine Phase in einem viel längeren Prozess. Dr. Max Otto Bruker hat die Initiative ergriffen, und auch er konnte auf ältere Wurzeln aufbauen, wir haben seine Arbeit fortgeführt, einige neue Elemente hinzugefügt und irgendwann vertrauen wir das alles den Jüngeren an“, so Ilse Gutjahr-Jung.

Was sie aber nicht davon abhält, weiterhin neue Bücher zu schreiben, weltweite Kontakte zu pflegen und ganz aktuell den großen Garten rund um das Haus zu einem ganz neuartigen therapeutischen Garten umzubauen. Leben mit Leib & Seele ist das Motto des Gartens, der eine große Produktivfläche mit Obst und Gemüse ebenso umfasst wie die atmosphärischen Bereiche mit sonnendurchflutetem Mandala-Garten, mit Kneipp-Becken und Ruheraum, mit Wandelgängen und dem schattigen Waldgarten mit seinem Sumpfbiotop.

Resilienz, so schreibt Harald Welzer in seinem äußerst lesenswerten Buch „Selbst Denken“ bedeutet Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen und Bedrohungen. Das gilt für den Einzelnen, aber auch für Gemeinschaften. Wer in unserer Gesellschaft gegen Widerstände Veränderungen durchsetzen will, der braucht Resilienz-Systeme, die ihn stärken, sagt Welzer. Ilse Gutjahr- Jung hat ihre individuellen und gemeinschaftlichen Resilienz-Systeme und wird von diesen seit 35 Jahren in ihrem Kampf gegen ein von  Lobbyismus und Filz durchwachsenes Gesundheitssystem getragen. Dazu gehören vor allem ihr Sohn Martin, der mittlerweile den emu-Verlag und die Gesellschaft für Gesundheitsberatung GGB leitet und ihr Mann Mathias Jung, der mit seiner gestalttherapeutischen Praxis, mehr als 50 Büchern und seinen Vorträgen eine zentrale Stütze des Bruker-Hauses geworden ist. Es gehören aber auch die Mitarbeiter des Hauses und alle Mitglieder der Gesellschaft für Gesundheitsberatung dazu. „Ein verschworener Haufen, dem auch bei angedrohten Unterlassungserklärungen und Schadensersatzforderungen nicht gleich bange wird“, so bringt es Ilse Gutjahr-Jung auf den Punkt.

Moralische Streckübungen, so beschreibt Günther Anders das Phänomen und fordert auf „zur Überdehnung seiner gewohnten Phantasie- und Gefühlsleistungen“. Mit anderen Worten, um eine andere Geschichte für diese Welt schreiben zu können, müssen wir jeden Tag einen Schritt über die bisherige Grenze hinausgehen und jeden Tag in Kopf und Herz und Hand gelenkiger  werden. Aber: Das Schreiben einer solchen Geschichte darf man sich nicht gemütlich vorstellen, der Weg in eine nachhaltige Moderne ist ein Voranschreiten gegen Widerstände. Dazu bedarf es keiner Mehrheiten, eine kleine Gruppe von drei bis fünf Prozent der Bevölkerung über alle Gruppen und Schichten hinweg reicht aus, einen dauerhaften Wandel anzustoßen.

Wir wissen nicht, wie viel dieser drei bis fünf Prozent Ilse Gutjahr-Jung in der Gesellschaft für Gesundheitsberatung GGB bereits versammelt hat. Ganz sicher gehören sie und ihre Mitstreiter aber zum inneren Kern einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungskraft. Mit Biss für eine andere, bessere Welt, das gilt hier im wahrsten Sinne des Wortes.