Ina Rieck

Ina Rieck, Jahrgang 1969, arbeitet als Dozentin, Texterin und Konzeptionerin für Nachhaltigkeits-Marketing in Berlin und Hamburg. Außerdem ist sie Doktorandin und forscht zu der Frage, wie Marketing bei „der Suche nach einer besseren Welt” nützlich sein kann: Das Potential von Marketing für Nachhaltigkeit heißt das Thema ihrer Arbeit.

Im Bereich Marketing & Kommunikation ist Ina Rieck seit mehr als 15 Jahren tätig. Nachhaltigkeit und Gemeinwohl sind Themen, die sie dabei von Beginn an begleitet haben: Erste Stationen nach dem Studium waren der Gazastreifen und Kairo, wo sie u. a. für ein UNEP-Projekt arbeitete. Nach dem Studium der Wirtschaft, Politik, Soziologie und Geografie sowie Pädagogik lernte sie das PR-Handwerk von der Pike auf in einer Agentur und spezialisierte sich danach auf Social Marketing, die Kommunikation gesellschaftlicher Projekte und Kampagnen.

Ihr aktuelles Projekt heißt WINS, eine Website für Kinder zum Thema Nachhaltigkeit. WINS – der Name ist abgeleitet von „Was ist Nachhaltigkeit? Spannend!“ – will Mädchen und Jungen an ihrer Entdeckerfreude und Abenteuerlust packen. Kinder werden eingeladen, Nachhaltigkeitsthemen in ihrem eigenen Alltag aufzuspüren und erfahren: Nachhaltigkeit gibt viele Fragen auf, und sie macht Freude! Mehr Informationen zu WINS auf der Projektseite: www.wins-portal.de.

Weiterführende Informationen:
www.inarieck.de


Reisebericht: Thunder Road – Ein Weg auf der Via de la Plata

(…) Wir erreichen die Stadtgrenze von Santiago. Den ganzen Tag ist es bewölkt gewesen, und nun erscheint plötzlich die Sonne. Was in der folgenden halben Stunde geschieht, erlebe ich wie in einem Film. Als wir auf den engen Straßen hinauf zur Kapelle laufen, habe ich für Sekunden Tränen in den Augen. Wenn ich alleine wäre, wäre jetzt vielleicht der Moment, endlich loszuheulen. Ich sehe die Menschen auf der Straße: Gleich werden sie uns zurufen und auf den letzten Metern anfeuern: „Haltet durch! Bald habt ihr es geschafft!“ Doch Frauen tragen ihre Einkaufstüten, und Männer diskutieren vor einer Konditorei, als wäre heute ein ganz normaler Tag. Ich bin verwirrt, versuche, mich am Schritt meines Vordermannes zu orientieren. Doch dann: Vor einem offenen Garagentor sitzt ein Mann im hellblauen Hemd, der winkt mit seiner linken Hand die Straße rauf und ruft: „Sólo un kilometro!“ – Es ist wirklich: Ich bin hier. In Santiago de Compostela.

Unser Ziel ist der Pferdebrunnen am Seiteneingang der Kathedrale, denn dort warten Manuels Frau und Tochter. Dort angekommen, fallen wir uns in die Arme, strahlen um die Wette, machen Fotos, winken in die Webcam. So wie man es halt macht am Ziel. Doch das große Gefühl bleibt aus. Auch als ich kurze Zeit später die compostela – die Pilgerurkunde – in den Händen halte, empfinde ich nichts Großartiges wie Stolz oder so etwas. Es ist zunächst Freude, ähnlich der, wie ich sie früher beim Handball empfunden habe: Wir sind ein Team und bekommen nun von der Turnierleitung den verdienten Pokal überreicht. Und irgendwo hinter dieser aufgedrehten Fröhlichkeit spüre ich Erleichterung. Nicht als würde eine Last, wie ein schwerer Rucksack, plötzlich – plumps – von den Schultern fallen. Es ist eher ein Druck, den ich vorher vielleicht gar nicht empfunden habe, der nun langsam nachlässt. Ich bin erleichtert, dass ich es geschafft habe, ich angekommen bin, meine Kraft gereicht hat. Und vor allem: dass ich diesen Weg überhaupt gegangen bin. Der Weg als Ziel – das klingt bekannt und schön. Und es ist wahr. (…)

Der gesamte Text: Reisebericht: Thunder Road – Ein Weg auf der Via de la Plata http://issuu.com/fraumaulwuerfin/docs/ina_rieck_thunder_road

Stand: Juli 2015