Ina Schmidt

Dr. Ina Schmidt, Jahrgang 1973, studierte Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg und promovierte über Martin Heidegger. 2005 gründete sie die „denkraeume“, eine Initiative für philosophische Praxis, und hält Vorträge, Seminare und Workshops, in denen sie Privatpersonen und Unternehmen in die Kunst des philosophischen Denkens einführt. Darüber hinaus verfasst sie Essays und Zeitschriftenbeiträge. Ina Schmidt lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Reinbek bei Hamburg. 2011 erschien im Ludwig Verlag ihr Buch Alles in bester Ordnung oder wie man lernt, das Chaos zu lieben. Ein philosophischer Wegweiser vom Suchen zum Finden.


Was Freundschaft mit Nachhaltigkeit verbindet

Was tun wir in unserer gegenwärtigen Welt für die Freundschaft? Einer Welt, die die Selbstoptimierung zum Maß aller Dinge erkoren hat und darin das Glück vermutet – oft und gern gerade auf Kosten anderer? Also auch derjenigen, die vielleicht unsere Freunde sein könnten.
Ein „guter Freund“ lässt sich nicht einfordern, wir können nicht alles „richtig“ machen und dann auf eine Form wie auch immer gearteter Freundschaft pochen – dennoch können wir etwas dafür tun, dass sie gelingen kann. So wie wir einen Garten anlegen können, indem wir für die richtigen Bedingungen, für einen guten Boden und anständige Lichtverhältnisse sorgen, uns mit Aufmerksamkeit und Zeit den Pflanzen darin widmen und ihnen das geben, was sie brauchen – was dann passiert, liegt nicht allein in unserer Hand und es kann letztlich auch schiefgehen.
Um etwas gelingen zu lassen, muss ich auf etwas vertrauen können, was außerhalb meiner „Möglichkeiten“ liegt, vielleicht in den Möglichkeiten eines anderen, vielleicht sogar außerhalb jeder Form von Verständigkeit.
Freundschaft bezeichnet eine Art Paradox, das wir in unserer persönlichen Erfahrung aber nicht weiter problematisch finden: Sie hat nur als gelebte Praxis Bestand.
Das macht es einerseits so schwer, wenn wir uns nach ihr sehnen, dann aber auch wiederum so leicht, weil es nicht darum geht, einen bestimmten „Zweck“ oder ein konkretes Ziel zu erreichen. Wenn wir die gelebte Freundschaft als eine Form persönlicher Lebenskunst ernst nehmen, liegt die Aufgabe jedes einzelnen darin, sich auf diese Offenheit einzulassen und dennoch dafür zu sorgen, dass es ein „Gefüge“ gibt, in dem sie möglich wird – ein Geflecht aus Werten und Überzeugungen, in dem der „Geist der Freundschaft“ überhaupt zu einer Praxis werden kann.

Quelle: Auf die Freundschaft. Eine philosophische Begegnung oder Was Menschen zu Freunden macht. Ludwig Verlag 2014.

Stand: September 2014