Ingrid Barbosa-Farias

Ingrid Barbosa-Farias, Jahrgang 1983 arbeitete nach Ihrem Studium “Medien- und Kommunikation” in Passau zunächst als selbständige Programmiererin und war seit 2010 als technische Projektmanagerin in Berlin beschäftigt. Bereits während des Studiums fiel die Entscheidung zur Unternehmensgründung. Auf der Suche nach einem nützlichen, umweltfreundlichen und vergleichsweise leicht herzustellenden Produkt, kam Ihr im November 2011 die Idee zu Eversnack - wiederverwendabre Brot- und Snackverpackungen aus Stoff. Nach einer kurzen Testphase wagte Frau Barbosa den Sprung in die Selbständigkeit. Sie gab Ihre Festanstellung auf und gründete Anfang 2012 das Unternehmen "Eversnack" in Berlin von wo aus die bunten Snackverpackungen in der Zwischenzeit deutschland- und europaweit vertrieben werden.

Weiterführende Informationen:
www.eversnack.de

 

 

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie den Begriff "Nachhaltigkeit" hören?

Den Begriff “Nachhaltigkeit” verbinde ich damit, die Konsequenzen seines Handelns für Mensch, Tier und Umwelt zu erkennen und die Verpflichtung sein Bestmögliches zu tun, um diese zu schützen und Weiterentwicklungen zu fördern.

Weshalb haben Sie eine gut bezahlte Festanstellung gekündigt, um Unternehmerin zu werden?

Ich wollte ein Leben führen, das für mich eine tiefere Bedeutung hat und die Freiheit es so zu gestalten, wie ich es für richtig halte. Das Unternehmertum, trotz seiner Schattenseiten, bietet für mich genau diese Freiheit.

Ihre ersten Gehversuche in der Selbstständigkeit waren nicht von Erfolg gekrönt. Woher haben Sie die Motivation genommen, Ihren Weg als Unternehmerin weiter konsequent zu verfolgen?

11 von 12 Start-Ups, d.h. über 90% scheitern. Ich wusste wenn ich es nur oft genug probiere, wäre es statistisch betrachtet wahrscheinlich, dass es irgendwannn klappt. Thomas Edison hat mal gesagt: "Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es noch einmal zu versuchen." Dem kann ich nur zustimmen.

Haben Sie es eher als Vorteil oder als Nachteil empfunden, sich als Frau selbstständig zu machen? 

Unteschiedliche Frauen haben es unterschiedlich schwer oder leicht. Ich denke, dass sozio-ökonomische Faktoren oftmals die ausschlaggebenderen Kritierien sind, als die Geschlechtszugehörigkeit. Eine Frau aus einem bürgerlich-akademischen Elternhaus, oder Unternehmerfamilie wird es bei der Gründung wahrscheinlich einfacher haben als, z.B. ein Mann aus der Arbeiterschicht.

Wie kam es zur Gründung von Eversnack? Welche Idee steckt dahinter?

Ich wollte ein Produkt schaffen, das einen wirklichen Mehrwert liefert, dabei umweltfreundlich ist und gleichzeitig für mich leicht und günstig herzustellen wäre.

Die Idee zu Eversnack kam mir Sonntagabend im Bett. Vor dem Beginn einer neuen Arbeitswoche als Angestellte habe ich stundenlang überlegt mit welcher Idee ich einen erneuten Versuch in die Selbständigkeit wagen könnte. Am Ende stand die Entscheidung zu Eversnack - waschbare Brottücher und Snacktüten, als umweltfreundlicher Ersatz für Einwegverpackungen, wie Aluminiumfolie und Brotpapier.

Der Start Ihres Unternehmens begann mit selbst genähten Stoff zu Hause. Hätten Sie eine so schnelle Expansion erwartet, die Sie schon im ersten Jahr den Break-even erreichen läßt??

Ich hatte ein gutes Gefühl bei dem Produkt, aber nach 4 Jahren des Ausprobierens unterschiedlichster Ideen war der Gedanke an einen Break-even eher theoretisch. 

Ich habe nichts erwartet und einfach gemacht, mir eine Nähmaschine gekauft, nachts genäht und die Produkte tagsüber auf Märkten verkauft. Die Bestellungen nahmen von Woche zu Woche zu, ohne dass ich Werbung geschaltet habe. Später kam die Presse auf mich zu, was dem Unternehmen zusätzlichen Auftrieb verschaffte. 

Inwiefern ist Ihre gesamte Wertschöpfungskette nachhaltig? Wo produzieren Sie heute?

Ich lasse in einer kleinen Näherei in Ungarn produzieren, mit der wir eng zusammen arbeiten. Bilder der Produktion werden auf Facebook veröffentlicht, damit sich jeder ein eigenes Bild von den Arbeitsbedingungen machen kann. Für die Produkte werden ausschließlich recycelbarer Kunststoff genutzt, der nach Gebrauch der Wertschöpfungskette wieder zugeführt werden kann und wir werden in Zukunft vermehrt öko-tex zertifizierte Baumwollstoffe verwenden. 

Was sind Ihre Nahziele mit der Weiterentwicklung Ihres Unternehmens und welche Vision verfolgen sie? 

Mein Vision ist, dass sich Eversnack irgendwann als echte Alternative für Einwegverpackungen etabliert.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin ist es eine breite Masse an ökologisch ausgerichteten Händlern und Handelsketten für die Produkte zu gewinnen. Der Erfolg des letzten Jahres mit zahlreichen Händlern in Deutschland und Europa und die positive Resonanz der Kunden lässt mich positiv in die Zukunft blicken.

Weshalb ist die Beschäftigung mit Nachhaltigkeit immer auch ein privates Thema, das sich vom beruflichen Engagement nicht trennen läßt?

Nachhaltigkeit fällt für mich unter den Ethik-Begriff und ethisches Handeln hört natürlich nicht nach Feierarbend auf, sondern zieht sich durch alle Lebensbereiche. Es gibt, aber kein Schwarz und Weiß. Ein nachhaltiges Leben ist in einer modernen Gesellschaft nicht immer zu 100% möglich.

Was zeichnet Ihre Handschrift aus? Was soll als Botschaft von ihr bleiben auf diesem Planeten?

Ich sehe im Unternehmertum die Chance Änderungen und Ideen voranzutreiben und im besten Fall als Katalysator für gesellschaftliche, soziale, technische oder wissenschaftlichen Fortschritt zu dienen. Je mehr Menschen unter dieser Prämisse gründen, desto eher steigen die Chancen Lösungen für Probleme zu finden, die heute noch unlösbar erscheinen.

 

Das Interview führte Hauke Schwiezer.