Josef Hens

Josef Hens, Jahrgang 1940, wurde als drittes von vier Kindern in Koblenz-Lützel geboren. Aufgewachsen ist er im Koblenzer Stadtteil Metternich, besuchte nach dem Krieg die Volksschule von 1946 bis 1954 und gründete nebenbei im Alter von zehn Jahren eine Straßenfußballmannschaft. Seitdem prägte dieser Sport einen Großteil seines Lebens, das beruflich über eine Ausbildung als Großhandelskaufmann bis zum Gebietsverkaufsleiter einer großen Kaffeefirma führte. Seine Ehefrau Helga und seine zwei Töchter prägten sein Leben außerhalb von Kaffee und Fußball. Der Straßenfußballer wurde Funktionär – zunächst im Verein FC Germania Metternich. Aus dem Vereinsjugendleiter wurde der Kreisjugendleiter Koblenz und 1991 der Kreisvorsitzende. Vom Kreis ging es dann zum Verband, wo Hens seit 2004 das Amt des Vizepräsidenten bekleidet. Und in dieser Eigenschaft ist er auch heute noch als Koordinator Behindertenfußball/Inklusion für die Sepp-Herberger Stiftung im FVR, beim DFB in der AG-Ehrenamt sowie als Schatzmeister der Theo-Zwanziger-Stiftung tätig. Allem stellt er jedoch die Prämisse voran: „Ehrenamtliche Tätigkeiten soll man mit viel Freude ausüben und immer mehr tun, als erwartet wird. Und dabei sollte man sich selbst für nicht so wichtig halten.“

 

 

„Inklusion – da hat es Klick gemacht“

Ein Beitrag von Peter Armitter über Josef Hens

Es ist schon 56 Jahre her, und doch weiß Josef Hens noch genau, wie seine ehrenamtliche Funktionärskarriere im Fußball einst begann. „Ich war zum ersten Mal mit auf einer Sitzung eines Vereins. Ich habe ein Glas Bier bestellt - und schon war ich gewählt“, sagt der heute 72-Jährige mit einem Lächeln. Damals war er 17 Jahre jung - und fortan aus dem heimischen Ehrenamt nicht mehr wegzudenken. Zunächst bei einem Verein für die Pflege des heimatlichen Brauchtums, später in seinem Heimatverein, dem FC Germania Metternich, einem Stadtteil von Koblenz. Und von 1973 an auch beim Fußballverband Rheinland, in dem er seit nunmehr 40 Jahren aktiv ist. Heute als 1. Vizepräsident für sozial- und gesellschaftspolitische Aufgaben. Und als Inklusionsbeauftragter seines Verbands.

Der FC Bayern München gewinnt seinen ersten DFB-Pokal, Juan Manuel Fangio wird zum vierten Mal in Folge Formel-1-Weltmeister und in Portugal wird Männern das Schwimmen in Badehosen erlaubt, nachdem vorher nur Badeanzüge zugelassen waren. All dies geschieht im Jahr 1957 - jenes Jahr, in dem Josef Hens seine ehrenamtliche Tätigkeit bei seinem Heimatverein in Metternich beginnt. „Damals hast du eine Funktion übernommen und warst dann zumeist Jahrzehnte im Amt“, erinnert sich Hens. „Heute möchte sich niemand mehr so lange in der Verantwortung sehen.“ Ein Grund für den gewaltigen Rückgang beim Ehrenamt. Hens arbeitet derzeit am Projekt „Das junge Ehrenamt.“ „Und in der nächsten Sitzung der DFB-AG Ehrenamt in der kommenden Woche in Frankfurt.“ Auch hier ist die Meinung von Josef Hens gefragt und anerkannt.

Beim nächsten Verbandstag möchte auch Hens kürzer treten. „Das ist mein Ziel“, sagt der ehemalige Verkaufsleiter einer Kaffeefirma. „Ich habe durch den Fußball viele tolle Menschen kennen gelernt. Der Sport hat mir auch im Berufsleben so manche Tür geöffnet. Manchmal haben wir eine halbe Stunde über Fußball geredet und das Geschäftliche kam dann wie von ganz alleine.“ Kürzer treten als Funktionär - da ist der Wunsch von Hens. Eine Funktion jedoch hat er gerade erst übernommen, und die will er auch weiterhin mit vollem Einsatz erfüllen: Inklusionsbeauftragter des Fußballverbands Rheinland. „Ich sehe die Notwendigkeit, dort etwas zu tun. Bisher wurde der Behindertenfußball zumeist nur am Rande wahrgenommen. Ich will mithelfen, dass sich das ändert.“

Eine erste Abfrage bei den Vereinen des Verbands hat Hens im Ergebnis schon einmal überrascht. „Es gibt einige Fußballer mit Behinderung, die auch in unseren Vereinen aktiv sind. Und es gibt auch schon diverse Kooperationen zwischen Sportvereinen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Aber es gibt auch noch viele Einrichtungen, die Kooperationspartner suchen.“ Hens wird in den kommenden Wochen viele dieser Einrichtungen besuchen, sich vor Ort ein Bild machen, mit den Menschen in den Dialog treten, Wünsche und Bedürfnisse erfragen. „Danach gilt es, die Vereine mit ins Boot zu holen und Kooperationen auf den Weg zu bringen. Ich war im Vorjahr zum Beispiel bei den Landesmeisterschaften in Idar-Oberstein. Das war unheimlich spannend und faszinierend. Und da waren Fußballer dabei, die so mancher A-Ligist sicherlich gerne in seinem Team hätte. Hier gilt es ein Netzwerk zu knüpfen und Kontakte zu vermitteln.“

Die DFB-Stiftung Sepp Herberger sieht Hens dabei als entscheidenden Impulsgeber. „Für mich ist der Begriff Inklusion eigentlich erst präsent und greifbar geworden, als dieses Thema im Vorjahr bei einer großen Gala im Gedenken an Sepp Herberger in Mannheim erörtert wurde. Da hat es Klick gemacht.“ Die Stiftung unterstützt die Landesverbände auch finanziell, die Inklusionsbeauftragten werden auf 400-Euro-Basis honoriert. „Ich nehme das Geld aber nicht, es geht bei uns direkt an den Verband.“ Hens will lieber, dass das Geld direkt dort hilft, wo es für die Inklusion benötigt wird. Und er hat viele Pläne und Ideen: „Wir werden vermutlich im Sommer die ersten Besuche mit unserem DFB-Mobil in Werkstätten machen. Das wird sicherlich eine sehr interessante Sache, von der alle Seiten viel lernen können.“ Neben der Inklusion wird sich Hens aber auch in Zukunft noch ehrenamtlich engagieren - auch wenn er kürzer treten wird. So ist er zum Beispiel Schatzmeister der Theo-Zwanziger-Stiftung - der ehemalige DFB-Präsident war einst auch lange im Fußballverband Rheinland aktiv und ist ein langjähriger Weggefährte von Hens. Über seine Aktivitäten führt der 72-Jährige seit jeher Buch, schreibt Tagesberichte. „Ein mittlerweile sehr dickes Buch“, sagt Hens. Es klingt so, als sei das letzte Kapitel noch lange nicht geschrieben. (Februar 2013)