Kaja Kinsella

Kajsa Kinsella wurde 1974 im Süden Schwedens geboren und wuchs in einer sehr kreativen Familie auf. Sie ist nicht nur Autorin sondern auch Designerin mit eindeutigem Faible für alles Nordische, inspiriert durch ihre Kindheitserinnerungen. Nachdem sie es in Älmhult (der Geburtsort von IKEA) nicht mehr ausgehalten hat, lebte sie sieben Jahre lang in München und erinnert sich immer noch gern an die bayerischen Sommer und das leckere Essen. Zurzeit lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Irland.

Weitere Informationen: http://www.kajsakinsella.com/;
http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/skandinavien-ist-alles-eine-reise-ins-leben_b_11082978.html

 

Schönes Skandinavien


Sie haben schon zwei Bücher und sogar ein Magazin über Skandinavien herausgebracht. Sie scheinen sich viel mit dem Gebiet zu beschäftigen. Was fasziniert Sie so an Skandinavien?

Ich bin mit drei Schwestern in einer sehr kreativen süd-schwedischen Familie aufgewachsen, in der man unter anderem Maler, Sänger, Köche, Architekten, Designer, Fotografen, Glasbläser, Garten-Architekten und somit Kreativität pur finden konnte. Es war eine sehr bunte Kindheit für mich und meine drei Schwestern. In Skandinavien findet man unsere typischen Farben, Symbole und Muster überall: auf Haushaltswaren, Essensverpackungen und Kleidung. Wirklich überall findet man typisch Skandinavisches. Und es liegt uns auch schon im Blut. Ich muss zugeben, dass mir das auch erst bewusst wurde, als ich aus Schweden weggezogen bin.

Sie schreiben nicht nur Bücher und für Magazine, sondern haben sogar eine Kollektion an Stoffmustern und Porzellan entworfen. Das klingt sehr vielfältig. Wie sieht ein normaler Tagesablauf bei Ihnen aus?

Bücher und Artikel zu schreiben macht mir sehr viel Freude! Ich habe festgestellt, wie sehr ich das geschriebene Wort liebe. Zusätzlich bin ich mit vielen anderen Projekten beschäftigt. Ich habe ein Design für ein Stoffmuster entworfen, eine Porzellankollektion und verschiedene skandinavische Artikel genäht. Ich habe eine To-Do-Liste, die jeden Tag länger und länger wird. Aber ich liebe es einfach, hart und intensiv zu arbeiten. Ich kenne es gar nicht anders. Mein Mann und ich haben drei Kinder im Alter von siebzehn, dreizehn und sieben. Außerdem arbeite ich Teilzeit in einem Geschäft. Meine Tage sind also immer ziemlich voll und abwechslungsreich.

Sie kommen ursprünglich aus Schweden. In welchen skandinavischen Ländern waren Sie noch? Gibt es ein Land, das Ihnen besonders gefällt?

Als ich Kind war, sind wir oft umgezogen, weil mein Vater sich immer wieder in neue »Renovierungsobjekte« verliebte. In Süd-Schweden kenne ich mich also sehr gut aus. Wir sind auch sehr oft mit der Fähre nach Dänemark rübergefahren. Kopenhagen ist so eine tolle Stadt. Ich könnte mir gut vorstellen, dort zu leben. Die Dänen und Süd-Schweden sind sich sehr ähnlich. Es war ja auch lange ein Land. Wir passen also gut zusammen. Leider habe ich die anderen skandinavischen Länder noch nicht besucht. Als 19-Jährige habe ich Schweden verlassen, um nach Deutschland und anschließend nach Irland zu gehen. Wenn wir irgendwann zurückziehen, werden wir viel herumreisen und all das Wunderbare in Skandinavien sehen und erleben.

In Ihrem Buch erfährt man einiges über Bräuche und das typische Essen, aber zum Beispiel auch viel über Design oder Krimi-Ikonen.
Interessieren Sie sich für alle Bereiche gleichermaßen? Und woher haben Sie all die Informationen?

Ich habe ein sehr großes Interesse an Journalismus. Man könnte auch sagen, ich liebe
ihn. Schon als Kind habe ich gern Leute beobachtet und ausgefragt, um ihre Gedanken, Gefühle und Ansichten herauszufinden. Dadurch interessiere ich mich auch sehr  für Bräuche und Traditionen. Wegen meiner kreativen Familie bin ich auch Feuer und Flamme für alles, was mit Design zu tun hat. Das Essen in Skandinavien ist etwas ganz Besonderes. Es ist frisch und gesund und liegt mir einfach am Herzen. Ich habe sehr gute Freunde aus allen nordischen Ländern. Mit ihren Erinnerungen und Geschichten haben sie mir sehr bei den Texten für »Schönes Skandinavien« geholfen.

Die nordischen Länder wurden einst hauptsächlich mit kalten und langen, dunklen Wintern assoziiert. Inzwischen wächst aber das Interesse an diesen Ländern immer mehr. Was glauben Sie, woran das liegen könnte?

Ja, das stimmt. Skandinavien hat wirklich sehr kalte und dunkle Winter. Aber es gibt auch so viele tolle Erlebnisse und viel Wunderbares: Wenn der Schnee in Massen fällt, während es stürmt und donnert und man die Hand vor Augen nicht sehen kann und das Gesicht schmerzt. Oder wenn der Schnee ruhig auf dem Boden liegt und man nicht widerstehen kann, jubelnd durchzurennen. Und wenn man Glück hat, hat man jemanden zu Hause, der so lieb ist, und eine heiße Schokolade macht und Zimtgebäck aufwärmt.
 
Viele Menschen denken, dass die Skandinavier gesund, kreativ und glücklich sind. Und ich finde, sie haben Recht!

Eine Zeitlang haben Sie in Deutschland gelebt. Was hat Sie an Deutschland gereizt? Ist Ihnen etwas von hier besonders in Erinnerung geblieben?

Mit 19 hatte ich meinen kleinen Wohnort Älmhult (der Geburtsort von IKEA) satt und hüpfte am 16. April in einen LKW Richtung München. Dort hatten meine ältere Schwester Lina und ich schwedische Freunde, die sich um mich ganz toll gekümmert haben. Ich habe mich sofort in Bayern verliebt. Meinen ersten Job fand ich im Eiscafé Häagen Dazs, wo ich liebe Freunde fand. Weil ich noch ganz jung und schlank war, habe ich täglich fast mein eigenes Gewicht in Eis gegessen. München hat mir
sehr gut getan und nach zwei Jahren habe ich meinen lieben irischen Mann Patrick getroffen. Wir haben zusammen ein paar schöne Jahre dort verbracht. 1999
kam unser erstes Kind und wir haben entschieden, nach Irland zu ziehen, wo wir dann noch zwei Kinder bekommen haben. Obwohl wir Irland sehr mögen, sehnen wir uns beide nach der Rente. Dann können wir eine kleine Wohnung in der Leopoldstraße mieten und in München das Essen, die Leute und den Sommer genießen.

Inzwischen wohnen Sie in Irland. Was haben Sie aus Ihrer Heimat dorthin mitgenommen? Haben Sie zum Beispiel bestimmte Traditionen bewahrt?

Obwohl wir jetzt seit 2001 in Irland wohnen, ist mein Einrichtungsstil immer noch skandinavisch. Unser Haus schreit geradezu Skandinavien. Es ist weiß mit blauen Fensterbrettern. Drinnen ist es ganz hell mit weißen Wänden, viel Holz und einfachen schwedischen Einrichtungsgegenständen. Man fühlt sich rundherum wohl. Obwohl ich Essen aus der ganzen Welt für verschiedene Zeitschriften koche, gibt es für die Familie fast immer skandinavisch – wegen meiner wählerischen Kinder. Ich muss sagen, sie haben einen guten Geschmack! Wenn es sich um besondere Traditionen handelt, halte ich nicht so sehr an den Bräuchen fest. Zum Beispiel feiern wir hier in Irland Weihnachten am 25. statt am 24. Dezember.

Für alle, die noch etwas skeptisch sind und sich nicht an diese kalten Länder herantrauen: Gibt es etwas, was Ihrer Meinung nach sofort bei jedem Begeisterung für Skandinavien wecken könnte?

Einfach hinfahren! Ich kann mit Sicherheit versprechen, dass jeder, der in meine Heimat fährt, es nicht bereuen wird. Die Natur, die Aussicht, die Tiere, das Essen, die Leute und die Architektur: Alles ist so toll und besonders. Es ist ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte!
 
Interview Eden Books | Ein Verlag der Edel Germany GmbH (Presse: Marion Nielsen),
Stand: August 2016