Konstantin Strasser

Erfolgreiche Veränderungen und Offenheit für ungewöhnliche Lösungen zeichnen Konstantin Strasser aus. Der Gründer und CEO der Strasser Unternehmensgruppe ist ein „Selfmade-Man“. Als eines von zehn Kindern brach er nach dem Besuch der Hauptschule seine Ausbildung ab, bevor er in die Vertriebsbranche einstieg und Solarparks entwickelte. Heute ist er mit den MEP Werken einer der Marktführer im Bereich privater Hausdach-Solaranlagen und weiß, wie aus Veränderungen nachhaltiger Erfolg gemacht wird.

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Rücksicht, Rückschläge und Rückenwind: Wie ein Selfmade-Man Veränderungen zu nachhaltigen Erfolgen macht

Interview mit dem Unternehmer Konstantin Strasser#
 

Herr Strasser, Sie sind als eines von zehn Kindern in einer Großfamilie aufgewachsen. Inwiefern hat Sie das geprägt?

Als erstes lernt man von Anfang an, dass man nicht allein ist. Natürlich ist das nicht immer ein Zuckerschlecken. Das Gute ist, man lernt früh seine Egoismen in den Griff zu bekommen und den Wert des Gemeinwohls zu erkennen. Übrigens begreift man auch früh, für die Dinge, die einem wirklich wichtig sind, einzustehen, sonst kommt man bei so vielen Geschwistern nie ans Ziel. Rücksicht und Verantwortung lernt man aber auch automatisch mit. Gleichzeitig habe ich sehr früh meine Grundausbildung im Teilen und in der Kompromissbereitschaft absolviert (lacht).

Sie haben Ihre berufliche Karriere mit einer Ausbildung zum Augenoptiker begonnen, diese dann aber abgebrochen. Was war danach Ihr Berufsziel?

So wie viele andere wollte ich damals einfach irgendetwas aus mir machen, ohne genau zu wissen was. Ich hatte einfach den Drang, erfolgreich zu werden und etwas in der Welt zu bewegen, aber ein konkretes Ziel hatte ich damals noch nicht. Dann kam eines zum anderen. Und ich habe glücklicherweise die Chancen genutzt. Ich glaube heute noch, dass es wichtiger ist zu beginnen, als auf eine gute Gelegenheit zu warten.

Was und wann war der Wendepunkt in Ihrem Leben?

Ganz klar meine Frau und die Familie. Auf einmal habe ich nicht mehr nur für mich gelebt, sondern, so wie es wahrscheinlich schon früh in meine DNA geschrieben wurde, Verantwortung für andere übernommen. Auf einmal war der Weg klar.

Was bewerten Sie selbst als den oder die größten Erfolge in Ihrem Leben?

Auch hier: Meine Kinder und die Familie. Heute eine glückliche Familie zu haben, ist mein größter Erfolg, den ich für nichts in der Welt missen möchte. Sehr froh bin ich außerdem darüber, dass ich tun kann, was mich ausfüllt und was für mich Sinn macht. Dass wir mit den Produkten und Dienstleistungen unserer Unternehmensgruppe viele Menschen unterstützen, ihren eigenen Strom zu erzeugen, ist ebenfalls ein riesiger Erfolg für mich. Wir sind in wenigen Jahren zu einem der Marktführer in Deutschland für privaten Hausdach-Solaranlagen gewachsen - das ist ein toller Erfolg, den ich mit meinen Mitarbeitern und Partnern teile.

Was sind Ihrer Meinung nach Charakterstärken, die Ihnen den Erfolg ermöglicht haben?

Mein größter Antrieb ist, dass ich mich von Misserfolgen nicht demotivieren lasse. Im Gegenteil: Wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe, treibt mich das eher an. Für mich ist es immer ein Schritt auf dem Weg zum Erfolg, und wenn sich mir Hindernisse oder Widerstände zeigen, fange ich erst richtig an.

Im Sport habe ich früh gelernt, dass für Erfolg Durchhaltevermögen extrem wichtig ist. Gleiches gilt fürs Unternehmen. Und bei aller operativen Betriebsamkeit, die wir mit über 130 Mitarbeitern haben, hilft mir mein Weitblick, die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und Trends zu erkennen. Dafür braucht es Mut und Geduld. Gerade, wenn man – wie wir – neue Wege beschreitet: Hausdach-Solaranlagen zur Miete statt nur zum Kauf anzubieten. Außerdem glaube ich: Der Humor darf nicht zu kurz kommen.

Sie haben den Markt für private Solaranlagen ziemlich aufgemischt, haben fast im Alleingang das Businessmodell verändert. Was ist der Gedanke dahinter gewesen, ein Mietmodell anzubieten?

Viele Familien, die ihr Eigenheim errichten, gehen heute bis an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten. Trotzdem wollen viele ihr Eigenheim und die eigene Energieversorgung nachhaltig und gleichermaßen ökologisch wie wirtschaftlich gestalten. Wir treten an, die Energiewende jedermann zugänglich zu machen. Deshalb haben wir das Mietmodell entwickelt, bei dem alle Eventualitäten bereits ab einem Monatsbeitrag von unter 50 Euro eingeschlossen sind.

Was ist die größte Herausforderung an dem Mietmodell gegenüber dem bloßen Verkauf?

Anfangs mussten wir überhaupt erst einmal das Bewusstsein dafür schaffen, dass es mehr Menschen gibt, die sich eine Solaranlage auf dem Dach wünschen, als die, die mal locker zehn-, fünfzehn- oder gar zwanzigtausend Euro übrighaben. Hinzukommt, dass man als Pionier in einem Markt natürlich auch alle Partner von einer neuen Idee überzeugen muss.

Wie wird sich das Thema erneuerbare Energien in Zukunft für Deutschland und global entwickeln?

Ich glaube, dass die erneuerbaren Energien aus dem Alltag von Privathaushalten nicht mehr wegzudenken sein werden. Besonders die technologischen Entwicklungen zum Smart Home werden diese Entwicklung noch beflügeln.

Welche Rolle wird Ihr Unternehmen bei dieser Entwicklung spielen?

Wir arbeiten daran, wie wir diese komplexe Technik und Technikprodukte eines Hauses und die Energieversorgung als einfache, bezahlbare und unkomplizierte Services für die breite Allgemeinheit anbieten können. Das vielbesprochene, intelligente Internet der Dinge (Internet of things) wird noch ganz neue Dimensionen für das Smart Home eröffnen. Das sind die Herausforderungen, für die wir jeden Morgen aufstehen.

Werden Sie künftig auch weiterhin auf innovative Produkte setzen, mit denen Sie Märkte verändern wollen?

Definitiv. Es wird darum gehen, energieeffizientere und intelligentere Haushaltsgeräte zu vorteilhaften Konditionen anzubieten. Denn immer mehr Menschen kommen zu der Erkenntnis, dass das Nutzen von Geräten nicht bedeuten muss, dass man diese besitzen muss. Außerdem schauen wir uns ganz intensiv die Automobilindustrie und den Automobilmarkt an. Auch hier werden wir bestehende Strukturen aufbrechen und andere Wege einschlagen, als es in der Branche bisher üblich war.

Menschen, die Dinge anders machen, werden von anderen oft als unbequem gesehen. Halten Sie sich für einen unbequemen Menschen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass ich für viele ein unbequemer Mensch bin. Ich hinterfrage Strukturen und Prozesse und habe dabei keine Scheu, diese häufig und in schneller Folge zu ändern. Das kann für Menschen, die gern in bekannten und ausgetretenen Pfaden wandern, sehr unbequem sein. Ich glaube fest daran, dass man Dinge immer solange verändern muss, bis sie besser sind, ohne darauf zu achten, ob es nun bequem ist oder auch nicht.

Sie haben mit Ihrer Frau auch eine Stiftung gegründet, die Strasser Foundation, die soziale Projekte insbesondere auch für Kinder unterstützt. Was hat Sie bewegt, diese Stiftung zu gründen, und was sind Ihre wichtigsten Projekte dort?

Für mich sind meine eigene Geschichte und Erfahrung Motivation genug, um auch andere dabei zu unterstützen voranzukommen, die zum Beispiel in weniger glücklichen Rahmenbedingungen leben und aufwachsen. Dazu kommt, dass meine Frau aus Vietnam stammt. Wir wollen unsere Arbeit in Vietnam in naher Zukunft noch viel weiter ausbauen. Es geht darum, das Thema Nachhaltigkeit in andere Länder zu bringen. Wir wollen uns engagieren, um die Energie- und Wasserversorgung zu strukturieren. Hört sich nach etwas ganz Normalem für uns an, kann dort jedoch Leben retten.

Machen Sie das alles ganz allein?

Aktuell ja, aber in Zukunft wollen wir auch andere Investoren und Stifter mit an Bord nehmen. Dann wird der Wirkungsgrad der Stiftung nochmals erhöht. So könnten wir das, was wir heute in Deutschland machen, dort als Non-Profit machen: Kleine Immobilien mit PV-Anlage für Menschen errichten, die kein Dach über dem Kopf haben. Damit integrieren wir diese Menschen in eine normale funktionierende Infrastruktur.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt. Es erschien am 9.6.2017 in der Huffington Post: http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/ruecksicht-rueckschlaege-_b_16982908.html

Stand: Juli 2017