Ludwig Zausinger

Ludwig Zausinger, Jahrgang 1989, entschied sich nach seinem Fachabitur (Schwerpunkte Wirtschaft, Verwaltung und Rechtspflege) für ein Sportmanagement-Studium an der Hochschule für angewandtes Management Erding. Während seines Studiums absolvierte er Praktika bei der Sponsoringagentur akzio! gmbh und dem Traditionsverein 1. FC Nürnberg. Dort konnte der passionierte Sportler wichtige Praxiserfahrungen sammeln und kam bei der Umsetzung verschiedener Projekte bereits mit dem Nachhaltigkeitsgedanken in der Sport- und Veranstaltungsbranche in Berührung.

Den Studienkurs „Nachhaltigkeit im Sport“ (SS 2014) nutzte Ludwig Zausinger, um sich mit den Nachhaltigkeitsbestrebungen in der Outdoor-Branche auseinanderzusetzen. Im Rahmen seiner Arbeit beschreibt er den Status-Quo der CSR-Aktivitäten am Beispiel der Mammut Sports Group AG. Er kommt zu dem Fazit, dass das Engagement in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales zum einen aufgrund der Konsumentenerwartungen zwingend ist, zum anderen aber auch zur Abgrenzung einer Marke im Kommunikationswettbewerb eine immer wichtigere Rolle spielen wird.

Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche am Beispiel der Mammut Sports Group AG

Ökonomische Nachhaltigkeit

Die Mammut Sports Group AG hat sich von einem kleinen Familienbetrieb zu einem Global Player in der Outdoor-Branche entwickelt. Dabei ist schon zu erkennen, dass Mammut auf langfristigen Wirtschaftserfolg setzt und seinen gesamten Geschäftsbetrieb dahingehend ausrichtet. Der Aufbau eines weltweiten Vertriebsnetzes, die faire und langfristige Ausrichtung der Zusammenarbeit mit den Marktpartnern sowie die enge Partnerschaft mit den Extremsportlern des Mammut Pro Teams sind nur ein paar Beispiele, die zu dieser erfolgreichen Entwicklung beitragen. Auch die Umsatzentwicklung der letzten 14 Jahren ist ein weiteres Indiz für das nachhaltige Unternehmenswachstum. So konnte der Gesamtumsatz von Mammut in den Jahren 2000 bis 2013 von CHF 25 Millionen auf rund CHF 246,9 Millionen gesteigert werden. Abgesehen von den harten monetären Faktoren verfolgt Mammut aber v.a. die Strategie, dass „Investitionen in soziale und ökologische Projekte langfristig auch einen ökonomischen Mehrwert schaffen.“

Ökologisches Engagement

Aufgrund der komplexen Materialbeschaffungs- und Herstellungsprozesse „stellt […] das Material- und Ökologie- Management entlang der Wertschöpfungskette eine grosse Herausforderung dar.“ Das verdeutlichen auch die folgenden Daten und Fakten: Eine Outdoor-Funktionsjacke von Mammut besteht aus 250 verschiedenen Einzelteilen. Darüber hinaus werden pro Bekleidungskollektion durchschnittlich 130 verschiedene Stoffe verarbeitet. Mammut setzt seit 2011 v.a. auf den Bluesign® Standard der Schweizer Zertifizierungsfirma bluesign technologies ag. „Durch ein permanentes Monitoring aller Arbeitsprozesse innerhalb der gesamten Produktionskette soll Ressourcenproduktivität, Konsumentenschutz, Abluft, Abwasser und Arbeitsplatzsicherheit […] sichergestellt werden. Der Standard erhebt den Anspruch, garantieren zu können, dass Produkte in der gesamten Herstellungskette für Mensch und Umwelt unbedenkliche Komponenten enthalten.“ Mammut und dessen Zulieferer verpflichten sich, dass nur „[…] von bluesign® zugelassene Chemikalien und Rohmaterialien verwendet werden. Diese Chemikalien und Rohstoffe erfüllen strenge Grenzwerte hinsichtlich ihrer ökologischen und toxikologischen Eigenschaften und Risiken.“

Denn „viele Textilchemikalien haben unerwünschte Eigenschaften: Schwermetalle und einige organische Chemikalien können unsere Gesundheit und den Lebensraum Wasser langfristig Schädigen.“ Der gegenwärtig strengste Textilstandard „[…] gilt für alle Textilprodukte einschliesslich Kleidung und Zubehör, Rucksäcke, Schlafsäcke, Klettergurte sowie Seile und Schlingen. Fussbekleidung ist nicht enthalten […].“ Für den Konsumenten wird die Anwendung der Standards durch entsprechende Verbraucherlabel ersichtlich.

Die Clean Clothes Campaign (CCC) kritisiert u.a. in ihrer Studie 2012, dass „es […] keine unabhängigen Multistakeholder-Kontrollen gibt. […] Auch die Themenkomplexe wie Organic Materials und gentechnisch veränderte Rohmaterialien werden nicht geprüft.“ Nach Angaben von Mammut „erfüllen bisher ¾ der Stoffvolumen für Bekleidung die bluesign® Kriterien.“ Ein weiteres Thema, das für ein Umdenken in der Outdoor-Branche sorgte, ist die Beschaffung von Daunen aus Lebendrupf und Stopfmast. Mammut verzichtet seit April 2012  auf Daunen von grauen Gänsen und bezieht diese nur noch von weißen Gänsen, da diese insbesondere aus Totrupf stammen. Darüber hinaus sucht der Outdoor-Hersteller den aktiven Austausch mit Mitbewerbern und Tierschutzorganisationen, um weitere Verbesserungen zu erwirken.

Mammut deckt 60 bis 70 Prozent seines Bedarfs an Baumwolle mit Biobaumwolle aus ökologischen und fairen Anbau ab. In diesem Bereich arbeitet man mit der Firma Remei AG zusammen, die die Einhaltung der Richtlinien in den Herkunftsländern Indien und Tansania überprüft. Im Rahmen der Seilproduktion von Mammut werden im Jahr durchschnittlich 125 Tonnen CO2 ausgestoßen. Nach Unternehmensangaben lassen sich die Emissionen auch nicht vermeiden oder reduzieren. Als Konsequenz unterstützt der Outdoor-Hersteller in Kooperation mit der Stiftung myclimat verschiedene Klimaschutzprojekte und verfolgt damit das Bestreben seinen CO2-Ausstoß auszugleichen.

Auch der Recyclinggedanke spielt in der Outdoor-Branche eine immer größere Rolle. Zusammen mit der Initiative I:COllect versucht Mammut, die aus synthetischen Stoffen bestehende Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung in den Produktkreislauf zurückzuführen.  Anstatt sie in den Hausmüll zu werfen, kann man diese in Sammelboxen, die in ausgewählten Outdoor-Shops aufgestellt werden, abgeben. Als Musterbeispiel der Wiederverwertung ist die Illiniza Recycled Jacket aufzuführen.

Soziales Engagement

Seit 2008 ist die Mammut Sports Group AG Mitglied der Fair Wear Foundation (FWF). Als Mitglied ist Mammut verpflichtet, „[…] nur mit Produkten zu handeln, die unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Der Fair Wear Foundation «Code of Labour Practices» bildet die Basis.”

Der Code of Labour Practices umfasst strenge Sozialstandards, die in den Produktionsstätten der einzelnen Lieferanten umgesetzt werden müssen und deren Einhaltung u.a. durch unabhängige Sozialaudits systematisch überprüft wird.

Die Sozialstandards sind nach folgenden Gliederungspunkten unterteilt:„ 

1. Das Beschäftigungsverhältnis ist freiwillig;
2. keine Diskriminierung bei der Beschäftigung;
3. keine Ausbeutung von Kinderarbeit;
4. Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen;
5. Zahlung eines Existenz-sichernden Erwerbseinkommens;
6. Keine überlangen Arbeitszeiten;
7. Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz;
8. Rechtsverbindliches Beschäftigungsverhältnis.“

Die FWF kontrolliert einmal im Jahr zum einen die Umsetzung der Sozialstandards und zum anderen das Monitoring in den Produktionsstätten.

Stand: Oktober 2014