Manja Hies

Manja Hies ist Geschäftsführerin bei der Mader GmbH & Co KG und verantwortlich für die Bereiche Einkauf/Fertigung, Produktmanagement Pneumatik und Logistik. Durch ihre Erfahrungen im asiatischen Markt - sie spricht fließend Chinesisch und kennt die asiatische Kultur - ist sie eine enorme Bereicherung für das Unternehmen. Manja Hies kehrte für diese Position bei Mader nicht nur von Shanghai in die alte Heimat zurück, sondern wechselte auch vom Konzern in den Mittelstand: „Die Aussicht in einem kleineren Unternehmen als bisher zu arbeiten hat mich nicht erschreckt. Ganz im Gegenteil, die flacheren Hierarchien, die großen Freiräume für die Mitarbeiter, die wertebasierte Führungskultur und die hohe Flexibilität eines mittelständischen Unternehmens sich auf neue Situationen einzustellen, spielten eine wesentliche Rolle bei meiner Entscheidung für Mader.“
Weitere Informationen:  http://www.mader.eu/


Warum kluges Management keine Geschlechterfrage ist

Als die Finanzmanagerin Helena Morrissey, Mutter von neun Kindern und erfolgreiche Vermögensverwalterin von 63 Millionen Euro vor einiger Zeit in Deutschland einen Vortrag hielt, wurde sie für die Ablehnung der Frauenquote stark kritisiert. Wer den Quoten-Zauberstab schwenkt, sagte sie, verlagert nämlich nur das Problem, und eine Ungerechtigkeit wird durch eine andere ersetzt.

Morrissey ist davon überzeugt, dass die Finanzkrise in diesem Ausmaß nie passiert wäre, wenn mehr Frauen in den Chefetagen großer Banken Verantwortung übernommen hätten. Als Beispiel nennt sie die Royal Bank of Scotland, die 2008 den größten Verlust in der britischen Wirtschaftsgeschichte produzierte: "17 der 18-köpfigen Führungsmannschaft waren Männer, alle weiß, alle von denselben Schulen, Golfclubs und Vereinen." In einem solchen Umfeld, so ihre Überzeugung, werden keine kritischen Fragen gestellt. Allerdings reicht oft schon die Anwesenheit einer Frau, damit sich das Klima in den Chefetagen ändert (Die Welt, 25.2.2012). Ihr kommt es darauf an, aus einem „größeren Talentpool schöpfen zu können" (Vogue Business, April 2014), was auch für Männer gilt.

In Deutschland wird das Quotenthema zuweilen sehr einseitig diskutiert, was noch bestärkt wird durch eine häufig undifferenzierte Medienberichterstattung. So hieß es kürzlich in einem Beitrag der Frankfurter Allgemeinen, dass „es" etwas Ermüdendes hat, immer „Die erste Frau" zu sein. Als Beispiel wird hier die Pressesprecherin eines Fußballvereins und spätere Vorstandsfrau eines Bundesligisten und Aufsichtsrätin eines Sportartikelherstellers genannt. Nein, es geht nicht darum, zu den Ersten zu gehören, ein weiblicher Columbus zu sein und den Exotenstatus von Frauen in der Männerwelt zu betonen, sondern Inhalte und Relevanz zu haben und Qualität auch entsprechend zu kommunizieren.

Denn solange Frauen in den Medien nur auf Anekdoten aus ihrem Leben reduziert werden (sie sind schnell auserzählt), ohne zu zeigen, WIE sie ein Unternehmen oder eine Organisation geführt haben oder führen und wofür sie stehen, ist es schwierig, Führungs- und Managementthemen in ihrer Vielfalt zu vermitteln. Und es schädigt jene Frauen, um deren Arbeit und Anspruch es in den jeweiligen Medienbeiträgen geht.

Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Quotenthema gehört aber auch ein zeitgemäßes Verständnis von Macht, über die der Volkswirt und Soziologe Max Weber schrieb, dass sie die Fähigkeit sei, die eigenen Ziele auch gegen Widerstand durchzusetzen. Macht ist demnach Ausdruck sozialer Ungleichheit und unterschiedlicher Befugnisse einzelner Gruppen. Sie hat demnach aus zwei Gesichter: Sie ist nötig, um Regeln aufzustellen, „ohne die das Faustrecht regieren würde. Zum Selbstzweck entartet, wird sie andererseits jedoch zur gefährlichen Waffe gegen Andersdenkende" (Barbara Bierach: Warum es kaum Frauen im Management gibt. Über das dämliche Geschlecht, 2007).

Die „besten Frauen" werden künftig Göttin, Muse und CEO sein. „In den attraktivsten Frauen von morgen steckt nun mal ein ganzer Kerl - und zwar einer mit Haaren, die sitzen!" Schreibt die Entertainerin, Schauspielerin und Autorin Désirée Nick in ihrem Buch „Neues von der Arschterrasse" (2014). Gewiss, sie polarisiert mit spitzer Feder, aber die braucht es auch, wenn sich ihr Wunsch nach einer radikalen Angleichung in der Marktwirtschaft und in unserer Gesetzgebung erfüllen soll: „Es wäre nicht nur fairer, wenn Frauen zu Beginn des 21. Jahrhunderts größere Machtanteile zufielen, es wäre vor allem besser!"

Inzwischen haben wir eine Bundeskanzlerin, können in Männerberufen arbeiten - und werden von Roger Cicero besungen: „Frauen regier'n die Welt". Studien belegen, dass Mädchen in der Schule erfolgreicher als Jungen sind - in absehbarer Zeit auch an den Universitäten. In den vergangen zehn Jahren hat sich der Frauenanteil in den deutschen Vorständen nahezu verdoppelt. Insgesamt 20 Prozent der Top-Führungskräfte im Mittelstand sind weiblich - fast gleichmäßig verteilt in allen Größenklassen. Im Mittelstand ist fast jede fünfte Führungskraft an der Spitze eine Frau.

Arianna Huffington, die 2005 die Huffington Post in den USA gründete, sagte zum Start des Onlinemediums in Deutschland Ende 2013, dass die bisherige von Männern gestaltete Welt, weder ihnen noch den Frauen wirklich gut tat. Die neue Welt würde von den Frauen kreiert werden -„auch die Männer werden sie lieben". In dieser Welt definiert sich Erfolg nicht nur über Geld, Macht und Ellenbogen. Sie plädiert für die Idee der „Third Metric", der dritten Ebene des Erfolgs, in der Wohlbefinden und Gesundheit, Offenheit für das Leben, Mitgefühl und Geben im Zentrum stehen. In diesem Zusammenhang verweist sie auf das Buch „The Athena Doctrine", in dem sich John Gerzema und Michael D'Antonio dem nachhaltigen Wandel in den Führungsetagen widmen. Hier geht es um Werte, die zwar traditionell Frauen zugeschrieben werden, die Männer aber genauso leben (können): Flexibilität, Zusammenarbeit und Fürsorge.

Macht - (k)eine Geschlechterfrage?

Dass nachhaltig funktionierende Wirtschaftsmodelle keine Quotendiskussion benötigen, da Vielfalt statt Einfalt für sie selbstverständlich ist, zeigt sich am Beispiel der Mader GmbH & Co. KG mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart, die ein zuverlässiger Partner der Industrie rund um das Thema Druckluft ist. Mit derzeit 77 Mitarbeitern gehört Mader, auch Unterzeichner der Charta der Vielfalt, zu den erfolgreichen mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg. Mit seinem Leistungsspektrum deckt es die gesamte „Druckluftstrecke" ab: von der Erzeugung der Druckluft im Kompressor über deren Aufbereitung und Verteilung bis zur Druckluftanwendung. Neben Werner Landhäußer und Peter Maier gehört Manja Hies zur Geschäftsführung. Ihre Aufgabenbereiche sind Logistik-, Fuhrpark-, Gebäudemanagement, Fertigung, Katalog- und Datenmanagement, Pneumatik, Einkauf, Key Account OEM.

Zu den wichtigsten Herausforderungen der Branche und für Mader gehört es auf der Ebene der Unternehmensstrukturen, qualifiziertes Fachpersonal zu finden, bereichsübergreifend zu arbeiten, auf Chancen zeitnah und flexibel zu reagieren unter Berücksichtigung der Internationalität, sich im Wettbewerb zu differenzieren und den professionellen Blick aufs Wesentliche zu richten (Ergebnisorientierung statt Prozessorientierung). Zu den Herausforderungen auf Kundenseite gehört es, flexibel, dynamisch und schnell auf deren Anforderungen zu reagieren, fair und wettbewerbsfähig zu sein sowie Qualität und Nachhaltigkeit im Herstellungsprozess zu berücksichtigen.

Manja Hies ist sich bewusst, dass ein Unternehmen letztlich eine betriebswirtschaftliche Institution ist, in der eine zukunftsfähige Entwicklung nur bei gesunder Profitabilität gewährleistet werden kann - aber sie ist auch davon überzeugt: „Wenn wie bei Mader, dank der gelebten Überzeugung der geschäftsführenden Gesellschafter, Leistung unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität beurteilt und gelebt würde, und Leistungsträger gefördert würden, ohne Angst, dass sie einem ‚gefährlich' werden, weil sie zu gut werden, sondern weil die Freude überwiegt, solche Mitarbeiter zu haben... wenn das überall so wäre, dann gäbe es keine Notwendigkeit für eine Diskussion über irgendwelche Quoten."

Den Mittelstand schätzt sie vor allem, weil er näher am Markt(geschehen) ist und die Firmenstrategie näher am Unternehmen. Die Zuständigkeitsbereiche sind oft abwechslungsreicher, da die Organisation schlanker und weniger starr ist: „Teamgeist wird positiv gesehen und nicht als Einmischung in fremde Kompetenzen empfunden". Dadurch können Ideen schneller umgesetzt werden, weil Inhalte und Resultate hier in der Regel wichtiger sind als „Politik" und Beziehungen zu den „richtigen" Personen in Großunternehmen mit ihrer ausgeprägten „Power Point-Kultur". Informelle soziale Zusammenhänge, die im digitalen Zeitalter immer mehr an Relevanz gewinnen, sind ihr wichtiger.

Worauf es ihr ankommt, sind „Sach-, Lösungs- und Erfolgsorientierung" im Gegensatz zur Selbstvermarktung einiger Karrieristen, die vor allem in anonymen Großorganisationen lernen Durchsetzungsvermögen, Rationalität, Härte und zielorientierte Taktik lernen. Ihre Macht definieren die Virtuosen der Nüchternheit ausschließlich über ihre Position. Sie haben häufig ein starkes Kontrollbedürfnis, was dazu führt, dass sie andere schnell entmutigen und bei ihnen auch mehr Fehler entdecken - aber nie bei sich selbst. Eine gute Führungskraft zeichnet sich für Manja Hies auch dadurch aus, dass sie sich der Verantwortung sich selbst gegenüber bewusst ist, aber auch sorgend Anteil am Anderen nimmt. Wie Arianna Huffington schätzt sie Werte wie Geduld, Zuhören, die Schaffung und Bewahrung von Chancenräumen, Respekt und Wertschätzung.

Was wirklich zählt

Persönlichkeitsentwicklung und „Karriere" sind bei Mader nicht mit Quote, sondern mit Eignung, Engagement, Lösungsorientierung und Freude an der Zielerreichung verbunden - und „Macht" mit Gestaltungsmöglichkeiten und dem Teilen von Wissen. Denn wer Informationen hortet, schwächt die Macht, ein System positiv zu beeinflussen und es lebendig zu halten. Wissen (der Rohstoff, der sich niemals verbraucht) verteilt sich bei Mader auf allen Ebenen, angefangen bei der Aus- und Weiterbildung, die in diesem Unternehmen einen hohen Stellenwert hat: „So sichern wir unseren qualifizierten Nachwuchs von morgen am besten und stellen sicher, dass wir den heutigen Anforderungen gewachsen oder sogar einen Schritt voraus sind", so Manja Hies.

Während Wissen früher Macht bedeutete und Informationen gehortet wurden, gewährleisten die neuen technischen Systeme im digitalen Zeitalter einen offeneren Datenzugang. An Kennzahlen orientierte Prämienmodelle, die Unternehmenserfolg bedeuten (Rohertrag bzw. EBIT), „sind im Mittelstand oft transparenter und dem Geschäftsverlauf angemessener als in Großunternehmen, wo sie häufig kontraproduktiv oder im Extremfall sogar geschäftsschädigend sind", sagt Manja Hies. Wesentliche Kennzahlen sind über ein Online-Tool für alle Mitarbeiter jederzeit einsehbar. Mitarbeiter ohne dauerhaften PC-Arbeitsplatz werden regelmäßig informiert. Planüber- oder -unterschreitung ist nicht entscheidend, weil nicht vorsichtige Planung, sondern das erreichte Ergebnis belohnt werden soll.

Stefanie Kästle, verantwortlich für Qualitätsmanagement, Umwelt und Controlling bei Mader, betont ebenfalls die Bedeutung der Kommunikation der Kennzahlen sowie die gemeinsame Analyse mit den entsprechenden Kollegen, um gegebenenfalls auch Verbesserungspotenziale zu ermitteln: „Sie müssen für alle verständlich sein und auf die Strategie und Ziele in den einzelnen Bereichen heruntergebrochen werden. Denn es geht nicht um eine reine Betrachtung der Zahlen, sondern um die Wahrnehmung des Gesamtbildes. Eine Kennzahl ist nur ein Indikator. Einzelbetrachtungen sind nicht aussagefähig, sondern nur der übergeordnete Zusammenhang."

Erst mit einer ausreichenden Zahl verschiedener Daten können die Umrisse ihrer Dynamik fokussiert werden: Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto schärfer die (Unternehmens-)Landkarte. Kennzahlen werden bei Mader nicht nur qualitativ gemessen, sondern auch quantitativ. Prozesssteuerung wird hier ebenfalls unter dem Begriff Controlling gefasst, was die Verbindung zum Thema Qualitäts- und Umweltmanagement einschließt. Themen wie Energieeffizienz und die Ermittlung von Umweltkennzahlen gehören ebenfalls dazu.

„Damit verbunden ist auch die Stärkung des Umweltbewusstseins der Mitarbeiter und Kunden". Im Rahmen der Frühjahrskonferenz der Klimaschutz- und Energie-Effizienzgruppe der Deutschen Wirtschaft Ende März 2014 in Berlin zeichneten das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) das Unternehmen für sein langjähriges und umfassendes Umweltengagement aus.

Auf einer gewaltigen Datenmenge beruht auch die gesamte Erfahrung der Mader-Mitarbeiter und Führungskräfte - nach innen entstehen Synergieeffekte durch Teamarbeit. Dazu gehört z. B. das „Miteinander im Team" (MIT-)Projekt, das dem Shared Leadership-Ansatz folgt: Es wird von Mitarbeitern für Mitarbeiter initiiert und umgesetzt (vgl. Shared Leadership. Die Zukunft der Arbeit ist teilbar, in: Huffington Post, 18.2.2014). Regelmäßig wird auch darüber gesprochen, warum Dinge nicht funktionieren und was man gemeinsam dagegen tun kann.

„Unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen werden dabei nicht als störend empfunden, sondern als willkommene Stimulation der Weiterentwicklung des Unternehmens", sagt Manja Hies, die sich mit der Vertriebsleiterin und dem Leiter Produktmanagement und Einkauf ein Büro teilt: „Wenn ein konkretes Projekt oder ein Problem auftritt, können wir sofort reagieren. Auch die gegenseitige Vertretung ist dadurch gewährleistet, und die Mitarbeiter haben immer einen Ansprechpartner, der (meist) zeitnah entscheiden kann."

Am Beispiel von Mader zeigt sich, dass Kompetenz und Gestaltungsmacht keine Frage der Quote ist, dass sich Führungsstile in erfolgreichen Unternehmen mischen - und genau das die Kraft der Vielfalt ausmacht, wenn es darum geht, einander zuzuhören, zu motivieren und zu kooperieren.

„Es gibt auch männliche Führungskräfte mit eher weiblichem Führungsstil oder umgekehrt", bestätigt Geschäftsführer Werner Landhäußer: „Diese stehen vor den gleichen Herausforderungen. Es gibt Menschen mit Kinderstube, Werten, Empathie, sozialem Gewissen, Konfliktfähigkeit und Führungsfähigkeiten, die aus meiner Sicht auch nicht erlernbar sind, sondern nur verbesserbar - diese Eigenschaften machen gute Führungspersönlichkeiten aus." Manja Hies und er unterscheiden nicht zwischen Arbeits- und Freizeit - alles ist für sie Lebenszeit, die umso wertvoller ist, je mehr Sinn, Freude und Inhalt mit ihr verbunden ist. An ihrem Beispiel wird offenbar: „Kluges Management hat das längst begriffen: nicht Quantität, sondern Qualität macht Quote." (Greta Andreas, Inhaberin - Agentur GoldenGap)

Auszug aus: Dr. Alexandra Hildebrandt: Qualität macht Quote. Warum kluges Management keine Geschlechterfrage ist. In:  http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/qualitaet-statt-quote-war_b_5126244.html

Stand: Mai 2014