Marie Glueck

Marie Glück, Jahrgang 1987, ist Projektmitarbeiterin im Referat Nachhaltige Stadtentwicklung der Stadt Ludwigsburg. Sie studierte nachhaltige Entwicklung und die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (CSR) in Nürtingen, Grahamstown (Südafrika) und Madrid (Spanien). Als Projektmitarbeiterin bei der Stadt Ludwigsburg kann sie ihre Leidenschaft für Nachhaltigkeit, ihre fachliche Erfahrung durch ihre Tätigkeit als Beraterin für CSR und Nachhaltigkeit sowie ihre Organisations- und Kommunikationsfähigkeiten perfekt kombinieren. Um ihre Expertise weiterzugeben und nachhaltigkeitsrelevante Fragestellungen zu reflektieren und untersuchen, ist Marie Glück Lehrbeauftragte für Nachhaltigkeit an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Es ist ihr ein Anliegen, dass ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit von einer Vision zu Realität wird und dass die Menschenrechte weltweit geachtet und gelebt werden. Sie will jetzt die Zukunft mitgestalten, um Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen und den kommenden Generationen eine lebenswerte Welt zu überlassen. Dafür appelliert sie an die Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten jedes einzelnen.

 

Mehr Verantwortung wagen

Welche Gefühle löst das Wort „Verantwortung“ bei Ihnen aus? Eher positive oder eher negative Gefühle? Wie fühlt es sich an, wenn Sie Verantwortung tragen?

Betrachten wir Verantwortung im Sinne von Rechenschaft ablegen, fühlt sich das meist wie eine Bürde an und wird mit Schuldgefühlen assoziiert. So wie Sie als Kind einmal „verantwortlich“ für einen kaputten Gegenstand oder ein Missgeschick gemacht wurden. Am liebsten wollen wir nicht verantwortlich sein, wenn etwas schiefgeht und lehnen die Verantwortung aus Angst vor Bestrafung und Konsequenzen gleich im Vorhinein ab.

Durch diese unbewusste Beschränkung hindern wir uns selber daran, unser gestalterisches Potenzial zu nutzen. Denn jeder von uns trägt die Verantwortung für sein Handeln und Nicht-Handeln. Sei es in der Rolle als Elternteil für seine Kinder, als Lehrer für die Schüler, als Arzt für die Patienten, als Führungskraft für die Mitarbeiter oder als ehrenamtlich engagiertes Vereinsmitglied.

Werden wir uns dieser Verantwortung bewusst, eröffnen sich viele Gestaltungsmöglichkeiten. So können wir uns beispielsweise in der Rolle des Konsumenten bei jedem Einkauf für oder gegen etwas entscheiden. Je nachdem auf welches Produkt meine Wahl fällt, entscheide ich mich beispielsweise für faire Arbeitsbedingungen oder gegen Massentierhaltung. Es geht also zunächst um das Wissen (oder zumindest die Annahme), welche Auswirkung meine Entscheidung auf Dritte hat. Der entscheidende Schritt ist dann die bewusste Handlung auf Basis dieses Wissens.

Wie bereits die Otto Group Trendstudie 2013 feststellte, werden „Neben der Produktqualität (...) Produktumfeld und Herstellungsbedingungen wichtiger. Das Soziale erhält einen höheren Stellenwert.“ Der Kunden will sich somit nicht zwischen seinem persönlichen Nutzen und seiner sozialen Verantwortung entscheiden müssen. Dieses veränderte Kundenbedürfnis sollten Unternehmen in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen, wenn sie die Kundenzufriedenheit maximieren wollen. Fordert der Kunde ein Produkt mit hoher Qualität, welches ökologisch und sozial korrekt hergestellt wurde, kann das Unternehmen den individuellen Nutzen mit einem gesellschaftlichen Mehrwert verbinden.

Heutzutage reicht es demzufolge nicht aus, „nur“ Produkte mit hoher Qualität anzubieten. Das Geschäftsgebaren des Unternehmens spielt im Kaufprozess ebenso eine Rolle. Nimmt das Unternehmen seine Verantwortung für seine Mitarbeiter, die Umwelt, die Produkte und Kunden ehrlich wahr, führt das zu einer erhöhten Reputation. Diese schlägt sich langfristig idealerweise auch im wirtschaftlichen Erfolg nieder.

Doch wie nimmt ein Unternehmen seine soziale Verantwortung konkret wahr? Den Kern bildet die Haltung, mit der das Unternehmen seine Geschäfte betreibt. Diese zeigt sich in den Werten und der gelebten Unternehmenskultur. So geht es um die faire Gestaltung der Angestelltenverhältnisse, der Lieferantenverträge und der Kundenkommunikation. Um das zu institutionalisieren sind Strukturen und Anreizsysteme notwendig, die es zulassen, dass die Mitarbeiter die soziale Verantwortung des Unternehmens wahrnehmen können.

Lassen Sie uns mehr Verantwortung wagen und mutig Haltung einnehmen. Haltung für ein funktionierendes Wirtschafts-, Sozial- und Ökosystem. Raus aus dem Überlebensmodus rein in die aktive Gestaltung unserer Welt! Nehmen wir uns die Zeit zum Denken und zur Reflektion ebenso wie für die wichtigen Handlungen.

Mit dem Zitat von Peter Drucker wünsche ich Ihnen viel Mut und Spaß an der aktiven Gestaltung: “Die sicherste Methode, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu gestalten“.

Inspiriert von:
Otto Group Trendstudie 2013 http://www.ottogroup.com/media/docs/de/trendstudie/1_Otto_Group_Trendstudie_2013.pdf
Garrath Williams, Lancaster University, United Kingdom
http://www.iep.utm.edu/responsi/

Erschienen als Vorwort für das Magazin „Soziale Verantwortung“. Erscheinungsdatum: 03.12.2015 innerhalb der Tagezeitung „DIE WELT“ und zeitgleich auf www.sozialeverantwortung.info

Stand. Dezember 2015