Martin Bergmann

Martin Bergmann ist seit 1999 als geprüfter und anerkannter Sachverständiger TGA (technische Gebäudeausrüstung) für die Lindner Hotels & Resorts als Director Engineering tätig. In dieser Position verantwortet er die Bereiche Energie, Gebäude und Nachhaltigkeit in den 33 Lindner Hotels in 7 Ländern Europas sowie die Begleitung aller Neubauprojekte der Lindner Lindner Hotels AG.

Nach seiner Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker und einem Abschluss als staatlich geprüfter Elektrotechniker sammelte Martin Bergmann Erfahrungen in verschieden Hotelprojekten als Projektleiter.

Im Jahr 1995 übernahm er die Verantwortung für internationale Projekte und Key Accounts in den Bereichen Energie- und Gebäudemanagement, als Operations Executive führte er Projekte u. a. für die Taj Group of Hotels, Intercontinental Hotels, Radisson SAS und Le Méridien durch.

1999 wechselte Martin Bergmann zur Lindner Unternehmensgruppe wo er zuerst für die Gebau Technik GmbH, einem Schwesterunternehmen der Lindner Hotels AG, die Betreuung der Lindner Hotels und der konzernverbundenen Immobilien übernahm.

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„Gesicherte Nachhaltigkeit“ am Beispiel Lindner Hotels AG
 

Herr Bergmann, was sind aus Ihrer Sicht die derzeit drängendsten Probleme der Immobilienwirtschaft?

Sanierung im Bestand – hier insbesondere die Finanzierungsmodelle. Verantwortlich für die Gebäudehülle und die Gebäudetechnik ist meistens der Eigentümer der Immobilien. Der Betreiber ist für die Betriebskosten verantwortlich.
In der Hotellerie sind das meist zwei unterschiedliche Parteien, bzw. im Fall von Management und Franchiseverträgen sogar drei verschiedene Parteien.

Die derzeit verfügbaren Förderprogramme der Bundesregierung sind in der Hotellerie nur schwer anwendbar, da es sich z.B. bei KfW Darlehen auch um Fremdkapital handelt und somit die Fremdkapitalquote weiter belastet wird.

Was war für Ihr Unternehmen ausschlaggebend, Hotels umweltfreundlicher zu gestalten?

Umweltfreundlich heißt für mich „nachhaltig“. Der Grund, unsere Hotels nachhaltig zu gestalten, liegt auf der Hand: Wir möchten mit unseren Häusern auch noch morgen und übermorgen erfolgreich sein. Erfolgreich heißt für ein Wirtschaftsunternehmen auch immer betriebswirtschaftlich erfolgreich. Und das ist aufgrund der Kostenveränderungen zum einen, aber auch aufgrund der wachsenden Sensibilität unserer Gäste und Mitarbeiter für das Thema Nachhaltigkeit Grund genug, in diesem Bereich etwas zu tun.

Wie sorgen Sie dafür, dass die Umweltbilanzen stetig verbessert werden?

Hier setzen wir auf zwei Pfeiler: Zum einen nehmen wir unsere Mitarbeiter mit und motivieren sie zum effizienten und nachhaltigem Umgang mit Energie und Ressourcen. Zum anderen fahren wir seit 2013 unser Projekt „Invest Efficiency“, d.h. wir gehen sukzessive unseren Bestand an Hotels an und sanieren und optimieren hier die gebäudetechnischen Anlagen.

Hierbei wenden wir neben den neueren Techniken wie effiziente Brennwertkessel, Raumluft- und Kältetechnik auch Systeme der Kraft-Wärmekopplung mit Blockheizkraftwerken an. In unseren neuen Hotels betreuen wir die Projektentwicklungen und können somit bereits in der Planung und im Bau der neuen Hotels den neuesten Stand der Technik anwenden.

Warum ist für Sie Kontinuität und die ständige Erweiterung der Nachhaltigkeitsmaßnahmen eine Selbstverständlichkeit?

Nachhaltigkeit fängt irgendwo an und hört nie mehr auf – nur ein Satz, sagt aber alles. Nur wenn nachhaltiges Handeln in unserem täglichen Tun als selbstverständlich angewendet wird, ist es nachhaltig. Ganz gemäß der Handwerkerlogik: „ Das muss nachher auch noch halten“!

2015 erhielten die Häuser der Lindner-Hotelgruppe wieder das Siegel für "Gesicherte Nachhaltigkeit" des Deutschen Instituts für Nachhaltigkeit und Ökonomie. Was wird hier konkret bewertet?

Das möchte ich gerne mit dem Generalstatement unseres Zertifizierers Stefan Dissel beantworten: "Als traditionsbewusstes Familienunternehmen ist sich die Lindner Hotels AG seiner tragenden Rolle als verantwortungsvolles Unternehmen am Standort Deutschland bewusst. Im Umgang mit Energien und der Schonung von Ressourcen setzt das Unternehmen durch eine kontinuierliche Investitionsbereitschaft in neue Technologien vorbildliche Maßstäbe. Als für den Standort Deutschland wertvoller Arbeitgeber werden überdurchschnittlich hohe Anstrengungen in eine qualitativ hochwertige Aus- und Fortbildungsstrategie unternommen. Nachhaltigkeit wird in der Lindner Hotels AG zum Wohle des Gastes und der Umwelt aktiv gelebt".

Untersucht wurden in allen Hotels die Bereiche Produkt- und Servicequalität, Ressourcen- und Umweltschonung, ökologische, soziale und regionale Verantwortung, ökonomische Zukunftsausrichtung und energie- und umweltbewusstes Unternehmensmanagement.

Wie wird das Erreichte kommuniziert?

Regelmäßige Medien-Mitteilungen und Hintergrundgespräche mit ausgewählten Medienvertretern, Website, Social Intranet, Social Media, Teilnahme an entsprechenden Wettbewerben und öffentlichen Veranstaltungen wie die der IHK.

Welche Instrumente und Hilfsmittel sind vor allem für jene Unternehmen am wichtigsten, die erst „anfangen“ wollen, sich mit dem Thema zu beschäftigen?

Zu aller Anfang steht aus meiner Sicht die Transparentmachung aller umweltrelevanten Aspekte in einem Unternehmen. D.h. es reicht hier nicht z.B. nur die Energiekosten darzustellen, was eigentlich jedes Unternehmen schon alleine in der G+V macht. Wichtiger ist hier die Darstellung auch der Energieverbräuche und die Bildung von Benchmarks, d.h. die Energieverbräuche und Kosten als Input in Relation zum Output (das kann sein Umsatz, Gewinn, Belegung, etc.). Benchmarks dienen dazu, sich erst einmal selbst oder mit anderen zu vergleichen und nachher zur Erfolgskontrolle z.B. von Effizienzmaßnahmen.

Danach ist es wichtig auf Basis der Erkenntnisse aus den Benchmarks, sich für sich selbst bzw. für das Unternehmen eine eigene, individuelle Nachhaltigkeitsstrategie abzuleiten. Diese lässt sich i.d.R. durch einfache Beantwortung der nachfolgenden Fragen erarbeiten:

- Welche Umweltaspekte haben einen wesentlichen Einfluss auf mein Unternehmen?
- In welchem Rahmen lassen sich diese Aspekte beeinflussen ohne das mein Output darunter leidet?
- Wo wird mein Unternehmen in 10 Jahren stehen, wenn ich nichts tue?
- Wo kann mein Unternehmen in 10 Jahren stehen, wenn ich jetzt handle?
In der Regel  weiß dann jeder Unternehmer was zu tun ist.
Das Gespräch führte Dr. Alexandra Hildebrandt

Stand: April 2016