Mathias Wrede

Mathias Wrede ist Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter der Apandia GmbH in Bremen. Sie entwickelt, zusammen mit und für ihre Kunden, Strategien für den digitalen Wandel und setzt diese auch um. Wrede ist seit über 30 Jahren in der Lösungsentwicklung und Umsetzung aktiv. Er begann als Softwareentwickler für verschiedene Systemhäuser, im produzierenden Gewerbe und war als Berater und Projektleiter für Beratungsunternehmen tätig - immer mit dem Fokus, individuelle, unternehmerische Prozesse IT-technisch zu einer optimalen Gesamtlösung zu führen. Nach einem Ausflug in den technischen Bereich der IT in 2004 erfolgte 2009 die Gründung der Apandia GmbH.

Weitere Informationen: www.apandia.de

„Unternehmens-IT darf in Zukunft nicht mehr als technische Abteilung verstanden werden.“

Interview mit Mathias Wrede

Herr Wrede, wie wollen wir Menschen dem Wandel der IT folgen? Sind wir passiv betroffen oder aktiv beteiligt?

Sollten wir Menschen dem Wandel der IT überhaupt folgen wollen? So wie als Spielball einer Naturgewalt, um am Ende bestenfalls als Strandgut angespült zu werden, anstelle an einer Klippe zu zerschellen? Passiv betroffen ist die schlechteste aller Varianten. Ich denke, dass jeder einzelne von uns die Möglichkeit hat, sich aktiv an dem Prozess des Wandels zu beteiligen. Dabei kann Aktivität verschiedene Gesichter haben.

Welche sind das?

Man kann selbst Lösungen entwickeln, für Probleme, die man erkannt hat. Dabei kann es ausreichen, ganz kleine, tägliche Routinen neu zu denken. Genauso kann man sich auch an Diskussionen beteiligen, die Probleme ansprechen und versuchen dafür Lösungen zu finden, oder man testet neue Optionen und bewertet sie. Wichtig ist jedoch, dass man konstruktiv bleibt und aus dem, was man tut, eine neue, bessere Lösung hervorbringen möchte. Selbst wenn man seine Befürchtungen teilt, ist das vollkommen konstruktiv, solange man dabei sachlich argumentiert. Dann besteht auch die Chance, eine Sache besser zu machen.

Sie plädieren für „sachliche Unaufgeregtheit“, Dinge erkennen und zu benennen. Warum?

Dies wird helfen, diese besser zu machen. Ich glaube die meisten Menschen können da eine Rolle für sich finden. Nur sind viele von ihnen nicht dahingehend erzogen und ausgebildet worden, mit sachlicher Kritik zu arbeiten - weder als Sender, noch als Rezeptor.

Wenn es gelingt, das den Menschen zu vermitteln, dann wird Digitalisierung auch problemorientierte Lösungen bieten können. Das fatalste wäre das Annehmen einer Opferrolle, der man sich schicksalsgleich ergibt.

Wie kann sich die Unternehmens-IT im Zeitalter neuer Technologien heute neu aufstellen?

Flexibel. Ich glaube nicht, dass es eine weitere Antwort gibt, die Allgemeingültigkeit hat. Wir haben schon heute nicht mehr den Standard, der erfüllt sein muss, um eine allgemeingültige, optimale Lösung zu präsentieren und werden diese in Zukunft immer weniger haben. Digitaler Markt und soziale Netzwerke verändern Prozesse und Anforderungen in Zukunft derart kurzfristig, dass sich jeder Teilprozess einer Gesamtlösung, von heute auf morgen komplett verändern kann. Lösungen werden innerhalb kürzester Zeit ihre Berechtigung verlieren und durch neue Lösungen ersetzt werden. Eine seriöse Vorhersage wird in den meisten Fällen unrealistisch.

Unternehmens-IT muss in Zukunft integrierter Bestandteil der Wertschöpfungseinheiten sein. Das heißt nicht, dass in jeder Einheit auch ein ITler integriert sein muss, sondern dass IT als Dienstleister (egal ob intern oder extern) ein gutes Know-how über die Prozesse besitzen muss. Beide Seiten müssen, mit ihrer jeweils eigenen Sicht auf dieselben Prozesse, zusammen evaluieren können, an welcher Stelle sinnvolle Lösungen zu implementieren sind.

Häufig werden bislang einfach nur Funktionen ausgetauscht…

Ja, das ist jedoch kreuzfalsch, da es vollkommen außer Acht lässt, welche Veränderungen sich dadurch im Gesamtprozess ergeben können - im Positiven wie im Negativen. Das kann die IT jedoch nur gewährleisten, wenn sie den Zusammenhang der Prozesse kennt. Eine gute, aufmerksame IT kann sogar neue Mehrwerte generieren.

Inwiefern?

Durch die Kenntnis von Daten und Datenflüssen können durchaus neue Ideen oder Geschäftsmodelle entwickelt werden, die einfach dem anderen Blick der IT auf diesem Gebiet geschuldet sind. Häufig sind Dinge vorhanden - es muss sie nur jemand entdecken.

Eine technische Empfehlung für die IT kann nur in Verbindung mit der benötigten Lösung gegeben werden. Das Verfallsdatum der Technik ist direkt an das Verfallsdatum der Lösung gekoppelt.

Unternehmens-IT darf in Zukunft nicht mehr als technische Abteilung verstanden werden. Sie ist Dienstleister mit einem tiefen Verständnis über die unternehmensweiten Prozesse. Sie kennt zwar die Technik, versteht diese jedoch nur als Werkzeug und nicht als Existenzgrundlage ihrer selbst.

Vielen Dank für das Gespräch.

Stand: März 2018