Matthias Ehnert

Matthias Ehnert, Jahrgang 1980, absolvierte seine Ausbildung zum Bankkaufmann in einer Genossenschaftsbank. Während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre an der TU Dresden gehörte er dem Studentenförderkreis des Genossenschaftsverbandes Norddeutschland an. Im Rahmen seiner selbständigen Tätigkeit berät Matthias Ehnert seit 2007 Finanzdienstleister und mittelständische Unternehmen zu Managementsystemen und organisatorischen Strukturen. Seit 2010 ist er geschäftsführender Gesellschafter der intelligentis GmbH in Dresden. Aus seinen Erfahrungen entwickelte er mit Lead-Auditoren und Unternehmen die Dokumentenlenkungssoftware ProzessMonitor prozemo, mit der ein effizientes Erlangen von Zertifizierungen erreicht wird. Neben seiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter für Betriebswirtschaftslehre insb. Organisation an der HTW Dresden (FH) übernahm er auch Lehrtätigkeiten an der TU Dresden und der Dresdner International University. Seit Gründung der Zentrale für Management und Qualität eG übernimmt er als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung und Wertebeständigkeit.

Weiterführende Links:
www.intelligentis.de
www.zmq-genossenschaft.de
www.genossenschaften.de

 

Die Nachhaltigkeit der STÄRKE von GENOSSENSCHAFTEN

Überall dort, wo ein Ziel verfolgt wird, für das persönliche Mitwirkung und besonderes Werte­bewusstsein benötigt wird, entstehen zunehmend Genossenschaften. Worin liegen aber die Nachhaltigkeit und die Kraft der Genossenschaften begründet? Ich habe die Erfahrung machen dürfen, dass die Dimensionen der Nachhaltigkeit in Genossenschaften so vielschichtig sind, wie die Facetten der Menschen, die sich zu deren Gründung entschlossen haben.

Die Nachhaltigkeit der Genossenschaft durch gemeinsame Werte

In Abhängigkeit von den Zielen und dem Handeln von Menschen entwickelt sich jede Gesellschaft weiter. Seit mehreren Jahrhunderten lässt sich beobachten, dass es immer wieder Zusammenschlüsse gab, um gemeinsame Ziele voranzubringen. Im Zuge der gesellschaftlichen Umwälzungen zu Zeiten der Industrialisierung hielt das Genossenschaftsprinzip dank der Herren Raiffeisen und Schulze-Delitzsch auch in Deutschland Einzug.

Diese Umwälzungen trafen besonders die kleinen Selbständigen in Handwerk und Gewerbe. Sie wurden immer ärmer und für Investitionen in neue Technik fehlten die Ressourcen. Die gegründeten Genossenschaften beruhten auf den Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. 

Ich bin der festen Überzeugung, dass dies keine tradierte Betrachtung ist. Noch heute besitzen diese Prinzipien und Werte genauso Priorität wie vor über hundertfünfzig Jahren. In Zeiten des Technologie- und Klimawandels, der Schere zwischen arm und reich sowie des Werteverlustes von Managern in der Finanzkrise, stützen sich immer mehr Menschen auf die Prinzipien von Genossenschaften. Es entstehen beispielsweise zukunftsorientierte Energie-, sozialgeprägte Dienstleistungs- und wertebeständige Kreditgenossenschaften.

Die Nachhaltigkeit der Genossenschaft durch Demokratie

Genossenschaften sind eine ur-demokratische Unternehmens- und Rechtsform. Diese Rechtsform kombiniert im übertragenen Sinn das positive Wesen gleichberechtigter Mitbestimmung in Personengesellschaften oder Vereinen mit dem des haftbaren und wirtschaftlichen Agierens von Kapitalgesellschaften.

Basis aller Entscheidungen sind die Mitglieder, die als Eigentümer der Genossenschaft mit ihrer Einlage haften und gleichberechtigt, das heißt mit jeweils einer Stimme ihr Mitbestimmungsrecht ausüben können. Es zählt jeder Einzelne als Mitglied, nicht das Kapital. Die gewählten bzw. berufenen Vertreter der Mitglieder, Aufsichtsrat und Vorstand, müssen den Mitgliedern gegenüber Rechenschaft ablegen und sich die Zustimmung für ihr Handeln einholen. Das führt meiner Meinung nach zu dieser hohen Wertebeständigkeit innerhalb der Genossenschaft.

Auf diese Weise wird sichergestellt, dass das per Satzung definierte Ziel der Mitgliederbasis, in der Genossenschaft nachhaltig umgesetzt und gelebt wird. Nachweislich werden Genossenschaften wesentlich seltener insolvent als Kapitalgesellschaften.

Die Nachhaltigkeit der Genossenschaft durch Motivation

Das besondere an der Genossenschaft ist die intrinsische Motivation der Mitglieder. In der Regel sind die Dividenden, die in Folge eines Jahresüberschusses auf die Mitglieder und deren Anteile ausgeschüttet werden lukrativ. Allerdings werden satzungsgemäß grundsätzlich Vorkehrungen getroffen, die eine Kapitalanlage zum Ausnutzen hoher Dividenden verhindern.

Die Motivation der Mitglieder entsteht somit aus der Partizipation der sachlichen Zielerfüllung, der Mitbestimmung sowie den Werteprinzipien und eben nicht der Kapitalverzinsung. Warum sonst ist, statistisch gesehen, fast jeder vierte Deutsche ein Mitglied einer Genossenschaft? Besonders bei regionalen Genossenschaften, kann ich beobachten, wie die Genossenschaft im Zuge dieser Motivation eine starke Dynamik und Schlagkraft entwickelt.

Die Nachhaltigkeit der Genossenschaft durch zukunftsorientierte Ideen

Geschäftliche und existenzielle Basis des Erfolgs einer Genossenschaft ist natürlich das Geschäftsmodell, das sich aus einer zukunftsorientierten Idee und Zielstellung entwickelt und sich in einem Förderzweck manifestieren lässt. Schon Raiffeisen und Schulze-Delitzsch sahen die Möglichkeit, ihre Mitglieder zukünftig in der Genossenschaft wirtschaftlich zu fördern und somit zu besseren Lebens- und Geschäftsbedingungen zu verhelfen.

Der Förderzweck ist für den Fortbestand einer Genossenschaft essentiell. Nur gleichgesinnte Mitglieder können die Genossenschaft mit ihren Ideen nachhaltig und wertefest entwickeln. Gegenwärtig entstehen viele Genossenschaften mit dem Ziel, eine zukunftsorientierte Lösung für gesellschaftliche Herausforderungen zu finden.

Bereits vor Gründung werden durch den regional zuständigen Genossenschaftsverband die Wertefestigkeit und die Wirtschaftlichkeit der genossenschaftlichen Idee geprüft und bewertet. Dieses Verfahren habe ich besonders schätzen gelernt, da bereits in früher Gründungsphase der Fokus auf eine nachhaltige Geschäftsentwicklung gesetzt wird.

Die Nachhaltigkeit der Zentrale für Management und Qualität eG

Im Jahr 2012, dem von den Vereinten Nationen ausgerufenen „Internationalen Jahr der Genossenschaften“, initiierte ich mit Gleichgesinnten die Gründung der Genossenschaft Zentrale für Management und Qualität eG (ZMQ). Unsere Intention basiert auf der Zielstellung „Nachhaltigkeit in Organisationen zu leben“.

Dieses Ziel verbindet alle Gründungsmitglieder, unabhängig, ob sie selbst als Unternehmer nachhaltig agieren oder andere Unternehmer zu nachhaltigem Handeln verhelfen möchten. Gegenwärtig leben wir in einer Zeit, in der Kunden und Gesetzgeber die Erfüllung von Qualitäts- oder Managementstandards nach Normen oder anderen Vorgaben verlangen. Während beispielsweise früher ein Brücken-Baumeister zum Nachweis seiner Qualitätsarbeit, diese zuerst betreten musste, sind heute die wirtschaftlichen Strukturen und die Größe der Organisationen dazu nicht mehr in der Lage. Es werden deshalb Normen entwickelt, deren Grundsätze allesamt verlangen, dass sie durch alle Mitarbeiter in allen Prozessen umgesetzt werden.

Diese Managementsysteme wie z.B. das Qualitäts- (ISO 9001), Umwelt- (ISO 14001), Energie- (ISO 50001) oder Nachhaltigkeitsmanagement (ISO 26000) sind mittlerweile derart komplex, dass die dafür notwendigen systemischen und strukturellen Betrachtungen nur noch von Fachleuten vorgenommen werden können. Der Grundsatz der Einbindung der Mitarbeiter kommt damit zu kurz. Nachvollziehbar: Welcher Mitarbeiter wird neben seiner Tätigkeit noch eine Norm lernen wollen? Die Norm muss daher in die tägliche Arbeit der Mitarbeiter implementiert werden, sodass sie in der täglichen Arbeit erfüllt wird.

Nehmen wir ein Päckchen Kaffee als Beispiel. Im Rahmen des Nachhaltigkeitsmanagements wird die Lieferkette bestimmt, die Nichtverletzung von Menschenrechten geprüft und der Transport auf Umweltbelastungen untersucht. Danach werden häufig Nachhaltigkeitsberichte und Marketingkonzepte geschrieben.    

Die ZMQ verfolgt stattdessen konkret das Ziel, seine Mitglieder und Kunden zu lebendigen Managementsystemen unter Einbindung aller Mitarbeiter zu befähigen und sie dabei zu begleiten. Das bedeutet, dafür zu sorgen, dass z.B. Einkäufer des Kaffees in ihrer täglichen Arbeit werte- und normenorientiert agieren.

Hierbei setzt sich die Genossenschaft in besonderem Maße für Betriebe ein, die sich oftmals die Vorbereitung auf eine Zertifizierung wegen der fehlenden Wirtschaftskraft nicht leisten können. Aber auch große Organisationen profitieren von integrierten Managementsystemen, die durch die ZMQ gefördert werden.

Die Dynamik der genossenschaftlichen Entwicklung, die Motivation und Unterstützung der Mitglieder sowie die Resonanz unserer Kunden spiegelt wider, dass die Nachhaltigkeit und die Kraft ZMQ-Genossenschaft noch lange Bestand haben wird.