Matthias Krieger

Matthias Krieger, Jahrgang 1962, gründete 1992 das Bauunternehmen Krieger + Schramm GmbH & Co. KG (K+S). Er ist Unternehmer, Stifter, Autor und ehemaliger Leistungssportler. 2011 erschien sein Buch „Die Lösung bist Du! – Was uns wirklich voranbringt!“. Das Honorar für seine Vorträge sowie der Verkaufserlös des Buches fließen in die Dagmar+Matthias Krieger Stiftung.

Erfolg im Quadrat. Wie die Baubranche zu einer gelingenden Energiewende beiträgt  

Interview mit Matthias Krieger, Geschäftsführender Gesellschafter der Krieger + Schramm GmbH & Co. KG

Herr Krieger, was tun Sie als Bauunternehmer, um einen nachhaltigen Beitrag für die Energiewende zu leisten?

Die Bundesregierung hat die Energiewende 2020 angeschoben, nun sind Kommunen und Gemeinden bezüglich der Umsetzung gefragt. Etwa ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland wird für die Raumwärme und Warmwassererzeugung in Gebäuden benötigt. Somit spielt das energieeffiziente Bauen im Rahmen der Klimaschutzpolitik eine wichtige Rolle. Ziel muss es sein, energieeffizientes Bauen als zentralen Bestandteil in der nachhaltigen Entwicklung von Baugebieten zu etablieren.

In der Vergangenheit haben wir als Bauunternehmen viele Bauvorhaben in Passivhausbauweise realisiert. Deshalb kenne ich die Stärken und Schwächen dieses Konzepts genau. Mit den Schwächen konnte und wollte ich allerdings nicht leben. Dynahaus ist die konsequente Weiterentwicklung des Passivhauses. Es ist eigenstromoptimiert und kostengünstig. Mit einem solchen Ansatz können wir den Zielen der Energiewende erheblich näher kommen. Im Bereich Energie-Speicher-Plus-Haus betreten wir damit jetzt Neuland.

Was heißt das konkret?

Die Entwicklung des Hauses war auch eine Entscheidung für die Zukunft unseres Unternehmens. Um sich weiterzuentwickeln und nachhaltig wachsen zu können, werden Ziele und Visionen benötigt. Eine der sieben Botschaften meines buches heißt schlicht, dass jeder Erfolg haben kann. Die Formel dafür ist: E = V x H². Die Vision multipliziert mit dem Handeln im Quadrat führt also zum Erfolg. Die Vision eines Hauses, das mehr Energie produziert als die Bewohner verbrauchen, war für uns herausfordernd und spannend zugleich. 2011 haben wir gemeinsam mit namhaften Kooperationspartnern begonnen, das Haus zu entwickeln und die einzelnen Komponenten aufeinander abzustimmen. In Lohfelden und München entstehen die ersten Dynahäuser in Deutschland.

Sonnenenergie wird in nutzbare Energie umgewandelt und dann zur Verfügung gestellt, wenn sie gebraucht wird. Besonders interessant ist das für die Nutzung von E-Mobilität – kostenlos tanken macht einfach Spaß. Jeder soll die Chance erhalten, unabhängiger von zentralen Energieversorgern zu leben. Vor allem in den Peripherieregionen, also im „Speckgürtel“ von Metropolregionen können Pendler umweltbewusst und günstig zur Arbeit und wieder nach Hause fahren, ohne dabei auf fossile Brennstoffe zurückgreifen zu müssen.

Wie erklären Sie sich die steigende Nachfrage?

Insgesamt steigt die generelle Nachfrage nach Alternativen. Es ist festzustellen, dass viele Menschen nicht mehr abhängig von Energieversorgern sein wollen. Sie möchte sich lösen von Preissteigerungen und Abhängigkeiten. Was ist, wenn Herr Putin in Russland den Hahn komplett zudreht? Wir können nichts dagegen machen. Menschen sollen sich möglichst selbst versorgen können. Die Autarkiequote liegt bei über 80% - ich bin als nur noch zu 20% von Herrn Putin abhängig. Ein sehr beruhigendes Gefühl, mit dem ich besser schlafen kann.

Wie ist es möglich, dass mehr Energie zu erzeugen als verbraucht wird?

Das Besondere ist die optimale Abstimmung einzelner innovativer, aber bewährter Komponenten und die Kommunikation zwischen ihnen. So ermöglicht das Dyna-Energie-Management-System (DEMS) den Austausch von Informationen durch den SMA Homemanager mit den einzelnen Verbrauchern, z.B. der Wärmepumpe, dem Latentspeicher oder der Autobatterie. Dabei wird auch die Wettervorhersage berücksichtigt. Eine weitere Besonderheit ist die zentrale Eigenstromoptimierung. Das heißt, dass der selbst erzeugte Strom möglichst dann verbraucht wird, wenn die Energie zur Verfügung steht. Eine Einspeisung ins öffentliche Netz ist heute nicht mehr rentabel. Anders als bei einem Passivhaus liegt der Fokus nicht auf maximaler Dämmung, sondern auf einem energieeffizienten und nachhaltigen Gesamtkonzept, bei dem die maximale Energiegewinnung und -verwendung im Mittelpunkt steht.

Rechnet sich das Konzept eines Energie-Speicher-Plus Haus bereits?

Das Dynahaus ist in jedem Fall günstiger als ein Passivhaus. Die Amortisation liegt unter 20 Jahren. Zu dem erfüllt das Haus schon jetzt die EU-Vorgaben für Wohnhäuser von 2020. Ob sich das Konzept in dem Umfang rechnet, wie es geplant und simuliert wurde, stellt sich mit dem Bau der DynaAkademie in Hallbergmoos bei München heraus. Hier wird ein Forschungsobjekt mit der TU München gebaut, an dem die TU und wir das System unter praxisnahen Bedingungen wissenschaftlich überprüfen und verbessern können. Auch die Praktikabilität wird überprüft – eine Familie wird über ein Jahr begleitet. Die Ergebnisse der energetischen Kennzahlen und die Erfahrungen im alltäglichen Umgang mit den Komponenten fließen direkt in die Weiterentwicklung ein.

Die ersten Dynahäuser entstehen in Lohfelden und München. Wie kam es zu dieser Standortwahl?

In Lohfelden war die Nähe zu unserer Unternehmensniederlassung ausschlaggebend. Wir können bei diesem Pilotprojekt schnell reagieren und sind flexibel. Außerdem besitzen wir hier das nötige Netzwerk an Nachunternehmern und Partnern. Für Hallbergmoos bei München sprach die unmittelbare Nähe zur TU München.

Worauf müssen künftige Bewohner von Energie-Speicher-Plus-Häusern (auch die Testfamilie, die in das Forschungshaus in Hallbergmoos bei München einziehen wird) achten?

Nicht nur in Hallbergmoos, sondern auch in Lohfelden wird vorerst für ein Jahr eine Testfamilie mit zwei Kindern einziehen. Sie wohnt hier ein Jahr lang mietfrei. Ein Vorkaufsrecht danach ist möglich.  Auch wird ein BMW i3 für die Testphase zur Verfügung gestellt. Die Test-Familien werden in ihrem täglichen Leben begleitet, teilen ihre Erfahrungen mit Technik sowie der Praxistauglichkeit über verschiedene Kanäle mit.

Mit Ihrem Bauunternehmen Krieger+Schramm haben Sie seit über 20 Jahren Erfahrung in der nachhaltigen Realisierung von Bauprojekten. Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung und des Baus der ersten Dynahäuser?

Sie lag vor allem im Zusammenbringen der einzelnen Technologien, der Koordination der Kooperationspartner. Viele Simulationen und Szenarien waren notwendig, bis ein optimales Verhältnis zwischen maximaler Energiegewinnung, -speicherung und –eigennutzung erreicht wurde. Am Ende hat sich dieser Aufwand aber gelohnt – das Konzept funktioniert.

Unterstützt wird das Projekt durch BMW, SMA und das Fraunhofer Institut. Wie kam es zu dieser branchenübergreifenden Kooperation?

Wir waren auf der Suche nach den besten Firmen in den einzelnen Bereichen. Durch Recherchen und gute Kontakte tat sich dann das Forschungsprojekt „Energieautarke E-Mobilität im Smart-Micro-Grid vom Einfamilienhaus zum intelligenten Parkhaus“, gefördert durch BMU, aufmerksam geworden. Ziel war es, beim Kunden die Energiewende in einem integrativen Ansatz mir Elektromobilität zu kombinieren. Neben der Technischen Universität München waren auch SMA und BMW Forschungspartner. Wir stießen als assoziierter Partner neben Stiebel Eltron dazu. Der Deal stand: Wir liefern das Haus, ihr die Technik. Im Laufe des Projekts hatten wir die Chance, die Technologien mit den Experten zusammenzuführen. Daraus entstand das Produkt, das nun die Marktreife erreicht hat.

Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt

Weitere Informationen:

www.dynahaus.de

www.krieger-schramm.de

Quelle: http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/erfolg

Das ist das zweite Experteninterview einer losen Folge von weiteren Interviews, die mit Autoren geführt werden, die mit einem Fachbeitrag im Sammelband „CSR und Energiewirtschaft. Zukunft unter Strom: Herausforderungen, Chancen und Perspektiven der Energiewende verstehen und verantwortlich umsetzen" (hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer), vertreten sind. Das Buch erscheint im Sommer 2015 im Verlag Springer Gabler.

Stand: Mai 2015