Maximilian Gege

Prof. Dr. Maximilian Gege ist Gründungsmitglied (1984) und Vorsitzender des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e. V., mit über 500 Unternehmen verschiedener Größen und Branchen heute die größte Umweltinitiative der Wirtschaft in Europa. Er bekleidet zahlreiche Funktionen in Beiräten und Jurys. So ist er Mitglied der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, des German Renewable Awards u. v. a.

Professor Gege ist Begründer des B.A.U.M.-Zukunftsfonds, eines innovativen Instruments zur Finanzierung von Energie-Effizienzmaßnahmen (vgl. u. a. seine Publikationen „Unterwegs zu einem ökologischen Wirtschaftswunder“ und „Erfolgsfaktor Energieeffizienz – Investitionen, die sich lohnen“).

Professor Gege erhielt für sein umfassendes Engagement zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz und den Vision Award. Seit 2001 ist er Honorarprofessor der Leuphana Universität Lüneburg. Die von ihm initiierte Kampagne „Solar – na klar!“ wurde 2001 von der EU als „Best National Renewable Energy Partnership“ ausgezeichnet.

Sozial engagiert sich Professor Gege durch seine Stiftung „Chancen für Kinder“ mit Projekten in Indien, Chile, Kolumbien und Deutschland/Hamburg.
 

Mehr als 30 Jahre Engagement für Umwelt und Nachhaltigkeit

1984 wurde der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e. V. auf Initiative von Dr. Georg Winter, Dr. Peter Mohr und mir gegründet. Ab 1984 war ich geschäftsführendes Vorstandsmitglied, seit 2003 bin ich Vorsitzender. Damals spielte Umweltschutz im weitesten Sinne noch keine zentrale Rolle in der gesellschaftlichen Diskussion. Zwar gab es Informationen und auch Diskussionen, z. B. zum Waldsterben, zu verseuchten Meeren, Seen und Flüssen, steigenden Müllbergen, drohenden Klimakatastrophen u. a., aber es gab keinen breiten gesellschaftlichen Konsens wie heute zum Klimawandel und seinen Konsequenzen.

Meine Initialzündung erfolgte 1979, als ich auf einer Rundreise durch die antiken Stätten Griechenlands zum Abschluss das Buch von Herbert Gruhl „Ein Planet wird geplündert“ las und mir vollkommen bewusst wurde, dass die Welt so wie bisher nicht weiter wirtschaften konnte.

So war mein erster Ansatz die Entwicklung eines neuen Berufsbildes „Umweltberater für private Haushalte“ und die Einführung dieses Berufs in Deutschland sowie in Frankreich, Spanien und Großbritannien. Die Firma Winter stellte für dieses Modellprojekt 160.000,- DM zur Verfügung. Der Erfolg war – nach intensiver Arbeit – durchschlagend. In zahlreichen Städten wurden Umweltberaterstellen etabliert. Schon 1999 konnten wir die ersten 100 Umweltberater aus 10 Ländern im Rahmen einer internationalen Veranstaltung im Europarat in Straßburg begrüßen. Heute gibt es nach diesem Modell ca. 15.000 Umweltberater in 28 Ländern, in Deutschland 4.000-5.000.

Parallel zu diesen Aktivitäten entstand im Hause Winter ein umfassendes Konzept für ein umweltbewusstes Unternehmen, das so genannte „Winter-Modell“. Dabei ging es um die Einbeziehung aller Unternehmensbereiche. Als Direktor für Umwelt und Planung war ich intensiv mit dieser Aufgabe beschäftigt. Schon damals war uns klar, dass Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bedingen, ja unterstützen. Und: ohne umweltbewusste Mitarbeiter kein umweltbewusstes Unternehmen!

Nach der erfolgreichen Einführung des Umweltberaters in den Kommunen und dem ebenso großen Interesse der Öffentlichkeit an den Chancen einer umweltbewussten Unternehmensführung war die Gründung einer Organisation zur Verbreitung dieser Idee naheliegend. So entstand 1984 zunächst der „Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusste Materialwirtschaft“, den wir dann sehr bald in „Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management“ umbenannten.

Wir begannen in einem kleinen Büro in der Osterstraße und wechselten dann – nach Einstellung der ersten zwei ABM-Kräfte – in Räume in der Christian-Förster-Schule in Hamburg-Eimsbüttel. Es entstanden der B.A.U.M.-Ehrenkodex, ein umfassendes Arbeitsprogramm sowie gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu den Chancen eines vorsorgenden Umweltschutzes und einer umweltbewussten Unternehmensführung. Der große Vorteil war, dass wir auf der Basis der praktischen und positiven Erfahrungen des Winter-Modells die Interessen der Unternehmer unterstützen konnten.

In den folgenden Jahren haben wir viele zukunftsweisende Projekte geplant und durchgeführt. An einige herausragende möchte ich hier erinnern:

  • In einem von mir initiierten Umweltbildungsprojekt konnten 93 Schulen auf den „solaren Weg“ gebracht werden. Mit 1 Mio. Euro förderte die Allianz Umweltstiftung den Wettbewerb, bei dem die teilnehmenden Schulen unter anderem ihre didaktischen Konzepte zur Integration der Solaranlage sowie des Themas „Erneuerbare Energien“ in den Schulalltag darstellen mussten.
  • „Solar – na klar!“ mit den damaligen Bundeskanzlern Dr. Helmut Kohl und später Gerhard Schröder sowie den Umweltministern Dr. Angela Merkel und Jürgen Trittin als Schirmherren war eine in dieser Größenordnung einmalige bundesweite Informations- und Motivationsoffensive, mit der wir private Haushalte, Kommunen und Unternehmen für die Nutzung von Solarwärme gewinnen konnten. Die Kampagne bündelte die Potenziale der Marktpartner aus Industrie und Handwerk, der maßgeblichen Solarverbände sowie aller gesellschaftlichen Kräfte. Sie wurde überwiegend von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert sowie von der Ruhrgas AG unterstützt. Neben dem Bundesumweltministerium und allen Umweltministerien der Länder konnten 40 Solarunternehmen als weitere Förderer gewonnen werden. Fast 7.500 Handwerksbetriebe ließen sich bei „Solar – na klar!“ registrieren und mehr als 215.000 interessierte Verbraucher erhielten die Informationsbroschüren zum Thema Solarwärme. Als beste nationale Kampagne wurde „Solar - na klar!“ 2001 im Rahmen der Campaign for Take-Off for Best Renewable Energy Partnership durch die Europäische Kommission ausgezeichnet.

    Aktuell planen wir eine Kampagne ähnlichen Zuschnitts, die sich zum Ziel gesetzt hat, in einer bundesweiten Informations-, Beratungs- und Motivationskampagne eine strategische Allianz zu schmieden, um den Wärme- (und Strom-)bedarf in Gebäuden bis 2020 um mind. 15 Prozent zu reduzieren und eine massiven Steigerung beim Austausch alter Heizungsanlagen gegen moderne zu erreichen.

  • Im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg führte B.A.U.M. bis Herbst 2003 in Kooperation mit der IHK Südlicher Oberrhein sowie der Handwerkskammer Freiburg ein Beratungsprojekt für kleine und mittlere Unternehmen durch. Das von mir entwickelte Konzept ECO+ identifiziert einfache und schnell umsetzbare Maßnahmen, die sowohl die Betriebskosten senken, als auch die Umweltbelastung der Unternehmen durch Ressourceneffizienz reduzieren. Aufgrund der erfolgreichen Beratung von 80 Unternehmen wurde ECO+ im Kammerbezirk Ulm sowie Mannheim erfolgreich fortgesetzt.
  • Im Januar 2008 startete B.A.U.M. mit dem Hamburger Klimawettbewerb einen Baustein des Klimaschutzkonzepts der Freien und Hansestadt Hamburg. Ziel war, die Hamburgerinnen und Hamburger über ihre Möglichkeiten des Energiesparens und über Energieeffizienz-Maßnahmen als persönlicher Beitrag zum Klimaschutz zu informieren und sie zu motivieren, in ihren Haushalten möglichst viele Energiesparmaßnahmen umzusetzen. Der Wettbewerb wurde von vielen Akteuren aus den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen unterstützt und konnte so eine positive Bilanz aufweisen. Die CO2-Ergebnisse der Gewinner haben – wie ich finde, sehr eindrucksvoll – gezeigt, dass ein Haushalt durch konsequente Umsetzung von einfachen Maßnahmen, aber vor allem auch durch energetische Sanierung seine CO2-Emissionen deutlich senken kann. Darüber hinaus wurde durch die intensive Nachfrage nach konkreten Tipps deutlich, wie groß das Interesse der Bevölkerung an den Themen Energiesparen und Klimaschutz ist. Dies ist auch im Hinblick auf die Energiewende der nächsten Jahre ein gutes Zeichen!
  • Wegweisend war auch das mit 1,5 Mio. Euro aus Bundesmitteln geförderte Forschungsprojekt „naerco – Nachhaltiges Erfolgscontracting“. Moderne Heiztechnik eröffnet große Chancen für die Einsparung von Energie und für die Steuerung des Raumklimas. Doch oft verhindert die gängige Vergabepraxis, dass diese Potenziale auch abgerufen werden. Der Fehler liegt vor allem darin, dass zum einen Planung, Installation und Betrieb energetischer Anlagen getrennt behandelt und zum anderen nicht die Funktionen der Anlage ausgeschrieben werden, sondern deren technische Merkmale. Deshalb werden neue Instrumentarien der Auftragsvergabe gebraucht, durch die Konzeption, Installation, Inbetriebnahme und vor allem auch der langfristig laufende Betrieb energetischer Anlagen funktional als Energiedienstleistung ausgeschrieben und in eine Hand gegeben werden. Nur so kann der hohe Wissens- und Innovationsstand heutiger Heizungstechnik zum Tragen kommen. Das von OStR Margit Fluch und mir initiierte und geleitete Projekt hat ein solches Instrument im Rahmen einer wissenschaftlich begleiteten Pilotsanierung des Gymnasiums Marktoberdorf (Bayern) über einen Zeitraum von fünf Jahren entwickelt und erprobt.

In meinen zahlreichen Gesprächen mit Managern und Unternehmern wurde mir schon früh klar, dass die Energieeffizienz eine wahre Goldgrube ist. Detailliert habe ich dies 2011 in meinem Buch „Erfolgsfaktor Energieeffizienz. Investitionen, die sich lohnen“ (gemeinsam mit Marilyn Heib, oekom Verlag) dargestellt. Als die Energiewende in Deutschland beschlossen wurde, gelang es mir erfreulicherweise, in Wirtschaft und Politik viele davon zu überzeugen, dass Energieeffizienz die wahre „Brückentechnologie“ ist.

Doch wird das Potenzial der Energieeffizienz noch in viel zu geringem Maße genutzt. Gerade mittelständische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, aber auch private Haushalte weisen immer noch große Energieeinsparpotenziale auf: Durch Investitionen in innovative und effiziente Elektromotoren und -pumpen, Beleuchtungsanlagen, Druckluft- oder Wärme- und Kältetechnik kann der Energieverbrauch nachweislich um bis zu 70 Prozent reduziert werden.

Fragte ich, warum dieses Einsparpotenzial nicht genutzt werde, bekam ich immer wieder zur Antwort, es fehle an Kapital, um die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen. Hier setzt daher das von mir entwickelte Konzept des Zukunftsfonds an. Der Zukunftsfonds ist ein innovatives Instrument, um Energieeffizienz- und Klimaschutz-Maßnahmen bei Unternehmen, in öffentlichen Einrichtungen und evtl. auch in größeren privaten Haushalten mit Privatkapital nachhaltig zu finanzieren und damit die Umsetzung vielfach erst zu ermöglichen. Das Prinzip ist einfach: Der Zukunftsfonds ist als Genossenschaft konzipiert (B.A.U.M. Zukunftsfonds eG seit 2010; www.baum-zukunftsfonds.de). Privatpersonen und institutionelle Anleger erwerben einen Genossenschaftsanteil von 100 Euro und stellen dem Fonds anschließend ein Mitglieder-Darlehen von mindestens 900 Euro zur Verfügung. Sie erhalten dafür eine sichere Rendite von 3,5 bis 5 Prozent pro Jahr.

Der Fonds investiert dieses Kapital gezielt in Energieeffizienz-Projekte und verwirklicht diese in Kooperation mit zertifizierten Energieberatern. Durch den Einsatz moderner Technik werden Energieverbrauch und CO2-Emissionen, aber auch Kosten gesenkt. Die erzielten Erträge fließen zu einem Teil zurück an den B.A.U.M. Zukunftsfonds, und die Anleger erhalten 4 Prozent Rendite. Wenn es gelänge, von den rund 4.800 Mrd. Euro Privatvermögen in Deutschland einen Teil für die Finanzierung von Energie- und Ressourceneffizienz-Maßnahmen umzulenken, wäre viel erreicht für den Klimaschutz! Ein wichtiges Ziel ist auch die Etablierung von regionalen Zukunftsfonds-Modellen. Damit kann jede Stadt/Kommune auf dem Weg zur Klimaneutralität die Bürger einbeziehen und die Finanzierung von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz-Maßnahmen ermöglichen.

Doch der Klimawandel ist nur eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Meiner Einschätzung nach kristallisieren sich alle Zukunftsthemen zunehmend in den großen Städten. Der Trend zur Urbanisierung sowie Problemfelder wie Klimawandel, Mobilität, demografischer Wandel, Ressourcenverfügbarkeit, Flächenverbrauch etc. zwingen Städte und Regionen immer mehr, sich bei ihrer Zukunftsplanung mit dem Thema Nachhaltigkeit und der Entwicklung intelligenter Strukturen und Systeme zu beschäftigen. Wie kann eine moderne, intelligente, effiziente und gleichzeitig lebenswerte Stadt aussehen? Welche Möglichkeiten eröffnen sich und welche Erfahrungen anderer können bei der Planung von Nutzen sein? Wie können die ersten Schritte aussehen und wo liegen ggf. Grenzen? Politiker, Stadtplaner und Entscheider sowie andere interessierte Gruppen müssen sich mit diesen und ähnlichen Fragen auseinandersetzen und nach gemeinsamen Ansatzpunkten suchen. Das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden, denn auch aus den Erfahrungswerten der Vergangenheit – positiven wie negativen – können wertvolle Schlüsse für die Zukunft gezogen werden. Gemeinsam mit accenture haben wir von B.A.U.M. daher in einem Projekt gemeinsam mit unseren weiteren Partnern ECE, HP, Panasonic und dem NATURpur Institut (HSE) zum Thema „Intelligent Cities – Wege zu einer nachhaltigen, effizienten und lebenswerten Stadt“ Ergebnisse anhand eines integrierten Ansatzes erarbeitet (www.intelligent-cities.net).

Wichtige Fragen und Trends aufgreifen, zukunftsweisende Projekte entwickeln und dann in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Medien Mitstreiter für die gemeinsame Umsetzung gewinnen – auf diese Weise habe ich in den vergangenen 30 Jahre versucht, meinen Beitrag zur nachhaltigen Umgestaltung unserer Gesellschaft zu leisten. Erfolge und zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen waren mir immer wieder eine erfreuliche Bestätigung für mein Engagement. Ich hoffe, dass ich durch mein Beispiel auch jüngere Menschen motivieren kann, sich ebenfalls für Umwelt- und Klimaschutz und eine nachhaltige Gesellschaft einzusetzen!