Michael Schieferstein

Michael Schieferstein ist Gründer und Pressesprecher der FoodFighters® sowie Sachverständiger für Essensrettung im Ausschuss des Mainzer Landtags und Ausschuss des Bundestages. Der  Buchautor, Experte für vitale und gesunde Küche in der gehobenen Gastronomie (Lactose frei, Gluten frei, Vegan, Vegetarisch) ist seit ca. 30 Jahren in der gehobenen Gastronomie tätig, davon hat er mehrere Jahre beruflich im Ausland verbracht und war die letzten 20 Jahre als Küchenchef und Ausbilder tätig. Darüber hinaus engagiert er sich für Hilfsbedürftige.

Weitere Informationen:
http://www.foodfighters.biz

 

Food Fighter

Alles begann vor ca. 28 Jahren, als ich mich dazu entschlossen hatte, eine Ausbildung zum Koch zu absolvieren. Ich fing die Ausbildung in einem der Toprestaurants im Rheingau an und das, obwohl ich noch nicht einmal eine vernünftige Schulbildung vorzuweisen hatte. Da ich schon immer an allem Neuen interessiert bin und Neues ohne große Mühe erlerne, habe ich mich dann schnell weiterentwickelt und war europaweit in der Spitzengastronomie tätig.

Was ich schon in jungen Jahren weltweit von Hunger, Not und Elend in der Welt mitbekam, hat mich für mein ganzes Leben geprägt. Seitdem kämpfe ich gegen die, so wie ich finde, kranke und perverse Vernichtung von Lebensmitteln. Ein Beispiel: Wir haben in Deutschland mittlerweile mehr Hilfsbedürftige, die schon am Anfang des Monats kein Geld mehr haben, um sich Lebensmittel zu kaufen, als wir uns vorstellen können. Und auf der anderen Seite werden eben diese benötigten Lebensmittel ohne Sinn und Verstand in großen Mengen einfach und unachtsam auf den Müll geworfen.

Obwohl das Ausmaß dieser Katastrophe schon seit langer Zeit zu erkennen war und die Regierungen weltweit hätten handeln müssen, haben sie lieber allesamt weggeschaut und die Problematik von Wasserknappheit, Lebensmittelverschwendung sowie Ausbeutung unseres Planeten totgeschwiegen.

Ich habe schon vor Jahren Schulprojekte zum Thema Nachhaltigkeit, Lebensmittelverschwendung und gesunde Ernährung geleitet, aber öffentliche oder staatliche Gelder waren nie dafür da. Also musste ich es aus eigener Tasche finanzieren, um unseren Kindern die gesunde und wertschätzende Ernährung zu vermitteln. Auch wenn das oftmals einen großen Spagat für mich darstellte, da ich beruflich sehr eingeschränkt war und kaum Freizeit hatte.

Meine Einstellung zu all diesen Problematiken hat mir unbändige Kraft verliehen, den Kampf gegen den „Globalen Wegwerf-Wahnsinn“ weiterzuführen, Hilfsbedürftigen zu helfen und ganz besonders unseren Kindern wieder die Wertschätzung und Nachhaltigkeit zu vermitteln. Und unter genau diesen Voraussetzungen habe ich in den letzten 16 Jahren meine Azubis ausgebildet.

Der Kampf hat sich gelohnt, denn im September 2011 lernte ich Valentin Thurn, Filmregisseur und Buchautor von „Taste The Waste“ kennen. Wir bestritten zusammen einige Kochevents und dadurch bekam ich im April 2012 eine Einladung von Frau Drobinski-Weiß, MdB-Mitglied der SPD Fraktion als Sachverständiger im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Bundestags in Berlin zum Thema Lebensmittelverschwendung, die ich dankend annahm. Jetzt hatte ich endlich die Möglichkeit, das Thema Lebensmittelverschwendung nach ganz oben weiterzugeben und bin mit dem, was mich Jahrzehnte lang schwer belastet hat, auf offene Ohren gestoßen. Und seit diesem Tag weiß ich, dass der „Globale Wegwerf-Wahnsinn“ für mich zur Berufung wurde und ich nicht ruhen werde, diesen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Ich habe mit meinen 45 Jahren schon viele Schicksalsschläge hinter mir, aber den Glauben an Gott habe ich niemals verloren! Denn seit ich weiß, was in unserer Gesellschaft passiert, bekommen die Todsünden (Sprüche 6:16-19) für mich eine ganz andere Bedeutungen. „Völlerei“, die sechste Todsünde, ist für mich mittlerweile die schlimmste der 7 Todsünden des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Auch der Satz „Unser tägliches Brot gib uns heute“ aus dem bekanntesten Gebet des Christentums, dem „Vater unser“ (Mt 6,9–13 und Lk 11,2–4), den ich bereits als Kind auswendig lernen musste, entfaltet vor diesem Hintergrund seine volle Wirkung. Dieser kleine Satz, der täglich millionenfach gebetet wird, ist für mich ein Zeichen dafür, dass Gott uns alle darauf aufmerksam machen möchte, dass wir mit unseren Gütern wie Brot, Getreide, Obst, Gemüse usw. gewissenhaft und mit Liebe umgehen.

Wenn jeder von uns einen kleinen Teil dazu beiträgt und nachhaltiger mit Rohstoffen wie Energie, Trinkwasser und ganz besonders mit unseren Lebensmitteln umgehen würde, könnten wir alle gesünder und vitaler leben. Wir leben aber leider noch in der Generation, die sich Wegwerfgesellschaft nennt. Unsere Politiker sind machtlos gegen die weltweit führende Lebensmittelindustrie und gegen das Elend, welches die Menschen, die wegen unserer verschwenderischen Gesellschaft hungern und menschenunwürdig leben, erleiden. Und nur weil wir alle egoistisch und pervers sind, müssen Millionen von Kindern durch Unterernährung und Hunger sterben.