Michael Vogt

Michael Vogt, geboren 1970 in München, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Werbekaufmann. Es folgten Zusatzqualifikationen zum Kommunikationswirt und Electronic Marketing Fachwirt an der BAW. Seine berufliche Karriere startete der damals noch begeisterte Autofahrer in einer Werbeagentur. Nach weiteren Stationen in der Kommunikationsbranche gründete er im Jahr 2003 als geschäftsführender Gesellschafter eine eigene strate­gische Marketingberatung in München. Mit der Idee Fahrräder als Lifestyle-Objekte zu präsentieren und zu verkaufen, gründete er 2008 gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Tina Umbach die stilrad°° GmbH. Inzwischen ist stilrad°° mit fünf Showrooms in Berlin, Frankfurt, München, Wien und ­Zürich präsent. Michael Vogt lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in München Schwabing und genießt den Luxus in der Stadt, alle Ziele mit dem Fahrrad erreichen zu können.

Weiterführende Informationen:
www.stilrad.com

 

Nachhaltige Lebensqualität »erfahren«

Wie nehmen Sie die Verkehrssituation in den großen Städten in Europa wahr?

Der Verkehr wird nicht nur dichter, es fällt auf, dass es auch stressiger und damit aggressiver wird, sich in der Stadt zu bewegen.

Sehen Sie das Fahrrad als einzig logisches Verkehrsmittel in der Stadt an?

Nein, sicher nicht. Es ist in Sachen Individualmobilität ein logischer Bestandteil einer klugen Kombination. Zum Beispiel aus modernem Carsharing, öffentlichem Nahverkehr und Fahrrad.

Sind die Menschen in Kopenhagen und Stockholm in ihrem Denken viel weiter als wir in Deutschland, was Mobilität in der Stadt betrifft?

Auf jeden Fall. Allein, weil dort lange das Auto als Statussymbol ausgedient hat. Vor ­allem aber, weil Städte und Bewohner erkannt haben, dass mit der Abnahme der Autos die Lebensqualität steigt. 13 der 20 lebenswertesten Städte der Welt sind inzwischen Fahrradstädte.

Was hat Sie bewegt, im Jahr 2008 Ihren gut dotierten Job als Unternehmensberater aufzugeben und ein neues Vertriebskonzept für Fahrräder an den Markt zu bringen?

Die Erkenntnis, dass ein Markt entsteht, der noch von keinem bedient wird. Gepaart mit dem Wissen, dass ein Konzept wie stilrad°° nur funktioniert, wenn es zu hundert Prozent konsequent umgesetzt wird. Und ehrlicherweise lief und läuft die Marketingberatung ja noch parallel. Mit stilrad°° als Referenz, weil so mancher dadurch entdeckt, dass eine kluge Positionierung viel erfolgreicher ist als noch eine Kampagne.

Wünschen Sie sich allgemein mehr Mut zum Unternehmertum in Deutschland?

Auf jeden Fall. Es macht mich traurig, dass so viele schöne Ideen nie realisiert werden, weil der Deutsche dann doch oft ein Bedenkenträger ist.

Wie definieren Sie das Erfolgsgeheimnis von ­stilrad°°?

Wir haben uns nie von unserem Weg abbringen lassen, unseren Kunden ausschließlich die beste Produktauswahl in Sachen urbaner Mobilität mit einer Premium-Dienstleistung anzubieten. Der glückliche Kunde ist uns einfach wichtiger als der schnelle Umsatz.

Sie verkaufen also nicht in erster Linie Technik, sondern urbane Lebensqualität?

Absolut, Technik hat im Prinzip kaum Relevanz, da sie bei einem Fahrrad obligatorischer Bestandteil ist. Der Genuss, sich gut angezogen auf einem schönen Fahrrad zu bewegen, ist allerdings in der Tat ein Zugewinn an Lebensqualität.

Welche Rolle spielen E-Bikes in ihrem Sortiment? Wie sehen Sie die Entwicklung in diesem Segment?

Keine wirklich große. Unsere Kunden wollen sich bewegen und bewusst Fahrrad fahren. Ich glaube auch, dass das Thema E-Bikes medial sehr gepuscht ist und die wahren Verkaufszahlen bei weitem nicht so hoch sind.

Aus welchem Grund haben Sie ­stilrad°° in München gegründet und nicht etwa in der Fahrradstadt Münster? An wie vielen Standorten gibt es inzwischen ­stilrad°° Boutiquen?

Weil Münster zwar viele Fahrradfahrer hat, aber sicher nicht den Lifestyle und die Kaufkraft wie München. Und schlicht und ergreifend bin ich Münchner und damit meiner Heimat verpflichtet. Nach München gibt es nun stilrad°° in Zürich, Berlin, Frankfurt und Wien. More to come …

Wie wichtig sind Online-Verkauf und Social Media für Sie?

Immer wichtiger. Es ist ganz erstaunlich, wie gut sich die Kunden teilweise bereits online informiert haben. Viele sind dann zwar noch in einem der Showrooms, um auch das haptische Erlebnis zu haben, bestellen dann aber über den Online-Shop. Facebook und Co. nutzen wir natürlich, nicht nur, weil es zeitgemäß ist, sondern weil wir sowieso eine enge Beziehung zu unseren Kunden pflegen.

Inwiefern ist Ihr unternehmerisches Wirken auch ein ökologisches Statement?

Es ist nur ein indirektes Statement, aber weil wir nicht den Zeigefinger erheben, sind wir wahrscheinlich doch ökologisch korrekt. Wir sind sicher keine grüne Bewegung, aber wir leben und lieben den Respekt vor unserer Umwelt.
Wird das Auto in den Städten immer mehr an Bedeutung verlieren?
Ganz sicher wird es das, vermutlich schneller als wir  es uns vorstellen können. Wenn man mal ein wenig weiter zurückschaut, dann wird klar, dass die Städte – zumindest die historisch gewachsenen – nie für Autos gebaut wurden. So gesehen hat sich das Auto sehr schnell und massiv seinen Platz genommen, den es jetzt Stück für Stück wieder zurückgibt, unter anderem an die Fahrräder.

Wie sehen Sie die Zukunft der urbanen Mobilität, und was ist Ihre Vision mit ­stilrad°°?

Mobilität wird sich wandeln, vom Besitztum zur Verfügbarkeit. Also das richtige Verkehrsmittel zur richtigen Zeit am richtigen Fleck.

Welches sind für Sie die Herausforderungen auf dem Weg zu einer nachhaltiger lebenden Gesellschaft?

Die Herausforderung wird sein, Nachhaltigkeit nicht mit Zwang und Einschränkung zu verbinden, sondern zu zeigen, dass am Ende des Tages jeder Einzelne davon profitiert. Es darf auch Spaß machen.

Was zeichnet Ihre »Handschrift« aus? Was soll als Botschaft von ihr bleiben auf diesem Planeten?

Wenn ich allen ein wenig Mut geben kann, etwas zu probieren, von dem sie überzeugt sind, dann würde es mich freuen. Vielleicht erinnern sich die, die mich kennen, an mich als einen, der »immer gemacht hat«. Dann wäre das eine schöne Botschaft.