Nico Briskorn

Nico Briskorn, Jahrgang 1977, steuert seit Juli 2010 die Stabsstelle Corporate Social Responsibility der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH. In dieser Funktion treibt er maßgeblich die Geschäftsentwicklung in den Themen Gesellschaft und Ökologie voran. Das CSR-Team koordiniert und kommuniziert die gemeinnützigen Aktivitäten des Vereins und sorgt für einen umweltschonenden Ressourcenverbrauch. Vor allem aber konzipiert das CSR-Team neue Projekte, mit denen der Bundesligist unter dem Motto „Gemeinsam bewegen“ nachhaltige Impulse in den Bereichen Bildung, Integration, Gesundheit und Umwelt setzt. Bereits seit 2004 ist Nico Briskorn beim VfL Wolfsburg beschäftigt und verantwortete bis 2010 unter anderem die Themen Customer Relationship Management/Kundenclubs, seit 2008 in leitender Funktion. Daneben ist er in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen vertreten, unter anderem im Arbeitskreis für gesellschaftliches Engagement der Bundesliga-Stiftung. Nico Briskorn studierte Sportmanagement mit dem Schwerpunkt Sportmarketing an der Universität Leipzig.

Weitere Informationen:
www.vfl-wolfsburg.de/soziales

 

Profi-Engagement im Profi-Fußball

Der VfL Wolfsburg nimmt gesellschaftliche Verantwortung ernst und besetzt als erster Bundesligist eine Stabsstelle für Corporate Social Responsibility Die Fußballclubs der Bundesliga haben sich in den letzten Jahrzehnten, allein gemessen an ihrem Umsatz, den Mitarbeiterzahlen und professionellem Organisationsgrad, von Vereinen zu Wirtschaftsunternehmen entwickelt. Die gesellschaftliche Verantwortung, die sie damit tragen, ist Pflicht und Chance zugleich. Ihr Produkt, der Fußball, begeistert und wirkt in breite, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen hinein.

Fußball ist ein großer Motivator. Diesen Einfluss wollen wir nutzen und mit unseren Projekten Menschen auch für andere gesellschaftliche Belange begeistern und sensibilisieren. Das Bewegungs- und Bildungsprogramm Muuvit oder das in Zusammenarbeit mit Medienpädagogen entwickelte VfL-Wiki für den Schulunterricht sind nur zwei Beispiele für Projekte, mit denen sich der Verein direkt an Schulen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt richtet. Schülerinnen und Schüler über den Sport für die Lerninhalte der Schule zu begeistern und zu motivieren, steht bei den Programmen im Mittelpunkt.

Während in anderen europäischen Ligen gesellschaftliches Engagement bereits einen hohen Stellenwert hat, spielte es in der deutschen Fußballlandschaft lange eine untergeordnete Rolle. In der Premier League in England beispielsweise setzen sich Vereine wie der FC Chelsea oder Manchester City traditionell mit eigenen Lernzentren für bessere Bildung und Chancengleichheit ein. In der Bundesliga dagegen gehört der VfL Wolfsburg mit seinem umfassenden Engagement und der Initiative „Gemeinsam bewegen“ noch zu den Vorreitern.

Statt nur auf Anfrage Projekte finanziell zu unterstützen, verfolgt das CSR-Team einen strategischen Ansatz, hat Kernthemen herausgefiltert und fokussiert sein Engagement auf selbst entwickelte, miteinander vernetzte und langfristig angesetzte Projekte, die auf gesellschaftliche Veränderungen abzielen. Als erster Bundesligist folgt der VfL Wolfsburg zudem den in der Wirtschaft üblichen Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) und hat neben den ökonomischen auch die sozialen und ökologischen Aspekte des laufenden Betriebs in einem Nachhaltigkeitsbericht transparent gemacht. Für die Saison 2011/2012 hat er zudem seinen CO2-Fußabdruck so umfangreich wie bisher kein anderer Verein berechnen lassen und kooperiert seit Sommer 2012 mit dem Kinderhilfswerk UNICEF. Unter dem Motto „Wolfsburg United“ fördert der Verein von Unicef initiierte Bildungsprojekte in Brasilien und China mit Einnahmen aus internationalen Sponsorengeldern. Mit diesem umfangreichen und strategischen Einsatz führt der VfL Wolfsburg das gesellschaftliche Engagement auch in der deutschen Liga auf eine professionelle Ebene.

Der VfL Wolfsburg richtet sich mit der Initiative „Gemeinsam bewegen“ vor allem an Kinder und Jugendliche. Gerade bei jungen Fußballfans nehmen die Clubs und Spieler der Bundesliga eine besondere Vorbildrolle ein. Nach welchen Kriterien wählt das CSR-Team die Projekte aus? - Wir initiieren nur Projekte, bei denen wir glauben, wirklich etwas bewegen zu können. Das sollen keine Luftschlösser sein, die nur nach außen positiv wirken. Die erforderliche Expertise sichert sich das CSR-Team, indem es eng mit Partnern zusammenarbeitet. Exemplarisch für das Engagement des Vereins steht das VfLWiki. Gemeinsam mit Pädagogen und E-Learning -Experten von lernmodule.net hat der VfL Wolfsburg ein Wiki für den Schulunterricht entwickelt, das Fußballthemen mit relevanten LLerninhalten verknüpft. Das kontinuierliche Feedback der Lehrer und Schüler nutzt der VfL Wolfsburg, um das Angebot weiterzuentwickeln. Allen Projekten gemeinsam ist der Mitmach-Faktor. Wie beim Wiki binden alle Projekte des VfL Kinder und Jugendliche aktiv ein. Initiativen wirken nur langfristig, wenn alle sich unmittelbar einbringen. Deshalb wollen wir nicht nur über einen gesunden Lebensstil, ein umweltschonendes Verhalten oder Fairness im Umgang mit Menschen mit Behinderung aufklären, sondern zugleich auch dazu anspornen, das Verhalten selbst auszuprobieren und den Spaß daran zu entdecken.

Der VfL Wolfsburg ist mit diesem Engagement schon sehr weit und steht damit für eine Entwicklung, die auch vereinsübergreifend zunimmt. Mit der Gründung der Deutschen Bundesligastiftung hat die Deutsche Fußball Liga GmbH ein wichtiges Signal gesetzt. Der VfL Wolfsburg freut sich deshalb über Nachahmer. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des CSR-Arbeitskreises der Bundesligastiftung, welcher alle zwei Jahre eine Tagung initiiert, auf der sich alle Bundesligavereine über ihr gesellschaftliches Engagement und Best-Practice-Beispiele austauschen und voneinander lernen können.

CSR-Manager als Beruf und Berufung

Was bedeutet Ihnen Ihr „Beruf“ als CSR-Manager? Und wie war der Weg dorthin?

Das Thema CSR hat sich im Laufe meiner Arbeit beim VfL Wolfsburg ergeben – aber es passt zu mir. Ich bin neugierig auf Menschen sowie auf kulturelle, politische und regionale Besonderheiten. Im Rahmen meines Sportmanagement-Studiums an der Universität Leipzig habe ich zum Beispiel während eines dreimonatigen Praktikums auf Sri Lanka in sozialen Projekten mitgearbeitet. Bevor ich die Leitung der Stabsstelle CSR übernommen habe, war ich beim VfL Wolfsburg unter anderem für das Customer Relationship Management und die Kundenclubs verantwortlich. Das nötige Fachwissen zum Thema CSR habe ich mir aus der täglichen Praxis heraus erarbeitet – zum Beispiel durch intensiven Austausch mit Experten.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Viel Raum nimmt die Entwicklung neuer CSR-Projekte, die zum VfL Wolfsburg passen, ein. Und natürlich muss ich mit meinem Team dafür sorgen, dass die bestehenden Projekte gut laufen. Wichtig ist es auch, die CSR-Ziele intern mit den Abteilungen abzustimmen, damit wir alle an einem Strang ziehen – und die Geschäftsführung mit ins Boot zu holen. Um Partner zu gewinnen, darf das Netzwerken nicht zu kurz kommen, zum Beispiel in Arbeitskreisen, auf Konferenzen oder nach Diskussionsrunden, an denen ich als Sprecher oder Gast teilnehme.

Was freut Sie an Ihrer Arbeit besonders?

Wenn ich andere – ganz gleich, ob Kollegen, Medienvertreter oder Fans – davon überzeugen kann, dass wir beim VfL Wolfsburg unsere gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen, sind das schon besondere Glücksmomente. Im besten Fall kann ich mein Gegenüber zum Mitmachen anregen. Viel Freude macht es mir auch, die CSR-Workshops mit unseren Mitarbeitern zu moderieren oder Studierende zu begleiten, die bei uns wissenschaftliche Arbeiten schreiben.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie im Arbeitsalltag konfrontiert?

Es wird laufend hinterfragt, ob wir schon genug leisten bzw. in welchen Bereichen wir unser Engagement noch weiterentwickeln können. Und natürlich gibt es zwischendurch immer wieder Hürden zu überwinden, mal kleinere, mal größere. Alles geht leider nicht von heute auf morgen.

Welche persönlichen Eigenschaften und welche Ausbildung sind für Ihre Position notwendig?

Das Wichtigste: Man muss mit den Werten des Unternehmens übereinstimmen – schließlich soll man diese Werte glaubwürdig repräsentieren. Wer in den Bereich CSR einsteigen möchte, sollte zudem sehr strukturiert arbeiten und Projekte managen können. Außerdem muss man ständig andere überzeugen – da helfen neben einer positiven Einstellung und Offenheit für neue Themen und Menschen auch präzise Kenntnisse des Unternehmens, ein direkter Draht zu den Entscheidern und viel Ausdauer. Da die Zukunft des CSR-Engagement vor allem in Kooperationen zwischen Unternehmen, Zivilgesellschaft und Politik liegt, sollte man gut vernetzt sein und neben der eigenen Fachexpertise auch ein möglichst großes „Generalistenwissen“ aufbauen.