Nico Kempf

Für Nico Kempf, Jahrgang 1989, spielt der Fußball schon immer eine entscheidende Rolle in seinem Leben. Als ehemaliger badischer Auswahlspieler lebte er im Jugendalter noch den Traum des Profifußballers. Bereits mit 16 Jahren engagierte er sich als Jugendvertreter im heimischen Fußballkreis. Nach seinem Abitur nahm er im Jahr 2009 sein Studium der Sportökonomie an der Universität Bayreuth auf. Erste Kontakte zum Behindertensport knüpfte er 2011 mittels der Organisation der Deutschen Fußball-Meisterschaft für intellektuell beeinträchtigte Menschen in Bayreuth. Im Rahmen der Inklusionsinitiative des Deutschen Fußball-Bundes ist er seit 2012 als Koordinator für Inklusionsfußball im Bayerischen Fußball-Verband tätig. Seine Bachelorarbeit verfasste er in Zusammenarbeit mit der DFB-Stiftung Sepp Herberger zum Thema „Wirtschaftliche Chancen des Inklusionsfußballs für Breitensportvereine.“ Nico Kempf ist selbst noch aktiver Fußballtrainer und -Spieler im oberen Amateurbereich und befindet sich aktuell im Masterstudium der Sportökonomie an der Universität Bayreuth. Sein Ziel ist es den Fußball zu nutzen, um Menschen zu fördern.

Ein nachhaltiges Engagement im Behindertenfußball lohnt sich

Der Fußball ist unumstritten die Sportart Nummer 1 in Deutschland. Dies gilt sowohl für Menschen ohne, als auch für Menschen mit Handicap. In vielen Fußballvereinen jagen bereits Fußballer mit Handicap dem runden Leder nach. Aus unterschiedlichen Gründen, u.a. mangelnde Akzeptanz, haben jedoch nicht alle beeinträchtigten Menschen die Möglichkeit ihrem Lieblingssport in einem Verein nachzugehen. Das Ziel muss daher sein, nachhaltige und flächendeckende Strukturen im Behindertenfußball zu schaffen, um möglichst vielen beeinträchtigten Menschen den Weg in die Vereine zu ebnen.
Menschen mit Handicap haben das Recht auf ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Sportangebot in einem Fußballverein. Nicht der beeinträchtigte Mensch soll sich anpassen, sondern die Gesellschaft muss den Zugang zur Partizipation ohne Ausgrenzung ermöglichen. Die rund 26.000 Vereine in Deutschland müssen somit ihre Barrieren abbauen, um beeinträchtigte Menschen in die Vereinsstrukturen zu integrieren.
Für die Menschen mit Handicap kann das Fußballspielen unter dem Dach eines Fußballvereins (Inklusionsfußball) eine große Bedeutung in ihrem Leben einnehmen. Durch den Inklusionsfußball können sie Gleichberechtigung erfahren und an der Gesellschaft teilnehmen. Weiterhin können sie das Gefühl von Wertschätzung, Respekt und Anerkennung erhalten. Der hohe pädagogische Wert des Fußballs kann genutzt werden, um Grenzen spielerisch zu überwinden und soziale Kompetenzen zu fördern.

Fußballvereine hingegen sind bereits häufig per Satzung zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung verpflichtet und profitieren daher von Subventionen und steuerlichen Erleichterungen. Folglich darf sich das Vereinsleben nicht nur auf das Angebot von Sportmöglichkeiten beschränken, sondern muss sich auch gesamtgesellschaftlichen Her-ausforderungen, z.B. die Inklusion von Menschen mit einer Beeinträchtigung, stellen. Das Engagement im Behindertenfußball könnte somit als gesellschaftliche Verpflichtung für Vereine bezeichnet werden. Über mögliche Verpflichtungen hinaus, kann der Verein von einem nachhaltigen Engagement im Behindertenfußball auch in ökonomischer Sicht profitieren. Der Inklusionsfußball kann beispielsweise das Image verbessern oder die Bekanntheit des Vereins erhöhen. Weiterhin könnte sich ein Verein durch das besondere soziale Engagement von anderen konkurrierenden Vereinen differenzieren. Ferner ist auch die Gewinnung neuer bzw. eine verstärkte Identifikation der vorhandenen Mitglieder denkbar. Diese und viele weitere Entwicklungsmöglichkeiten kann ein Engagement im Behindertenfußball für den Verein generieren.

Unabhängig von ökonomischen Chancen gibt es jedoch noch gewichtigere Argumente, um Vereine für ein Engagement im Inklusionsfußball zu überzeugen. Die integrative Kraft des Fußballs schafft es, unbezahlbare Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen. Der Fußballsport als gemeinsamer Fixpunkt baut Brücken und verbindet die Menschen untereinander.
Ein nachhaltiges Engagement im Behindertenfußball lohnt sich sowohl für den Verein als auch insbesondere für die Menschen mit Handicap.