Nina Kogge

Dr. Nina Kogge begann ihre berufliche Laufbahn als Rechtsanwältin bei Freshfields Bruckhaus Deringer, um nach einiger Zeit in das Bayerische Finanzministerium zu wechseln. Nach Erfahrungen in diesen beiden Stationen und der Rückkehr in die Anwaltschaft gründete sie zusammen mit zwölf Kolleginnen und Kollegen SATELL, wo sie bis Juni 2015 als Partnerin für den Bereich Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht stand. Seit 2011 widmete sie sich verstärkt der Nachhaltigkeit in mittelständischen Unternehmen mit ihren verschiedenen Ansatzpunkten. In ihrer Freizeit leitet Nina Kogge unter anderem seit 2009 mit viel Engagement und Enthusiasmus einen Kindergarten - das Kinderhaus Bullerbü.

Weiterführende Informationen:
www.satell.de
www.update-kapitalmarktrecht.de
www.kinderhaus-bullerbue.de

 

Nachhaltigkeit hat viele Facetten

Der erste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit passiert im Kopf. Das gilt für alle Bereiche, in denen man sich für eine nachhaltige Herangehensweise und für nachhaltiges Handeln entscheiden kann, sei es im Privatleben oder in der Berufswelt. Nachhaltigkeit ist möglich im Umgang mit der eigenen Umwelt in jeder Form, in der sie uns begegnet.

Nachhaltigkeit – ein Thema für den Mittelstand

Als ich vor einigen Jahren mit einem Kollegen zusammen auf das Thema Nachhaltigkeit stieß, war mein erster Eindruck, es mit einem schwer greifbaren und sehr abstrakten Begriff zu tun zu haben. Die Beschäftigung damit belehrte mich bald eines Besseren. Mittlerweile weiß ich, dass es unzählige konkrete Anknüpfungspunkte für Nachhaltigkeit gibt – wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen.

Die juristischen Anknüpfungspunkte für Nachhaltigkeit sind zahlreich und damit bisweilen auch unübersichtlich. Derzeit besteht in Deutschland keine Verpflichtung für Unternehmen zur Berichterstattung über ihre Nachhaltigkeitsleistungen und ihr Nachhaltigkeitsmanagement. Die EU-Gesetzgebung weist allerdings deutlich in diese Richtung. Insofern lohnt es sich, den ersten Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu machen. Dies muss kein großer Schritt sein.

Die Rückmeldungen derjenigen Mittelständler, die sich dazu durchgerungen haben, sich mit Nachhaltigkeit in irgendeiner Form zu beschäftigen, sind durchweg positiv. Denn entscheidend ist es nicht, einen mehrere hundert Seiten starken und bebilderten Hochglanzprospekt zu verfassen, um die Leistungen eines Unternehmens für Nachhaltigkeit herauszustellen. Vielmehr ist allein von Bedeutung, dass sich die Verantwortlichen eines mittelständischen Unternehmens das Thema „Nachhaltigkeit“ bewusst machen, für die Einführung einer nachhaltigen Unternehmenskultur entscheiden und anfangen, sich konkret mit der Umsetzung zu befassen.

Nach diesem Bekenntnis zu nachhaltiger Unternehmensführung gestaltet sich der weitere Weg je nach finanzieller und personeller Ausstattung eines Unternehmens. Am Anfang steht sicherlich die interne – und gerne auch zunächst lückenhafte – Bestandsaufnahme im Unternehmen mit Hilfe eines der zahlreichen Leitfäden. Nach unseren Erfahrungen führt allein diese dazu, dass sich das Bewusstsein im Unternehmen ändert. Aufgabe der Verantwortlichen ist es in einem nächsten Schritt, eine Entscheidung zu treffen, in welchen Bereichen und in welchem Umfang ein Nachhaltigkeitsmanagement etabliert werden soll. Dies kann je nach zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen, Zuschnitt des Unternehmens und ggf. branchenspezifischen Schwerpunkten stark variieren.

Sobald das Nachhaltigkeitsmanagement umgesetzt ist, sollte es kontinuierlich gepflegt und verfolgt und die Ergebnisse ausgewertet werden. Inwieweit und in welcher Form der Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsuntersuchungen in einem Unternehmen Bericht erstattet wird, bleibt dem Unternehmer oder der Unternehmerin derzeit selbst überlassen.

Auf diese Weise kann jedes Jahr ein kleines oder größeres Stück auf dem Weg zu einem Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen zurückgelegt werden. Das einzige, was zählt, ist: sich für diesen Weg zu entscheiden.

All dies gilt in erster Linie für den klassischen Mittelständler und nicht für den international tätigen Großkonzern. Fast alle in Deutschland ansässigen Großkonzerne beschäftigen sich intensiv mit Nachhaltigkeit, halten ganze Abteilungen dafür vor und leisten mitunter wahre Sisyphos-Arbeit. Druck, Aufwand und Qualitätsanspruch sind für Unternehmen dieses Zuschnitts ungleich größer als für den durchschnittlichen kleinen und mittelgroßen Mittelständler. Und auch für Letztere ist die Entscheidung für Nachhaltigkeit in jedem Fall mit individuell unterschiedlichem Aufwand verbunden.

Ein „Ja“ zur nachhaltigen Unternehmensführung bringt neben den auf der Hand liegenden Vorteilen noch weitere mit sich: Es ist wahrscheinlich, dass eine Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen über kurz oder lang verpflichtend werden wird. Für denjenigen, der sich bis dahin bereits mit dem Thema befasst haben wird, wird das keine große Umstellung und keinen signifikanten finanziellen und personellen Mehraufwand bedeuten. Und auch Investoren setzen verstärkt auf nachhaltig agierende Unternehmen am Markt.

Nachhaltigkeit – ein Thema für künftige Generationen

Im Jahr 2009 habe ich zusammen mit einigen anderen engagierten Müttern das Kinderhaus Bullerbü, einen kleinen und für mich ganz besonderen Kindergarten, gegründet. Die Beschäftigung für und mit dem Kindergarten zeigt mir immer wieder: So unterschiedlich Kinder sind, so deutlich spiegeln sie uns – jedes auf seine Art – das, was wir ihnen vorleben. Leben wir ihnen einen nachhaltigen Lebensstil vor, so werden sie Muster in ihr Verhaltensrepertoire übernehmen und (hoffentlich!) automatisch einen nachhaltigen Lebensstil wählen. Das bedeutet, dass sie Dinge, über die wir möglicherweise noch nachdenken und für die wir uns entscheiden mussten, ganz selbstverständlich in ihr Handeln integrieren werden. Was Nachhaltigkeit dabei bedeutet, kann und muss jeder für sich selbst entscheiden.

Das pädagogische Konzept im Kinderhaus Bullerbü ist differenziert und vielschichtig, aber zwei Kernbotschaften ziehen sich durch alle Bereiche. Sie lauten: „Stärken stärken“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“. Auf der einen Seite scheint es – vielleicht sogar noch mehr als früher – wichtig, den Kindern ein gesundes und wahrhaftiges Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu geben und ihnen das Werkzeug für eine realistische Selbsteinschätzung zu vermitteln. Andererseits ist es ebenso wichtig, ihnen Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft und Wohlwollen anderen gegenüber mit auf den Weg zu geben. Wenn es darüber hinaus noch gelingt, hierbei auf die ganz persönlichen Bedürfnisse, Talente und Schwächen jedes einzelnen Kindes einzugehen, wenn Eltern und Pädagogen bereit sind, erfolgreich zum Wohl des Kindes zusammenzuarbeiten, dann ist dies eine lohnende Investition in unsere Zukunft.

Im Begriff der Nachhaltigkeit wird für mich Vieles zusammengeführt, was uns und unsere Zukunft entscheidend beeinflussen kann: Respekt, Wertschätzung, Einfühlungsvermögen, Toleranz und Wohlwollen gegenüber jeder Ausprägung von Umwelt – gegenüber Mensch, Tier oder Ressourcen gleichermaßen.

Stand: Juli 2015